DAV-Kongress 2015 in Bonn und die Resonanz der lokalen Presse

Von Claudia Schulz

Auf dem jüngsten Kongress war auch die Nicht-Fachpresse vertreten. Der hier mit freundlicher Genehmigung veröffentlichte Beitrag erschien am 6. Oktober 2015 in der Bonner Rundschau, sowie im Rhein Sieg Anzeiger. Wir freuen uns, dass es Medien gibt, die fair und unvoreingenommen über die Astrologie berichten und werden unsererseits alles daran setzen, der Öffentlichkeit zu vermitteln, was seriöse Astrologie bedeutet und was sie kann.

 

Problemlösungen im Zeichen der Sterne
200 Astrologen trafen sich zum Kongress in Bonn – „Astrologie ist kein Hokuspokus“

von BIRGIT KORTE
BONN.
„Wilfried Schütz wird den Vortrag in Socken halten, er ist doppelter Fisch, da braucht er viel Kontakt zum Boden.“ Die Ankündigung des nächsten Referenten sorgt für viel Gelächter im Raum. Wilfried Schütz selbst lächelt zurückhaltend – der Ort des Geschehens ist der Kongress des Deutschen Astrologenverbandes, der im Bonner Gustav-Stresemann-Institut stattfand. „Doppelter Fisch“ bezieht sich hier natürlich nur auf astrologische Merkmale: Der Referent ist sowohl im Sternzeichen als auch im Aszendenten Fisch – eine Konstellation, die offenbar Bodenkontakt nötig macht.

Schütz ist ein renommierter Schweizer Astrologe und leitete einen der vier großen Workshops des Kongresses, der unter dem Motto „Lebenselixier Astrologie“ stand. Mehr als 200 Teilnehmer reisten aus ganz Deutschland nach Bonn, um Vorträge zu hören, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Viele davon gehen ihrem Interesse für die Deutung von Planetenkonstellationen nur privat nach, doch es gibt auch hauptberufliche Astrologen.

Einer davon ist Klemens Ludwig. Auf dem Kongress wurde er zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologenverbandes gewählt. Seit knapp 30 Jahren beschäftigt sich Ludwig mittlerweile mit dem Feld. Dazu gekommen ist er durch eine persönliche Krise – ein Vorgang, den man häufig erkennen könne, erzählt er. Viele Menschen entschlössen sich erst, der Astrologie eine Chance zu geben, wenn sie Probleme durchlebten, egal ob diese beruflicher, gesundheitlicher oder zwischenmenschlicher Art seien.

Einige bleiben dann dabei – so wie Ludwig. Heute ist der 59-Jährige geprüfter Astrologe und bietet Beratungen an, hält Vorträge und schreibt Bücher. „Astrologie ist kein Hokuspokus, wie viele Skeptiker denken“, sagt Ludwig. Sie erhebe gar nicht den Anspruch, mit der Wissenschaft zu konkurrieren, sei aber eine sehr empfehlenswerte Ergänzung und könne ebenfalls auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken.

Seine Bonner Kollegin Daniela Röcken, ebenfalls im Vorstand des Verbandes, stimmt ihm zu: „Wir wollen keinen Ersatz für beispielsweise eine Psychotherapie bieten, das ist nicht der Anspruch der Astrologie. Wir empfehlen, dass man sich einfach mal darauf einlässt“, erzählt sie. Beide haben bei ihren Beratungen damit sehr viele positive Erfahrungen gemacht. „Viele sind überrascht, wie gut das funktioniert und bleiben dann dran“, so Ludwig – frei nach dem Motto „wirklich ist, was wirkt“.

Bei ihren Beratungen ist es Daniela Röcken wichtig, ihren Klienten das eigene Potenzial aufzuzeigen. Es gehe um die Analyse von Stärken und Schwächen, um Arbeit an sich selbst – gestützt auf ein komplexes System aus Planetenkonstellationen, das weit über die klischeehaften Monatshoroskope in Zeitschriften hinausgehe, erzählt sie. Die 39-Jährige leitet die Regionalstelle des Deutschen Astrologenverbandes in Bonn und bietet einmal im Quartal für Interessierte ein Treffen in Bad Godesberg an.

Die Textwiedergabe ist der besseren Lesbarkeit halber, originalgetreu dem oben im Bild zu erkennenden Zeitungsartikel entnommen!

Wir freuen uns sehr, über diese positive Resonanz!

Der Vorstand des DAV

Über die Autorin

Astrologin Claudia Schulz

Claudia Schulz

Tel: 06588 / 910 49 24
E-Mail:

Die Astrologin Claudia Schulz wurde am 3. Oktober 2014 in den Vorstand des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Ihr Schwerpunkt in der Verbandsarbeit sind der Mitgliedersupport und die inhaltliche Ausgestaltung der DAV-Website, sowie die Mitgestaltung des DAV-Mitgliederrundbriefs und des DAV-Newsletters. Sie ist in eigener Beraterpraxis tätig.

Lebenselixir Astrologie

 

Ein Rückblick auf die Jahrestagung – spannende Vorträge – vielfältige Angebote – Neuwahlen für Vorstand, Beirat und Kassenprüfer

 

Jahresversammlung und Kongress:

Ein unvergessenes Wochenende

in Bonn vom 2.- 4. Oktober 2015

 

Von Klemens Ludwig

Die beiden wichtigsten Ereignisse im DAV-Jahreslauf liegen hinter uns: die Mitgliederversammlung am 2. Oktober in Bonn und der darauf folgende Kongress „Lebenselixier Astrologie“.

Mitgliederversammlung
Sie begann mit der Ehrung von zwei verstorbenen Mitgliedern, wovon der eine noch im hohen Alter von 85 Jahren seine DAV-Prüfung abgelegt hatte.

Anschließend verlas Klemens Ludwig den Rechenschaftsbericht des Vorstandes. Er hob als wesentliche Punkte hervor:

  • Den Anstieg der Mitgliederzahl in den vergangenen zwei Jahren;
  • Die Einrichtung einer Plattform auf unserer Website für "astrologische Beratung am Telefon", die ein Service des DAV an seine beratenden Astrologen ist.
  • Die Errichtung einer englischen Version unsere Hompage in Kurzform, um die internationale Präsenz und den Austausch zu verbessern. 

Ähnlich gute Nachrichten ergaben sich aus dem Finanzbericht des Schatzmeisters Eckhard Kohn. Demnach sind die Finanzen ausgesprochen solide und ermöglichen es dem DAV, für die Durchsetzung seiner Ziele sinnvolle Investitionen zu tätigen.

 

Abschied und Danke
Bevor die Wahl des neuen Vorstands vorgenommen wurde, hieß es Abschied von Helen Fritsch und Eckhard Kohn zu nehmen, die leider krankheitsbedingt nicht anwesend sein konnten. Beide hatten bereits im Vorfeld angekündigt, dass sie für ihre Ämter nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Klemens Ludwig würdigte ihre Leistungen ausgiebig. Sie hatten entscheidenden Anteil daran, dass sich der DAV nach einer schweren Zeit so gut konsolidieren konnte. An dieser Stelle noch einmal ein ganz großes DANKE an Helen Fritsch und Eckhard Kohn!

Außerdem wurde die DAV Sekretärin Dominique Tomaszewski für ihr 20jähriges Dienstjubiläum geehrt. In Zeiten wechselnder Vorstände ist sie der Garant für Kontinuität im DAV! Dafür erhielt sie ein Präsent und den tiefen Dank der Versammelten.

Der anschließend in mehreren Positionen neu gewählte Vorstand ist hier im Bild zu sehen:

Vorstand
v.l.n.r.: Claudia Schulz (Organisation und Verwaltung), Daniela Röcken (Schriftführerin), Rafael Gil Brand (2. Vorsitzender),
Klemens Ludwig (1. Vorsitzender), Birgit Lummer (Schatzmeisterin).

Auch für weitere Gremien standen Neu- oder Nachwahlen an. Die Ergebnisse sind auf unserer Homepage dokumentiert.

Die weitere Besprechung wichtiger Anträge und anstehender, zukunftsweisender Entscheidungen fand in einer ausgesprochen konstruktiven, respektvollen und wohlwollenden Atmosphäre statt.

 

Jahreskongress „Lebenselixier Astrologie“
Freitagabend pünktlich um 20.15 Uhr eröffnete der neu gewählte DAV-Vorsitzende Klemens Ludwig den Jahreskongress „Lebenselixier Astrologie“. Die Radix des Kongresses mit ihrem AC im Stier versprach eine Zusammenkunft, in der die Sinne auf allen Ebenen angesprochen werden sollten. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht, darin waren sich die über 200 Teilnehmer des Kongresses einig.

Sechs Hauptreferate, vier Workshops, drei Kurzreferate, eine Vielzahl von Ausstellern, eine Tombola, ein Quiz, ein berührender Kurzfilm, Meditation sowie eine Astro-Disco bildeten den Rahmen für drei Tage in Bonn, die deutlich gemacht haben, wie stark die Astrologie zu einem Elixier werden kann, das tiefe Veränderungen bewirkt.

Den Anfang machte Markus Jehle, der die Frage stellte, „aus welchen Quellen wir trinken, was uns bekommt und woran wir uns mitunter verschlucken“? Ironisch, selbstkritisch, aber immer zum Nachdenken anregend, spielte er Beratungsszenen durch, in denen ein Planetenprinzip zu stark oder zu schwach vertreten ist.

Am Samstagmorgen stellte Heidi Treier zunächst Transpluto vor, dessen Bahn nachgewiesen ist, auch wenn er noch nicht entdeckt wurde. Auf der Basis jahrzehntelanger Forschungen konnte die Referentin die Wirksamkeit von Transpluto anhand praktischer Beispiele wie Michael Jackson nachweisen.

