ASTROLOGIE: Astrologische Beratung, Astrologie-Ausbildungen und astrologisches Wissen beim Deutschen Astrologen-Verband e.V.

Der Brexit und die Sterne


Der Brexit und die Sterne

 

Nach über 44 Jahren seit dem Beitritt Grossbritanniens zur Europäischen Gemeinschaft zum 1.1.1973 ist der Anfang vom Ende der schwierigen Beziehung eingeläutet worden. Eine Volksabstimmung auf der Insel (“Referendum”) am 23.6.2016 gab der Regierung den Auftrag, den Austritt aus der EU zu beantragen. Nach einigen Rangeleien und der Zustimmung von Unterhaus und Oberhaus war es dann soweit. Der britische EU-Botschafter Tim Barrow hat in Brüssel den Brief mit dem offiziellen Brexitantrag am 29.3.2017 Brüssel 13:20 MET/S an den EU-Ratspräsident Donald Tusk überreicht.

Brexit-Antrag überreicht

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In Europa wird nun diskutiert, ob es reibungslos klappt mit der von England gewünsch-ten Trennung oder ein Rückzieher noch möglich und erwartbar ist. Was sagt die Astrologie dazu und worauf schaut der Astrologe?

Im Krieg und in der Liebe ist jedes Mittel erlaubt, wird manchmal gesagt. Und so wundert es nicht, dass von je her Astrologen für Kriege und Partnerschaften dieselben Regeln anwenden. So wie es auf dem Schlachtfeld Rückzugsgefechte gibt, gibt es auch in privaten oder geschäftlichen Beziehungen Scheidungskriege.

Guido Bonatti, italienischer Astronom und Astrologe des 13. Jahrhunderts, hat in seinem Liber Astronomiae die Grundregeln hinterlassen, welcher Zeitpunkt astrologisch erfolgversprechend ist, um in eine Schlacht zu ziehen. Diese Regeln der klassischen Astrologie sind bis heute überliefert.
Wollen wir also diese Grundsätze auf den Brexit übertragen und uns anhand des Horoskops der Antragsübergabe am 29.3.2017 fragen: Wie wird die beantragte Scheidung der britischen Insel vom europäischen Festland verlaufen?

Wer hat die besseren Karten?

Nach der Militärastrologie Bonattis wird der AC und sein Herrscher dem zugeordnet, der die Initiative für die Auseinandersetzung ergreift. Für den Gegner schaut man demzufolge auf den DC und dessen Herrscher.
Ein Vergleich der Stärke der Zeichenherrscher von AC und DC gibt Hinweise auf die Erfolgsaussichten des „Angriffs“.

Da Grossbritannien den „Brexit“ will und damit die Verhandlungen in Gang setzt, gilt der AC (Krebs) und sein Herrscher (Mond) als Signifikator für die Briten. Wie passend das ist, möge man daran sehen, dass der Mond in Konjunktion mit Merkur steht, dem Planeten, der Nachrichten überbringt, die britischen Scheidungspapiere also.

Bonatti empfahl seinen Auftraggebern den Zeitpunkt als passend, zu dem der AC einen günstigen Aspekt zu Mars, dem Planeten des Angriffs, hat. Wenn möglich sollte auch der AC in ein Zeichen fallen, welches von Mars, Jupiter oder Saturn beherrscht wird. Nach der klassischen Zuordnung der Planeten wäre das also Widder und Skorpion (Mars), Schütze und Fische (Jupiter) sowie Steinbock und Wassermann (Saturn).
Der Mars blickt den Krebs-AC des Brexitantrags aus keinerlei Winkel an. Bonatti würde da die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und einen anderen Zeitpunkt empfehlen. Das Horoskop der Antragsübergabe in Brüssel enthält insofern für die Briten noch nichts besonders Hoffnungsvolles.
Der AC-Herrscher Mond hat sich im Widder platziert und dort weder Würden noch Schwächen, was die Sache für die Briten nicht besser macht. Günstig ist die Stellung des Mondes in Haus 10, einem kardinalen Haus. Der am Vortag gerade vergangene Neumond gibt das Signal für einen Neubeginn, wie das auch dem Widder entspricht, wo Sonne und Mond sich gerade aufhalten. Allerdings hat der Mond von dort ein Quadrat zum AC und stört damit eine vernünftige Entfaltung des Antrags im Sinne Englands. Gleichzeitig ist es natürlich ein Quadrat zum DC und damit ein Ärgernis für die EU als Antragsgegner.

