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Über die Allgegenwärtigkeit der Astrologie

Mitte des 16. Jahrhunderts in Münster

Die astronomische Uhr im Dom zu Münster, Westfalen, Teil 1

Über den Stellenwert der Astrologie in Münster und über das Weltbild der Münsteraner Bürger Mitte des 16. Jahrhunderts gibt in ganz besonderer Weise die astronomische Uhr im Dom Auskunft.

 

Von Patricia Scharf

Als die Münsteraner Anfang des Jahres 1536 das vielleicht dunkelste Kapitel ihrer Geschichte beendeten, indem sie die führenden Wiedertäufer nach einem Prozeß hinrichteten, hatten sie zwei Jahre einer Herrschaft hinter sich, die in der Suche nach dem wahren Glauben zu Beginn der Reformationszeit ihren Ursprung hatte und im Ausbleiben der prophezeiten Wiederkunft Christi mit einer Rückkehr zum katholischen Glauben endete. Auf dem Höhepunkt ihrer Herrschaft hatten die Wiedertäufer um ihren Anführer Jan van Leyden für das Osterfest des Jahres 1535 die Wiederkunft Christi für

Diese Käfige an der Lambertikirche erinnern noch heute an die Wiedertäuferära in Münster. Zur Abschreckung wurden darin die Leichen der drei führenden Wiedertäufer zur Schau gestellt und verrotteten nach und nach. Die Körbe sind bis heute erhalten geblieben und eine wichtige Sehenswürdigkeit der Stadt.

Münster vorausgesagt. Die Annahme für die außergewöhnliche Erwartung des Jüngsten Gerichtes in der Stadt, wurden durch Himmelsereignisse wie Mond- und Sonnenfinsternisse sowie Kometenerscheinungen geschürt, die seit 1517 häufig auch am Himmel über Münster beobachtet werden konnten. Und weil ihre Stadt somit den Auserwählten vorbehalten sei, war es für die Münsteraner Wiedertäufer folgerichtig, diese mit dem "Königreich Zion" als neues "altes Jerusalem" gleichzusetzen. Die Herrschaft der Wiedertäufer gipfelte unter anderem in einem Bildersturm, der auf die Zerstörung aller Werke abzielte, die die alte, überkommene Kirche versinnbildlichten. Im Dom war eine Menge des Inventars betroffen. Völlig zerstört wurde die astronomische Uhr. Als nach dem Ende der Wiedertäuferära die Münsteraner Bürger ein neues gesellschaftliches Leben in ihrer Stadt etablierten, war es ihnen wohl sehr wichtig, im Dom auch eine neue Uhr als Sinnbild ihres neu gewonnen Selbstverständnisses zu errichten.

Sie müssen dafür weder Kosten noch Mühen gescheut haben, denn für die Herstellung der neuen Uhr wurden der Uhrmacher Dietrich Tzwyfel und der Maler Ludger tom Ring und seine Werkstatt über zwei Jahre hinweg von 1540 bis 1542 beschäftigt.

Gesamtansicht der astronomischen Uhr.
Foto: Konrad Dahlmann, Münster

Der damalige Domprediger Johann von Aachen stellte die für die Uhr nötigen Berechnungen an, und in der Werkstatt des Schlossers Windemaker wurden die Schmiedearbeiten vorgenommen. Das Ergebnis all dieser Bemühungen ist ein Meisterwerk, das in der obersten Liga aller erhaltenen astromischen Uhren mitspielt und sich durch Besonderheiten und Einzigartigkeiten von den Vergleichsstücken abhebt.

Astronomische Uhren waren Meisterwerke der Technik und als solche wurden die sog. Räderuhren in großer Zahl vom 14. bis zum 16. Jahrhundert gebaut. Jede europäische Stadt, die über die nötigen Mittel verfügte, leistete sich einen „ Zeitanzeiger“. Die kleineren Modelle zeigen neben der Zeit in Stunden auch die Mondphasen an. An größeren Versionen lassen sich verschiedene Parameter der Zeit ablesen.

