Erich Bauer

DAV-Interview mit Referent Erich Bauer

„In meinem astrologischen Alltag sind die Familienthemen ins Zentrum gerückt“


Erich Bauer, geboren am 18. 9. 1942 um 15:20 Uhr in Dinkelsbühl, ist im deutschsprachigen Raum einer der bekanntesten Astrologen. Zunächst hat er Klinische Psychologie studiert und 1965 mit dem Diplom abgeschlossen. Danach hat er in Drogenfachkliniken gearbeitet.

Seit 1981 widmet er sich ganz der Astrologie und verwandten Themen wie Tarot. Neben seiner Beratungspraxis und Ausbildungskursen zeichnet er sich durch rege publizistische Aktivitäten aus. Dazu zählen die Veröffentlichung von etwa 40 Büchern, regelmäßige Astro-Kolumnen in Zeitschriften wie Cosmopolitan, und Fernsehsendungen. 1999 bis 2015 war Erich Bauer Chef-Astrologe der Astro Woche, Europas auflagenstärkster Astrologie-Zeitschrift.

Auf dem DAV-Jubiläumskongress 2022 in Bad Kissingen wird Erich Bauer einer der Hauptreferenten sein, mit dem Thema: „Das Horoskop – Stammbaum der Familie“. Klemens Ludwig sprach mit ihm über die Prägung durch die Familien, deren astrologische Entsprechungen sowie sein Verständnis von Astrologie.

DAV: Unter den zahlreichen Themen, die du astrologisch bearbeitest, bewegen dich Familienaufstellungen sowie die Analogie zwischen den planetaren Energien und dem Einfluss, den die Herkunft ausübt, offenbar besonders. Wie kommt es zu diesem Schwerpunkt?

Erich Bauer: Das hat sicher mit meinem therapeutischen Hintergrund zu tun. Ich habe schließlich Psychologie studiert und zunächst mit Drogenabhängigen gearbeitet. Dabei war ich sehr nah am Menschen dran und habe mitbekommen, wie stark die Familie den einzelnen prägt, ob wir das wahrhaben möchten oder nicht. Das betrifft nicht nur die Eltern, sondern auch weitere Generation vor uns. Nachdem ich mich ganz der Astrologie verschrieben hatte, habe ich gemerkt, dass viele dieser Themen auch in unseren Zuschreibungen zu den Planeten auftauchen. Damit war es leicht, eine Verbindung zwischen unserem individuellen Erbe und dem kollektiven Erbe der Astrologie herzustellen.

DAV: Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass dies nicht nur ein abstraktes Wissen für dich bedeutet, sondern die Basis zahlreicher Seminare und Ausbildungen ist. Was sind deine Erfahrungen mit dem Ansatz?

Erich Bauer: Wenn es um Familienthemen geht, ist es immer besonders intensiv, und es hat auch mich besonders gefordert. Schon daran erkennt man, wie stark uns solche Themen prägen, auch wenn wir uns das nicht immer klarmachen. Wir tragen ein mächtiges Erbe mit uns herum. Je bewusster wir uns das machen, desto weniger sind wir ihm hilflos ausgeliefert.

DAV: Die Familienaufstellungen, vor allem nach Hellinger, sind ja sehr populär geworden, wenn auch teilweise umstritten. Worin unterscheidet sich Deine Arbeit von der bekannten systemischen Familienaufstellung?

Erich Bauer: Das ist sehr einfach und sehr eindeutig. Die Familienaufstellungen unterliegen zwar klaren Regeln, aber in der Zuordnung der Mitglieder der Sippschaft sind sie frei. Ich habe dagegen die Erfahrung gemacht, dass Mitglieder unserer Sippe klaren Prinzipien zugeordnet sind, angefangenen von der Sonne als Symbol für den Vater und dem Mond als Symbol für die Mutter. Das individuelle Horoskop ist die Basis meiner Aufstellungen und wenn jemand den Mond im Krebs hat, dann ist er nicht mehr frei in der Zuschreibung. Die Mutter kann da nur krebsig erlebt worden sein.

