Zwischen den Tierkreisen

Anabela Cudell: Reflexionen zu der Debatte über Tierkreise

Es geht darum: „Wie kommunizieren wir zwischen den beiden Konstrukten siderischer Tierkreis und tropischer Tierkreis?“. Und weniger darum: "Welches ist das richtige System?". Es ist schwierig mit jemandem zu kommunizieren, der andere Denkweisen, andere politische Auffassungen, eine andere Religion, Sprache, Kultur oder Lebenshaltung hat. Wir verpacken unsere Gedanken und kulturellen Werte in harte Hüllen und die krachen dann auf einander. Wir leben in einer Welt von festgefahrenen Strukturen und Blockaden die genauso schnell zerplatzen wie sie geschaffen werden. Das nennt man dann „Krise“.

„Wo entsteht der Gedanke? Im Gehirn? Nein, er entsteht im Herzen!“ (frei zitiert nach Jakob Lorber) Sich auf ein anderes Denksystem einzulassen erfordert viel gedankliche Flexibilität. Es strengt auch an, weil man „übersetzen“ muss, und die Worte des einen Systems mit den Worten des anderen Systems zu identifizieren. (Wie schön, dass es jetzt gerade so heftig regnet, da kann ich eine Denkpause einlegen. Der Wind weht die Regentropfen auf meine Zettel).

Jedenfalls, die Unfähigkeit sich auf ein anderes Denksystem einzulassen, ist nicht exklusiv für die Astrologenschaft. Die Schulmedizin zum Beispiel hat größte Schwierigkeiten sich auf die Homöopathie, oder die Naturheilkunde oder andere Formen der Medizin einzulassen. Die Liste ist endlos: unterschiedliche politische Auffassungen, Fußballklubs, Ernährungsweisen, Religionen, gesellschaftliche Klassen und Kassen, und so weiter und so fort. Alle verkapseln sich und kommunizieren wenig. Und ganz speziell: Astronomie und Astrologie reden kaum miteinander. 1


Zwischen den Tierkreisen, Andromeda-Galaxi

Foto: Adam Evans  2


Die westliche Astrologie mit ihrem tropischen Tierkreis hat sich bewährt. Das System funktioniert, Astrologen machen gute Arbeit und das nicht nur heute. Die tropische Astrologie wird seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergereicht, gelehrt und praktiziert, ohne den Schutz einer staatlichen Lehrinstitution. Ob man nun William Lilly oder Max Heindel aus dem 19. Jh. aufschlägt, da steht es: das gleiche astrologische System. Das finde ich so faszinierend!

Es ist auch der Widerspruch zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte, zwischen Weiblichem und Männlichem, zwischen Gefühlen und Intellekt. Unsere heutige, jetzige Kultur hat weiterhin mächtige Probleme mit Gefühlen umzugehen. Diese werden fleißig zubetoniert, deshalb hat unsere Kultur eine so große Vorliebe für Beton. Es nützt alles nichts. Der nächste Tsunami, das nächste Erdbeben, der nächste Bombenkrieg, der Zahn der Zeit, die Wurzeln der Bäume, die Pilze in den Fugen sprengen ihn schon wieder und er bröckelt. Nur das was lebt und sich bewegt, was gärt und sich entwickelt übersteht die Zeit.


Mul.Apin

In meiner Heidelberger Zeit habe ich Vorlesungen der Assyriologie gehört, vor Allem, Vorlesungen über die antike, babylonische Astronomie. Von da kenne ich Mul.Apin. Nach meinem Verständnis, ging es den alten Babyloniern nicht darum den Tierkreis zu definieren, sondern überhaupt den Himmel zu beschreiben bzw. darzustellen. Die Babylonier sind daran „Schuld“, dass unsere Stunde sechzig Minuten und jede Minute sechzig Sekunden hat. Ebenso besitzt wegen ihnen ein Winkelgrad 60 Minuten und diese entsprechend 60 Sekunden. Sie haben die Winkelgrad-Messung geschaffen und die Maßeinheiten entwickelt: Maße für Flüssigkeiten, für Zeit, für Gewicht, für Längen und eben die Winkel.

Bis die erste astronomisch brauchbare Sternkarte gezeichnet wurde, vergingen Jahrhunderte. So formte sich aus einem Proto-Tierkreis einer unserem Tierkreis Ähnlicher. Für Menschen unserer Zeit ist es schwierig sich in die Welt bzw. die Zeit der Babylonier hineinzuversetzen. Die Begriffe für die Himmelsbeschreibung mussten erst gefunden werden.