Für den Ostseeraum ist ein besonderer Typus von astronomischen Uhren bezeugt (nach Schukowski: Hanseuhren), der durch den häufig gewählten Aufstellungsort in Kirchen, neben Stunden auch religöse Symbole (Evangelisten) oder geographische Entsprechungen (Symbole der Winde) aufwies.

Die astronomische Uhr im Dom von Münster wird diesem Typus der Hanseuhren zugeordnet und gibt in besonderer Weise Auskunft über die Ansichten und die Weltanschauung ihrer Erbauer und Auftraggeber. Dass sowohl Religion als auch Astronomie in diesem Weltbild eine besondere Rolle spielten, mag den heutigen Betrachter nicht verwundern. Dass aber die Astrologie, die in dieser Zeit eine Einheit mit der Astronomie bildete bzw. die Astronomie als „Hilfswissenschaft“ benutzte, einen ganz besonderen Stellenwert zu haben schien, mögen vorzugsweise die Menschen der damaligen Zeit und die Astrologen der heutigen Zeit bemessen können. Auch wenn es ihre Artgenossen in Prag und Straßburg bis heute zu mehr Berühmtheit gebracht haben, gibt unter allen erhaltenen großen astronomischen Uhren die astronomische Uhr im Dom zu Münster am umfangreichsten Auskunft über das kosmische Weltbild ihrer Erbauer, der Münsteraner Bürger der Zeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts.

Wie bereits erwähnt, ist die Uhr in den Jahren 1540-42 entstanden und vermittelt bis auf wenige Übermalungen und Hinzufügungen aus späteren Jahren einen guten Eindruck des Zustandes aus dieser Zeit. Für Münster war dies die kunsthistorische Epoche der Renaissance.

Die Uhr weist eine, bei astronomischen Uhren häufig anzutreffende Dreiteilung auf:

Unten ist oft, wie in Münster auch, eine Kalenderscheibe angebracht. Bei diesem Modell wurde die Kalenderscheibe etwas zurückgesetzt, hinter einem geschmiedeten Gitter liegend, vor allzu interessierten Betrachtern geschützt. Gleichzeitig ermöglicht das Gitter dem Betrachter auch, sich der Uhr recht gut zu nähern und sich in das Studium der zahl- und detailreichen Aufschriften zu vertiefen, ohne zu viel Schaden anzurichten.

Der Mittelteil besteht aus dem eigentlichen Uhrenteil mit seinen Anzeigen. Das Zentrum bildet ein großes Astrolabium. In Münster weist dieser Mittelteil einige Besonderheiten auf.

Der obere Giebelteil wurde bei den dreiteiligen astronomischen Uhren häufig mit einem Figurenlaufwerk versehen. Der Umlauf der Hl. Drei Könige um eine Marienstatue, wie hier, war dabei ebenfalls sehr beliebt. In ähnlicher Art ist der Figurenumlauf an der Prager astronomischen Uhr zu finden. Allerdings werden dort, sehr zu Unrecht, mittäglich ungleich mehr Touristen als in Münster in Staunen versetzt.

Die Dreiteilung der Uhren zeigt auch gleichzeitig eine Dreiteilung der Zeit oder des Universums -in der Entsprechung der Dreifaltigkeit- in:

  • Unten, auf Augenhöhe des Betrachters - Erde/ das Irdische
  • Mitte, über dem Betrachter - Himmel/ die Sterne
  • Oben, für den Betrachter in großer Höhe (am besten mit einem heute verfügbaren Opernglas zu erkennen) - der Kosmos und das Transzendente/ das Göttliche

Foto: Chr. Bathe, 1963

Die Kalenderscheibe hat einen beachtlichen Durchmesser von ca. 1,5 m und zeigt mehrere Komponenten der durch die Jahres- bzw. Planetenläufe eingeteilten „irdischen“ Zeit an. Eine dreiteilige, sich drehende Kalenderscheibe, zeigt im Zentrum unter anderem 12 runde Monatsbilder. Die Darstellung dieser Monatsbilder haben eine lange Tradition und sind in dieser Art häufig bereits in der Buchmalerei zu finden. Sie zeigen Menschen bei Arbeiten, die in der jeweiligen Jahreszeit oder im jeweiligen Monat üblich sind.

