
Wir leben in spannenden Zeiten mit besonderen Planetenkonstellationen, denn langsamlaufende Planeten wechseln ihre Zeichen. Für uns Astrologinnen und Astrologen Planeten gilt es mal wieder ganz genau hinzuschauen. Neptun und Saturn wechseln in Widder und die gradgenaue Konjunktion der beiden fand am 20.02.2026 statt. Man spricht von einer „Zeitenwende“, von einer „neuen Ära“, einem „Schwellenjahr“ oder vom „Aufbruch“. Das mag darin begründet sein, dass es nicht nur um die Konjunktion geht, die bereits ein Hingucker ist, sondern die beiden befinden sich im Übergang vom Zeichen Fische in den Widder – also in der kosmischen Spalte.
Die nachfolgenden Ausführungen beleuchten die kosmische Spalte aus verschiedenen Blickwinkeln heraus.
Wie wird ganz allgemein „Spalte“ definiert?
Eine Spalte ist eine Lücke in der Art einer Einkerbung in eine Oberfläche oder eine langgestreckte Durchbrechung. Eine Spalte ist also eine Bruchstelle an der etwas getrennt wird. In einem räumlichen Zusammenhang gesehen, entsteht so etwas wie ein Eingang oder Ausgang. Das bedeutet, es gibt ein Innen und ein Außen, je nach dem wo der Betrachter steht. Hier kann etwas hinein, aber auch hinaus. Das vorliegende Thema beleuchtet die kosmische Spalte im astrologischen Tierkreis. Wir sprechen also von einer Lücke in einem Kreis.
In der geometrischen Lehre gibt es keinen Kreis. Die wissenschaftliche Definition eines Kreises ist eine sogenannte Kurve oder gleichmäßige, gebogene Linie, dessen Anfang und Ende sich, je nach Biegung irgendwo treffen. Es ist also ein eindimensionales Gebilde und keine zweidimensionale Fläche. Da das Wort „Kreis“ aber oft ungenau für die eingeschlossene Fläche verwendet wird, sagt man zur Verdeutlichung häufig Kreislinie oder Kreisrand statt Kreis – im Gegensatz zur Kreisfläche oder geschlossenen Kreisscheibe.
Die kosmische Spalte
Das deutlichste Merkmal eines Horoskopes, neben Aspektbild und Häusern, ist natürlich der Tierkreis. Als Betrachter eines Horoskops empfindet man das Aspektbild und die Planeten als Innen, und der Tierkreis mit seinen zwölf Zeichen dient als Grenze zum Außen. Außerhalb des Tierkreises ist „draußen“ – und dort ist nicht nichts. Draußen ist der Kosmos, der Makrokosmos. In der Mitte des Tierkreises ist die Seele (siehe Huber-Methode). Die Seele nimmt Kontakt mit den Planetenqualitäten über die Aspekte auf. Hinzu kommen die Färbungen der Zeichen und die Einflüsse der Häuser, der Umwelt. Hier regiert der Mikrokosmos.
Wir wissen, dass es nach dem esoterischen Grundprinzip heißt „wie innen so außen“ oder „wie unten so oben“. Mikrokosmos gleich Makrokosmos. Der Makrokosmos spiegelt den Mikrokosmos oder – der Kosmos spiegelt ein Menschenleben – und umgekehrt. Somit zeigt sich unser Inneres im Außen und – umgekehrt. Es ist alles in allem – also gibt es keine Grenzen. Der Mensch erlebt sich aber häufig in der Vorstellung von Innen und Außen und empfindet den „Einfluss“ von Außen auf sein Inneres.
Doch irgendwo gibt es eine Lücke, eine Spalte. Im Tierkreis befindet sich kosmische Spalte zwischen 29° Fische und 1° Widder. Hier kommen Anfang und Ende zusammen.
Die Kosmische Spalte ist eine Tür und was passiert dort? Kommt etwas herein oder kann etwas hinaus? Und wenn ja was?
Der kosmische Einfluss hat durch diese offene Tür ungehinderten Zutritt in unseren Mikrokosmos. Dieser Zutritt geschieht ohne den Einfluss von Zeichen, Haus oder Planet – eine beeindruckende Vision. Reine kosmische Energie – ungehindert und ungefiltert. Der Eingang ist aber keine Einbahnstraße, sondern auch ein Ausgang, und somit beidseitig befahrbar. Was kann hinaus? Wir können unsere Persönlichkeit, unseren Mikrokosmos als Teil vom Ganzen ungehindert in den Kosmos einfließen lassen und somit ebenfalls Einfluss nehmen – eine gewaltige Vorstellung. Hier sind wir verbunden oder angebunden an den Makrokosmos – ungefiltert und ungehindert.
