Interview mit Wulfing von Rohr

Wulfing von Rohr

Foto: © Wulfing von Rohr

Interview mit Wulfing von Rohr

Die Prognose ist ein wichtiger Bestandteil der Astrologie, und sie ist nicht mehr nur den gekrönten Häuptern vorbehalten. Dem müssen wir uns stellen

 

Wulfing von Rohr (geb. 1948 mit der Sonne im Löwen) hat sich zunächst als Fernsehjournalist für ARD und ZDF einen Namen gemacht. Von 1986 – 1998 lebte er in Santa Fe, wo er mit der Übersetzung der Bücher namhafter Autorinnen und Autoren begann, wie Chris Griscom oder Dane Rudhyar. Neben den Übersetzungen zeichnet er sich durch eine intensive eigene publizistische Tätigkeit aus und arbeitet zudem als Seminarleiter, Organisator großer Kongresse, Berater und Moderator. Neben spirituellen Themen geht es dabei auch um friedenspolitische, interreligiöse, kulturelle und ökologische Fragestellungen.

Auf dem kommenden DAV Kongress referiert er über die „Horoskopuhr“, eine von ihm maßgeblich entwickelte Prognosemethode. Klemens Ludwig sprach mit ihm über die Besonderheit der Horoskopuhr, den Anspruch an seine eigene, vielfältige Tätigkeit und über den kurzen Weg vom Fernsehjournalisten zum spirituellen Autor und Übersetzer.


DAV: Sie werden auf unserem nächsten Kongress „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ über die Horoskopuhr referieren, ein System, das Sie entwickelt haben. Können Sie die Grundsätze und die Anwendungsgebiete kurz erläutern.

Wulfing von Rohr: Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, als habe ich die Idee von der Horoskopuhr gänzlich unabhängig entwickelt. Ich bin von einigen großen Astrologen dazu inspiriert worden, und die möchte ich nicht verschweigen, wie Bernd A. Merz und Claude Weiss. In erster Linie aber war es Dane Rudhyar, der Begründer der humanistischen Astrologie. Sein Buch „Astrologie der Persönlichkeit“ war sehr wichtig für dieses Konzept. Ihnen sage ich „danke“.

Nun aber zu Ihrer Frage. Die Idee der Horoskopuhr basiert darauf, dass der Aszendent gegen den Uhrzeigersinn in 28 Jahren einmal durch den Tierkreis läuft. Wenn ich dabei Zenith und Nadir einbeziehe, heißt das, er hält sich sieben Jahre in einem Quadranten auf. Ich arbeite bei diesem System auch gern mit äqualen Häusern.

DAV: Und was erfahren Sie dadurch konkret?

Wulfing von Rohr: Bei einem Umlauf der Horoskopuhr berührt der vorgeschobene AC naturgemäß jeden Punkt im Horoskop innerhalb von 28 Jahren. Wenn er zum Beispiel auf Uranus trifft, kann ich eine besonders intensive Erfahrung erwarten. Wenn er den nördlichen Mondknoten berührt, geht es um eine wichtige Erfahrung mit der persönlichen Lebensaufgabe. Wenn diese Person dann viele Jahre oder Jahrzehnte später wieder zu mir kommt, und ich sehe, es steht wieder ein solcher Übergang an, kann ich mit ihr daran arbeiten, was geschah vor 28 Jahren, welches Thema hat sich damals gezeigt? Das Thema erscheint nun auf einer anderen Ebene.

DAV: Sie benutzen die Horoskopuhr also in erster Linie als Prognosemethode?

Wulfing von Rohr: Ja, das kann man so sagen. Wir kennen ja die klassischen Prognosemethoden, die Transite, die Sekundär- und Sonnenbogendirektionen. Die Horoskopuhr ist eine weitere Methode, die mit den Transiten kombiniert wird. Ich mache dabei keine Ereignisprognose, ich sage nicht, was passieren wird, sondern ich arbeite heraus, welche Themen anstehen. Und das setze ich im Vergleich zu der vorangegangenen Erfahrung mit dieser Konstellation.

DAV: Sehen Sie in der Prognose die wichtigste Aufgabe der Astrologie?

Wulfing von Rohr: Es ist zumindest eine sehr gefragte, und zwar schon immer. Früher wurde die Astrologie orts- und ereignisbezogen auf einen Pharao, Kaiser oder Hohenpriester betrieben. Dann kam die psychologische Astrologie, der es darum ging, die Harmonie zwischen den inneren Kräften zu erreichen. Und schließlich die esoterische, die nicht harmonisieren, sondern den tieferen, spirituellen Sinn erfassen wollte. Aber die Prognose blieb immer ein wichtiger Bestandteil, und sie ist nicht mehr nur den gekrönten Häuptern vorbehalten. Dem müssen wir uns stellen.

DAV: Dazu noch eine Frage bezüglich der Technik. Kommen Sie bei unterschiedlichen Häusersystemen zu unterschiedlichen Ergebnissen?