In den Zwickeln dieser Rundbilder zur Mitte hin werden die Symbole der jeweils passenden Tierkreiszeichen gezeigt. Diese etwas versetzte Anordnung macht durchaus Sinn, da ja die Tierkreisabschnitte nicht mit den Monatsanfängen und –enden identisch sind, sondern versetzt, etwas nach der Monatsmitte enden und beginnen. Die Tierkreiszeichensymbole sind mit verschiedenen Farben wiedergegeben, wobei darauf geachtet wurde, jedem Symbol des gleichen Elementes die selbe Farbe zuzuordnen. Auf das jeweils geltende Tierkreiszeichensymbol zeigt das Schwert der in der Mitte der Scheibe plazierten Figur des Apostels Paulus. Paulus ist der Namenspatron des Domes. Als einer der 12 Apostel steht er einerseits für die Verkündung des Evangeliums „auf der Erde“, andererseits werden die 12 Apostel auch mit den 12 Monaten des Jahres gleichgesetzt und versinnbildlichen so die Einteilung des Jahres. Die Zahl 12 steht ebenso für die Anzahl der Tierkreiszeichen. Eine analoge Darstellung der Apostel mit den Tierkreiszeichen findet sich bereits in der frühchristlichen Kunst.

 

Fotos: Konrad Dahlmann, Münster

Um die Rosette mit den Monatsbildern befindet ein beschrifteter Rand, der Sprüche zu den jeweiligen Monaten in lateinischen Versen aufführt. Alle Beschriftungen der Uhr sind selbstverständlich in der liturgischen Sprache Latein verfaßt.

 

Fotos: Konrad Dahlmann, Münster

 

Nach außen hin folgt nun ein Ring mit je einem Feld für jeden der 365 Tage eines Jahres. Eine Wappenfigur, die am äußeren Rand der Scheibe plaziert ist, zeigt mit einem Schwert auf den jeweils gültigen Tag.

Ein weiterer Zeiger, der von der Paulusfigur ausgeht, deutet auf das jeweils gültige Jahr auf dem äußersten Ring der Scheibe. Der „fast ewige“ Kalender dieser äußeren Scheibe listet alle Jahre vom Entstehungsjahr der Uhr biszum Jahr 2071 (!) auf.

Fotos: Konrad Dahlmann, Münster

Auf der Kalenderscheibe gibt es weitere Angaben zu Fest- und Feiertagen und Symbole, mit denen die Sonntage und unter anderem das für das Kirchenjahr so wichtige Osterdatum berechnet werden kann. Abhängig vom Osterdatum werden die weiteren beweglichen Feiertage ermittelt. Unter anderem findet man hier auch die sog. Goldenen Zahlen (1-19), die die Mondphasen wiedergeben. Nach 19 Jahren wiederholen sich die Mondphasen ab dem selben Datum. Die ermittelten Daten richten sich nach dem damals noch gültigen julianischen Kalender.

Literatur:

Géza Jászai: Der Dom zu Münster und seine Kunstschätze. Münster 2001.
Günther Oestmann: Die astronomische Uhr des Straßburger Münsters. Diss. 1991, Berlin 2000.
Manfred Schukowski: Die astronomische Uhr in St. Marien zu Rostock. Königstein/ Ts. 1992.
Theodor Wieschebrink: Die astronomische Uhr im Dom zu Münster. Münster/ Westf. 1968.

Es folgt: Teil 2. Die astronomische Uhr im Dom zu Münster. Über das Weltbild der Münsteraner und die Sterne über Münster.

Über die Autorin

Patricia Scharf

E-Mail:

Patricia Scharf, Heidelberg, beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Astrologie und hat ihre Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte über "Das Bildprogramm der astronomischen Uhr im Dom zu Münster" verfaßt.

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