Astrologische Beratung beim Deutschen Astrologen-Verband e.V. | Astrologie | Horoskop | Tierkreiszeichen

Astrologie, eine Symbolsprache
zwischen Kunst und Wissenschaft

 

Von Helen Fritsch

Ist Astrologie eine Wissenschaft?

Ja und nein. Ja, weil die Methode der Astrologie erlernbar ist und über eine klare Terminologie verfügt. Ja, weil sie nicht vordergründig auf Intuition und erst recht nicht auf übersinnlichen Fähigkeiten beruht. Darüber hinaus ist sie in sich konsistent und weist ein systematisches Gefüge auf – ein Horoskop basiert auf mathematisch komplexen und exakten Berechnungen. Aber in Bezug auf ihre Hauptleistung kann die Astrologie nicht als wissenschaftlich bezeichnet werden, da sie ein System von Symbolen deutet. An dieser Stelle steht sie allen kreativen Disziplinen wesentlich näher als der Wissenschaft. Warum ist das so? Das liegt an ihrem Instrumentarium, den Symbolen.

Die Deutung eines Horoskops erfüllt einerseits einige wissenschaftliche Kriterien, steht aber auch zugleich eher der Kunst näher, da ihr Ziel darin besteht, Symbole zu interpretieren. Astrologie geht von dem Grundgedanken aus, dass ein Zusammenhang zwischen Kosmos und Mensch besteht. Das lässt sich (bisher) wissenschaftlich nicht beweisen. Darf man ihr deshalb jegliche Wissenschaftlichkeit absprechen? Nein! Auch in anderen Wissenschaften gibt es solche Prämissen. Die Strengste aller Wissenschaften, die Physik, setzt die mathematische Beschreibbarkeit der Welt voraus. Ohne diese Voraussetzung wäre moderne Physik nicht denkbar. Dass eine Disziplin wie die Astrologie mit Voraussetzungen arbeitet, die sie nicht beweisen kann, wäre allein also kein Gegenkriterium zu ihrer Wissenschaftlichkeit.

Doch wie steht es um die Methode der Astrologie? Ist ihre Methode wissenschaftlich? Erfüllt sie alle gängigen Kriterien? Die Antwort lautet: nur teilweise! Ja, weil sie erlernbar ist und über eine klare Terminologie verfügt. Dies sind für eine wissenschafltiche Tätigkeit wichtige Voraussetzungen. Und auch deshalb ja, weil sie nicht vordergründig auf Intuition und erst recht nicht auf übersinnlichen Fähigkeiten beruht. In anderen Worte ist die Astrologie ebenso wie Wissenschaft vermittelbar. Darüber hinaus ist sie in sich konsistent und weist ein systematisches Gefüge auf. Letztlich basiert ein Horoskop auf mathematisch komplexen und exakten Berechnungen.

Aber in Bezug auf ihre Hauptleistung kann die Astrologie nicht als wissenschaftlich bezeichnet werden, da sie ein System von Symbolen deutet. An dieser Stelle steht sie allen kreativen Disziplinen wesentlich näher als der Wissenschaft. Es ist keine Übertreibung zu behaupten, die Deutung eines Horoskops sei eine Kunst. Hierfür reichen geistig-rationale Fähigkeiten nicht aus. Warum ist das so?

Das liegt an ihrem Instrumentarium, den Symbolen. Ein Symbol beinhaltet drei wichtige Eigenschaften:

1. Ein Symbol verfügt immer über einen Überschuss an Bedeutung. Wir können nicht alle Bedeutungen eines Symbols aufzählen. Genauer gesagt, ein Symbol verfügt über eine unendliche Anzahl von Bedeutungen. Für den Mond kann ich leicht 30 Deutungen aufzählen, und wenn sich viele Menschen an der Interpretation beteiligen, kommen wir noch auf sehr viel mehr. Zugleich ist schon vieles gesagt, wenn man ein Symbol auf seine essenziellen Eigenschaften beschränkt, vielleicht sogar nur auf eine ausschlaggebende Eigenschaft. Wenn ich also vom Mond behaupte, er zeige, was ich brauche, um mich seelisch-emotional gut aufgehoben zu fühlen, habe ich damit schon beinahe das Wichtigste gesagt. Was ist also typisch für ein Symbol? Die Enge oder die Weite seiner Deutung? Die Antwort lautet: beides. Ein Symbol wird sowohl durch die knappe als auch durch die ausführliche Form seiner Deutung gekennzeichnet. Man kommt aber mit der Bündigkeit der knappen Form wunderbar aus. Die Bündigkeit eines Symbols ist wie ein Passwort. Dieses verschafft einem den Zutritt zu seinem bildhaften Reichtum.

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Ein Symbol verfügt immer einen Bedeutungsüberschuss

Hier unten ist das Symbol (S) als Kreis eingezeichnet. Einige Pfeile um ihn herum stellen Bedeutungen dar, die von ihm ausgehen. Man kann sich über eine überschaubare Anzahl einigen (Kreis links) oder auch ins Detail gehen und viele nennen (Kreis rechts). Letztlich wird man niemals erschöpfend alle Bedeutungen aufzählen können. Damit zeichnet sich ein Symbol durch seinen Bedeutungsüberschuss aus.