Wulfing von Rohr: Nein, das ist nicht der Rede wert, denn die Planetenpositionen bleiben ja immer bestehen, egal ob ich mit einem äqualen oder nicht-äqualen Häusersystem arbeite.

DAV: Sie sind nicht nur als Astrologe sehr bekannt, sondern arbeiten auch mit anderen Methoden, zum Beispiel Tarot oder Numerologie. Können Sie erläutern, wo Sie dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede sehen?

Wulfing von Rohr: In der Tat, das sind sehr wichtige Methoden für mich. Dabei erfordert die Astrologie einen hohen geistigen Aufwand an Rationalität bei der Übersetzung von abstrakten Symbolen in verbindliche Aussagen. Diese mentale Herausforderung fällt vielen schwer. Ich biete deshalb schon seit einiger Zeit keine Astrologie-Kurse mehr an. Beim Tarot können Bilder und Botschaften mit weniger Voraussetzungen schneller erfasst werden, wenn die Menschen dafür offen sind. Ich betreibe Tarot sogar ohne Fragestellung und komme zu wunderbaren neuen Einsichten.

Allen Methoden gemeinsam ist, dass sie den Menschen helfen, die von sich aus etwas bewegen, etwas verändern wollen. Diese Menschen zu unterstützen, ist mein Anspruch. Dabei betreibe ich nicht offensiv Werbung, denn ich habe den Luxus, damit nicht meinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Werbung mache ich eher für andere, zum Beispiel bewerbe ich Seminare von Gordon Smith, einem bekannten Medium aus Großbritannien.

DAV: Was macht die von Ihnen genannten Methoden so erfolgreich?

Wulfing von Rohr: Ihnen allen ist gemeinsam, dass das Ego zumindest teilweise ausgeschaltet wird, wenn man sie ernsthaft betreibt. Sie sind also ein Hilfsmittel, um auf dem Weg der Selbstwerdung zumindest teilweise vorwärts zu kommen. Sie sind also nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Letztlich geht es um die Frage, wie kann ich mein Leben so gestalten, dass ich wach, präsent, bin. „Schritte zum Erwachen“, lautet das Motto, worunter ich meine Arbeit stellen möchte.

DAV: Sie wurden auch durch Ihre Arbeit mit Engeln bekannt. Nimmt das noch einen großen Raum für Sie ein?

Wulfing von Rohr: Nein, diese Phase ist vorbei, denn da ist eine Entwicklung eingetreten, die ich nicht mehr mittragen kann. Das wurde zu einem Massenphänomen auf dem Niveau von Tageszeitungshoroskopen. So etwas erfreut mich nicht mehr, und deshalb habe ich mich davon zurückgezogen.

DAV: Bevor Sie als Astrologe und Autor spiritueller Bücher in Erscheinung getreten sind, waren Sie Fernsehjournalist mit einem politischen Anspruch. Das ist, zumindest vordergründig betrachtet, ein langer Weg. Können Sie skizzieren, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist?

Wulfing von Rohr: Ich bin das achte von neun Kindern und bin im Landschulheim Holzminden, einem Internat, aufgewachsen. Als ich 17 war, sind meine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Danach war ich im wahrsten Sinne des Wortes freischwebend, war in Göttingen, den USA, München. An der Hochschule für Fernsehen und Film habe ich studiert, aber mehr, um die Erwartungen meiner Eltern zu erfüllen, denen ich mich nach ihrem Tod erst recht verpflichtet gefühlt habe. Aber ich war zu rebellisch und habe zu sehr mein Eigenes gemacht. Dennoch habe ich nach dem Studium zunächst eine klassische Fernsehkarriere gemacht. Ich war in der Redaktion von Friedrich Nowottny, „Bericht aus Bonn“, beim bayrischen Rundfunk sowie im Landesstudio Bayern des ZDF, wo ich vor allem für die Drehscheibe gearbeitet habe. Während der Zeit habe ich aber auch bereits spirituelle Erfahrungen gemacht, ohne damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

1986 ging ich aus privaten Gründen für zwölf Jahre nach Santa Fe. Dort kam ich in Kontakt mit den Büchern von Dane Rudhyar und Chris Griscom. Ich habe mir von Ihnen die Erlaubnis zur Übersetzung eingeholt, sie ins Deutsche übertragen und in Deutschland bekannt gemacht. Vor allem Chris Griscoms Buch „Zeit ist eine Illusion“ traf auf eine ganz große Resonanz.

DAV: Und heute?

Wulfing von Rohr: Ich mache meine eigenen persönlichen Erfahrungen auf dem spirituellen Weg, dem ich weiter folge. Ich bezeichne das als integrierte Art, mit der ich auf meine Weise verschiedene Methoden verbinde.

DAV: Herzlichen Dank für Ihre auch sehr persönlichen Ausführungen und viele aufmerksame Zuhörer, wenn Sie auf unserm Kongress im Oktober mit der Horoskopuhr eine Prognosemethode vorstellen, die vielen sicher noch nicht vertraut ist.

Das Interview führte Klemens Ludwig.

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 2. Oktober 2015 zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.

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