Verabschiedung Dominique Tomaszewski

Deutscher Astrologen-Verband: Geschäftsstelle im Wandel

Verabschiedung von Dominique Tomaszewski


Eineinhalb Zeichen fehlten, um den Saturn-Umlauf komplett zu machen; den Saturn-Umlauf unserer Heidelberger Geschäftsstelle unter der Leitung von Dominique Tomaszewski. Bei der Eröffnung im Januar 1996 stand Saturn mitten in den Fischen, derzeit bewegt er sich in den letzten Steinbock-Graden und wird zur Wintersonnenwende auf 0 Grad Wassermann eine Konjunktion mit Jupiter eingehen. Die Zeit des DAV in Heidelberg steht für die besten Seiten von Saturn, der unverzichtbar ist, um Ziele zu erreichen.

Feedback, kostenfreies berufliches Coaching

Berufliches Coaching für beratende Astrologinnen und Astrologen

Feedback zum kostenfreien Angebot für DAV-Mitglieder


Der Deutsche Astrologen-Verband bietet seinen Mitgliedern ein kostenloses Coaching bei erfahrenen Astrologinnen und Astrologen an, was vor allem für diejenigen sehr hilfreich ist, die eigene Beratungen oder Kurse anbieten wollen, sei es als Haupt- oder Nebenerwerb. Mit einem persönlichen Erfahrungsbericht möchten wir auf dieses Angebot hinweisen.

Ehrenmitglied des Deutschen Astrologen-Verbandes

Ehrenmitglied des Deutschen Astrologen-Verbandes

Rafael Gil Brand: Laudatio für Dr. Christoph Schubert-Weller

Die Mitgliederversammlung hat nahezu einstimmig Christoph Schubert-Weller zum neuen Ehrenmitglied des DAV ernannt. Schubert-Weller hat den Verband über Jahrzehnte in verschiedenen Positionen, darunter als erster Vorsitzender, geprägt. Sein langjähriger Weggefährte Rafael Gil Brand, bis 2019 zweiter Vorsitzender des DAV, hat eine berührende Laudatio auf den Geehrten gehalten, die Sie hier nachlesen können:

Nachruf auf Baldur Ebertin

Wir trauern um Baldur Ebertin

Nachruf


Er entstammte einer der einflussreichsten Astrologie-Dynastien des 20. Jahrhunderts.
Seine Großmutter Elsbeth Ebertin war eine der ersten populären Astrologinnen und in den zwanziger und dreißiger Jahren eine der wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Astrologie; sein Vater Reinhold einer der Pioniere beim Wiederbeleben der Astrologie nach dem Ende der Naziherrschaft und dem Zweiten Weltkrieg.

Astrologie-Verband nur für Experten?

Der DAV – ein Astrologie-Verband nur für Experten?

Eine Anmerkung in eigener Sache

Immer wieder erfahren wir in der Diskussion über den DAV und die Vorteile der Mitgliedschaft überraschende Reaktionen. „Kann da jeder Mitglied werden?“

Stellenausschreibung: Leiter/in der DAV Geschäftsstelle

Stellenausschreibung: Leiter/in der Geschäftsstelle des Deutschen Astrologen-Verbandes

Der Deutsche Astrologen-Verband sucht zum 1. November 2020 einen neuen Leiter / eine neue Leiterin der Geschäftsstelle

Meridian-Service für DAV-Mitglieder

Astrologische Fachartikel
Gutschein für Meridian-Archiv

Im Newsletter vom Dezember 2018 hatten wir die Änderung bereits angekündigt, jedoch mit der Information, dass den DAV-Mitgliedern der Gutschein-Code für astrologische Artikel aus dem Archiv der Astrologiezeitschrift Meridian per Rundbrief zugänglich gemacht werde. Aus arbeitstechnischen Gründen haben wir uns nun dazu entschieden, diesen Gutschein auf der Homepage im Mitgliederbereich anzubieten.

Bad Kissingen, Bonn, wohin führt der Weg?

Bad Kissingen, Bonn, oder wohin führt der Weg?

Der inhaltlich sehr ansprechende Kongress in Bad Kissingen hat die Diskussion über den Kongressort nicht verstummen lassen. Die Frage steht im Raum, ob auch Bonn wieder eine Option ist oder wir langfristig in Bad Kissingen bleiben? Die Wahl eines passenden Ortes ähnelt ein wenig der berühmten „Quadratur des Kreises“: Eine rundherum perfekte Lösung wird es nie geben und es muss ein Kompromiss aus verschiedenen Gesichtspunkten gefunden werden. Im Wesentlichen sind es drei Kriterien, die wir berücksichtigen:
- Die Atmosphäre vor Ort, das Bestreben, dass sich die Teilnehmer wohl und geborgen fühlen, einschließlich der technischen Qualitäten bei den Vorträgen, der Mahlzeiten, der Möglichkeiten zur Entspannung, etc...
- Die Preise, die auch Interessenten nicht abschrecken dürfen, die gut haushalten müssen.
- die Erreichbarkeit.

