Ich denke in Farbe, Form und Klang. Thomas Ring 1892 – 1983

Thomas Ring 1892 – 1983

Elmar Schübl: Ich denke in Farbe, Form und Klang


Als ich Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal mit dem DAV in Kontakt kam, hörte ich bald, Thomas Ring sei der Säulenheilige des Verbandes. Unbestritten ist, dass Thomas Ring einer der bedeutendsten Astrologen des 20 Jahrhunderts war, und das über den deutschen Sprachraum hinaus.

Unmittelbar verbunden mit ihm ist die sogenannte revidierte Astrologie, die maßgeblich dazu beigetragen hat, einer modernen, von der Psychologie beeinflussten Astrologie den Weg zu ebnen. Und er war noch viel mehr, nämlich Maler, Dichter und Philosoph. Dem Chronos Verlag in Zürich gebührt der Verdienst, das spannende, abenteuerliche und prall gefüllte Leben dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit in einem voluminösen Band einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Dabei geht der Autor Elmar Schübl chronologisch vor, verwebt aber geschickt die geistige und künstlerische Entwicklung Thomas Rings mit den äußeren Stationen seines Lebens. So zählte er in Berlin zum Künstlerkreis «Der Sturm».

Einen großen Raum nimmt dabei auch die Astrologie ein. Schübl zeichnet nach, dass Thomas Ring immer ganzheitlich gedacht hat und Kunst, Philosophie und Astrologie letztlich als Einheit sah. «Ich denke in Farbe, Form und Klang.» So lautete sein Motto. Das vierbändige Werk «Astrologische Menschenkunde» ist der Klassiker seiner revidierten Astrologie. Darin integrierte Ring die verschiedenen Strukturelemente der traditionellen Astrologie in eine umfassende und tiefgründige Menschenkunde. Das Buch bietet im Anhang Rings Selbstdeutung sowie ein Deutungsbeispiel aus seiner Beratungspraxis.

Zahlreiche Bilder von Rings Jugend bis ins Alter sowie Drucke seiner künstlerischen Werke runden den ausgesprochen empfehlenswerten Band ab.

Elmar Schübl: Ich denke in Farbe, Form und Klang. Thomas Ring 1892 – 1983. Chronos-Verlag, Zürich 2021, 414 S., 48,- €.


Klemens Ludwig

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 2. Oktober 2015 zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.

Kommentare (3)

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Ich glaube, Th. Ring wird maßlos überschätzt. Das zeigt sich auch daran, dass er international (z.B. im Gegensatz zu Rudyar oder Brady) nie übersetzt, geschweige denn rezipiert wurde. Seine Astrologie ist m.E. von Psychologen wie Klages und...

Ich glaube, Th. Ring wird maßlos überschätzt. Das zeigt sich auch daran, dass er international (z.B. im Gegensatz zu Rudyar oder Brady) nie übersetzt, geschweige denn rezipiert wurde. Seine Astrologie ist m.E. von Psychologen wie Klages und Spranger beeinflusst (hier kann ich mich aber täuschen).
Eine "revidierte", also "durchgesehene, erneuerte" Klassik konnte er gar nicht leisten, weil zu seiner Zeit die klassischen Quellen bzw. die klassische Astrologie (d.h. die hellenistisch-römische, arabischen und hebräischen Autoren) noch gar nicht übersetzt waren (s. Projekt Hindsight). (Selbsternannte) "Reformatoren" der Astrologie gab es schon lange vor Ring, mir liegt hier z. B. ein Buch von 1937 vor: Autor Hans Graaf, Hummel Verlag "Astrologie und Astrologen", in dem Albert Knief als der ganz grosse Refomator der Astrologie gefeiert wird, der die Astrologie "von dem sie verunstaltenden Anektodenkram" bereinigt und "sie physikalisch zu begründen" usw. Kniepf ist heute weitgehend vergessen, er gilt allerdings als Vorläufer der Hamburger Schule.

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Lieber Thomas,
mit der ringschen "revidierten Astrologie" wurde der Schritt von der tradierten, schicksalsgebundenen, oft auch fatalistischen Astrologie zur rein psychologischen gemacht. Dadurch wurde mit seinen Schriften und Deutungen der...