Einer der Höhepunkte des Kongresses war die Präsentation von Anita Ferraris und Christian König, „Auf der Suche nach dem Stein der Weisen.“ In einer perfekt ausgearbeiteten Choreographie nahmen die Vortragenden das gebannte Publikum mit auf eine Reise in die geheimnisvolle Welt der Alchemie, zeigten die Verbindungen zur Astrologie auf und stellten einen modernen Alchemisten vor, den Künstler Joseph Beuys. Stehende Ovationen waren der Lohn.

Am Samstagnachmittag konnten sich die Teilnehmer in vier Workshops selbst einbringen. Das Angebot reichte von den Themen Beruf (Beatrix Braukmüller) und Krankheit (Wilfried Schütz) über klassische Triplizitätenherrscher (Rafael Gil Brand) bis zu Kraftquellen der Planeten (Friedel Roggenbuck).

In einem abschließenden Vortrag unter dem Titel „Uranias Kuss“ zeigte Klemens Ludwig, wie die Astrologie seit Jahrtausenden auf die Gesellschaft eingewirkt und Künstler inspiriert hat, darunter Leonardo da Vinci, Tizian oder Albrecht Dürer.

Nach einer kurzen Nacht mit Quiz und Disco lud eine Meditation von Martin Trosbach am Sonntagmorgen ein zu einer Reise in die eigene Seele, um sich dort auf die Suche nach dem eigenen Elixier zu machen. Darauf folgten drei Kurzvorträge, in denen Monika Schanz und Reinhardt Stiehle so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Thomas Mann und Tycho Brahe vorstellten, während Ilona Picha-Höberth durch ihre Darbietung die Zuhörer für kurze Zeit in den Zauber der Märchenwelt und deren astrologische Entsprechung entführte; dargestellt am Froschkönig und einem realen Horoskop.

Für einen weiteren Höhepunkt sorgte die amerikanische Astrologin Darby Costello, die zunächst zahlreiche Mondmythen vorstellte, um dann mit praktischen Beispielen zur Bedeutung des progressiven Mondes überzuleiten.

Den Abschluss bildete ein Vortrag von Eva Stangenberg über Chiron, ein Kleinplanet zwischen Saturn und Uranus, der eine immer größere Rolle in der Horoskop-Deutung spielt. Für die Referentin ist Chiron „ein Elixier zur Selbstannahme“.

Gäste von befreundeten Verbänden aus der Schweiz, Österreich und Bulgarien unterstrichen die internationale Bedeutung des Kongresses.

 

Dank und Abschied zum Zweiten
„Ein großer Fluss hat viele Quellen“, nannte Christian König nach einem sorbischen Sprichwort einen Film, in dem er – untermalt von klassischer Musik – bedeutende Astrologen aus zwei Jahrtausenden im Portrait vorgestellt hat. „Ein herausragender Kongress ebenso“, ließe sich ergänzen; vor und hinter den Kulissen.

Der besondere Dank gilt der Kongresskommission mit Anita Ferraris, Gerald Grünauer, Christian König und Maria Schlicker, ergänzt durch Claudia Schulz und Helen Fritsch vom Vorstand, die später von Klemens Ludwig vertreten wurde. Vor Ort haben Wolfgang Steven, Daniel Horgos und Gaby Marske-Power das Team über das gesamte Wochenende unterstützt.

Nicht weniger Dank gebührt den Fotografinnen Ute Flörchinger und Monika Heer sowie dem Social Media Team, denen es mit ihren Aufnahmen und Postings zeitnah gelungen ist, die Stimmung und das Niveau der drei Tage von Bonn perfekt auf unserer DAV-Facebook-Seite einzufangen und öffentlich publik zu machen.

Wir möchten uns auch herzlich bedanken bei dem Filmteam FISCH101, TV- und Medienproduktion GmbH, das die meisten Vorträge aufgezeichnet hat, so dass sie bald als Video zur Verfügung stehen.

Bedauerlicherweise gibt es auch in der Kongresskommission personelle Veränderungen. Gerald Grünauer und Maria Schlicker hatten ebenfalls schon lange vorher angekündigt, sich nach dem Kongress zurückzuziehen. Beide jedoch haben versichert, ihre Erfahrung und ihren Einsatz beim nächsten Kongress gern einzubringen, was mit großer Zustimmung aufgenommen wurde.

 

Kurzer Ausblick
„Nach dem Kongress ist vor dem Kongress“. Vom 7. – 9. Oktober 2016 treffen wir uns wieder in Bonn unter dem Motto „Den Schatz heben. Astrologische Beratung heute“. Schon jetzt zugesagt hat die international renommierte Referentin Karen Hamaker-Zondag.

Nach einem solchen Kongress ist der Anspruch zweifellos gestiegen. Wir werden alles daran setzen, ihn zu halten – mindestens!

Kongress Teilnehmer

 

Mit herzlichen Grüßen und nochmals Dank an alle, die das Wochenende in Bonn zu dem gemacht haben, was es war.

Der Vorstand des DAV

Klemens Ludwig, Rafael Gil Brand, Birgit Lummer, Claudia Schulz und Daniela Röcken.

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 2. Oktober 2015 zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.

Progressed Moon

 

 

„Mit der Zeit schien mir der progressive Mond

die Reise meiner Seele zu zeigen“

Darby Costello ist eine der renommiertesten zeitgenössischen Astrologinnen. Die gebürtige Amerikanerin arbeitete nach ihrer astrologischen Ausbildung in den 1960er Jahren lange Zeit in Afrika mit Medizinmännern. Heute lehrt und publiziert sie in London, u. a. am „Zentrum für Psychologische Astrologie“ von Liz Greene. Ihr Buch „Der astrologische Mond“ erschien 2015 auf Deutsch.

Christian König sprach mit ihr in Oxford über ihre Erfahrungen mit deutschen Astrologen, dem progressiven Mond und ihren Vortrag auf dem DAV-Kongress am 4. Oktober. Gaby Marske-Power hat das Interview aus dem Englischen übersetzt.

 

DAV: Bist Du mit Deinem Vortrag auf dem DAV-Kongress 2015 auf Deinem ersten Astrologie-Kongress in Deutschland?

Darby Costello: Ja, ich denke, das ist meine erste richtige Tagung. Seit vielen Jahren halte ich in Deutschland Vorträge und unterrichte dort, aber das ist meine erste Tagung.

DAV: Wir freuen uns!

Darby Costello: (lacht) Ich freue mich!

DAV: Wie gestaltet sich Deine Beziehung zu Deutschland und zur deutschen Astrologen-Szene?

Darby Costello: Mhhhm! Sie ist sehr zärtlich! 1988 wechselte Jupiter in den Stier und bildete eine Konjunktion mit Merkur in meinem 9. Haus. Ich fing an, am CPA (Anm.: Centre For Psychological Astrology) zu unterrichten und sagte zu meinem Fische-Ehemann: “Ich würde gerne reisen und im Ausland Vorträge halten.“ Und innerhalb eines Monats oder so kam eine Frau zu mir, die einen meiner Vorträge gehört hatte und fragte mich, ob ich nach Deutschland käme um dort zu unterrichten! Sie fragte: “ Kommst Du nach Bochum?” Ich kam nach Hause und sagte: “Es ist passiert – ich wurde eingeladen, in einem anderen Land zu unterrichten!” So kam ich 1989 nach Bochum und gab ein Seminar in Monika Heers Schule. Und dann, ein paar Jahre später, als ich während einer Tagung in Holland einen Vortrag hielt, traf ich Klaus Bonert. Er lud mich ein, etwas in Hamburg anzubieten, und das habe ich dann auch gemacht. Und dann kam ich wieder. Und dann noch einmal. Und dann noch einmal. Ich glaube, ich habe in den vergangenen 30 Jahren in Deutschland häufiger als in jedem anderen Land - ausgenommen England, natürlich - unterrichtet. Inzwischen reise und lehre ich in vielen verschiedenen Ländern, aber jedes zweite Jahr kehre ich nach Deutschland zurück und unterrichte bei Klaus in Hamburg. Und irgendwann, Mitte der 90er Jahre, sprach ich auf einer der amerikanischen Tagungen und traf Alexander von Schlieffen. Er lud mich damals nach Köln ein, und ich unterrichtete dort an der Schule von Heidi Treier. Ich weiß nicht, es geht einfach immer weiter, ich weiß nicht, warum – aber ich bin begeistert! Ich genieße meine deutschen Bekannten, ich mag sie sehr!

DAV: Auf unserer Tagung wirst Du über den progressiven Mond sprechen. Welche persönliche Erfahrung hast Du mit dem progressiven Mond?

Darby Costello: Als ich in den 60er Jahren begann, Astrologie zu erlernen, machte mich eine Freundin, die Astrologin war, mit dem progressiven Mond vertraut. Sie liebte ihn, nutzte ihn für jedes Horoskop, und ich folgte ihr darin von Anfang an. Anfangs beobachtete ich, was er mir mitteilte und wie sich meine innere Orientierung mit jedem Zeichenwechsel änderte. 27 Jahre hindurch beobachtete ich dies -  in mir und in anderen. Ich lernte die Schöne und das Biest in dem Ganzen kennen; ich meine damit das Schlechteste und das Beste jedes Zeichens, das er durchlief. Das Wachsen und das Abnehmen der Gefühle, die mit jedem Zeichen assoziiert werden.  Mit der Zeit schien er mir auf eine Art die Reise meiner Seele zu zeigen.

James Hillman hat etwas gesagt, das mich so tief berührt hat – etwas darüber, dass die Seele Ereignisse in Erfahrung umwandelt. Und das war es, was ich zum progressiven Mond fühlte – seine Zeichen, Häuser und Aspekte beschreiben, wie die Ereignisse, die mit zum Alltag gehören, zu gefühlten und gelebten Erfahrungen werden. Und als ich ihm dann 27 Jahre gefolgt war – einen ganzen Zyklus hindurch – startete Liz Greene mit dem CPA-Verlag und sagte: “Ich würde mich freuen, wenn Du ein Buch für den CPA-Verlag schreibst”. Ich entgegnete: “Nein, kann ich nicht! Ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll - oder wie!“ Und sie sagte: “Schreib´ über den progressiven Mond. Du hast ihn so lang studiert und Du sprichst andauernd über ihn. Du liebst ihn!“ Da hab´ ich´s dann gemacht. Es war eine wundervolle Erfahrung. Ich liebe ihn wirklich.