Der Mensch musste sich erst abtrennen und vom „Teil des Ganzen“ zum „Beobachter des Ganzen“ werden. Fotos sehen immer so schön aus. In dieser Bewunderung steckt die Sehnsucht drin nicht mehr dabei sein zu können. Wenn ich ein Foto betrachte gehöre ich nicht mehr zu dem, was auf dem Foto abgebildet ist. So etwa könnte man die Arbeit der Babylonier bezüglich des Himmelsgeschehens umschreiben.

Es ist gut, dass die alten Babylonier in der Astrologie thematisiert werden. Und was die beiden Tierkreis-Einteilungen angeht, ich benutze beide, je nach Situation. Ich beteilige mich an einem Mondkalender der jedes Jahr hier in Portugal erscheint 3. Dort benutzen wir die tropische Sonne für die Jahreszeiten, aber für die Mondstellungen den siderischen Tierkreis mit den ungleich langen Sternbildern! Das hat am Anfang einige Leser irritiert, aber ich bekomme immer wieder positive Feedbacks. Der Mond begeht auch zwei Lunastitien (oder „Mondwenden“) im Monat, bei (trop.) 0° Krebs und 0° Steinbock. Man nennt sie auch den aufsteigenden und absteigenden Mond, der für Landwirte von Bedeutung ist. Und für diese Daten wird wieder der tropische Tierkreis herangezogen!

Meines Erachtens wäre es wünschenswert, dass neue Horoskop-Designs und Darstellungstabellen geschaffen werden um siderische Daten in ein Horoskop mit einzubeziehen. Die „alte“ westliche Astrologie sollte dabei erhalten bleiben so wie sie ist, weil sie sich bewährt hat. Und was nicht kaputt ist, sollte man nicht reparieren wollen. Die siderische Abteilung könnte eine Zusatzmenge bilden, die jeder benutzen kann oder auch nicht.


M31 als Ende und Anfang des Tierkreises

Jesus ist eine inspirierende Persönlichkeit und es gibt unzählige Geschichten und Mythen über ihn, und ebenso über die „Delegation“, die auf der Suche nach der Heilands-Inkarnation war. Es ist gut möglich, dass die drei Könige Gelehrte aus Mesopotamien waren, die Mul.Apin kannten und in Divination ausgebildet waren.

Die Geburt Jesus ereignete sich zwischen 7 und 4 vor „Christus“, im Jahre 1 beginnt unsere Zeitrechnung, im Jahr 8 nach Christus lief der Frühlingspunkt über die Konjunktion mit der Galaxie M31, bzw. über ihren Projektionspunkt auf der Ekliptik. Alle drei Zeitpunkte liegen sehr nahe bei einander verglichen mit der sehr langsamen Präzession. Die Geburt Jesus ist „das“ Ereignis, das die Konjunktion des Frühlingspunktes mit M31 anzeigt. Die Symbolik passt sehr gut: Es wurde derjenige geboren der Stürme besänftigen konnte, der heilen konnte, der nicht nur Menschen sondern auch die Welt geheilt hat, und der lange erwartet wurde. Eine neue Zeitrechnung beginnt. Ein neues Zeitalter beginnt. Das alles passt zur Symbolik von M31.


Eine kurze Beschreibung von M31 – die Andromeda Galaxie

Über M31 habe ich noch wenig veröffentlicht. Sie gehört aber zu meiner festen Fixstern-Ausrüstung. Im Sternbild Andromeda gelegen, ist M31 wie eine Schwester unserer Galaxie und hat eine sehr große, massive Präsenz in unserer näheren kosmischen Umgebung. Langjährige Beobachtungen haben ihre astrologische Wirkung immer wieder bestätigt. Sie befindet sich bei 28°07 Widder (für das Jahr 2020) und da sie eine sehr große ekliptische Breite von 33° besitzt, können Konjunktionen zu Horoskop-Achsen nicht mit den herkömmlichen Methoden berechnet werden.

Die Mythologie der Sternbilder um Andromeda herum ist bedeutungs-trächtig. Fällt man das Lot von M31 auf die Ekliptik 4 liegt sie genau dort wo die Fische abrupt enden und der Widder urplötzlich beginnt. Die ganze Anordnung der Sternbilder weist auf einen Einschnitt am Himmel hin. M31 verleiht den Fischen die Wasserqualität. Sie löst auf; kurz danach setzt die brennend heiße Widder-Qualität ein. Die Symbolik stimmt mit der astrologischen Qualität von M31 überein. Die Himmelszeichen sprechen. Die Andromeda-Galaxie liegt in der Fessel der Andromeda. Die Arme wurde wegen einer Prophezeiung an einen Felsen gefesselt bis Perseus sie befreit, die Fessel durchschneidet und damit ein Neues Zeitalter entfesselt – im wahrsten Sinne des Wortes. Die plagen-bringenden, dunklen Vorzeiten sind endgültig beseitigt, mit einem Widdersprung beginnt die neue Zeit. So teilt Perseus mit einem Säbelhieb den Tierkreis, der neue Zyklus beginnt, die Fische verabschieden sich, der Widder ist da. Besonders dann als Andromeda (Fische) und Perseus (Widder) heiraten, beginnt für alle die neue Epoche.

