Augsburg: Ein Horoskop wird zum Museumsstück

Ernst Ott schreibt astrologisches Gutachten für einen Ausstellungskatalog
 

Astrologie hat viel mit Kunst und Kultur zu tun. In früheren Jahrhunderten war es weitgehend selbstverständlich, dass Gelehrte auch über astrologische Kenntnisse verfügten. Jetzt wird ein Horoskop, das vor 400 Jahren entstand, zum Ausstellungsstück einer außergewöhnlichen Museums-Schau: Das Augsburger Maximilianmuseum präsentiert derzeit ein Wunderwerk der Renaissance, den „Pommerschen Kunstschrank“. Zu den Ausstellungsobjekten gehört auch das Geburtshoroskop seines Schöpfers, Philipp Hainhofer.

 

Horoskop Hainhofer

Die Ausstellungsmacher baten Ernst Ott, dieses Horoskop zu deuten. Er leitet zusammen mit Eva Stangenberg drei Ausbildungszentren des Deutschen Astrologen-Verbandes (DAV) im süddeutschen Raum. Die ausführliche Radix-Analyse ist im Katalog abgedruckt. „Möge dieses Beispiel unter Kunsthistorikern Schule machen“, sagt Ernst Ott. „Denn Astrologie ist eine wichtige Methode zu vertieftem Verständnis von Kunst und Geschichte.“

Der „Pommersche Kunstschrank“ gilt als ein Hauptwerk der europäischen Kunstgeschichte. Angefertigt wurde das Prunkstück für Herzog Philipp II. von Pommern-Stettin, kurz vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1617, waren die Arbeiten daran beendet. An der Entstehung des „Pommerschen Kunstschranks“ waren die besten Augsburger Künstler und Kunsthandwerker ihrer Zeit beteiligt.

Hainhofer

Ein Mann spielte damals eine Schlüssel-Rolle: Philipp Hainhofer (1578–1647). Der Augsburger Kaufmann und Patrizier betätigte sich als europaweit agierender Netzwerker in Sachen Kunst und verkehrte an zahlreichen Königs- und Fürstenhäusern. „Hainhofer hatte sich damals selbst ein Horoskop erstellen lassen, welches nun in der Ausstellung präsentiert wird“, berichtet Ernst Ott. „Allerdings ist nur die Horoskopzeichnung erhalten geblieben, der Deutungstext ging verloren.“ Der Kurator der Ausstellung fragte Ott, ob dieser eine Analyse anfertigen könne. Ott: „Natürlich habe ich sie unter Berücksichtigung der heutigen astrologischen Erkenntnisse gestellt.“

Der Kurator war erstaunt, wie genau die Analyse zutraf. Sie schildert treffsicher die Persönlichkeit, Neigungen und Talente des Philipp Hainhofer, obwohl Ott nicht wusste, um welche Persönlichkeit es sich handelt. „Der Kurator hatte mir die Daten nämlich anonym gegeben.“ Normalerweise stellt Ernst Ott nur ungern „Blindgutachten“ aus, er sucht vorher den Kontakt zum Horoskopeigner. „Das war bei Hainhofer etwas schwierig“, sagt Ott, „weil er seit bald 400 Jahren tot ist.“

Das Museum druckte die Horoskop-Analyse im wissenschaftlichen Katalog ab. Und zwar in vollem Wortlaut, da der Text so treffend sei. „Natürlich schmeichelt mir das“, meint Ernst Ott, „aber noch mehr freut es mich, weil es die Hoffnung schürt, dass die Astrologie wieder dahin zurückfindet, wo sie bis vor 300 Jahren schon immer war: Im Zentrum der Gesellschaft, als Erkenntnismethode von allen Wissenschaften und Künsten verwendet.“

Horoskop NN

Philipp Hainhofer war Kunstagent, Politiker und Diplomat.
Ott: „Eine faszinierende Löwe-Persönlichkeit!“ Wir zitieren hier einen kurzen Ausschnitt aus Ernst Otts Text, der im Katalog in ganzer Länge nachzulesen ist. Der Astrologe richtet sich in seinem Schreiben direkt an den Horoskopeigner, so, als würde dieser noch leben: „Als Mensch Ihrer Zeit dürfte Ihnen bewusst sein, dass Sie ein ‚Kind des Merkur’ sind, weil dieses Gestirn in Ihrer Geburtsstunde am Osthorizont im Aufgehen begriffen war. So dürften Sie auch erfahren haben (…), dass eine enorme Neugier und Lernfreude in ihnen steckt. Sie haben ein deutliches Talent, Verbindungen zu knüpfen, zu kommunizieren, zu handeln und zu verhandeln. Ihr Interesse an Menschen haben Sie hoffentlich bereits als Talent erkannt. Nutzen Sie Ihre Bildungslust und Weltoffenheit als ein wertvolles Kapital, das Ihr Leben bereichern kann!“

Das Ensemble des „Pommerschen Kunstschranks“ umfasst 250 Objekte. Dazu gehören wissenschaftliche und medizinische Instrumente, Apothekenutensilien, Barbierzeug, Toilettegerät, Tafelsilber, Schreibzeug, Spiele und mechanisches Gerät. „Die Astrologie ist ein unverzichtbares Mittel, um Kunstwerke der Vergangenheit zu verstehen“, erläutert Ott. „Wenn wir bedenken, dass bis zur Aufklärung jahrhundertelang jeder Künstler die Astrologie kannte und mit den astrologischen Symbolen schon in der Schule vertraut gemacht wurde, verstehen wir, warum es so viele versteckte und offene astrologische Bezüge in der Kunst gibt.“

Wunderwelt. Der Pommersche Kunstschrank.
Geöffnet bis 29. Juni 2014, di, mi, fr, sa, so 10-17 Uhr. Maximilianmuseum, Fuggerplatz 1, 86150 Augsburg
Eintritt 9/7 Euro, Katalog 560 Seiten, 39,90 Euro.
www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Ernst Ott

Ernst Ott, geprüfter Astrologe DAV
Astrologieschule Ernst Ott und Eva Stangenberg
Ausbildungszentrum des Deutschen Astrologen-Verbandes (DAV)
Mathystr. 21, 76133 Karlsruhe
Tel. 0721 / 35 78 27
www.astrologieschule.org
E-Mail:

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