DAV: Dies ist die Geschichte Deines Buches über den Mond, das bald auch in Deutschland heraus kommt?

Darby Costello: Ja, genau! Und ich habe es zur Mond-Wiederkehr meines ersten Treffens mit dem progressiven Mond geschrieben, bei dem ich mich gleich in ihn verliebt hatte. So war es irgendwie perfekt.

DAV: Wirst Du über den Zyklus des progressiven Mondes im Allgemeinen sprechen?

Darby Costello: Ich werde über den Zyklus sprechen und was es zu beachten gilt, wenn sich der progressive Mond von Zeichen zu Zeichen bewegt; von frühester Kindheit an, zum nächsten Zeichen und seine Beziehung zum eigenen Geburtsmond – sich wachsend von der Mutter wegentwickelnd, bei der man geboren wurde, Zeichen nach Zeichen, bis zur ersten Mond-Wiederkehr – wie ich sage, wenn man dann sich selbst gebiert - und dann geht es erneut einmal um das Horoskop. Mir scheint es so, dass es durch das Einstimmen auf seine Rhythmen möglich ist, den Kontakt zur Reise der eigenen Seele aufzunehmen. Natürlich gibt es andere Möglichkeiten, dies zu tun, doch für mich ist der Weg des progressiven Mondes ein Weg einer Astrologin.

DAV: Was ist denn die Beziehung zwischen dem progressiven  Mond und den Transiten?

Darby Costello: Besonders fasziniert mich die Beziehung zwischen dem progressiven Mond und dem transitierenden Saturn. Der Saturn-Zyklus dauert knapp 30, der Zyklus des progressiven Mondes knapp 28 Jahre. Die erste Wiederkehr des Mondes findet ungefähr ein Jahr vor der ersten Saturn-Wiederkehr statt. Die zweite Mond-Wiederkehr findet um die 5 Jahre vor der zweiten Saturn-Wiederkehr statt. Als ich das erlebte und meine Freundinnen und Klientinnen in deren Durchleben dieser Jahre beobachtete, erschien es mir, als hätten wir äußere Ereignisse von inneren Erfahrungen abgetrennt. Anders gesagt, das Fühlen, das innere Leben, nennen wir es das Seelenleben, wurde nicht mehr direkt mit den äußeren Ereignissen verknüpft. Würdest Du mit 60 Jahren von jemandem zurück gewiesen, oder hättest Du in dem Alter irgendetwas falsch gemacht, könntest Du vielleicht ein wenig entfernt vom Geschehen stehen, wärest Du jedoch 30 Jahre alt, würde es sich so anfühlen, als ginge es einfach um Alles.

Dies gilt für diejenigen, die aufmerksam sind, die mit ihren Erfahrungen so umgehen wollen, dass sie weise werden – und die Kraft der Selbst-Reflektion entwickeln.

DAV: Alexander von Schlieffen wird übersetzen. Zu übersetzen und selbst übersetzt zu werden – beides kann sich schwierig gestalten…

Darby Costello: Ja! Damit es funktioniert, braucht es Resonanz zwischen den beiden Menschen. Alexander und ich haben schon oft miteinander gearbeitet – gemeinsame workshops in England und über all die Jahre hat er mich schon mehrere Male an unterschiedIichen Orten in Deutschland übersetzt. Als wir uns trafen, kam es mir vor, als würde ich ihn bereits schon lange kennen. Tatsächlich denke ich, dass ich ihn ganz schön geschockt habe, als ich ihm, kaum dass wir uns gerade getroffen hatten, direkt sagte, dass wir uns nun für das gesamte verbleibende Leben kennen. Ich wusste es einfach. Es war, als sei er ein Cousin aus einem Zweig der Familie, die fortgegangen war, um in einem anderen Land zu leben. Und: wir sind beide Zwillinge – vielleicht der Grund, warum ich mich so wohl damit fühle, dass er meine Worte übersetzt.

DAV: Darby, möchtest Du etwas Wichtiges ergänzen, dass ich vergessen habe, zu fragen?

Darby Costello: Einfach nur, dass ich mich darauf freue, Astrologen und Astrologinnen in Bonn zu treffen. Ich freue mich auf das Gespräch – sobald jemand zu einer neuen Gruppe spricht, ist es immer wieder interessant zu beobachten, dass im Raum nach einigen Minuten ein Energieaustausch zwischen Redner und Zuhörenden wahrzunehmen ist. Eine besondere Art der Unterhaltung und wenn diese funktioniert, werden dann alle – Redner und Zuhörende – mit einem veränderten Gespür für die Thematik auseinander gehen. Das Zuhören kann so lebendig wie das Reden sein - wenn die Chemie stimmt! Die Zuhörenden informieren die Rednerin ebenso, wie dies umgekehrt geschieht. Da ist dieser Tanz zwischen der Rednerin und dem Übersetzer, zwischen dem Übersetzer und den Zuhörenden und zwischen der Rednerin und den Zuhörenden. Das ist ein Tanz! Und ich freue mich schon auf die Erfahrung des neuen und besonderen Tanzes in Bonn.

DAV: Danke sehr, Darby! Wir freuen uns sehr, dass Du auf unserer Tagung einen Vortrag hältst – und darauf, Dich in Bonn treffen zu können!

Das Interview führte Christian König, übersetzt von Gaby Marske-Power.

Über die Autorin

Darby Costello

Darby Costello

E-Mail: 
Webseite: www.darbycostello.co.uk

 

 

 

 

Darby Costello. Die renommierte amerikanische Astrologin arbeitete nach ihrer Ausbildung in den 1960er Jahren lange Zeit in Afrika mit Medizinmännern. Heute lehrt und publiziert sie in London, u. a. am „Zentrum für Psychologische Astrologie“ von Liz Greene. Ihr Buch „Der Astrologischer Mond“ ist 2015 auf Deutsch erschienen.

Tropic of Capricorn

 

 

„Mit der Astrologie und der Kunst schaffen wir einen freien Raum in einer Zeit, die immer schneller und atemloser wird“

Zum Anlass des DAV-Kongresses im Oktober 2015 wird der Publizist, Minderheitserxperte und Astrologe, Klemens Ludwig, einen Vortrag halten: "Uranias Kuss – Astrologie und Kunst". Die erste Vorsitzende, Helen Fritsch, sprach mit ihm über die Verbindung von Astrologie und Kunst.

 

 

DAV: Dein Buch „Astrologie und Kunst“ ist 2013 im Chiron Verlag erschienen. Wie bist auf die Idee gekommen, ein Buch über dieses Thema zu schreiben?

Klemens Ludwig: Es gibt bereits einzelne Werke zu diesem Thema, wie zum Beispiel Erich von Beckerrath „Geheimsprache der Bilder“ oder Dieter Blume „Regenten des Himmels“, die mich sehr beeindruckt haben. Daran wollte ich anknüpfen, aber auch darüber hinaus gehen. Ich wollte nicht nur bedeutende Kunstwerke astrologisch interpretieren, sondern sie auch in einen kultur-historischen Zusammenhang stellen.
Das ist es, was mich selbst besonders interessiert, die Frage, inwieweit die Astrologie als Teil eines kultur-historischen Umfelds sichtbar wird. Astrologie ist altes anerkanntes Kulturgut und diente großen Künstlern als wichtige Inspirationsquelle. Giotto, Tizian, da Vinci und Dürer sind hier nur die bekanntesten Namen. Astrologie ist Teil eines großen kulturellen Erbes.

DAV: Wie tief ging das Interesse der Künstler für die Astrologie?

Klemens Ludwig: Das war natürlich individuell unterschiedlich. Generell lässt sich sagen, dass dieses Interesse bis in die heutige Zeit hinein deutlich wird. Andy Warhol beispielsweise hat einen eigenen astrologischen Zyklus geschaffen und kommentiert. Dürer war astrologisch sehr bewandert und da Vincis spirituelle Suche hat ihn auch zu einer Beschäftigung mit der Astrologie geführt. Aber die Künstler waren immer auch Spiegelbild ihrer Gesellschaft. Dementsprechend war auch ihre Beschäftigung mit der Astrologie gelagert. Die Renaissance-Künstler waren insgesamt diejenigen, die mit ihr am meisten vertraut waren.

DAV: Wie tritt die Darstellung der Astrologie in der Kunst auf?

Klemens Ludwig: Bis in die Neuzeit war Kunst weitgehend sakrale Kunst. Sie war fest eingebunden in das, was Kirche und Religion vermitteln wollten. Der Sternenhimmel als Teil von Gottes Schöpfung war ein wichtiger Teil des damaligen Weltbilds, und somit sind die astrologischen Darstellungen in Kirchen und Klöstern weit verbreitet. Die Astrologie war eine Möglichkeit, um mehr über Gottes Schöpfung zu erfahren.

DAV: Nach der Trennung der Kirche von der Astrologie hat sich doch sicherlich eine Veränderung ergeben?

Astrologie in der KunstKlemens Ludwig: Ich glaube, dass hat nicht unbedingt nur etwas mit der Kirche zu tun. Allgemein wurden wir mit der Aufklärung und später mit der Industrialisierung immer rationaler und der ganze Bereich der Spiritualität, zu dem ich auch die Verbindung von Astrologie und Kunst zähle, verschwand zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung.

DAV: Kommen wir auf Deinen Vortrag „Uranias Kuss - Astrologie und Kunst“ beim DAV-Kongress im Oktober 2015 zu sprechen. In der Spätantike wurde die pythagoreische Vorstellung von der Sphärenharmonie so dargestellt, als würden sich die neun Musen auf die einzelnen Himmelssphären verteilen. Urania wurde dabei der Fixsternhimmel und damit zugleich der höchste Ton zugedacht. Wie werden Künstler denn überhaupt von der Muse Urania geküsst? Welche Inspiration ziehen Sie aus Uranias Kuss?