DAV: Dabei bewegst du dich also ganz in der vertrauten Zuordnung. Das ist nicht unbedingt allgemeiner Konsens, die Huber-Schule etwa ordnet das Mutter-Prinzip bekanntlich dem Saturn zu.

Erich Bauer: Das mag schon sein, aber ich bin an dem Punkt in der Tat traditionell. Meines Wissens hat Döbereiner als einer der ersten die Sonne dem Vater und den Mond der Mutter zugeordnet. Dem schließe ich mich an und erweitere das System etwa durch den Mars als älteren Bruder, den Merkur als jüngeren, Venus als Schwester, Saturn als Großeltern, oder Pluto als weitere Vorfahren, die – wie er – zwar weit weg erscheinen, aber subtil einen enormen Einfluss ausüben. Durch ihre Stellung und Aspektierung im Horoskop finden wir vorgegebene Wege, um damit umzugehen.

DAV: Das wird auch dein Thema in Bad Kissingen sein.

Erich Bauer: Ich kann die Themen, die mich sehr bewegen, auf dem Kongress natürlich nur anreißen, oder neugierig machen, um selbst nachzuforschen. In meinem astrologischen Alltag sind die Familienthemen ins Zentrum gerückt. Dabei schaue ich natürlich nicht nur auf die Planeten, sondern auch auf die Zeichen und Häuser, wie sie besetzt sind.

DAV: Kannst du kurz ein praktisches Beispiel geben, wie du damit arbeitest?

Erich Bauer: Das bleibt an dieser Stelle zwangsläufig oberflächlich, aber ich will mich dem nicht entziehen. Wenn ich mit einer Person arbeite, die offensichtlich von ungelösten Familienthemen in ihrer Energie ausgebremst ist, dann schaue ich in die Besetzung des 4., 8. und 12. Hauses, beziehungsweise analog der drei Wasserzeichen. Die Planeten, die ich dort vorfinde, sind der Schlüssel, um bestehende Probleme aufzulösen und die Person wieder in ihre Kraft und Mitte zu bringen. Das ist keine leichte Arbeit und gelingt auch nicht so nebenbei, aber es ist eine sehr effektive Methode.

DAV: Welche Bedeutung hat die Astrologie für dich über diese Arbeit hinaus in einem größeren Zusammenhang?

Erich Bauer: Für mich geht es in der Astrologie um die drei „Ms“: Materie, Mythologie und Mystik.

DAV: Das heißt?

Erich Bauer: Unter Materie verstehe ich das eigentliche Horoskop, den Radix, was sicher nicht weiter erläutert werden muss. Bei der Mythologie bin ich Jungianer und gehe von den Archetypen aus. In den Tierkreiszeichen erkennen wir zwölf Ur-Typen, die wir auch in uns wiederfinden. Diese Urbilder finden wir schon immer in den Mythen. Sie sind unser Fundament, unsere Ur-Information. Je mehr wir darin eintauchen, desto fündiger werden wir, desto reicher werden wir beschenkt. Und diese zwölf Ur-Typen bilden eben die Basis für jedes Horoskop, auch wenn sie immer anders gewichtet auftauchen. Das sollte nie unterschätzt werden. Unter Mystik verstehe ich schließlich die Dimensionen, die nicht fassbar sind; wenn man so will, das Transzendente. Ich bin überzeugt, wir werden nicht nur gespeist von greifbaren Informationen. Wir bedienen uns stattdessen mit einer großen Selbstverständlichkeit aus dem, was nicht fassbar ist. Ein wirklich guter Astrologe ist dann auch nicht der, der alle Deutungen kennt, sondern der offen ist für Eingebungen.

 DAV: Diese verschiedenen Dimensionen und deine Arbeit, sie in Einklang zu bringen, machen sehr neugierig auf deinen Vortrag. Bis bald in Bad Kissingen.


Weitere Informationen zu Erich Bauer: www.erichbauer.com

Das Interview führte Klemens Ludwig.

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 2. Oktober 2015 zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.