ASTROLOGIE: Astrologische Beratung, Astrologie-Ausbildungen und astrologisches Wissen beim Deutschen Astrologen-Verband e.V.

Der Sternenhimmel im September 2014

 

Von Christian König

Am 22. September um 22.44 MESZ ist Herbstanfang. Am Nachthimmel findet man eine Mischung aus Sommer- und Herbststernbildern. Das Sommerdreieck hat sich ein gutes Stück nach Westen verschoben. Im Osten findet man die Herbststernbilder Pegasus, Andromeda, Perseus, Steinbock, Fische und Wassermann. Skorpion und Jungfrau haben die Himmelsbühne verlassen und auch Arktur ist weiter zum Horizont hinab gestiegen.

Die sichtbaren Planeten

Merkur erreicht mit 26°24′ am 21.09. seine größte (östliche) Elongation von der Sonne. Da er sich im Tierkreis südlicher als die Sonne (fast 13°) aufhält und die Ekliptik flach zum Südwesthorizont verläuft, kann man Merkur leider abends nicht sehen. Am 21.09. passiert Merkur um 3.00 Uhr MESZ Spica.

Venus zieht sich allmählich vom Morgenhimmel zurück und wird am Ende des Monats unsichtbar – sie geht (symbolisch gesehen) in eine andere Welt. Am 05.09. erreicht sie ihr Perihel und zieht im Sternbild Löwe an Regulus vorbei. Aber Regulus ist in der Dämmerung nur mit Vergrößerung zu sehen.

Mars kann früh abends noch im Südwesten gesehen werden. Am 13.09. wechselt er in das Sternbild Skorpion und schon am 25.09. in das Sternbild Ophiuchus, den Schlangenträger. Vom 27. bis 28.09. läuft Mars an Antares vorbei, dem Hauptstern des Skorpions. Antares bedeutet so viel wie „marsähnlicher Stern“. Aufgrund seiner roten Farbe (Antares ist ein roter Überriesenstern) und seiner Ekliptiknähe kann man ihn schnell mit Mars verwechseln. Jetzt kann man beide gut miteinander vergleichen. Mars ist jetzt etwas heller als Antares, der dafür mehr funkelt und viel röter als der eher orangefarbene Mars ist. Unbedingt am 28.09. um 20.00 MESZ zum Himmel schauen: Knapp über dem Südwesthorizont stehen auf der einen Seite der Mondsichel Antares und Mars und auf der anderen Seite Saturn! Eine ähnliche Konstellation gab es das letzte Mal am 05.01.1926!

Jupiter ist am Morgenhimmel zu sehen, wandert direktläufig durch das Sternbild Krebs und steuert auf Regulus im Löwen zu, den er in diesem Jahr aber nicht mehr trifft.

Saturn verkürzt seinen Auftritt am Abendhimmel erheblich. Nur weil es im September schon früher dunkel wird, ist er noch für ca. eine Stunde sichtbar. Ende des Monats findet man ihn ungefähr zwischen Zuben Elgenubi und Zuben Elakrab. Noch einmal: unbedingt das Meeting von Saturn, Mond, Mars und Antares am 28.09. um 20.00 MESZ ansehen!

Der Fixsternhimmel

Norden: Im Nordosten funkelt – gerade eben über dem Horizont – Capella im Sternbild Fuhrmann.Im Nordosten befindet sich Perseus. In diesem Sternbild liegt auch Algol, ein veränderlicher Stern und der zweithellste Stern in diesem Sternbild. Dieser Stern ist voller mythologischer Zuschreibungen und hat in der Astrologie die wohl mit Abstand schlechteste Presse. Algol wurde von den Arabern „Ras al Ghul“ genannt („Kopf des Dämons“), die diesen weiblichen Dämon als Frau des Teufels ansahen. Ptolemäus bezeichnete den Stern als „den Strahlenden von denen im Kopf der Gorgo“. Die Chinesen nannten Algol „Tseih She“ (was „aufgestapelte Leichen“ bedeutet). Im Talmud repräsentiert Algol die erste Frau von Adam, Lilith, die ihn verließ, weil sie es ablehnte, unterwürfig-devot seine Bedürfnisse zu erfüllen. Algol wird auch „Teufelsauge“ genannt, weil er seine Helligkeit verändert.