Und nun nehmen wir an, genau an oder in dieser Lücke zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos steht ein Planet oder der AC. Zwischen den Welten?! Die individuelle Planetenqualität ist diesem Einfluss ausgesetzt oder kann direkten Einfluss nehmen. Ist das ein Fluch oder eine Gabe? Ist die Planetenqualität verschwommen, ein lebenslanges Wirken zwischen den Welten oder der himmlische Zugang zum Göttlichen? Oder beides in einem?
Auf jeden Fall ist es ein Leben zwischen Anfang und Ende. In jedem Ende ist ein Anfang – und umgekehrt. Man wird geboren, um zu sterben. Man stirbt, um wiedergeboren zu werden. Gerade das Empfinden von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft macht unser Menschsein aus. Wir alle leben in einer Zeit zwischen den Zeiten, zwischen gestern und heute.
Menschen, die zum Beispiel mit der Sonne auf der kosmischen Spalte geboren werden, leben in doppelter Hinsicht zwischen den Welten. Sowohl linear auf die Zeit bezogen, als auch vertikal auf Himmel und Erde bezogen, also auch noch zwischen Oben und Unten. Die kosmische Spalte steht auch für die geistige Rückverbindung nach „oben“. Heißt dass, das Merkur an dieser Stelle seinem Auftrag als Götterbote besonders gerecht werden kann?
Zwischen Anfang und Ende aus astronomischer Sicht
Astronomisch wird der Anfang durch das Frühlings-Äquinoktium festgelegt. Dieser Zeitpunkt variiert und fällt auf der Nordhalbkugel auf den 20. oder 21., selten auch auf den 19. März. In dieser Zeit läuft die Sonne durch den Frühlingspunkt – auch Widderpunkt genannt -und überschreitet auf ihrer scheinbaren jährlichen Bahn am Himmel, den Himmelsäquator von Süden nach Norden. Danach befindet sie sich auf der nördlichen Himmelshälfte, das heißt, die Nordhalbkugel der Erde ist der Sonne zugewandt. Zu den Tagundnachtgleichen – so wird dieser Zeitpunkt auch genannt – sind überall auf der Erde Tag und Nacht ungefähr gleich lang, weil jeweils die Hälfte der täglichen Sonnenbahn (dem Tagbogen) oberhalb bzw. unterhalb des Horizonts liegt. Überall auf der Erde geht die Sonne fast genau im Osten auf und im Westen unter.
Zwischen Anfang und Ende aus astrologischer Sicht
Mit dem Zeichen Fische endet der Tierkreis und mit Widder fängt er an. Die Lücke zwischen Anfang und Ende reicht von 29° Fische bis 1° Widder. Es gibt insgesamt 12 Übergänge zwischen den Tierkreiszeichen. Doch besonders der Übergang zwischen Fische und Widder ist so gravierend in seiner Qualität, dass es sich lohnt, näher darauf einzugehen und die kosmische Besonderheit dieser Spalte hervorzuheben.
Die Fische, als letztes Zeichen im Kreis, sind ein Zeichen der Auflösung. Der Kreislauf findet seinen Abschluss, das Wasser verdunstet, fällt als Regen ins Meer des Unbewussten, um sich im sensiblen Chaos neu zu formieren. Schon das Fische-Symbol verdeutlicht diese Qualität. Es stellt zwei aufrechtstehende, gegeneinandergestellte Halbmonde dar, die abnehmende und zunehmende Sichel, verbunden durch eine Horizontale: die Karmakette. Der rechtsstehende Halbbogen symbolisiert die Seeleninhalte der jetzigen Inkarnation, die im Fischedurchgang verarbeitet werden, und in der linksliegenden Mondsichel der Seele für den Neubeginn als Erfahrungswerte zur Verfügung stehen. Gleichzeitig versinnbildlicht die Horizontale die Spannung zwischen Diesseits und Jenseits.
Fische sind ein introvertiertes, seelisch bewegliches Zeichen. Der Mensch muss mit sich selbst ins Reine kommen, indem er allein durch die „Nebelwand“ oder durch die „Dämmerung“, wo alles konturenlos ist, gehen muss. Außer seinen eigenen Gedanken und seinem Gottvertrauen wird ihn niemand begleiten. Er trägt das Diesseits und Jenseits gleichermaßen in sich.