Für die Europäische Gemeinschaft als „Gegner“ des Austrittsantrags steht der DC, weil er ja die Opposition zum AC ist. Da der DC im Steinbock ist, ist dessen Herrscher Saturn für die EU der signifikante Planet. Er steht im Schützen im 3. Dekanat „im Gesicht“ und hat damit eine gewisse Würde nach ägyptischer Zuordnung. Saturn ist der Planet der Grenzen setzt und in der Verteidigung gute Arbeit leisten kann. So wie sich der Angreifer mit dem AC einen Aspekt zu Mars wünschen mag, wäre es für den Angegriffenen angenehm, wenn sein DC Saturn aspektiert. Immerhin finden wir ein gradgenaues Halbsextil zwischen dem DC und seinem Herrscher. Ein Halbsextil zählt leider nicht zu den traditionellen „ptolemäischen“ Aspekten und daher misst man dem kein Gewicht bei.

Saturns Quadrat zu Chiron ist zudem ein Dämpfer für die EU. Die Verhandlungen über den Austritt werden dadurch nämlich etwas Quälendes an sich haben.

Die Herrscher der beiden Kontrahenten, Mond und Saturn, stehen zueinander im exakten Trigon in Widder und Schütze. Man sieht am Trigon, die beiden haben etwas miteinander, was nicht gerade in Konfrontation abzuwickeln ist, aber doch mit Leidenschaft geschehen wird. Denn beide Planeten befinden sich in Feuerzeichen.

Für beide Seiten eines Vertrages von Bedeutung ist immer Venus und Merkur. Denn der Generalsignifikator für Verträge ist Venus für das Prinzip des sich Einigens und den Inhalt der Vereinbarung. Merkur andererseits ist für das Aufsetzen der Vertragstexte zuständig.
Venus ist im streitbaren Widder im Exil und rückläufig. Das widerstrebt der Natur der Venus nach harmonischem Umgang und macht sie schwach. Sie ist dazu in Rezeption mit Mars, der in dem von Venus beherrschten Stier ebenfalls im Exil steht. Keiner fühlt sich in diesem für ihn jeweils fremden Zeichen wohl. Eine Rezeption der beiden Planeten hat etwas von einer unbequemen Notgemeinschaft an sich. Man muss halt miteinander reden, weil es unausweichlich ist.
Die Detailarbeit an den Vertragstexten wird sehr schwierig, da Merkur zur AC/DC-Achse ein exaktes Quadrat bildet. Das kann zu endloser Wortklauberei führen.

Das alles sieht soweit also nicht nach einem eindeutigen Gewinner oder Verlierer aus, eher nach zwei Verlierern.

Wo führt es hin?

Blicken wir auf das 10. Haus, den MC bzw. seinen Herrscher, die für das Ergebnis zuständig sind.
Der Vergleich der beiden streitenden Parteien führt dazu, dass beim Angreifer wie üblich vom AC aus gezählt wird und beim Gegner vom DC aus. Für England bleibt es dadurch also bei einem MC in Widder und Mars als MC-Herrscher. Für die EU ist es die gegenüberliegende Waage und ihre Herrscherin Venus.

Die Briten haben im 10. Haus eine ganze Menge Planeten, Sonne, Mond, Merkur, Venus. Man sieht, es geht um etwas, was den Status betrifft, wie das Land künftig da steht. Sonne und Mond, mundanastrologisch Regierung und Volk als Ganzes, sind dort zu sehen und Uranus, der zur Destabilisierung neigt. Das Ende der Verhandlungen könnte Auftakt sein für das jetzt schon angekündigte Referendum der Schotten, die Grossbritannien verlassen und zur EU zurückkehren wollen. Für Grossbritannien ist also noch kein wirkliches Ende der Schwierigkeiten zu erwarten.
Die EU hat in ihrem 10. Haus immerhin einen Jupiter vorzuweisen, der dort in der Würde der „Grenzen“ steht. Unschön ist seine Rückläufigkeit und das Quadrat zu Pluto. Pluto steht für grosse Veränderungen und morsch werdende Fundamente. Was für die Briten ein abtrünniges Schottland sein kann, droht der EU von den unzufriedenen verbliebenen Mitgliedern, die mit Interesse verfolgen, wie ein Exit aus der EU abläuft. Für die EU ist Pluto vom DC aus gerechnet im 12. Haus und betont damit die Unsichtbarkeit der drohenden Auflösung der Gemeinschaft.
Für beide Seiten sieht es auch unter diesem Gesichtspunkt weder nach Sieg noch Niederlage aus, nicht einmal nach einer win-win-Situation.

Um das Ergebnis der Verhandlungen einzuschätzen wäre auch ein Blick auf das Solar der Austrittserklärung für 2019 angebracht. Denn nach Art. 50 des EU-Vertrages endet die Mitgliedschaft nach zwei Jahren, wenn die Beteiligten nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbaren.

Solar 2019 (aussen) in der Synastrie
zur Antragübergabe (innen)

brexit solar synastrie antraguebergabe


England gerät in Gestalt des Mondes in das 1. Haus des Gegners, was doch an eine Gefangennahme im übertragenen Sinne denken lässt. Und im Steinbock steht der Mond noch dazu in seinem Exil. England hat sich also mit dem Brexit am Ende selbst ein Bein gestellt. Man muss nicht Astrologe sein, um das für wahrscheinlich zu halten. Aber es passt zu den Planetenstellungen. In der Militärastrologie wäre das eine typische Konstellation für eine Niederlage, wenn der Signifikator des Angreifers im 7. Haus, dem Haus 1 des Gegners, stehen würde.

