Sternenbotschaft No.29

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Sternenbotschaft No. 29

Liebe Freunde und Freundinnen der Astrologie,

bald ist wieder Neumond, gefolgt vom nächsten Vollmond. Nicht nur für Astrologen sind die Mondphasen interessant. Schon seit Urzeiten achten die Menschen auf die Mondrhythmen. Eine herausragende Bedeutung hat dabei schon seit jeher die Mondfinsternis. Eine solche erwartet uns in ungefähr drei Wochen. Doch was ist dies überhaupt? Und wie spüren Sie selbst diese ungewöhnliche Energie?

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre von Christian Königs Ausführungen zum Thema.

Ihre Sternenbotschafterin
Antje Zimmerer

Im Schatten der Erde - Mondfinsternisse

 

Am 28. September ist es wieder soweit: Mondfinsternis! Und endlich können wir (nach 7,5 Jahren) auch hier in Mitteleuropa einmal wieder eine totale Mondfinsternis in voller Länge bewundern - allerdings zu einer ziemlich unchristlichen Zeit (die maximale Verfinsterung ist um 04.47 MESZ). Dafür wird die Mondfinsternis riesig, denn da der Mond (beinahe) der Erde am nächsten ist, ist er größer als normal.

Auch Mondfinsternisse werden - wie Sonnenfinsternisse - von den Astronomen in Saros-Serien organisiert. Bei geraden lunaren Saros-Serien-Nummern läuft der Erdschatten auf dem Mond von Süd nach Nord, bei ungeraden von Nord nach Süd. Die Mondfinsternis vom 28. September gehört zur Saros-Serie 137, wo der Mond immer am absteigenden Mondknoten liegt. Sie begann am 17.12.1564 mit einer Halbschattenfinsternis in der Nähe des südlichen Randes des Halbschattens und endet am 20.04.2953 mit einer Halbschattenfinsternis am nördlichen Rand des Halbschattens. Diese Saros-Serie dauert also über 1388 Jahre! [1]

Kurz zur Erinnerung: Eine Mondfinsternis entsteht dann, wenn Mond, Sonne und Erde sich in einer Linie befinden, wobei die Erde in der Mitte steht. Die Sonne wird (aus der Sicht des Mondes) durch die Erde verdeckt und steht in deren Kernschatten (der Bereich, in dem die Erde das Sonnenlicht fast komplett abschirmt). Die Erdatmosphäre streut aber langwelliges, rotes Licht in den Schattenbereich und lässt den Mond so rot erscheinen („Blutmond“). In der Horoskopzeichnung erkennt man eine Mondfinsternis an einer Sonne-Mond-Opposition (Vollmond) in Konjunktion mit den Mondknoten.

Die Geschichte ist voller Anekdoten über Finsternisse: Zum Beispiel die beiden chinesischen Hofastronomen Hi und Ho: sie sollen 2128 v. Chr. die Vorhersage einer Sonnenfinsternis übersehen haben und wurden deswegen hingerichtet. 413 v. Chr. griff eine Flotte der Athener das verfeindete Syrakus an. Als die Eroberung misslang, wollten die Athener sich zurückziehen. Aber am Abend vor ihrer Rückreise gab es eine Mondfinsternis. Ein schlechtes Omen - und man entschied sich, die Rückreise um einen Monat zu verschieben. So hatte Syrakus genügend Zeit, die Flotte der Athener zu schlagen. Das schlechte Omen hatte sich also bewahrheitet - allerdings anders, als vermutet. Mond- bzw. Sonnenfinsternisse sollen vor dem Tod von König Herodes und von Kaiser Augustus aufgetreten sein - und angeblich auch beim Tod von Jesus, wie Matthäus, Markus und Lukas berichten:

„Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land“ Mt 27,45 [2]

„Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein. Sie dauerte bis zur neunten Stunde.“ Mk 15,33 [2]

„Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riß mitten entzwei“ Lk 23,44-45 [2]

Bei den Germanen war man der Ansicht, der riesige Wolf Hati (übersetzt „Hass“) wäre für eine Mondfinsternis verantwortlich. In China verschluckte der große Chaos-Drache (die Mondknoten, auch Drachenkopf und Drachenschwanz genannt) den Mond und die Sonne - und gab beide Lichter erst wieder frei, wenn die Menschen Krach und Lärm machten. Im alten Ägypten stahl bei einer Mondfinsternis der Gott Seth das Horusauge (den Mond), in Griechenland verhexten einige Zauberinnen den Mond, so dass er sich blutrot färbt. Aufgrund der roten Färbung dachten die Amazonas-Indianer, der Mond wäre von einem Pfeil verwundet und würde deswegen bluten („Blutmond“). [3]

Alles sehr interessant - aber was heißt das astrologisch? Was bedeuten Mondfinsternisse - und wie unterscheidet sich die Deutung von Sonnenfinsternissen?

Für mich fühlte es sich immer so an, als ob sich Mondfinsternisse stärker auf unsere Emotionen auswirken: etwas durchgedreht und ver-rückt. Viel stärker als bei Sonnenfinsternissen.