Ganz anders der Widder. Widder ist das Sinnbild des Erscheinens und Beginns. Auch hier verdeutlicht das Symbol des Widders ein sich nach Entfaltung drängendes Prinzip, das von einem Kern, von einem Zentralpunkt ausgeht. Die beiden auseinanderstrebenden Bogenteile symbolisieren den Drang zur Ich-Durchsetzung. Das Prinzip ist die Kraft, die von innen nach außen wirkt. Der Widder geht aus sich heraus. Er drängt jede Behinderung zur Seite, wie der Grashalm, der aus der Erde hervorspießt. Sein Wesen liebt keine Umschweife, sondern eine extrovertierte, feurige, kardinale und offene Direktheit.
An keiner Stelle im Horoskop treffen sich zwei so unterschiedliche Qualitäten, die das Ende und den Anfang so deutlich repräsentieren. Kennzeichnend ist, dass das Ende einer Fische-Qualität ein Prozess der langsamen Auflösung ist. Ganz im Gegensatz zu einem plötzlichen, zum Beispiel plutonischen Ende. Das Fische-Ende gleicht einem Hinübergleiten, einem geheimnisvollen Übergang in eine andere Welt oder einem Zerfallen ins Nichts. Auch hier entsteht eine Welt zwischen den Welten.
Der Nebel oder die Dämmerung
Verschiedene Untersuchungen und persönliche Beratungen haben gezeigt, dass eine starke Fische-Qualität, wie die Stellung von Sonne, Mond oder AC auf dem Nullpunkt mit Worten wie Schwebezustand, Nebel, mystische Erfahrungen, subtile Zustände oder fehlende Bodenständigkeit beschrieben werden. In diesen Beschreibungen liegt etwas Gemeinsames von „irgendwo dazwischen sein“. Die Grenzen verschwimmen und Anfang und Ende gehen ineinander über, wie in der Dämmerung.
Als Dämmerung bezeichnet man den fließenden Übergang zwischen Tag und Nacht. Man unterscheidet zwischen der Abenddämmerung – dem abendlichen Übergang von der Helligkeit des Tages zur Dunkelheit der Nacht nach Sonnenuntergang – und der Morgendämmerung – dem gegensätzlichen Fall des morgendlichen Übergangs von der Dunkelheit zur Helligkeit vor Sonnenaufgang.
Die Dämmerung bezeichnet den Zeitraum, in dem gestreutes Restlicht der Sonne, die unter dem Horizont steht, sichtbar ist. Blaue Stunde ist der poetische Begriff für die Zeit der Dämmerung zwischen Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit, sowie für die Zeit kurz vor Sonnenaufgang in der das künstliche Licht etwa dieselbe Helligkeit wie die natürliche Lichtquelle hat. Ihren Namen hat sie von der tiefblauen Färbung des klaren Himmels in dieser Zeit und wird verursacht durch die unterschiedliche Streuung des Sonnenlichts in der Atmosphäre und durch die Filterwirkung der Ozonschicht.
Die heilige Stunde der Dämmerung.
Jeder Tag hat einen Augenblick, in dem es schwer fällt klar und deutlich zu sehen – die Dämmerung. Licht und Dunkelheit vermischen sich und nichts ist vollkommen hell oder vollkommen dunkel. In den meisten spirituellen Traditionen ist dieser Augenblick heilig. Die katholische Tradition lehrt uns, dass wir um 6 Uhr nachmittags ein Ave Maria beten sollen. Einer südamerikanischen Tradition zufolge müssen wir einen Freund, den wir nachmittags getroffen und begrüßt haben, noch einmal begrüßen, wenn wir bei Anbruch der Dämmerung noch mit ihm zusammen sind und ihm einen guten Abend wünschen. In der Dämmerung wird das Gleichgewicht zwischen Erde und Mensch auf die Probe gestellt. Gott vermischt Schatten und Licht um zu sehen ob die Erde den Mut hat sich weiter zu drehen. Erschrickt die Erde nicht vor der Dunkelheit vergeht die Nacht und am nächsten Tag scheint erneut die Sonne.