Saturn (die EU also) steht im Solar 2019 mittlerweile in seinem eigenen Zeichen Steinbock, was Stärke und Stabilität für die verbliebene Gemeinschaft bedeutet.

Interessant zu sehen, wie die Venus als Signifikator für ein Bündnis (EU-Vertrag oder der seinerzeitige Beitrittsvertrag mit den Briten) nach zwei Jahren seit dem Brexitantrag genau auf dem absteigenden Mondknoten landet. Er ist Symbol des Abschieds im Gegensatz zum aufsteigenden Mondknoten.

Chiron wird 2019 auf dem Austritts MC für England angekommen sein. Die Briten sind die ewigen Aussenseiter, die Insulaner, die nicht mehr zurückkönnen.


Endgültige Trennung oder Beginn einer neuen On-Off-Beziehung?

Die britische Premierministerin Theresa May erklärt in dem Austrittsantrag, ihr Land verlasse zwar die EU, aber nicht Europa. Und von Angela Merkel hörte man dazu später „Lasst uns aber Freunde bleiben!“ Ist das realistisch? Für diese Perspektive ist ein Blick auf das Solar 2019 ohne Synastrie mit dem Austrittshoroskop interessant.

Solar 2019 zum Brexitantrag

brexit solar antrag


Was sagt das Solar zu dem Gedanken eines Exit vom Brexit?
Der AC im Schützen sieht nach Expansion und Aufbruch zu neuen Ufern aus. Jupiter macht sich in seinem eigenen Zeichen im ersten Haus breit. Die 12 ist die Zahl der EU-Sterne auf den EU-Symbolen und gleichzeitig die Anzahl von Jahren, die Jupiter für einen Umlauf im Tierkreis benötigt. Nicht übel für eine neue Annäherung.

Das Abkommen am Ende der Zweijahrsfrist soll den Trennungsprozess umsetzen und Klarheit schaffen, wie beide Seiten wieder getrennte Wege gehen. Gelingt das?

Ein Vertragspapier suchen wir im 3. Haus und finden dies im Wassermann, was Irritationen und mangelnde Vertragstreue nach sich ziehen kann. Noch bedenklicher ist, dass Merkur, ebenfalls im 3. Haus, in den Fischen und in Konjunktion zu Neptun steht. Das sieht sehr nach schlampig aufgesetzten Vertragstexten aus oder unklaren weichen Formulierungen, deren Inhalt Anlass zu Auslegungsstreitigkeiten geben wird. Eine Versöhnung nach der vollzogenen Trennung ist hier also keinesfalls zu erwarten.

Was mit Jupiter so optimistisch stimmen mag, bekommt damit einen ziemlichen Dämpfer. Die Parteien werden sich hinterher vielleicht sogar auf beiden Seiten vom anderen jeweils getäuscht fühlen. Mit Mars exakt am DC sieht das nach weiter gehenden Streitigkeiten aus.

Das Fatale an einer fortdauernden Auseinandersetzung liegt darin, dass es kein Gericht gibt, welches den Streit entscheiden könnte. Denn der Austritt nach Art. 50 des EU-Vertrages ist für Grossbritannien das Ende des Binnenmarkts, der Zollunion und des gemeinsamen Europäischen Gerichtshofs, der sonst hätte schlichten können. Auch das sieht man am Solar 2019. Das Gericht als Autorität für eine Auseinander-setzung ist der MC, hier die Jungfrau. Herrscher der Jungfrau ist Merkur, der eng umschlungen von Neptun sich in Auflösung befinden wird.

Über den Autor

bernhard firgau dav astrologe

Dr. Bernhard Firgau

69469 Weinheim

E-Mail:

Dr. Bernhard Firgau (Jg. 1954), Notar und geprüfter Astrologe (DAV); Gründungsmitglied der Sektion fur Mundan- und Wirtschaftsastrologie im DAV.  Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf den astrologischen Zusammenhängen zwischen der Biografie des Einzelnen und seiner Umwelt. Neben Zeitschriftenartikeln und Vorträgen hat er seine Forschungsergebnisse auch als Buchautor veroffentlicht.
(„Wahlprognose mit Astrologie“ (zusammen mit Gerhard Lukert), „Ingresse“, „Praxisbuch Mundanastrologie“, „Schicksalsgefährten“).

Kommentare (1)

  • Gast - Franz-Josef Schweizer

    Guten Tag,
    Herr Bernhard Firgau hat sehr übersichtlich und geordnet eine komplexen Sachverhalt nachvollziehbar, einleuchtend, auch für Studenten taugliche Deutung abgeliefert.
    Dafür danke ich ihm.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Franz-Josef Schweizer

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