Bei einer Sonnenfinsternis passiert etwas Magisches: während der absoluten Verdunklung kann man direkt in die Sonne schauen. In der ägyptischen und hellenistischen Kultur wurde die Sonne mit Göttlichkeit und göttlichem Willen assoziiert. Folgt man dieser Sichtweise, dann hat die Sonne mit dem göttlichen Funken in uns zu tun - viel mehr als Jupiter, Neptun, Pluto oder die Mondknoten. Und wann ist die beste Zeit, um einen kleinen Blick darauf zu erhaschen? Dann, wenn der Mond (unser nächster Begleiter) uns schützt, wenn „Sie“ unsere Augen ausreichend abschirmt, so dass wir die Quelle dieser Herrlichkeit ohne Schaden bestaunen können. Vor der Ära der Satelliten und des Hubble-Teleskops warteten Astronomen gespannt auf Sonnenfinsternisse, weil sie genau dann am meisten über die Sonne lernen konnten. Bei einer totalen Sonnenfinsternis, während der Tag und der Himmel sich verdunkeln, hat man – symbolisch gesehen - visuell die Gelegenheit, einen kleinen Blick auf den göttlichen Willen zu erhaschen. Es kann sehr zentrierend sein, eine Sonnenfinsternis zu erleben - wie ich 1999 in Stuttgart erleben durfte.

Aber Mondfinsternisse?! Ah, die gehören zu einer ganz anderen Sorte Tier! Obwohl Bernadette Brady Mondfinsternisse astrologisch mit der Saros-Serie der in der Nähe stattfindenden Sonnenfinsternis in Verbindung brachte [4], erzählte sie mir im August 2011 über eine andere Sichtweise, die sie dazu inzwischen hat. Eine Mondfinsternis sei nicht – wie sie das in ihrem Buch [4] schrieb – als astrologische Vor- oder Nachgruppe einer Sonnenfinsternis zu sehen. Mondfinsternisse seien vielmehr ebenso eigenständig, wie Sonnenfinsternisse.

Die erste Sonnenfinsternis jeder Saros-Serie beginnt entweder in der Nähe des Nord- oder Südpols. Doch während die Astronomen Mondfinsternisse nach der gleichen Methode wie Sonnenfinsternis-Saros-Serien organisieren, werden sie rein inhaltlich vollkommen anders
behandelt.

                                                                                                                                                                                                           

Abb.: Schematische Darstellung solarer und lunarer Saros-Serien.

Jedes Mond- bzw. Sonnen-Symbol steht für eine Finsternis einer Saros-Serie, wobei zu einer Saros-Serie weitaus mehr Finsternisse gehören, als hier (schematisch) abgebildet wurde.

Für die Astronomen beginnt die erste Mondfinsternis einer bestimmten (lunaren) Saros-Serie mit einer Mondfinsternis in der Nähe des Äquators. Das sollte man sich genau verdeutlichen: der Anfangspunkt jeder Saros-Serie einer Sonnenfinsternis beginnt am Pol (vgl. Abb. 1); also in der Nähe einer senkrechten Achse, einem stabilen Punkt, einem Anker, um den sich die Erde dreht. Aber lunare Saros-Serien wandern horizontal den Äquator entlang (vgl. Abb. 1). Der Äquator ist die geophysikalische Linie der maximalen Zentrifugalkraft, die, wenn sie nicht den konkurrierenden Kräften widerstehen würde (Schwerkraft sei Dank!), alles weit und breit ins Jenseits katapultieren würde.

Fühlt es sich für Sie vielleicht gerade auch ein bisschen so an, also ob Sie hin und her geschleudert würden? Ein Gefühl, wie in „alle vier Winde“ verstreut, als wenn sich alles im Kreis dreht? Vielleicht ist ja die „Zentrifugalkraft“ der bevorstehenden Mondfinsternis am Werke …

 

Quellen

[1] http://eclipse.gsfc.nasa.gov/LEsaros/LEsaros137.html

[2]Die Heilige Schrift. Einheitsübersetzung. Kommentierung von Eleonore Beck“. Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk, 1980.

[3] http://fafi.hammstars.net/mofi06.html

[4] Brady, Bernadette (2010). „Lehrbuch der astrologischen Prognose“, Tübingen: Chiron.

Bildnachweis

Alle Bilder und Grafiken wurden von Christian König erstellt bzw. fotografiert.

Christian König

geprüfter Astrologe DAV und DAV-Supervisor. Nach zehnjähriger Tätigkeit als Diplom-Psychologe und Psychotherapeut in verschiedenen psycho-therapeutischen Kliniken, arbeitet er seit 2004 in eigener astrologischer und psychotherapeutischer Praxis in Münster. Astrologischer Schwer-punkt: Fixstern-Astrologie und die ganzheitliche Anschauung und Deutung des Firmaments (Fixsterne, Sternbilder, Planeten).

www.christiankoenig.eu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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