Klemens Ludwig: Die meisten Künstler sagen, das zu schaffende Kunstwerk ist in mir oder meinem Material. Wir können es nicht rationalisieren, sonst verliert es seinen Zauber. Es ist eine Art innerer Drang. Uranias Kuss wird als Wachküssen von diesem Potential erlebt und bringt etwas zum Ausdruck, was schon immer vorhanden war im Künstler.

DAV: Gibt es eine Wechselwirkung zwischen Kunst und Astrologie? Hat die Kunst auch die Astrologie beeinflusst?

Klemens Ludwig: Ja, ganz sicher, diese Wechselwirkung trägt dazu bei, dass Künstler durch die Astrologie inspiriert werden. Gleichzeitig sehen wir alle als Astrologen, welch wunderbaren Werke durch diese Verbindung entstanden sind. So erfahren wir mehr Achtung und Anerkennung. Wir fühlen uns verbunden mit der eigenen Disziplin und können selbstbewusst das eigene System vertreten. Nicht vergessen werden sollte auch, dass bedeutende Astrologen große Künstler waren; oder ist es umgekehrt? Dane Rudhyar oder Thomas Ring zum Beispiel.

DAV: Kein Astrologie-Unterricht kommt ohne Bilder und Analogien aus. Können wir Astrologie besser verstehen, wenn wir uns mit der Kunst befassen?

Klemens Ludwig: Das ist offensichtlich, denn beide, Astrologie und Kunst entziehen sich einer rein rationalen Erfassung. In der Gesellschaft besteht ein Drang, alles rational einzuordnen. Mit der Astrologie und der Kunst schaffen wir einen freien Raum, der sehr tröstlich sein kann in der heutigen Zeit, die immer schneller und atemloser wird. Hier ticken die Uhren ganz einfach anders.

DAV: Welche Themen planst Du für Deinen Vortrag? Womit wirst Du uns in Bonn bereichern?

Klemens Ludwig: Ich werde anhand der Kunstepochen und einzelner exemplarischer Werke aus den unterschiedlichen Zeiten zeigen, wie Wechselwirkungen stattgefunden haben. Dass heißt, ich möchte zeigen, wie Astrologie Teil einer kulturellen und historischen Entwicklung gewesen ist und diese beeinflusst hat – eine Art gegenseitige Abhängigkeit.
Anhand ausgewählter Horoskope möchte ich aber auch zeigen, wie sich einzelne Künstler, von der Astrologie beeinflusst, künstlerisch betätigt haben. Was zeichnet die Künstler aus astrologischer Sicht aus? Das ist der praktische Teil meines Vortrags. Ich mache also in Bonn auch Horoskopinterpretation.
Ein anderer Blick geht darauf, ob es bestimmte Werke zu astrologisch relevanten Zeitpunkten gab, an denen es beispielsweise markante mundane Konstellationen gab, wie besondere Transite oder Sekundärprogressionen, die sich in der Radix widerspiegeln. Mich beschäftigt die Frage, warum bestimmte Künstler zu bestimmten Zeiten besondere Werke geschaffen haben.

Zudem habe ich noch ein paar spannende Überraschungen parat. Ich werde zeigen, wie späteren Generationen - vor allem in der Kirche - das astrologische Interesse ihrer Vorgänger offenbar peinlich war. Sie haben deshalb großartige Kunstwerke vor der Öffentlichkeit verborgen. Dennoch ist es ihnen allenfalls vorübergehend gelungen, einen Schleier des Vergessens darüber zu legen. Auslöschen konnten sie die Erinnerung nicht und allmählich dringt das Verborgene wieder an die Öffentlichkeit.

Wo und wann das gesehen ist, verrate ich in Bonn.

DAV: Klemens, vielen Dank für das Interview.
Helen Fritsch

Über den Autor

Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

72072 Tübingen
Tel.: 07071-76916
E-Mail:
Webseite: www.astrologie-ludwig.de

 

 

 

Klemens Ludwig, gepr. Astrologe DAV, geb. am 23. 12. 1955, ist vielfältig tätig. Er ist Autor und arbeitet als freier Journalist für verschiedene Zeitungen, Rundfunkanstalten und Verlage, zudem Minderheitsexperte, Astrologe und Kunstkenner. Mit den Krisengebieten unserer Welt ist er durch sein Engagement in der Gesellschaft für bedrohte Völker bestens vertraut. Sein besonderes Engagement gilt dem Tibet. Er schrieb bisher 30 Bücher. Dazu zählen Sachbücher, Reportagen, Romane und astrologische Fachliteratur, zuletzt erschien „Astrologie in der Kunst - 4000 Jahre kosmische Harmonie und Ästhetik“, Tübingen 2013.

Stein der Weisen

 

„Wachsen heißt, sich der Weite des Himmels öffnen

und zugleich in der Erde wurzeln“

 

Beide haben bereits auf dem DAV-Kongress 2013 gemeinsam das Thema „Casanova“ präsentiert. Klemens Ludwig sprach mit ihnen über die geheimnisvolle Welt der Alchemie, deren Verbindung zur Astrologie und den praktischen Nutzen im Leben.

DAV: Ihr präsentiert auf dem nächsten DAV-Kongress gemeinsam das Thema „Auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Astrologie und Alchemie“. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Anita Ferraris & Christian König

                       

Christian König: Da müssen wir ein bisschen ausholen. Nach dem Riesenspaß, den wir mit unserem Vortrag über „Casanova“ hatten, wollten wir natürlich unbedingt wieder kreativ zusammen arbeiten. Es war ziemlich schnell klar, dass wir etwas über „Alchemie“ machen wollten, da jeder von uns mit dem Thema auf verschiedene Weise schon immer verbunden war.

Anita Ferraris: Am 9. Juli 2014 fiel der Startschuss. Seither ist jeder Mittwoch „Alchemie-Tag“, bzw. Labortag: Lesen verschlüsselter alchemistischer Texte, diskutieren, streiten und ringen um deren Bedeutung, eintauchen in die magische alchemistische Bilderwelt, schließlich unsere eigenen Texte zu Papier bringen, Bilder auswählen, Musik finden, und uns immer wieder die Frage stellen, was uns damit verbindet ...

 

DAV: Die Alchemie wird zumeist als Element einer mystifizierten Vergangenheit gesehen, mit deren Hilfe früher unedle in edle Metalle verwandelt werden sollten. Heute wird sie eher als Symbol betrachtet für die Vervollkommnung auf dem eigenen Lebensweg.

Christian König: Alchemie ist für uns – und da sind wir uns einig – eine sehr alte, ganzheitliche und mystische Weltsicht. Das Klischee unterstellt mittelalterliche Quacksalber, die - gebeugt über geheime, alte Manuskripte – versuchten, aus allen möglichen und unmöglichen Zutaten Gold zu produzieren oder den „Stein der Weisen“ zu finden. Dieses Bild stimmt nur zum Teil. Alchemisten, die einzig vom Gold besessen waren, gab es zwar, aber sie haben mit wahren Alchemisten ungefähr so viel zu tun wie Dieter Bohlen mit Mozart.

Anita Ferraris: Die wahre Alchemie ging bei der Betrachtung der Natur von anderen Denkansätzen aus, als wir es heute mit unserem Verständnis der Welt gewohnt sind. Ihre Betrachtungsweise wird heute als „magisches Weltbild“ bezeichnet. Das magische Weltbild öffnet eine komplett neue Sicht auf das Leben: alles ist miteinander verwoben.

Christian König: Ein Beispiel: Wir haben vorhin von unserem „Alchemie-Tag“ gesprochen, dem Mittwoch. Erst vor ein paar Wochen fiel uns auf, dass Mittwoch ja der Tag des Merkurs ist. Und Mercurius ist der Gott der Alchemie. Zufall?

 

DAV: Die Astrologie erscheint etwas konkreter, denn sie verfügt über eine klare Basis, ein Horoskop, woraus Erkenntnisse über das Wesen des Horoskopeigners und dessen Zukunft abgeleitet werden können. Wo seht ihr die Verbindung beider Disziplinen?

Anita Ferraris: Alchemie und Astrologie gehen für uns Hand in Hand wie Geschwister. Die Alchemie gehört keineswegs einer verstaubten, überholten Vergangenheit an. Sie ist der Astrologie ebenbürtig. In unserem Vortrag gehen wir genauer darauf ein. Die verschiedenen alchemistischen Umwandlungsprozesse finden wir zum Beispiel auch als Thematik im Geburtshoroskop, in den Aspekten und besonders bei Transiten und Progressionen.

 

DAV: Wie kann die Astrologie von der Alchemie profitieren?

Anita Ferraris: Naja, die Astrologie ist ohne Frage ein großartiges Erkenntnisinstrument. Wir alle wissen das. Aber seien wir doch mal ehrlich. Manchmal sind unsere Beratungen und Horoskopanalysen recht kopflastig und intellektuell.

Christian König: Als Klient bekomme ich eine Unzahl von Informationen. Aber was mache ich dann damit? - Die Alchemie mit ihrer tief berührenden und unausweichlichen Bilderwelt lässt als Ergänzung das geistig Verstandene sozusagen in den Bauch rutschen, wo es dann leichter „verstoffwechselt“ werden kann.

Anita Ferraris: Mit Hilfe der alchemistischen Bilder und dem Wissen um die verschiedenen alchemistischen Entwicklungsstufen kann am Ende einer astrologischen Beratung eine Weiterführung und Vertiefung erfolgen.

 

DAV: Damit zeichnet ihr ein sehr modernes Bild von der Alchemie

Christian König: Ja, zum Beispiel im Sinne von Dennis William Hauck, ein Alchemist der Gegenwart, der einmal gesagt hat: „Alchemie ist die Kunst der Transformation“. Davon kann die Astrologie enorm profitieren – heute wie damals. Sie hilft jedem Menschen mit Krisensituationen umzugehen und den tieferen Sinn darin zu fühlen und zu erkennen.

