Interview mit Sibylle Sulser

„Es ist der Goldschnitt, der allem Lebendigen zugrunde liegt.“

Interview des Deutschen Astrologen-Verbandes
mit Sibylle Sulser.

Sibylle Sulser, geboren am 16. 9. 1952 in Zürich, ist Dipl. Psychologin, Astrologin, Therapeutin und Coach. Sechs Jahre hat sie in England und den USA gelebt, wo sie auch die Astrologie entdeckte. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz eröffnete sie ihre erste Praxis und gründete später eine Schule in Zürich, aus der das IPEI Institut für Persönlichkeitsentwicklung entstanden ist, welches sie bis heute leitet. Gemeinsam mit ihrem Lehrerteam unterrichtet sie Astrologie, Psychologie, Coaching, Gesprächs- und Maltherapie sowie Farbdialog. Darüber hinaus ist sie nach wie vor in ihrer eigenen Praxis sowie als Fach-Autorin und Referentin im In- und Ausland tätig.

Klemens Ludwig sprach mit ihr über die Bedeutung und die Präsenz des Goldenen Schnitts (Goldschnitts) in allem Lebendigen sowie über ihren Weg zur Astrologie.

DAV: Du sagst, im Anfang war möglicherweise gar nicht das Wort, sondern der goldene Schnitt, oder Goldschnitt, der allem Lebendigen zugrunde liegt. Könntest du zunächst kurz erläutern, was unter dem Begriff verstanden wird?

Sibylle Sulser: Der Goldschnitt, wie ich ihn nenne, ist die Einteilung einer Einheit in ein bestimmtes Verhältnis. Der längere Teil entspricht knapp 5/8, der kürzere etwas mehr als 3/8. Damit entspricht das Verhältnis des längeren Teils von 5/8 zur Gesamtlänge von 8/8 genau dem Verhältnis des kürzeren Teils von 3/8 zum längeren Teil von 5/8. Dieses Maß übt nicht nur eine besondere Wirkung auf uns aus, es legt auch allem Natürlichen zugrunde.

goldschnitt maßeinheit

Goldschnitt, Maßeinheit

DAV: Das erkennt man nicht unbedingt auf den ersten Blick.

Sibylle Sulser: Nein das tut man nicht unbedingt, ausser das Auge ist geschult, aber unbewusst nimmt man es wahr. Der Goldschnitt ist das organische Maß der Harmonie, im Gegensatz zum symmetrischen Maß der Harmonie. Die totale Symmetrie wirkt langweilig. Nehmen wir die Models. Die mit dem perfekten „Puppengesicht“ sind zwar sehr beliebt, aber nur, weil man alles aus ihnen machen kann. Da ist jedoch keine Lebendigkeit, kein Charisma, denn Perfektion ist das Ende der Entwicklung, der „Tod“, es geht nicht mehr weiter. Den Goldschnitt dagegen nehmen wir wahr als das Lebendige, Spannende, obwohl wir uns seiner Maße nicht direkt bewusst sein müssen.

DAV: Und wo nehmen wir ihn überall wahr, wenn auch gar nicht unbedingt bewusst?

Sibylle Sulser: Unser Körper zum Beispiel ist ganz danach konstruiert. Angefangen von der Knochenstruktur über die Aufreihung der Zähne, die Hände, die Finger mit ihrer Gliederung, der Herzrhythmus, bis zu unserer DNA. Dasselbe gilt auch für die Tier- und Pflanzenwelt, eigentlich der ganzen Natur. Er ist zudem eines der ältesten Teilungsverhältnisse der menschlichen Kultur. Die antike Architektur hat sich daran orientiert, Kirchen und Gärten wurden danach angelegt, Malerei und Musik benutzen ihn als ihre Basis. Es gibt kaum etwas, was nicht dem Goldschnitt unterliegt.

DAV: Also fällt auch Immaterielles unter den Goldschnitt?

Sibylle Sulser: Unbedingt. Erkenntnis, Sprache, Rhetorik unterliegen dem Goldschnitt, alles, was wir astrologisch Merkur und Jupiter zuordnen. Deshalb zurück zu deiner Anfangsbemerkung, bevor das Wort war und ausgesprochen werden konnte, war der Goldschnitt da, er ist der Ursprung von allem. Das basiert auf der Erkenntnis, dass alles, was existiert, Schwingung ist, auch die Kommunikation; und das muss in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Erst daraus konnte sich das erste Wort entwickeln.

DAV: Und wo zeigt sich der Goldschnitt in der Astrologie? Dieser Bezug sollte demnach ebenfalls vorhanden sein.