 

Osten: Hoch am östlichen Himmel steht das Herbstviereck: ein großes Quadrat, das sich aus den Sternen Algenib, Scheat, Markab und Alpheratz (auch Sirrah genannt) zusammensetzt. Die ersten drei gehören zum Sternbild Pegasus, Alpheratz gehört schon zum Sternbild Andromeda. Wie die Bezeichnung „Herbstviereck“ deutlich macht, wird bald die dritte Jahreszeit Einzug halten. Noch beherrschen die Sommersternbilder den Abendhimmel. Allerdings hat sich das Sommerdreieck schon ein wenig nach Westen verschoben.

 

Süden: Im Südwesten schickt sich der Schütze an, die Himmelsbühne zu verlassen. Schütze wird oft dem Zentauren Chiron zugeordnet. Diese Zuordnung stimmt aber so nicht. Chiron ist bereits als Zentaur an anderer Stelle am Himmel verewigt – im Sternbild Centaurus. Bei dem Schützen könnte es sich um Krotos handeln, den Sohn von Pan und Eupheme, der Amme der Musen. Krotos war ein zweibeiniges Geschöpf mit dem Schwanz eines Satyrs. Krotos gilt nicht nur als Erfinder des Bogenschießens, sondern auch des Beifallklatschens. Die Musen, die sich gerne von ihm bewundern ließen, erfreute das Klatschen so sehr, dass sie ihm nicht nur einen Kranz zu Füssen legten (Sternbild Corona Australis), sondern auch Zeus baten, ihn an den Himmel zu versetzen. Aber dieser Mythos über Krotos ist möglicherweise auch erst nachträglich dem Schützen zugeordnet worden.

Tief im Süden wandert der Steinbock gerade durch den Meridian. Vor ca. 2000 Jahren erreichte hier die Sonne den tiefsten Stand des Jahres. Der Winterpunkt lag im Steinbock, und noch heute spricht man vom „Wendekreis des Steinbocks", obwohl bereits 120 v. Chr. der Winterpunkt aufgrund der Präzession nicht mehr im Sternbild Steinbock, sondern im Sternbild Schütze lag.

Unter dem Herbstviereck und rechts davon ist der Himmel nun voller Sternbilder, die mit Wasser zu tun haben: Steinbock (eigentlich ein Ziegenfisch), das recht große, aber lichtschwache Sternbild Fische, Delfin (zwischen Adler und Schwan) und unterhalb des lichtschwachen Wassermanns der Südliche Fisch mit dem sehr hellen Hauptstern Fomalhaut (arab. „Maul des Fisches“), der gerade eben über dem Südhorizont zu sehen ist.

Angeblich soll man im Wassermann 97 Sterne mit bloßem Auge erkennen. Doch bei unserem lichtverschmutzen Nachthimmel erkennt man oft nicht einen einzigen! Aquarius hält in der einen Hand seine Urne, in der anderen die „Norma Nilotica“, die Messlatte, um die Tiefe des Nils zu messen. Das Wasser, das er aus seiner Urne ausgießt, fließt direkt in das Maul des Südlichen Fisches (Piscis Austrinus).

Obwohl der Wassermann kein auffälliges Sternbild ist, gehört er zu den ältesten Sternbildern. Bei Aratos findet man ihn als eine Gestalt, die Wasser als Dankopfer spendet. Für die Menschen des Altertums muss er eine große Bedeutung gehabt haben, denn wenn die Sonne in das Sternbild Wassermann wechselte, markierte dies den Zeitpunkt der Regenzeit. Daher dürfte vermutlich auch sein Name stammen.