Anita Ferraris: Während unserer intensiven Beschäftigung mit der „Suche nach dem Stein der Weisen“, haben wir beide nicht nur geistig-intellektuell viel gelernt, sondern auch auf der ganz persönlichen Ebene die Kraft der Alchemie erfahren. Wir haben in dieser langen Zeit selbst die alchemistischen Phasen erlebt. Wir waren zwischenzeitlich an einem Punkt, an dem wir uns so gestritten haben, dass wir uns gegenseitig sagten: „Mach doch alleine weiter. Ich steige aus!“

Christian König: Aber das Wissen um die alchemistischen Stufen der Transformation hat uns weiter getragen und uns geholfen, unsere „Ego-Spielchen“ sein zu lassen. Sicher haben wir „profitiert“, vor allem aber haben wir viel über uns gelernt und erkannt - und das war das Geschenk, das die Alchemie uns gemacht hat.

 

DAV: Gibt es heute noch eine konkrete alchemistische Praxis?

Anita Ferraris: Aber ja! Bei Menschen auf spirituellen Erfahrungswegen, in machen Ateliers von Künstlern und sogar in vielen psychotherapeutischen Prozessen werden, bewusst oder unbewusst, alchemistische Prinzipien angewendet, aber auch nach wie vor ganz klassisch in alchemistischen Schulen und spagyrischen Laboren. Und Harry Potters „Stein der Weisen“ kennt heutzutage jedes Kind.

Christian König: Ganz konkrete Beispiele finden wir sogar auf Facebook: Die „Schule der Alchemie“ mit 791 Mitgliedern oder „Alchemy Study“ mit 12 730 Mitgliedern. 2011 fand in Long Beach, Kalifornien die „International Alchemy Conference” mit 40 Referenten statt. In der Nähe von Washington kann man Kurse in der „Spagyricus School of Alchemy“ belegen.

 

DAV: Spagyrik wird vielen nicht vertraut sein.

Anita Ferraris: Die Spagyrik ist die Herstellung von Medikamenten nach den Gesetzen der Alchemie. Manche Pharmazeuten beziehen sich bei der Herstellung der spagyrischen Essenzen auch heute noch auf Paracelsus. Moderne Alchemisten wie Carl-Friedrich Zimpel oder Alexander von Bernus haben das alte Wissen in die Naturheilkunde eingebracht, wo es nach wie vor sowohl für Menschen wie für Tiere Anwendung findet.

 

DAV: Was entgegnet Ihr Kritikern, die einwenden, eine Verbindung mit der Alchemie untergrabe die Seriosität der Astrologie?

Christian König: (schmunzelt): Ich habe gar nicht mitbekommen, dass die Astrologie ein seriöses Image hat … Ok, Spaß beiseite. Als erstes: Was weiß jemand, der das behauptet, über die Alchemie? Wie sehr hat er sich damit beschäftigt oder wie sehr ist er im Klischee des Goldmachens und der brodelnden Töpfe verhaftet? Wer sich nicht gründlich informiert hat, kann nicht mitreden. Es ist genau so, als würde man sich mit einem Fisch über Joggingschuhe streiten wollen.

Anita Ferraris: Genau! Beuys hat einmal gesagt: „Man kann sich doch nicht ernsthaft unterhalten wollen, wenn man nicht einmal vorher die Begriffe geklärt hat!“ Dann könnte man ebenso die Verbindung von Astrologie und Tarot als unseriös verurteilen. Man wird doch auch nicht eine so renommierte Astrologin wie Liz Greene als unseriös abstempeln! Sie hat sich fundiert mit der Alchemie und der Astrologie in Büchern und Vorträgen auseinander gesetzt.

 

DAV: Welche Voraussetzungen muss jemand mitbringen, der sich für Alchemie interessiert und welche Perspektiven bieten sich den Interessenten?

Christian König: Gelebte Alchemie kann man mit einem einfachen Satz beschreiben: Wenn dir dein Leben nicht passt, kannst du es ändern und danach mit Mut und Beharrlichkeit zum Eroberer deines Daseins werden. „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Dazu fanden die Alchemisten praktische Wege der Verwirklichung. Ihre Methoden sind heutigen psychologischen Ansätzen absolut ebenbürtig.

Anita Ferraris: Nicht jeder wird das nutzen wollen und nicht jeder wird diesen Weg gehen wollen – es ist ein tiefgreifender Weg. Wer sich dafür entscheidet, braucht Neugier, die Fähigkeit, sich auf eine Entdeckungsreise einzulassen, auf eine Achterbahnfahrt, jenseits vom gewohnten vertrauten sicheren Trott. Außerdem braucht er Geduld, Mut und den Willen zu stetigen Wandlungsprozessen. Und er muss sich für mehr interessieren als für die materielle Welt. Er muss ein unerschrockenerer Suchender sein.

Christian König: Mir fällt in diesem Zusammenhang Martin Heidegger ein. Er hat sinngemäß einmal gesagt: Wachsen heißt, sich der Weite des Himmels öffnen und zugleich in der Erde wurzeln.

DAV: Anita und Christian, ich danke euch für das Interview.

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Über die Referentin

Anita Ferraris

Anita Ferraris

Koblenzerstrasse 68
50968 Köln
Tel.: 0221-312940
E-Mail:
Internet: www.astrologie-anitaferraris.de

 

Anita Ferraris ist geprüfte Astrologin DAV. Die frühere Theaterregisseurin ist seit 2005 als Heilpraktikerin (Psychotherapie) in ihrer Praxis für Körpertherapie und Energiearbeit in Köln beratend und therapeutisch tätig. Sie leitet eine Astrologieschule, die als Ausbildungszentrum des DAV zertifiziert ist und ist seit 2010 Mitglied der DAV-Kongresskommission. Astrologischer Schwerpunkt: Psychologische Astrologie, Horoskopaufstellungen

Über den Referenten

Christian König

Christian König

Alter Fischmarkt 24
D-48143 Münster
Tel.: 02 51 / 24 63 28 5
E-Mail:
Internet: www.christiankoenig.eu

 

Christian König, geprüfter Astrologe DAV und DAV-Supervisor, war 4 Jahre lang Mitglied der Ausbildungskommission und gehört seit 2009 der Kongresskommission an. Nach zehnjähriger Tätigkeit in verschiedenen psychotherapeutischen Kliniken arbeitet der Diplom-Psychologe, Psychologische Psychotherapeut (Tiefenpsychologie) und Traumatherapeut seit 2004 in eigener astrologischer und psychotherapeutischer Praxis in Münster. Astrologischer Schwerpunkt: Fixsternastrologie, Visual Astrology.

Chiron

 

Interview vom DAV mit Eva Stangenberg

„Chiron - ein Elixir zur Selbstannahme“

 

 

Klemens Ludwig sprach mit Eva Stangenberg über ihre persönlichen Erfahrungen mit Chiron und dessen Bedeutung als Mittler zwischen der materiellen und geistigen Welt.

                       

Eva Stangenberg

DAV: Mit deinem Vortrag Chiron – ein Elixier zur Selbstannahme rückst du auf dem DAV-Jahreskongress einen erst 1977 entdeckten Kleinplaneten in den Fokus, der inzwischen recht populär geworden ist. Was bedeutet Chiron für dich? Wofür steht er?

Eva Stangenberg: Chirons exzentrische Umlaufbahn bewegt sich zwischen Saturn und Uranus. Daraus ergibt sich seine Bedeutung, dass er nämlich diese beiden Planeten verbindet. Dazu möchte ich etwas ausholen. Saturn symbolisiert bekanntlich das Konkrete, Reale, auch den realen Menschen mit all seinen Mängeln und Grenzen. Gleichzeitig steht er für Normen und Regeln, für die Gesellschaft, die darauf aufbaut und zu der man dazugehört, wenn man sich danach richtet. In früheren Zeiten war das für das Überleben unverzichtbar.

Uranus ist das Kontrastprogramm, er symbolisiert eine geistige, abstrakte Idee sowie daraus resultierend, unsere Individualität, die nicht immer mit den Normen und Regeln kompatibel ist.

 

DAV: Und Chiron ist in der Lage, diese gegensätzlichen Energien zu verbinden?

Eva Stangenberg: Besser noch, durch die Brücke, die er zwischen diesen beiden Wesensanteilen baut, ermöglicht er es, die Idee, als die wir gedacht sind – nämlich Uranus – zu realisieren. Ich sehe Saturn als Bild wie einen geschlossenen, quadratischen Raum, in dem sich unsere persönlichen Planeten befinden. Alles hat seinen Platz und ist nicht durchlässig nach oben in den geistigen Bereich, denn Saturn ist die Grenze. Dann kommt Chiron und schließt eine Tür in dem fest gefügten Ganzen auf – sein Symbol ähnelt einem Schlüssel. Im persönlichen Horoskop ist das Haus, in dem Chiron steht, der Ort, wo das geschieht. Das katapultiert uns aus der Bahn der Norm, denn Uranus, der Unkonventionelle, kann nun in das konkrete Leben eindringen und setzt uns so unter seinen Strom. Ich nenne das den „Siehste-Effekt“, wir erleben: „Du bist anders“, aber das wollen wir nicht, denn damit werden wir von der Gesellschaft mit ihren Normen abgetrennt, und das löst tiefe Ängste aus. Man nennt ihn ja auch den verwundeten Heiler und die Wunde meint in diesem Bild die offene Stelle in der saturnischen Schutzhaut, wo wir nun nicht nur den Energien des Uranus ausgeliefert sind, sondern auch besonders offen, ungeschützt und sensibel unsere Umwelt mit all ihren Bewertungen erleben.

 

DAV: Das klingt so, als ob es im Erleben ganz schön schmerzhaft sein kann?