Somit ist der Fische-Widder-Übergang einer der wenigen Sternbild-Übergänge des Tierkreises, der Grad-genau auf der Ekliptik festgelegt werden kann.

zwischen den tierkreisen sternkarte andromeda

Bildquelle: Carole Stott 1990, Sarvasiddhantatattt-vacudamini, Indien 1840, British Library, Bildbearbeitung A.Cudell

Diese sehr schöne indische Sternkarte verdeutlicht hier die Stern-Umgebung des Frühlingspunktes (grüner Pfeil). Die graue gestrichelte Linie entspricht der Ekliptik, man sieht die Fische, den Widder, den Stier und rechts auch noch den Wassermann. Prinzessin Andromeda befindet sich darüber, gefesselt. M31 (grüner Kreis) befindet sich etwa an ihrem Gürtel. In manchen antiken Sternkarten wird die mit bloßem Auge sichtbare M31 auch im Maul des Fisches dargestellt. Andromeda streckt die Arme aus, das beutet sie ist gefangen. Links von ihr, sieht man den Säbel-schwingenden Perseus, der in der anderen Hand das Medusen-Haupt hält. Über ihr befindet sich die Mutter, Königin Kassiopeia, und der Vater, König Kepheus (hellrotes Gewand), rechts das Pferd Pegasus, unten nur teilweise zu sehen, das Meerungeheuer Cetus. Alle spielen ihre Rolle in der Andromeda-Sage.

Die astrologische Qualität von M31 ähnelt der von den beiden anderen Galaxien meiner „Fixstern-Werkzeugkiste“, M87 und das Galaktische Zentrum, vernebelnd, verlangsamend, heilend. Galaxien sind riesengroße Räder die sich unendlich langsam drehen, und wie ein immenses Uhrwerk bewegen sie Zeit und Energie, oder wie beim Ziffernwerk einer Tresortür wird ein Inhalt offenbart, wenn die ineinander geschachtelten Räder die Position erreichen. Bei M31 kommt als Deutung das Thema „Zeitenwende“ oder „Zeitenwandlung“ hinzu. Der 31. ist der letzte Tag im Monat; eine kuriose Parallelität besteht zum letzten Punkt im Tierkreis, den M31 dort einnimmt. M31 bedeutet Wandlung z. B. im Kunststil, in einer Arbeitsmethode, einer Ausdrucksform. Da unsere Kultur Veränderung als Defekt ansieht, haben es die Horoskop-Eigner mit Planeten-Konjunktionen zu M31 manchmal nicht leicht sich einzubringen. Ihre Entwicklung dauert eben lange.

1) Dieses Thema hat mich schon mal sehr beschäftigt, so daß daraus sogar ein Artikel über die Beziehung Astrologie - Astronomie entstand, Link: http://www.astronomia-logia.com/deutschartikel_htm_files/ACudell_Eine_Bruecke_zwischen_zwei_Welten15.pdf.
2) Wikipedia, Andromeda-Galaxie, abgerufen Jan. 2021
3) http://bercodemarfim.blogspot.com/2020/09/agenda-lunar-2021-foice-de-prata.html
4) projeziert man sie auf die Ekliptik

Über die Autorin

anabela cudell astrologin

Anabela Cudell

4200-215 Porto Portugal
E-Mail:

Als ich noch ein kleines Kind war nahm mich Vater auf den Arm und zeigte mir die Sterne, in einer Zeit mit noch wenig Lichtverschmutzung. Kathedralen von Sternen, Gewölbe von unendlichen Weiten und ein dunkler, dunkler Nachthimmel haben mich seitdem nicht mehr losgelassen. Geb. 1956 in Porto/P, Studium der Astronomie, Astrologie seit dem 21. Lebensjahr, mit dem Spezialgebiet Fixsternastrologie, zwei Bücher „Das Galaktische Zentrum und seine Astrologische Bedeutung“ und „Astronomie-Grundwissen für Astrologen“, Webseite: astronomia-logia.com.

Kommentare (1)

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ich bin begeistert, grossartiger Artikel, stimme voll zu. Danke. ??

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