Interview mit Birgit von Borstel

Birgit von Borstel

Foto: © Birgit von Borstel

Interview vom Deutschen Astrologen-Verband mit Birgit von Borstel

Es ist mein großes Anliegen, innerhalb unserer Zunft die Vorurteile gegenüber unseren Wurzeln, der Klassik, abzubauen

 

Birgit von Borstel (geb. 1965) hat Philosophie und Psychologie studiert. Viele Jahre hat sie in der Musikbranche gearbeitet, bevor sie sich 2006 als Astrologin selbständig gemacht hat. Ihre erste Berührung mit der Astrologie fand bereits im Alter von 16 Jahren statt. Auch für die Wurzeln und Ursprünge der Astrologie entwickelte sie frühzeitig ein besonderes Interesse, so dass sie sich in ihrer Praxis immer mehr der klassischen Astrologie zugewandt hat, ohne die modernen Ansätze zu vernachlässigen. Klemens Ludwig sprach mit ihr darüber, wie die alten Techniken und das alte Wissen auf dem Hintergrund der modernen psychologischen Astrologie genutzt werden können.


DAV: Du referierst auf unserem Kongress Anfang Oktober zum Thema ‚Klassik in der Moderne’. Damit willst du die Möglichkeiten der traditionellen Methode kombiniert mit modernen Erkenntnissen aufzeigen. Das klingt ebenso spannend wie ungewöhnlich in einer Zeit, in der klassischer und psychologischer Ansatz zumeist als „entweder – oder“ betrachtet werden. Wie kommst du zu dieser Symbiose?

Von Borstel: Dazu muss ich ein wenig von meiner persönlichen Geschichte mit der Astrologie erzählen. Ich war erst 16 Jahre, als ich zum ersten Mal darauf gestoßen bin. Im Regal meiner Mutter fand ich ein Buch von Linda Goodman „Astrologie sonnenklar“. Das war zwar reine Sonnenstands-Astrologie, aber mein Interesse war geweckt, so dass ich in unserer Stadtbibliothek nach weiterer astrologischer Literatur gesucht habe. Sie befand sich übrigens in einem verschlossenen, nicht öffentlich zugänglichen Raum. Ich habe Astrologie dann im Selbststudium betrieben, wobei bemerkenswerte Aha-Erlebnisse ausgelöst wurden.

DAV: Dabei wird es aber kaum um die Symbiose von klassischer und psychologischer Astrologie gegangen sein.

Von Borstel: Nein, damals noch nicht, aber mein Weg ging ja weiter. Grundsätzlich hatte ich schon immer ein großes Interesse, mehr über unsere Quellen und Ursprünge zu erfahren. Damit war klar, dass ich irgendwann auf die Klassiker stoßen würde. Konkret geschah dies mit einer Ausbildung bei Rafael Gil Brand. Das war für mich eine Art persönliche kopernikanische Wende. Rafael hat mit hohem psychologischem Einfühlungsvermögen die alte Technik mit der modernen Denkweise zusammengebracht. Das hat mich sehr beeindruckt und geprägt.

DAV: Damit bist du zur Vertreterin der Klassischen Astrologie geworden?

Von Borstel: Das kann man so pauschal nicht sagen. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit der Kombination der verschiedenen Systeme gemacht, zum Beispiel bei der Arbeit mit dem siderischen Tierkreis und den westlichen Methoden. Ich bin überzeugt, die westliche Tradition weist mehr Brüche auf als uns bewusst ist. Wir haben uns lange auf Ptolemäus und den tropischen Tierkreis gestützt, weil der als einzige Quelle über die Jahrhunderte durchgängig verfügbar war. Andere Traditionsstränge, die auf den siderischen Tierkreis aufbauen, waren einfach verschwunden oder nicht zugänglich, und wir meinen deshalb, das sei allein die indische Tradition.

DAV: Hat dich deine frühe Beschäftigung mit der Astrologie und ihren Wurzeln motiviert, auch beruflich den astrologischen Weg einzuschlagen?

Von Borstel: Nein, das war eine spätere Entwicklung. Ich habe zunächst eine Lehre als Einzelhandelskauffrau im Musikbereich absolviert und in einem Plattenladen gearbeitet. Dort fühlte ich mich allerdings rasch unterfordert. Deshalb entschloss ich mich, in Hamburg Philosophie und Psychologie zu studieren, also einmal mehr etwas sehr Grundlegendes. Die Frage nach dem Sinn bewegte mich ständig.

Nebenbei blieb ich der Musik jedoch treu. Ich arbeitete als DJ, trat selbst mit einer Band in Clubs auf, organisierte Veranstaltungen und Konzerte oder schrieb Kritiken. Nach dem Studium arbeitete ich in der Marketingabteilung der Plattenfirma Universal Music. Dafür zog ich nach Berlin. Ich bin vollkommen in der Arbeit aufgegangen – bis kurz vor dem Burnout. Damit war klar, ich musste etwas ändern.

DAV: Das heißt, Abschied von der Musikbranche?

Von Borstel: Ja, genau. Dabei hat mir Universal Music zahlreiche Brücken gebaut. Ich hätte eine Auszeit nehmen und später wieder einsteigen können, aber mir war klar, das ist keine Option für mich. Ich wollte etwas ganz anderes, und das war die Astrologie. Also habe ich den Sprung gewagt und mich selbständig gemacht.