Lieber Thomas,
mit der ringschen "revidierten Astrologie" wurde der Schritt von der tradierten, schicksalsgebundenen, oft auch fatalistischen Astrologie zur rein psychologischen gemacht. Dadurch wurde mit seinen Schriften und Deutungen der Möglichkeit der Selbstentwicklung bzw. Selbstwahrnehmung ungekannter Raum gegeben. Er hat eben, ich glaube selbst Psychologe, die Horoskope rein psychologisch gedeutet. Ich habe ihn in Burg Stettenfels bei Heilbronn erlebt, er war eine große Persönlichkeit und seine Deutungen, die immer auf Urlebensprinzipien bzw. archetypischen Prinzipien beruhten, setzten da an, wo kein Psychologe durch sein akademisches Studium hinkommt, eben an der dem menschlichem Verhalten und der menschlichen Psychologie zugrunde liegenden Struktur.
Warum seine Bücher nie übersetzt wurden? Das ist sehr einfach zu beantworten. Sie sind sehr schwer zu lesen. In seinen Seminaren (immer über 100 Leute) fand man kaum jemanden, der sie gelesen hatte. Er drückte sich schriftlich (im Gegensatz zum Mündlichen) sehr abstrakt aus, nennt selten die üblichen Astrologie-Begriffe, spricht eher von Ausdrucksprinzipien, Stifformen, von Grundformen des Wirkens und Werdens etc. Die Sätze sind lang und verschachtelt. Man muss sich halt bemühen. Er war damals aber durch den psychologischen Ansatz neu und ein Reformer, und damit auch ein Schatz für die Astrologen.

Was im Project Hindsight gemacht wurde, ist etwas völlig anderes. Man hat damals die alten Quellen übersetzt. Aus dem Lateinischen Robert Zoller, aus dem Arabischen Ben Dykes. Robert Hand spielte noch eine Rolle, wenn ich mich Recht erinnere. Sie haben damit wertvolles Material aufbereitet und für den Astrologen verwendbar gemacht, auch natürlich durch Literatur wie das Introduction to Trad. Astrology von Dykes (und mittlerweile unzählige andere), das als Lehrbuch aufbereitet wurde. Durch deren Arbeit ist es gelungen, die ehemals fatalistische klassische Astrologie auch für die psychologische Horoskop-Deutung aufzubereiten, weil man die Vielschichtigkeit dieser alten Regeln besser verstand.

Noch mal zur Revidierten Astrologie: Ring hat die Astrologie vom Schicksalshaft-Fixierten auf die veränderliche, beeinflussbare und entwicklungsfähige bzw. bewusstseinsverändernde Ebene des Menschseins gebracht. Daher gebührt ihm unser Dank. Mein erster (klassischer) Astrofernkurs bem Baumgartnerverlag war grenzwertig aufgrund der Übeltäterzuordnungen und schicksalshaften Festschreibungen, mittlerweile gibt es auch in unserem Land gutes klassisches Material.
Rudyar und Brady haben beide auf Englisch publiziert.
Der einzige deutsche Astrologe, den ich bei meinen Aufenthalten in USA in englischer Übersetzung gefunden habe, war Reinhold Ebertin, vor allem das KDG.

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Liebe Ingrid,
vielen Dank für Ihren freundlichen und differenzierten Kommentar, der mir durchaus weitergeholfen hat.
Wahrscheinlich hat jeder Astrologe die Klienten/Patienten, die er "verdient" und jeder Astrologe die Astrologie, die ihm...

Liebe Ingrid,
vielen Dank für Ihren freundlichen und differenzierten Kommentar, der mir durchaus weitergeholfen hat.
Wahrscheinlich hat jeder Astrologe die Klienten/Patienten, die er "verdient" und jeder Astrologe die Astrologie, die ihm entspricht. Ich habe gerade wieder meine astrologische Bibliothek durchforstet, aus rein sentimentalen Gründen habe ich alle Bände von Ring, von Klöckner und von Adler ("Das Testament der Astrologie" - unglaublich...) behalten. Ebertin habe ich nur die wenigen Bücher von Elsbeth Ebertin aus der Vorkriegszeit behalten, da arbeitet sie noch sehr klassisch (Mussolini-Horoskop). Als spannenden Kompilator der hellenistischen Astrologie würde ich das letzte Buch von Chris Brennan empfehlen, allein das Kapitel über Profektionen ist es wert, ich brauche dann keine Transite, Progressionen oder Revolutionen (Solare) mehr. Baumgartner ("Harmonien") habe ich auch alles, macht immer wieder Spass in diesem Chaos zu lesen..
Herzliche Grüße, Th. Scharmann

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