Eva Stangenberg: Bei Chiron stellt sich ganz besonders die Frage „Wozu erlebe ich etwas“? Zu Anfang ist es das Gefühl der Andersartigkeit, häufig verbunden mit Scham darüber, das Ankämpfen gegen das scheinbar Unwerte, bis die Akzeptanz dessen uns begreifen lässt, dass die vielen konkreten Erfahrungen, die wir machen konnten, besondere Qualitäten darstellen, die nun von Nutzen sind für andere, die ähnliche Themen haben. Das Thema der Bewertung und der Abspaltung zieht sich durch den ganzen Mythos und wird deutlich schon in seiner körperlichen Erscheinung mit Pferdeleib und menschlichem Oberkörper. Der Hinterleib steht für das Menschlich – Unvollkommene, eben für unseren Körper mit all seinen Schwächen und Bedürfnissen, damit auch für Mutter Erde, was dem weiblichen Prinzip entspricht. Und gerade das wurde und wird zum Teil immer noch in der patriarchalen Gesellschaft abgewertet. Sein Oberkörper steht für das männliche Prinzip, Gott Vater, das dem gegenüber ganz hoch bewertet wird. Der Mythos lehrt uns letztlich aber, beides anzunehmen und nichts mehr zu bewerten. „Heil werden“ bedeutet dann, Körper, Seele und Geist anzunehmen.

Chiron lehrt uns zu sagen „Ja, ich bin ein Mensch mit Schwächen, ich bin nicht vollkommen, aber genau das macht mich menschlich, denn es ermöglicht mir, Empathie, Mitgefühl und Einfühlsamkeit zu entwickeln. Erst wenn ich am eigenen Körper erlebe, was es bedeutet, anders zu sein, nicht der gesellschaftlichen, saturninen Norm zu entsprechen, dann können sich diese Werte entfalten, dann kann ich andere annehmen, die ähnliche Themen haben und was noch wichtiger ist, mich selbst annehmen. So wird Chiron zu dem „Elixier der Selbstannahme“.

 

DAV: Das ist sicher keine leichte Übung.

Eva Stangenberg: Sicher nicht, vor allem nicht bei direkten, konkreten Konfrontationen mit dem Thema, wie z.B. bei physischen oder psychischen Leiden. Dann tendieren wir dazu, gegen das anzukämpfen, was uns leiden lässt, wir suchen nach Ursachen, aber damit werden wir es nicht überwinden, so erzählt es zumindest der Mythos und das ist auch meine Erfahrung in meinen Beratungen. Um aus dem Teufelskreis herauszukommen, benötigen wir Chiron; seine Geschichte erzählt was Heilung in seinem Sinne bedeutet und das werde ich auf dem Kongress anhand konkreter Beispiele aufzeigen.

 

DAV: Lass uns jetzt schon etwas konkreter werden. Wie sind deine persönlichen Erfahrungen mit Chiron? Wann bist du ihm zum ersten Mal begegnet?

Eva Stangenberg: Ende der achtziger oder Anfang der neunziger Jahre – das weiß ich nicht mehr so genau – habe ich den Mythos zum ersten Mal gelesen, und er hat mich sofort tief berührt. Ich habe dann nachgeschaut, wie Chiron-Transite bei mir gewirkt haben, und es hat mich im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos gemacht. Darauf komme ich gleich noch zurück.

Zunächst zu meiner Kindheit, ich bin in Sachsen-Anhalt geboren, nahe der ehemaligen Zonengrenze. Am 6. Januar 1960 sind meine Eltern aus der DDR geflohen; für mich der radikale Verlust meiner Heimat, ich wurde ein Flüchtlingskind ohne Zugehörigkeitsgefühl und Heimat. Zu der Zeit lief Chiron direkt über meine Mond/Jupiter-Konjunktion in meinem 4.Haus. Genau 51 Jahre später – ein Chiron-Umlauf – war ich aufgrund des Gefühls hierzulande keinen wirklichen Platz zu haben, drauf und dran, an meine Ursprünge zurück zu gehen. Eine Freundin hielt mich davon ab, indem sie sagte, „lauf nicht der Vergangenheit hinterher, sondern hol sie zu dir“. Das hat mich tief berührt, denn ich begriff, dass ich einen Teil von mir damals bei der Flucht in der alten Heimat zurück gelassen und er mir die ganze Zeit gefehlt hatte. Kurze Zeit später fand ich das Haus, in dem ich jetzt lebe und meine Praxis habe. Seitdem weiß ich, wohin ich gehöre.

 

DAV: Eine solche Erfahrung ist sicher sehr prägend, aber kann sie auch verallgemeinert werden?

Eva Stangenberg: Im konkreten Erleben natürlich nicht, aber im Bezug auf die dahinter liegenden Botschaften und Lehren ganz sicher. Bevor ich darauf eingehe, noch ein paar persönliche Beispiele, denn das war noch lange nicht alles. Als ich mit der Astrologie begann, stand Chiron an der Spitze meines 8. Hauses, machte ein Sextil zu meiner Sonne und ein Quadrat zu meinem Mond/Jupiter, den beiden Aspekten aus der Radix. Damit komme ich wieder auf seine Funktion als Türöffner zurück. Er hat die Tür zu meinem inneren Wissen aufgestoßen. Bekanntlich betreibe ich mit Ernst Ott eine Schule und DAV-Ausbildungsstätte. Als Ernst mich dazu einlud, stand Chiron genau an meinem MC, zudem mein Chiron-Punkt, und als wir ergänzend zu unseren Schulen in Karlsruhe und München diejenige an meinem Wohnort in Rottenburg eröffnet haben – meine erste professionelle Praxis – befand sich Chiron in Opposition zu meiner Sonne. Die Konstellation, forderte mich auf, das nach außen zu realisieren, was meiner Fische-Sonne am Herzen lag.

Diese Affinität zu Chiron-Transiten besteht bis heute. In den letzten eineinhalb Jahren stand Chiron auf meinem Fische-Merkur, einem sehr sensiblen Punkt in meinem Horoskop, meiner Stimme. Schon lange hegte ich den Plan, meine Erfahrungen mit Chiron in Buchform zu veröffentlichen, doch Saturn (in Opposition zu meinem Merkur) ließ es nicht zu: all die Pflichten im Alltag und mit der Schule, keine Zeit… Dann schlug Chiron zu, und er verschlug mir buchstäblich die Sprache. Er setzte sich, bildlich gesprochen, auf meine Stimmbänder, und ich war zum Schweigen verurteilt; kein Unterricht, keine Vorträge mehr… Mit allen möglichen Methoden habe ich dagegen angekämpft, herumgedoktert, alles vergeblich. Eine Operation verschlimmerte die Situation und hinterließ eine Narbe auf meinen Stimmbändern, auch eine klare Analogie zu Chiron. Ich konnte bestenfalls noch krächzen und meine HNO-Ärztin offenbarte mir, „ich kann nichts mehr für Sie tun, Sie müssen lernen, mit dem Zustand zu leben“. So hatte ich nun, wenn auch zwangsweise, die Zeit, um endlich das Buch zu schreiben, das ich schon so lange schreiben wollte. Als ich das Manuskript abgeschlossen hatte, ging nahezu zeitgleich Chiron aus dem Orbis zu meinem Merkur. Ich nahm Globoli und wurde innerhalb kurzer Zeit geheilt; meine Ärztin hat keine medizinische Erklärung für das Verschwinden der Narbe. Ich gehe allerdings seitdem anders mit meinem sensiblen Fische-Merkur um, er gehört jetzt zu mir und meiner Eigenart.

 

DAV: Welche allgemeingültige Botschaft entwickelst du aus der beeindruckenden Geschichte?

Eva Stangenberg: Chiron wurde zu meinem ganz persönlichen Lebenselixier der Selbstannahme. Ich habe endlich gelernt mit ihm zu leben und auch die Persönlichkeitsanteile, die ich nicht wollte, zu integrieren. Um es auf den Punkt zu bringen, Saturn mit Uranus zu verbinden bedeutet, „das in die Welt zu bringen, als was ich gedacht bin“; nicht wie die Gesellschaft mich haben will. Das geschieht durch die Vermittlung von Chiron. Oder anders gesagt, Chiron hat mich gelehrt, mich anzunehmen wie ich bin und etwas daraus zu machen. Selbst wenn es die Sprachlosigkeit ist, bzw. der sensible Umgang mit meiner Stimme.

DAV: Herzlichen Dank für die tiefen Einblicke in deine eigenen Chiron-Erfahrungen. Wir dürfen gespannt sein, was du auf dem Jahreskongress darüber hinaus noch an Erfahrungen und Lehren für den Umgang mit Chiron parat hast.

 


Klemens Ludwig sprach mit Eva Stangenberg über ihre Verständnis von Chiron und sein Potenzial zur Selbstannahme.

Über die Referentin des DAV-Kongresses 2015

Eva Stangenberg

Eva Stangenberg

Alte Steige 11, 72401
Heigerloch - Gruol

Tel.: 07474 / 95 90 15


Ausbildung in Astrologie

Eva Stangenberg, gepr. Astrologin DAV. Die ehemalige Grundschullehrerin leitet seit 1992 zusammen mit Ernst Ott das Ausbildungszentrum in Karlsruhe und betreut die Ausbildungszentren in München, Karlsruhe und Haigerloch. Sie hat ihre Beratungspraxis in Haigerloch, ist Autorin verschiedener Fachbücher, hält Seminare und Vorträge im In- und Ausland, veranstaltet astrologische Reisen und ist die Gründerin und Leiterin der Astro-Drama-Gruppe „Theastro“.

 Transpluto

 

Interview vom DAV mit Heidi Treier

„Wenn die Seele berührt wird,

entsteht ein ganz besonderer Zauber“

 

"Wir haben die Wahrheit gesucht, wir haben sie nicht gefunden. Morgen reden wir weiter." [Zugesprochen] Sokrates                               

Heidi Treier

DAV: Mit deinem Vortrag „Wirklich ist, was wirkt – eine Einweihung in Transpluto-/Isis-Kräfte“ wirst du auf dem DAV- Jahreskongress viele Zuhörer mit in eine Welt nehmen, die ihnen neu sein dürfte. Was verstehst du unter Transpluto und was können wir davon erwarten?