Zwischen Anfang und Ende
„Das Ewige regt sich fort in allem: Denn alles muss in Nichts zerfallen, wenn es im Sein beharren will.“
Johann Wolfgang von Goethe verfasste mit diesem Satz eine treffende Beschreibung einer sich auflösenden und auch erlösenden Fische-Qualität. Es ist ein Hinabgleiten in die Dämmerung oder ein Eintauchen in den Nebel, um weiter unerschrocken ins Nichts zu fallen, ins All-Eins-Sein. Die kosmische Spalte ist eine Öffnung ins All oder eine Öffnung ins Sein, um mit der spontanen Widder-Kraft aus sich heraus neu geboren zu werden.
Wir alle leben zwischen den Welten. Jeden Tag, jede Stunde, jeden Moment. Jeder Atemzug interpretiert den Kreislauf des Lebens. Das Einatmen stellt symbolisch die Geburt und das Ausatmen den Tod dar. Und der „Atemstillstand“ in den kurzen Pausen nach dem Ein- oder Ausatmen gelten als Momente der absoluten Ruhe, des „Nicht-Tuns“ des „Seins“ in seiner höchsten Form, vergleichbar mit der kosmischen Spalte.
Zwischen Ende und Anfang
Die Deutung von Planeten oder anderen Horoskopfaktoren in diesen sensiblen Graden erfordern einen individuellen Blick. Die Spalte, bzw. die Lücke zwischen Anfang und Ende reicht von 29° Fische bis 1° Widder. Doch es macht genau betrachtet einen Unterschied, ob es sich von 29° bis 0°um eine Spalte mit Fische-Qualität oder von 0° bis 1° um die Widder-Qualität handelt.
Menschen mit Horoskopfaktoren in der kosmischen Fische-Spalte bewegen sich sozusagen mit der jeweiligen Qualität permanent zwischen den Welten. Je nach Bewusstsein und Bewusstheit sind sie dem Himmel oder der Erde näher. Vielleicht finden sie ihr Leben lang keinen Halt, da sie diesen im Außen vermuten, und ihre „vermeintliche“ Sicherheit im Geld, im Beruf oder sogar bei einem anderen Menschen suchen. Je nach Leidensdruck oder Bewusstseinsentwicklung liegt gerade hier die große Chance der Selbsterkenntnis, dass nichts fundamental oder sicher ist.
Menschen mit Horoskopfaktoren in der kosmischen Widder-Spalte erleben das drängende Prinzip der Entfaltung, das von einem Kern, von einem zentralen innenliegenden Punkt ausgeht. Im besten Fall entstehen etwas Mutiges und Neues aus einem tiefen Gefühl von sicherer Geborgenheit im „Nichts“.
The Great Reset oder Alles auf Anfang
Die Übersetzung von „reset“ heißt „zurücksetzen“ oder „zurückstellen“. Etwas „resetten“ bedeutet bei elektronischen Geräten, diese wieder in ihren Ausgangszustand zurückversetzen. Wollen wir das? Es gibt Menschen, die wieder zurück zu den „guten, alten“ Zeiten möchten. Da wusste man, was man hat – auch wenn es nicht gut war. Ein anderer Teil der Menschen versucht unsere Probleme und Themen mit altbekannten Antworten zu lösen – ganz nach dem Motto von Einstein „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“.
Eine neue Welt in der Dämmerung?
Wir Astrologinnen und Astrologen wissen um Zyklen, Bewegungen und auch von Zeiten „dazwischen“. Das Wissen über diesen steten Wandel kann uns allen helfen, indem wir uns immer wieder über die geistige Rückverbindung nach „oben“ besinnen und gleichzeitig auf dem harten Boden der Realität nicht nur zu überleben, sondern eine neue Realität erschaffen. Nutzen wir den Übergang Neptun und Saturn durch die kosmische Spalte, indem wir das bewährte Alte mit den intuitiven Erkenntnissen aus dem Kosmos zur Gestaltung einer neuen Idee von Welt kreativ und mutig umsetzen.
Und ganz neptunisch: Die Hoffnung stirbt zuletzt…
Eure Birgit Lummer
Zur Autorin
Als Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeitet Birgit Lummer in eigener Praxis und leitet gemeinsam mit Saskia Borchardt die Schule für Astrologische Psychologie Deutschland. Die praktizierende Sexualtherapeutin berät und therapiert im Rahmen von lösungsorientierten Gesprächen bei Themen rund um die Sexualität, sowohl in Einzel- als auch Paarberatungen. Sie bildet Astrolog*innen und Heilpraktiker*innen für Psychotherapie aus, ist Dozentin an verschiedenen Instituten und hält Vorträge rund um die Themen Astrologie und Sexualität. Sie leitet die Geschäftsstelle des DAV.