 

 

Beispiel: Es lässt sich nicht beantworten, wie viele Bedeutungen der Planet Mars in der Deutung eines Horoskops haben könnte, es könnten 8 Eigenschaften genannt werden, aber auch ebenso unendlich viele. 

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2. Symbole zeichnen sich durch Schlüssigkeit (Stringenz) aus. Ich kann viele Bedeutungen für den Mond finden. Aber wenn ich behaupten würde, der Mond zeige, wie ich mich am besten durchsetze, dann hätte ich den Mond mit dem Mars-Prinzip verwechselt. Ein Symbol ist ganz und gar nicht beliebig. Im Gegenteil, es ist stringent. Es präsentiert sich schlüssig, logisch und konsequent. Wäre dies nicht der Fall, wäre die Astrologie nicht vermittelbar. Deutungsfehler lassen sich beweisen und korrigieren. Wenn eine Eigenschaft eines Symbols zutreffend charakterisiert wird, spüren die Lernenden dies. Es wird ruhig im Unterrichtsraum; man diskutiert nicht mehr. Und das Gesagte ist für alle Anwesenden logisch nachvollziehbar. Ein astrologisches Symbol ist also in sich kohärent. Diese beiden Eigenschaften – Reichtum an Bedeutungen und Stringenz in der Anwendung – üben eine starke Faszination aus. Man merkt sehr schnell, dass man es mit alten Weisheiten zu tun hat. Sie strahlen Stimmigkeit, Erhabenheit und Souveränität aus: Sie befriedigen den Geist UND das Herz und zeigen uns, dass wir sie benötigen, um unserem Leben einen Sinn zu geben. Es tut der Seele gut, sich mit Symbolen zu befassen. Sie sind nicht schwierig zu verstehen, führen aber zu eindrucksvollen Tiefen und zeichnen sich durch extreme psychologische Präzision aus. Astrologie ist wie Musik. Jeder kann sie genießen. Ihre Bilderwelt ist eine Wohltat für die Seele. Ich gehe so weit zu behaupten, sie ist sogar heilbringend, denn sie bettet den Menschen in seine natürliche kosmische Umgebung ein, anstatt ihn, wie die Wissenschaft es oft tut, zu isolieren.

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Symbole zeichnen sich durch Schlüssigkeit (Stringenz) aus

Hier sind drei Symbole (S1, S2 und S3) dargestellt. Die Pfeile um sie herum stellen ihre Bedeutungen dar. Manche Pfeile (Bedeutungen) der drei Symbole kommen sich nahe. Doch dringen sie nicht ineinander. Eine Grenze trennt ihre jeweilige Bedeutungszugehörigkeit. Es heißt, ihre jeweilige Bedeutung ist niemals über die Grenze hinaus austauschbar. Damit erfüllen sie das Kriterium der Stringenz.

Beispiel: Die Deutung des Tierkreiszeichens Krebs und Mond kommen sich nahe. Doch erfüllt das Symbol Krebs niemals die Mond-Funktion im Horoskop, was auch umgekehrt gilt.

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3. Symbole treten paarweise in polarer Beziehung auf.  Was weiß ist, kann schwarz sein. Und was schwarz ist, kann weiß sein. Wenn ich behaupte, die Tischplatte meines Arbeitstisches sei hart, so stimmt dies in unserer Realität auf eindeutige Art und Weise. Wenn ich aber das Wort „hart" näher betrachte, so verständigen wir uns darüber nur, weil wir eine Vorstellung vom gegenteiligen Zustand der Härte haben: Wir meinen, die Tischplatte sei nicht „weich".

Im Alltag brauchen wir über solche Zusammenhänge nicht nachzudenken. Anders in der Astrologie. Die polare Bedeutung (Antonymie) eines Symbols macht dieses zu einem ganz wesentlichen Teil erst aus und das darf ich niemals aus den Augen verlieren. Ein Beispiel zur Verdeutlichung sei hier angeführt: Beschreibe ich die Löwe-Energie und behaupte, der Löwe sei selbstsicher, muss ich immer daran denken, dass die Unsicherheit dabei auch latent vorhanden ist. Unsicherheit ist die andere Seite der „Löwe-Medaille". Versteht man diesen Zusammenhang nicht, so kann man das volle Potenzial eines astrologischen Symbols nicht nutzen. Man wird seine psychologische Tragweite nicht erfassen. Ist es einem Menschen überaus wichtig, selbstsicher zu wirken, so wird er vieles tun, um seine gelegentlichen Unsicherheiten zu überspielen. Vielleicht werden seine unsicheren Anteile sogar gänzlich verdrängt und tabuisiert, bis der Zeitpunkt in seinem Leben kommt, an dem er sich mit der polaren Energie des Löwen auseinandersetzen muss, nämlich mit Saturn, dem alten Herrscher des Wassermanns. Erst, wenn der Löwe-geprägte Horoskopeigner seine Schattenseite annimmt und nicht mehr das Gefühl hat, dass sie ihn blamiert, kann er zu einem authentischeren Selbstwertgefühl finden. Diesen Prozess wird er als überaus bedeutungsvolle Erlösung erleben.