In Ägypten, wo es nur wenig Niederschlag gab, war und ist der Nil die Hauptwasserquelle, die Lebensader des Landes. Der tritt jeden Juli bis Oktober über die Ufer und gießt Wasser und fruchtbaren Schlamm über die Niltalebene. In der archaischen Zeit war Aquarius während der Überschwemmungsperiode das Sternbild im heliakischen Untergang (Aquarius ging am westlichen Horizont unter, während die Sonne aufging). Dieses visuelle Phänomen wurde von den Ägyptern so interpretiert, dass der große Wasserträger seine Urne in den Fluss eintauchte, die dadurch das Wasser verdrängte und so der Nil über die Ufer trat. Im Mittelalter sah man hier Johannes den Täufer, passend zum alten babylonischen Bild eines Mannes, der Wasser gießt; aber in dieser Periode ersetzte man Aquarius Messlatte auch durch ein profanes Handtuch – was ihn von einem fruchtbaren Schöpfergott zu einem Badehausassistenten degradierte.

 

Westen: Arktur ist tief im Westen zu finden, vorausgesetzt man kann ihn im Horizontdunst überhaupt noch erkennen. Deneb (Sternbild Schwan) steht nun fast im Zenit, während Wega und Altair (die beiden anderen Sterne des so genannten „Sommerdreicks“) den Meridian bereits überquert haben.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Sternbild als Schlange oder Drache angesehen. Seit der Zeit der Griechen wurde es ohne Flügel dargestellt. Ursprünglich waren die Sterne des Kleinen Bären die Flügel des Drachen. Als Dracos Sterne von etwa 4.500 v. Chr. bis etwa 2.000 v. Chr. die Polarsterne waren, sah man den himmlischen Drachen den größten Schatz bewachen: den ewig stillstehenden Punkt des Poles.

Der Drache schläft nie, was sich astronomisch-visuell dadurch erklärt, dass er nie untergeht. In vielen Mythen findet man Geschichten, die von reptilienartigen Kreaturen erzählen, die nie schlafen und etwas Kostbares bewachen. In der griechischen Mythologie findet man den hundertäugigen Drachen, der die goldenen Äpfel im Garten der Hesperiden bewacht. In der keltischen Mythologie wurde das Bild eines Drachen verwendet, um das zu schützen, was heilig war. Aber mit der Artussage wurde der Drache zum Beschützer oder Wächter von lediglich materiellen Schätzen.

 

Kontakt: Dipl.-Psych. Christian König

geprüfter Astrologe DAV  |  DAV Supervisor

Alter Fischmarkt 24
D-48143 Münster
Tel.: 02 51 / 24 63 28 5

E-Mail:

Internet: www.christiankoenig.eu

 

Christian König, Dipl.-Psychologe und geprüfter Astrologe DAV, arbeitet seit 2004 in eigener Praxis in Münster (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie). Zuvor war er in unterschiedlichen Fachkliniken tätig, zuletzt als leitender Psychologe. Er absolvierte Weiterbildungen in Trauma-Therapie („EMDR-Therapeut“), Katathym-Imaginativer Psychotherapie und hat über 15 Jahre Erfahrung mit verschiedensten Entspannungs-Verfahren (Meditation, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Autogenes Training, Phantasiereisen und Stressbewältigung). Seit seinem 11. Lebensjahr beschäftigt er sich mit Astrologie. 2007 bestand er die DAV-Prüfung, gehört seit 2011 der DAV-Kongresskommission an, ist als DAV-Supervisor tätig und als Autor astrologischer Fachartikel. Sein Spezialgebiet ist die Fixsternastrologie – die astrologische Deutung des ganzen Sternenhimmels (Ausbildung bei Bernadette Brady und Darrelyn Gunzburg).

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