Sibylle Sulser: Das ist er auch, die Huber Methode zum Beispiel integriert ihn ganz konkret in die Deutung. Wir gehen bei den Häusern von einem Invert- und einem Talpunkt aus. Die Energie der Häuser ist zu Beginn sehr stark, dann nimmt sie ab bis zum Invertpunkt, danach beginnt sie sich langsam ganz nach innen zu wenden, zum Talpunkt, von dem aus sie wieder aufsteigt. Diese beiden Punkte entsprechen genau dem Goldschnitt, der Invertpunkt erscheint nach 3/8, der Talpunkt nach 5/8. Ähnlich, nur mit umgekehrten Vorzeichen, ist es bei den Tierkreiszeichen. Die Energie ist zu Beginn und zum Ende schwach. Bei 0-1 oder 29-0 Grad befasst man sich eher mit dem Transpersonalen und weniger mit dem konkreten Hier und Jetzt, weil man sich mit der Zeichenenergie kaum mehr identifizieren kann. Bis etwa 12, bzw. 18 Grad steigt die Energie an und nimmt dann, genau im Verhältnis des Goldschnitts, wieder ab. Und es gibt noch viel mehr Beispiele, nicht nur aus der Huber Methode. Der Umlauf der Venus, die ja wie kein anderer Planet für lebendige Harmonie steht, entspricht genau dem Goldschnitt. Die spiralförmigen Arme unserer Galaxie sind nach dem Goldschnitt geschaffen; er findet sich also im Makro- ebenso wie im Mikrokosmos.

DAV: Du bist nicht zum ersten Mal Gast beim DAV, aber es gibt dennoch sicher viele, die gern mehr über dich erfahren. Wie war dein Weg zur Astrologie?

Sibylle Sulser: Das war kein direkter Weg. Ich habe zunächst Sozialpädagogik studiert und auf diesem Beruf auch gearbeitet und dann meinen damaligen Mann nach London begleitet, wo er beruflich tätig war. Ich habe dort an der Universität das Studium der Psychologie und am Crawly College die Ausbildung für Gesprächs- und Maltherapie absolviert. Dabei begegnete ich einer Studentin, die mir viel von der Astrologie und der Verbindung zur Psychologie erzählt hat. Das hat mich sehr neugierig gemacht. Ich wollte die Astrologie näher kennenlernen und habe Grundkurse besucht, die diese Studentin angeboten hat. Sie gehörte zur Schule von Liz Greene und Howard Sasportas. Bei den beiden habe ich dann bis zu meiner Rückkehr weitere Kurse belegt.

DAV: Heute bist du eine der profiliertesten Vertreterinnen der Huber Methode. Was du über deinen Zugang zur Astrologie sagst, klingt aber anders.

Sibylle Sulser: Das war in der Tat auch nicht mein Zugang. Nach meiner Rückkehr in die Schweiz nahm ich zunächst meinen Erstberuf Sozialpädagogik wieder auf, bildete Quereinsteiger für diesen Beruf aus und eröffnete nebenbei meine Praxis. Gleichzeitig suchte ich aber auch nach astrologischen Schulen. Ich probierte einiges aus, und landete letztlich am Huber Institut, dessen Hintergrund am besten zu mir passte. Also habe ich dort die Ausbildung weitergeführt und abgeschlossen, was anfänglich schon ziemlich gewöhnungsbedürftig war, da ja meine astrologische „Muttermilch“ klassisch war – was mir bis heute zugutekommt. Inzwischen habe ich mich selbstständig gemacht und eine eigene Ausbildungsschule gegründet, die sich als IPEI Institut für Persönlichkeitsentwicklung gut etabliert hat.

DAV: Du erweckst den Eindruck, dass du nach wie vor vielseitig unterwegs bist.

Sibylle Sulser: Ja das bin ich, denn ich liebe alle meine Berufe und auch das Networking liegt mir sehr am Herzen. Deshalb bin ich unter anderem ebenfalls im internationalen Netzwerk der Schulen, welche die Hubermethode vertreten, aktiv. Ich habe mich aber auch mit anderen Methoden Vertretern und Schulen vernetzt. Wir können uns nämlich gut ergänzen, viel voneinander lernen und so Grenzen auflösen. Das ist ein großes Anliegen von mir!

DAV: Herzlichen Dank für deine Erläuterungen zum Goldenen Schnitt. Wir freuen uns sehr, durch deinen Vortrag im September 2020 in Bad Kissingen mehr dazu zu erfahren.


Mehr Informationen über die Arbeit von Sibylle Sulser: www.sibylle-sulser.ch

 

Das Interview führte Klemens Ludwig.

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 2. Oktober 2015 zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.

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