Wo aber bleibt hier die von der Wissenschaft verlangte Eindeutigkeit? Seien wir ehrlich: Sie bleibt auf der Strecke. In der Welt der Astrologie kann „+3" zugleich auch „-3" bezeichnen. Der Astrologe ähnelt einem Seiltänzer, der beim Deuten die schwierige Balance zwischen den beiden gegensätzlichen Polen halten muss. Findet er sie nicht, so fällt er vom Seil. Er stürzt in die Tiefe, weil seine Deutung die polare Mehrdeutigkeit in der Balance nicht halten konnte. Genau das tut die triviale Astrologie. Sie arbeitet eindimensional. Sie deutet in „gut" oder „schlecht". Mit psychologischen Erkenntnissen hat dies dann allerdings nichts zu tun.

Tatsächlich arbeitet der fundiert ausgebildete Astrologe wie ein Künstler, der sein Metier beherrscht. Assoziationen und intelligente Paradoxien gehören selbstverständlich mit zu seinem Repertoire. Es gibt keinen Grund zu bedauern, dass die Astrologie, wie ich sie verstehe, eher künstlerische als wissenschaftliche Kriterien erfüllt. Im Gegenteil, ich freue mich sogar darüber – genau diese letzten verleihen ihr schließlich ihre wertvolle seelische Wirkung.

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 Symbole treten paarweise in polarer Beziehung auf

 Positive Eigenschaften (blaue Grafik links) sind nur durch gegenteilige negative Eigenschaften (rote Grafik rechts) verständlich. So stellt die Qualität kalt das Gegenteil von heiß dar. Heiß und kalt stehen antonym zu einander. Doch sind sie nicht vollständig voneinander getrennt: weitere polare Qualitäten warm und feucht verbinden sie. So entsteht eine Vernetzung von Eigenschaften und nicht selten, enthalten astrologische Antonyme, tiefer betrachtet, gemeinsame Eigenschaften.

Beispiel: Venus steht nicht nur für die Fähigkeit, passiv zu gefallen. Venus steht auch für das aktive Locken. In dieser Energie fließt dezent etwas Marsisches hinein.

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Es ist jedoch wichtig zu verstehen, warum Statistik im Hinblick auf die Astrologie, meiner Meinung nach, nicht wirklich anwendbar ist. Wir behandeln jedes Horoskop völlig individuell. Jede Deutung ist genau wie in der Kunst ein Unikat. Ihr Wahrheitsgehalt ließ sich bisher wissenschaftlich nur bescheiden anwenden. Man kann ja auch nicht entscheiden, ob ein bestimmtes Gedicht richtig oder falsch ist. Man kann nur feststellen, ob man es mag oder nicht. Und in vielen Fällen ergibt sich über die persönliche Meinung hinaus ein Konsens über seine Qualität. Wenn es wertvoll ist, erfreut es den Geist und die Seele. Es transportiert eine vielschichtige Botschaft, die uns entzückt. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Astrologie. Ganz abgesehen davon, dass statistische Erhebungen nur eine unter vielen Wahrheiten erfassen können.

Die Stimmigkeit der Astrologie entdeckt fast jeder, der sich intensiv mit ihr beschäftigt hat. Und wer ihr, was in seltenen Fällen vorkommen mag, den Rücken gekehrt hat, erwartete in der Regel Eindeutigkeit und wurde daher zu Recht enttäuscht. In allen anderen Fällen erlebt der Lernende ebenso wie der Profi überdurchschnittlich oft Evidenzerlebnisse. Wir glauben also nicht an die Astrologie, wir erleben ihren Wahrheitsgehalt: Der Klient berichtet von seinem Leben und das Horoskop spiegelt genau diese Zusammenhänge wider. Mehr noch, es gibt Aufschluss über Fragen.

 

Helen Fritsch       


Zum Artikel von Klemens Ludwig
Zum Artikel von Bettina Hegener

Über die Autorin

Astrologe Helen Fritsch

Helen Fritsch, gepr. Astrologin DAV

Tel: 040-280 509 50
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ausbildung.eu
www.astropraxis.de

 

 

Die Bühnenbildnerin und Lehrerin für Russisch und Französisch (*1944) war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Hamburg und lehrte zwölf Jahre lang an einer Rudolf Steiner Schule. Sie leitet zwei DAV-Zentrem, in Hamburg und in Ostholstein (nahe Fehmarn) und einen staatlich zugelassenen Fernkurs in Astrologie. Ca. 200 Teilnehmer besuchen regelmäßig ihre Schulung. Zudem ist sie Heilpraktikerin für Psychotherapie und von 2013-15 war sie die erste DAV-Vorsitzende. In ihrer AstroPraxis berät sie astrologisch Klienten und erteilt Psychotherapie. Zu ihrem Team zählen zwei Angestellte und fünfzehn freie Mitarbeiter. 2015 feierte die AstroPraxis ihr zwanzigjähriges Jubiläum.

Kommentare (1)

  • Gast - hoowei

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