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Mit Anbindung statt Entbindung legt Alexandra Kalcakosz eine weiterführende Arbeit zu ihrem bereits früher dargestellten Gedankengebäude vor. Wie schon in ihrem ersten Buch widmet sie sich der These, dass sich pränatale Erfahrungen im Horoskop widerspiegeln und dort Hinweise auf unsere frühesten seelischen Prägungen zu finden sind. Das nun vorliegende Werk ergänzt und vertieft diese Überlegungen um weitere astrologische Faktoren.
Im Mittelpunkt stehen diesmal Chiron, die Mondknotenachse und Lilith.
Chiron deutet die Autorin als Symbol für das Geburtstrauma. Seine Stellung in Zeichen und Haus soll nach Kalcakosz Aufschluss darüber geben, wo unsere instinktive Natur verletzt wurde oder wo wir uns als verletzlich, blockiert oder behindert erleben. Chiron steht für die „Urwunde“ – das tief verankerte Gefühl: „So wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung.“ Für alle zwölf Tierkreiszeichen bietet sie Deutungsimpulse an, die dem Leser Anregungen geben sollen, eigene Schutzmechanismen zu erkennen und bewusster mit den erlittenen Verletzungen umzugehen.
Im Kapitel zur Mondknotenachse beschreibt Kalcakosz diese als Hinweis auf den individuellen Inkarnationsweg. Sowohl die Häuserstellungen – verstanden als Lebensbereiche, in denen aktives Handeln zur Selbstentfaltung beitragen kann – als auch die Zeichenstellungen, die die innere Dimension des Lebensweges beleuchten sollen, werden ausführlich interpretiert. Die Autorin möchte damit Orientierung für persönliche Entwicklungsschritte bieten.
Der dritte Schwerpunkt liegt auf Lilith. In ihrer Deutung steht Lilith für die Anhaftung an das Familiensystem sowie für übernommene Muster und Erfahrungen der Ahnenreihe. Gleichzeitig sieht Kalcakosz hier ein verborgenes Potenzial, das über ein gestärktes Selbstbewusstsein zur eigenen Kraft führen kann. Bei ihren Deutungen betrachtet sie jedoch eine Lilith-Achse, indem sie stets auch das gegenüberliegende Tierkreiszeichen einbezieht. Hier könnten sich für astrologisch versierte Leser Fragen ergeben: Lilith ist astronomisch das Apogäum, also der erdfernste Punkt des Mondes – ihr Gegenpol wäre folglich das Perigäum (Priapus), das jedoch meist nicht exakt auf dieser Achse liegt. Warum dieser Aspekt unberücksichtigt bleibt, wird nicht näher erläutert.
Insgesamt kann Anbindung statt Entbindung als interessante Weiterführung der bisherigen Überlegungen von Alexandra Kalcakosz gelesen werden. Wer sich mit pränataler Astrologie und den symbolischen Deutungsmöglichkeiten von Chiron, Mondknoten und Lilith beschäftigt, findet hier zahlreiche Denkanstöße und Impulse für die eigene astrologische Praxis.
von Dr. Wolfgang Steven
Dr. Wolfgang Steven ist 1. Vorsitzender des DAV. Er war Apotheker und Dipl. Betriebswirt. Nach leitenden Positionen bei Schering ist er heute Coach und astrologischer Berater. Er ist geprüfter Astrologe des DAV und leitet, gemeinsam mit seiner Frau Damaris, ein DAV Ausbildungszentrum an der Ostsee.