Heidi Treier: So neu ist der Transpluto nicht, er hat allerdings verschiedene Bezeichnungen. Die Kosmobiosophen um Edith Wangemann sagen „Isis“, aber es meint das gleiche. Astronomisch ist lediglich seine Bahn nachgewiesen, wir wissen jedoch nicht, ob es sich um einen entfernten Himmelskörper, einen Nebel oder einen rechnerischen Punkt handelt. Das ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass es seit den 1960er Jahren Ephemeriden zu Transpluto gibt, die u. a. von Dr. Theodor Landscheidt erstellt wurden. Damit arbeite ich seit vielen Jahrzehnten und die Ergebnisse sind verblüffend (obwohl diese Bahn astronomisch nicht bestätigt wurde). Das werde ich auf dem Kongress in Bonn anhand praktischer Beispiele verdeutlichen.

 DAV: Ohne die Spannung wegzunehmen, magst du jetzt schon etwas mehr dazu verraten?

Heidi Treier: Gern, meine lange Erfahrung mit Transpluto zeigt eindeutig, er steht für den Bereich, wo wir besondere Fähigkeiten mitbringen, kreative, künstlerische, auch geistig-kreative Fähigkeiten. Da Transpluto aber weit entfernt kreist, sind diese Fähigkeiten nicht so leicht greifbar wie die der persönlichen Planeten. Der Eigner muss es wollen, er muss mit Bewusstsein, Begeisterung und Motivation daran arbeiten, dann kann er das großartige Potential von Transpluto für sich nutzen.

DAV: Du hast konkrete Beispiele angekündigt. Vielleicht eines hier schon zur Einstimmung?

Heidi Treier: Michael Jackson war eine Persönlichkeit mit einem dominanten Transpluto. Er stand eleviert (am höchsten Punkt) in seiner Radix und bildete außerdem einen Halbsummenpunkts seines Stelliums zu seiner Venus – Symbol für die Beliebtheit – und  Uranus – Symbol für den Rhythmus. Indem er an beidem hart gearbeitet hat – sicher ohne mit Transpluto vertraut gewesen zu sein – hat er es zur Perfektion gebracht. Bei Einstein kann man die Wirkung von Transpluto ebenfalls gut beobachten, aber das erzähle ich erst in Bonn.

 


Michael Jackson - Radix

DAV: Und was hat der astrologische Normalverbraucher davon, der sich nicht zu den Genies zählt?

Heidi Treier: Transpluto ist nicht nur für die Genies zuständig. Wir haben ihn alle im Horoskop, und all diejenigen, die an ihrer Persönlichkeitsentwicklung interessiert sind, die in ihrer Entwicklung wachsen und etwas aus sich machen wollen, finden über Transpluto einen Schlüssel dazu. Unterstützt wird diese Energie natürlich, wenn er dominant steht, an den Achsen, in Aspekten zu persönlichen Planeten oder an Häuserspitzen. Das jeweilige Thema arbeite ich dann in der Beratung mit dem Klienten heraus. Ob ein Klient seine Transplutokräfte im Laufe seines Lebens aktivieren wird, hängt allein davon ab, ob er so beseelt ist von einer Idee oder einem Ziel, dass er seine ganz Aufmerksamkeit, sein Bewusstsein und seinen Willen auf diese Idee oder dieses Ziel  lenkt.

DAV: Kannst du über die Deutung hinaus noch mehr über den Charakter und die Eigenschaften von Transpluto sagen? Was sind deine Erfahrungen?

Heidi Treier: Transpluto hat mit dem morphogenetischen Feld nach Rupert Sheldrake zu tun. Er scheint Informationen zu transportieren, aber nicht im Sinne von Worten oder Fakten, sondern als Energiefluss. Er ist nach meiner Erfahrung eine Andockstelle für unsere zugrunde liegende Informationsenergie, die bekanntlich ein grundlegender Baustein für die Entwicklung im All ist. Aber wie bereits erwähnt, um diese Kraft nutzbar zu machen, müssen wir die Bereitschaft mitbringen, ernsthaft daran zu arbeiten. Wer sagt, „ich will mich nicht verändern, das ist anstrengend und risikoreich“, der wird das Potential von Transpluto nie erleben.

 

 

DAV: Du bewegst dich in einem recht spekulativen Bereich. Was antwortest du Leuten, denen das zu spekulativ ist?

Heidi Treier: Ich bewundere zutiefst das uns überlassene Wissen der Alten, die durch reine Beobachtung des Geschehens am Himmel zu unvorstellbar exakten Ergebnissen kamen.  Und dennoch dehnen sich unser Wissen und unsere Erfahrung ständig aus. Es ist daher nicht nur logisch, sondern auch wichtig, neue Erkenntnisse in der Astrologie aufzugreifen, sonst kann sie nicht mit wachsen und sich in unserer heutigen Zeit wieder als eine ernst zu nehmende Erkenntniswissenschaft etablieren. Und das ist es ja, was wir wollen. Alles soll sich erweitern, aber die Astrologie soll bleiben wie vor 4.000 Jahren?

Ich verfolge in der Tat noch ein übergeordnetes Ziel, nämlich dass die Astrologie sich mehr öffnet.

DAV: Das klingt, als ob manche Kolleginnen und Kollegen deinen Erfahrungen mit Transpluto eher skeptisch gegenüber stehen.

Heidi Treier: Nicht nur, es gibt solche und solche. Ich arbeite vor allem mit Schweizer Kolleginnen in Sachen Transpluto eng zusammen, aber es gibt tatsächlich auch viel Skepsis, obwohl ich insgesamt glaube, dass die Kollegenschaft allmählich offener wird. Die kosmischen Zyklen sind günstig dafür. Seitdem sich das letzte Pluto-Uranus-Quadrat aufgelöst hat, erlebe ich einen stärkeren Energiefluss. Ein Wandel vollzieht sich, hin zu mehr Offenheit.  Das ist auch dringend nötig, denn wenn die Astrologie den ständigen Wandel, den sie in den kosmischen Zyklen sieht, nicht selber mitmacht, bringt sie sich um ihre eigene Zukunft.

DAV: Das sind gewichtige Einwände. Wo steht die Astrologie aus deiner Sicht?

Heidi Treier: Sie benötigt mehr Offenheit. Ich sage damit nicht, dass wir bei allem mitmachen müssen, was neu daher kommt, aber wir dürfen uns auch nicht verschließen, nicht sofort bewerten oder abwinken, weil wir noch keine Erfahrung damit haben. Für mich ist die Quelle, aus der ich trinke, eine sich weiter entwickelnde Astrologie, die sich intensiv und konkret  mit anderen Wissensgebieten vernetzt.

DAV: Damit sind wir nah am Motto des Kongresses, das lautet, „Lebenselixier Astrologie“. Wie bringst du Transpluto damit in Verbindung? 

Heidi Treier: Er ist das Elixier, mit dessen Hilfe ich an meinen inneren Informationsfluss und an meine Talente herankomme. Er verwandelt meinen Alltag vom Gewöhnlichen zum Besonderen, indem ich mein kreatives Potential entdecke. Und wenn dadurch die Seele berührt wird, entsteht ein ganz besonderer Zauber.

DAV: Herzlichen Dank, auf dass du noch vielen offenen Kollegen und Klienten begegnest, die interessiert sind, sich auf Transpluto einzulassen und diesen Zauber zu spüren.


Klemens Ludwig sprach mit ihr über ihre Erfahrungen mit Transpluto, den praktischen Nutzen für die Klienten sowie die Reaktion der Kollegen.

Über die Referentin des DAV-Kongresses 2015

Heidi Treier

Heidi Treier

Andreaskloster 16, 50668 Köln
Tel.: 02203 917726


www.astrologiezentrumkoeln.de

Heidi Treier, gepr. Astrologin DAV, geboren 1943, arbeitet seit 1974 als beratende Astrologin mit eigener Praxis. Seit 1991 leitet sie das DAV-Ausbildungszentrum Köln-Mitte. Heidi Treier rundete ihre früheren Psychologiestudien an der Uni Köln mit der systemischen Paar- und Familientherapie ab. Seit vielen Jahren gestaltet sie die Geschicke des DAV in verschiedenen Positionen aktiv mit. Zu ihren Publikationen zählen „Karma im Horoskop – Wege zur schöpferischen Kraft“ (Astronova) und „Heliozentrische Astrologie“ (mit Sibylle Sulser). Sie forscht zum Thema „Transpluto“.

 

Interview vom DAV mit Markus Jehle

„Magische Momente in der Beratung“

 

Markus Jehle
Vortrag von Markus Jehle: "Die Elixiere der Astrologen"

„Die Elixiere der Astrologen – aus welchen Quellen wir trinken, was uns bekommt
und woran wir uns mitunter verschlucken“, so lautet der Titel des Eröffnungsvortrags, den Markus Jehle halten wird. Er hat sich auch als Erster einem Interview gestellt, in dem er seinen Bezug zum Kongress-Motto erläutert und deutlich macht, was die Besucher von ihm erwarten können.





DAV
:
Du wirst auf dem kommenden DAV-Jahreskongress, der unter dem Motto „Lebenselixier Astrologie“ steht, den Eröffnungsvortrag halten. Was verbindest du mit dem Thema?

Für mich ist es eine Umsetzung dessen, was Neptun in Fische bedeutet – ein direkter Zugang zur Quelle. Astrologie, vor allem in Form der Beratung, ist eine Kunst. Man muss natürlich sein Handwerkszeug beherrschen, aber das Entscheidende geschieht darüber hinaus, wenn es in einer Beratung zu magischen Schlüsselmomenten kommt, die sich ergeben, die nicht planbar sind. Ich höre mich manchmal etwas sagen, das mir wie eine Inspiration eingegeben wird. Darin liegt ein Zauber, und eine Beratung wird zu einer rituellen Handlung, zu einem besonderen Ereignis für den Menschen, der zu mir kommt und eine Wandlung vollziehen möchte. Und die Astrologie ist das Elixier, das diese Wandlung bewirkt.