DAV: War der Schritt so etwas wie eine persönliche Rückbesinnung auf deine Wurzeln?

Von Borstel: Das kann man so sagen, und es war noch viel mehr. Die mich ständig begleitende Frage nach dem Sinn bekam durch die hauptberufliche Beschäftigung mit der Astrologie neue Nahrung. Aber ich habe es nicht nur als persönlichen Weg betrachtet. Es ist mein großes Anliegen, innerhalb unserer Zunft die Vorurteile gegenüber unseren Wurzeln, der Klassik, abzubauen. Man hört häufig, „Klassik entmündigt den Klienten“. „Klassik legt den Klienten fest“. Die moderne psychologische Methode wird gegen die klassische ausgespielt, der tropische gegen den siderischen Tierkreis. Dabei ist all das, was wir der Klassik zuschreiben, unsere Wurzel, und wie so oft halten viele Vorurteile einer näheren Betrachtung nicht stand. Ich wünsche mir mehr Offenheit von Kollegen diesen Zusammenhängen gegenüber.

DAV: Was entgegnest du denn den Kollegen, die derartige Einschätzungen von sich geben?

Von Borstel: Dass die Kombination von alten Techniken und psychologischem Knowhow zu neuen Dimensionen der Deutungen führen kann. Damit werden die Klienten genau dort abholt, wo sie stehen. Wir kennen doch alle die Erfahrungen aus der Beratung. Die Klienten kommen mit sehr konkreten Fragen, die sie sehr konkret beantwortet haben möchten, zum Beispiel, „Ich bin schwer krank. Werde ich wieder gesund?“ Mit dem Instrumentarium, das die Kombination von Klassik und Moderne zur Verfügung stellt, können solche Fragen heute beantwortet werden.

DAV: Das erscheint mir sehr mutig. Bei einer solchen Herangehensweise drängt sich die uralte Frage nach dem freien Willen und dem vorherbestimmten Schicksal geradezu auf. Wie gehst du damit um?

Von Borstel: Ich bin überzeugt, das Schicksal spiegelt sich im Alltag wider. Manches davon kommt ohne eigenes Zutun ins Leben, anderes haben wir vielleicht selbst provoziert. Letzteres ist der Bereich, in dem die moderne Astrologie wertvolle Einsichten anregen kann. Aber es gibt auch Grenzen. Es ist nun mal nicht realistisch, zu sagen: Du kannst alles schaffen, wenn du dich nur genug anstrengst. Das kann Schicksal sein, oder auch psychologisch begründet. Da kommt jemand der sagt: „Ich bin immer vom Schicksal gebeutelt“. So erlebt er es. Wenn man dafür im Horoskop eine Entsprechung sieht, stellt sich die Frage, was mache ich damit? Wie kann ich das lösungsorientiert deuten? Geht das überhaupt? An dem Punkt tauchen bei den psychologischen Astrologen die Ängste vor zu starken Festlegungen auf. Für mich ist das eine Herausforderung. Die Klassik hilft mir zu unterscheiden, was im Leben des Geborenen gedeihen kann, und was eher illusionär ist. Das kann sehr befreiend sein.

Es ist eben nicht immer alles gut. Wenn wir dennoch versuchen, dem Klienten zu vermitteln, alles sei rosarot, wenn er es nur richtig angeht, entmündigen wir ihn erst recht und nehmen ihn nicht ernst.

DAV: Wir dürfen uns also auf einen provokanten Vortrag freuen?

Von Borstel: Ich hoffe, der Vortrag regt zum Nachdenken über das eigene astrologische Verständnis an. Ich werde meine Ausführungen natürlich mit Beispielen unterlegen und damit hoffentlich überzeugen können.

DAV: Herzlichen Dank und viele aufmerksame Zuhörer bei deiner Symbiose von Klassik und Moderne.

Das Interview führte Klemens Ludwig.

Über die Referentin

Birgit von Borstel

Birgit von Borstel

E-mail:
Internet: www.birgitvonborstel.de

 

 

 

 

Birgit von Borstel (Jahrgang '65) ist Geprüfte Astrologin DAV und als Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie als Coach qualifiziert. Sie führt eine eigene Praxis in Berlin mit dem Schwerpunkt psychologische Astrologie.

 

Kommentare (3)

  • Gast - Lauren

    (Redaktion)

    Thanks for letting us about Interview with Birgit von Borstel who is one of the inspiring person for Astrologers. I am impressed by her by knowing about how she was use the old techniques and the old knowledge can be used on the background of modern psychological astrology.

    Regards,
    https://www.cvfolks.co.uk/

  • Gast - Alyssa

    (Redaktion)

    Glad to read here interview of the German Astrologers Association with Birgit von Borstel who discovered astrology at about the age of 16 and I completed an education in psychological astrology.

    Regards,
    http://www.secureassignmenthelp.com/

  • Gast - LydiaLoftis

    (Redaktion)

    In Birgit of Borstel life, The book named Astrology Sunshine has created a great impact and she inspired a lot by this book. This article gives intense detailing of this person's life and career.

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