Der Mechanismus von Antikythera

Der Mechanismus von Antikythera – ein Schlüssel zur antiken Sternendeutung

Wissen über unser Sonnensystem aus vorchristlicher Zeit


Im Jahr 1900 machten Taucher in einem antiken Schiffswrack vor der griechischen Insel Antikythera – zwischen der Peloponnes und Kreta gelegen – eine Entdeckung, deren umfassende Bedeutung erst dieser Tage ganz entschleiert wurde. Schnell war klar, dass es sich um ein Gerät zur Himmelsbeobachtung handelt, und es wurde „Mechanismus von Antikythera“ genannt. Es stammt aus der Zeit vor 70 v. Chr., denn darauf lässt sich der Untergang des Schiffes anhand von Münzen datieren.

Je intensiver das Gerät untersucht wurde, desto mehr versetzte es die Experten in Staunen. Es ist weit mehr als ein Astrolabium, manche sprechen sogar vom „ältesten Computer der Welt“. Das hochkomplexe Gerät soll auf die Berechnungen des Universalgelehrten Archimedes (287 – 212 v. Chr.) zurückgehen. Zu seinen wichtigsten Elementen gehörten:

• ein Sonnenkalender mit Monatsskala,
• ein gebundener Mondkalender mit Monatsskala,
• ein Kalender von vergangenen und künftigen Sonnen- und Mondfinsternissen,
• ein Olympiade-Kalender mit Jahresskala der vierjährigen Olympischen Spiele,
• Zeiger mit den fünf klassischen Planeten von Merkur bis Saturn.

Insgesamt diente der Mechanismus von Antikythera somit nicht nur zur Beobachtung und Vorausschau auf die Stände von Sonne und Mond, sondern auch auf die damals bekannten Planeten, also antike, flexible Ephemeriden. Der Mechanismus erlaubte wesentlich komplexere Darstellungen als die entsprechenden astronomischen Uhren aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Einer der Forscher, der sich mit dem Mechanismus beschäftigt, meinte: „Schon in der Antike wussten die alten Griechen bereits viel mehr über unser Sonnensystem, als wir bislang angenommen hätten.“

Das besondere aus astrologischer Sicht: Diese Skalen enthielten auch die babylonischen Tierkreiszeichen. Das dürfte für Astrolog*innen keine Überraschung sein, denn zu der Zeit gab es die Differenzierung von Sternenbeobachtung und –deutung noch nicht. Sie setzte erst mit der Neuzeit ein. Wer die Planeten und Sternzeichen beobachtete, zog auch Schlüsse daraus. Und wer so komplexe Beobachtungen anstellen konnte, dürfte auch in Sachen Deutung ein hohes Niveau erreicht haben.

Die 82 Fragmente des Mechanismus von Antikythera befinden sich heute übrigens im Archäologischen Nationalmuseum in Athen.

 

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 2. Oktober 2015 zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.

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