DAV: Das klingt sehr mystisch. Die meisten Klienten kommen aber mit sehr konkreten Anliegen. Kann ihnen diese Sicht überhaupt gerecht werden?

Wer konkrete Antworten auf konkrete Fragen wünscht, ist bei mir falsch. Meine Zielgruppe sind mündige Klienten, die neugierig auf sich und ihre Potenziale sind und Inspiration suchen. In meinem Vortrag geht es zunächst einmal darum, für mich und für uns Astrologen die Frage zu stellen: Woher kommt unser Wissen? Oder um es poetisch zu formulieren: Aus welchen Quellen trinken wir? Woraus schöpfen wir? Das geht über eine rationale Erklärung hinaus und beschert auch uns als Berater künstlerische, schöpferische Momente.



DAV: Würde der Zauber verschwinden, wenn es auf die Fragen eine Antwort gäbe?

Das kann gut sein. Ich stelle die Fragen nicht in den Raum, um Antworten zu bekommen, sondern um dazu anzuregen, sich solchen Fragen zu stellen. Und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht. Vor zwanzig Jahren habe ich einmal Liz Greene interviewt. Ich habe sie gefragt, ob nach so vielen Beratungen, die sie schon gemacht hat, nicht mit der Zeit eine gewisse Routine entsteht. Sie wies das weit von sich und meinte, jede Beratung beinhalte immer eine besondere Magie.


DAV: Zurück zu den Klienten, die durch das Elixier der Astrologie eine Wandlung erfahren sollen. Bekommst du mit, ob so eine Wandlung stattfindet? Kannst du beobachten, ob sie die magischen Momente tatsächlich in eine konkrete Veränderung umsetzen?

Es gibt da zwei Aspekte. Zunächst einmal weiß ich, dass die Klienten in einer guten Beratung solch magische Momente erleben, wenn zum Beispiel jemand zu mir kommt, den ich noch nie gesehen habe und er nach einer halben Stunde meint, ich hätte all seine geheimen Tagebücher gelesen.
Was ich jedoch langfristig bei meinen Stamm-Klienten mitbekomme, ist mitunter ernüchternd, das kann ich nicht leugnen. Ich hatte die Wirkung meiner Arbeit lange Zeit überschätzt, Veränderungen sind offenbar schwierig und die Entfaltung von Potenzialen braucht Zeit. Die Verantwortung für die persönliche Weiterentwicklung liegt beim Klienten selbst. Er kann seine Chancen nutzen oder sie verstreichen lassen. Meine Rolle ist es, die passenden Impulse zu geben; insofern betrachte ich das Horoskop als Stimulus, als Quelle der Inspiration, und die praktische Umsetzung liegt beim Klienten.


DAV: Du bist nicht nur Astrologe, sondern auch Psychologe, kennst also verschiedene Systeme. Wie siehst du das Potenzial der Astrologie im Vergleich zu anderen?

Da steht die Astrologie sehr gut da. Unsere Basis bilden bekanntlich Symbole. Allein wenn wir uns auf Planeten, Zeichen und Häuser beschränken, sind wir bei 1.440 Kombinationsmöglichkeiten, die gedeutet werden müssen. Unser Ringen darum, diese Symbolik zu vermitteln, lässt uns sehr kreativ sein. Das beginnt bereits mit der Sprache. Wissenschaftliche Untersuchungen aus den 1960er Jahren, die sich mit Gutachten von Psychologen, Graphologen und Astrologen befassen, haben herausgefunden, dass wir einen um ein Drittel größeren Sprachraum besitzen. Die theoretische Differenziertheit wird auch sprachlich umgesetzt. Aber es geht nicht nur um Ausdrucksformen. Diese Kreativität bringt auch bei dem Klienten etwas in Resonanz, was andere nicht erreichen. Das Potenzial des Klienten wird herausgearbeitet.


DAV: Viele Klienten wollen aber lieber wissen, was kommt, als das, was ist. Wie gehst du damit um?


Wir verfügen auch in diesem Bereich über großartige Methoden, die anderen Systemen nicht zur Verfügung stehen, nämlich die verschiedenen Formen der Prognose. Transite, Progressionen, Solare und andere Methoden, mit denen wir die Qualität der Zeit erfassen. Sie machen deutlich, wo ein Klient gerade steht, welche Themen für ihn aktuell relevant sind, worauf er sich einzustellen hat.

DAV: Welche Herausforderungen siehst du momentan für die Astrologie?

Um das Motto des Kongresses wieder aufzugreifen: Wie entwickelt sich dieses Elixier weiter? Woraus entsteht neues astrologisches Wissen? Wie integrieren wir die zahlreichen Neuentdeckungen von Himmelskörpern? Wie kommen wir da zu Deutungen? Aus der Mythologie? Durch Beobachtung und Empirie? Das alles ist zwar wichtig, reicht aber nicht. Die Astrologie ist für mich fast wie ein Medium.
Eine zweite Herausforderung sehe ich in der Sicherung des Erreichten. Astrologie ist schon länger kein Wachstumsmarkt mehr. Manches ist sogar im Schwinden begriffen. Es stellt unter den gegenwärtigen Quadratkonstellationen von Uranus/Pluto, Jupiter/Saturn und Saturn/Neptun eine große Herausforderung dar, die bislang erreichten Standards zu erhalten.


DAV: Wo siehst du dieses Potenzial als Kraft, die nicht nur individuell wirkt, sondern bis in die Gesellschaft hinein?

Wir haben auch gesellschaftlich viel zu sagen, nicht nur in der individuellen Beratung. Wir können die großen Entwicklungen erklären und sehen, wohin es geht. Es ist nicht unsere Aufgabe, konkrete Ereignisse vorherzusagen, sondern die allgemeinen Entwicklungen zu erklären. Astrologie generiert Bedeutung. Dabei hilft uns unser zyklisches Verständnis. Wie haben sich die Konstellationen, die wir gerade beobachten, in der Vergangenheit ausgewirkt? Welche Parallelen gibt es? Wir können Zusammenhänge herstellen. Früher wurde dieses Potenzial durchaus geschätzt, und ich wünsche mir, dass wir wieder dahin kommen.


DAV: Erkennst du Ansätze dafür? Hattest du schon Politiker oder andere Vertreter des öffentlichen Lebens bei dir in der Beratung?

Nein, Gabriel oder Wowereit waren noch nicht da, und auch sonst niemand aus diesen Kreisen. Innerhalb der gesellschaftlich relevanten Kräfte liegt im mittleren Management und – insbesondere hier in Berlin – bei den freischaffenden Kreativen das größte Potenzial, die größte Offenheit. Die intellektuelle Elite tut sich dagegen noch schwer mit der Astrologie. Ich glaube, dass wir eher über die Kultur, die Religion und die Kunst zurück in die Gesellschaft finden, wenn Menschen zum Beispiel feststellen, dass sie mit ihren Fragen bei der Astrologie gut aufgehoben sind und zu einer klaren Orientierung für ihren Lebensweg finden. Auf diesem Weg kann es uns gelingen, wieder zu einem Elixier für die gesamte gesellschaftliche Entwicklung zu werden.


DAV: Das ist eine sehr optimistische Vision.

Ja, ich bin sehr optimistisch, denn wir sind als Disziplin so gut aufgestellt wie nie zuvor in der Geschichte. Unser Wissen ist hervorragend aufbereitet und steht allen zur Verfügung. Es dürfte kaum einen Teilbereich geben, der nicht publizistisch erfasst ist, und ich wundere mich immer wieder, welche Neuerscheinungen doch noch auf den Markt kommen. Viele Astrologen verfügen, nicht zuletzt dank guter Ausbildungszentren, über ein fundiertes Wissen. Wir stehen also bereit, in die Mitte der Gesellschaft zurückzukehren.


DAV: Zum Schluss noch eine selbstkritische Frage: Siehst du auch Gründe bei uns, warum wir uns offensichtlich so schwer damit tun, den Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft zu finden?


Zweifellos gibt es auch die. Ein Hindernis ist die Überheblichkeit, mit der manche auftreten, nach dem Motto „Wir haben das Wissen und den Durchblick“. Dadurch werden die Möglichkeiten für potenzielle Partner sehr reduziert. Zudem brauchen wir mehr Grenzgänger, die sich auch in anderen Fachgebieten gut auskennen und so Brücken bauen zu den verschiedenen Disziplinen. Mein Eindruck ist, dass die Astro-Szene bislang zu sehr mit sich selbst beschäftigt war. Es ist an der Zeit, über den Tellerrand der eigenen Zunft hinauszublicken. Uns stehen womöglich mehr Türen offen als gedacht. Wichtig ist, dass wir auf möglichst verständliche Weise auf uns aufmerksam machen.


DAV: Herzlichen Dank und gute Wünsche, dass dein Optimismus ansteckend wirken möge.


Klemens Ludwig sprach mit Markus Jehle über das Lebenselixier Astrologie, magische Momente in der Beratung und den Weg der Astrologie zurück zur gesellschaftlichen Anerkennung

Über den Referenten des DAV-Kongresses 2015

Markus Jehle

Ausbildungszentrum DAV-Berlin
Möckernstr. 68, Aufgang B
10965 Berlin

www.astrologie-zentrum-berlin.de

www.mariusverlag.de
www.meridian-magazin.de

Markus Jehle, geboren am 24. Juli 1958, ist Astrologe, Diplom-Psychologe und Journalist. Er ist Leiter des 1991 von ihm mitbegründeten Astrologie-Zentrums Berlin sowie Mitherausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift „Meridian“. Mehr als 50 seiner Vorträge sind auf CD erschienen und er hat eine Buchreihe zur kreativen Astrologie für Einsteiger und Fortgeschrittene veröffentlicht. Unter dem Dach der Astrologie verwirklicht er seine großen Leidenschaften: Schreiben, Beraten und Unterrichten.