Sektions-Treffen Astrologische Psychologie

Sektions-Treffen Astrologische Psychologie


Am 10./11. März 2018 findet das nächste Sektions-Treffen Astrologische Psychologie in Alling bei München statt. Dies ist nach dem Treffen im Vorjahr das 2. kombinierte Treffen der DAV-Sektion Astrologische Psychologie und IFAP-Regionalgruppe Süd-bayern.

Astrologie in den Anfangsjahren 2. Teil, aus einem Vortrag von Dr. Christoph Schubert-Weller

Astrologie in den Anfangsjahren der Republik, Teil 2

von Dr. Christoph Schubert-Weller


(Auszüge aus seinem Referat auf dem Kongress „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, Würzburg, 6. – 8. Oktober 2017, 2. Teil)

Astrologie in den Anfangsjahren

[….]

Gegen Ende der Sechziger Jahre schrieb der damalige DAV-Vorsitzende Dr. Julius Anweiler in einem DAV-Rundschreiben ungewohnt offen: „Der Tod hat uns inzwischen viele Mitglieder entrissen und er wird unter der alten Astrologengeneration in den nächsten Jahren weiterhin aufräumen. Deshalb geht an alle Mitglieder die eindringliche und herzliche Bitte, für den Verband zu werben.
Wenn wir in Zeitungen und Zeitschriften inserieren, etwa in der „NEUEN WELTSCHAU“, der „Anderen Welt“ u. dgl., so ist es schon möglich, dass wir das eine oder andere Mitglied gewinnen, aber - im ganzen gesehen, dies wurde auch auf der Versammlung ausdrücklich beraten - bekommen wir dann doch nicht diejenigen Persönlichkeiten, die wir für unseren Nachwuchs und namentlich auch für die Ausübung der Funktionen des Verbandes brauchen. Daher müssen wir diese Werbung in verstärktem Maße betreiben. Der Vorstand kann dieses vordringliche aller aktuellen Probleme ohne Mithilfe der Mitglieder nicht lösen.“1

In all den Jahren seit 1947 war die Mitgliederzahl des DAV relativ konstant bei 100 Leuten geblieben. Die Zahl der Geprüften nahm langsam ab, die Zahl der „Gastmitglieder“ entsprechend zu. Es war offenkundig nicht besonders attraktiv, Astrologe zu sein. Und der DAV vermochte es nicht, diesen Mangel an Attraktivität zu heben. „Was tut eigentlich der DAV?“ wurde vielfach gefragt. Die mehr als zwei Jahrzehnte des Kampfs um wissenschaftliche und gesellschaftliche Anerkennung hatten wenig gefruchtet. Die DAV-Prüfung, obschon anspruchsvoll, blieb eine rein privatrechtliche Angelegenheit, deren öffentlicher Wert auf dem Niveau des Jodeldiploms verharrte.

Umbruch...

Als ich im August 1984 dem Verband beitrat, knapp 37 Jahre nach seiner Gründung, hatte der Verband etwa 150 Mitglieder, davon vielleicht ein Drittel Geprüfte. Woher kamen diese Leute, die sich der Astrologie verschrieben hatten? Es gab etwa ein Drittel aus den Humanwissenschaften – Medizin, Psychologie und Pädagogik, ein weiteres Drittel kam aus mathematisch-technischen und naturwissenschaftlichen Berufen, und das letzte Drittel war künstlerisch tätig, vor allem in Musik und in Bildender Kunst.

Zu den Künstlern darf Wolfgang Döbereiner gerechnet werden. Ja, Wolfgang Döbereiner war mal DAV-Mitglied! Zum Zeitpunkt seiner Aufnahme war er 28 Jahre alt, war Kapellmeister von Beruf, studierte nebenher Jura … und hatte bereits sein geniales System rhythmischer Auslösungen entdeckt. „Haben Sie die Absicht, die Verbandsprüfung abzulegen?“ so wurde jeder Aspirant vor Aufnahme in den DAV gefragt. Döbereiner antwortet hier in einer Mischung aus Selbstbewusstheit und Überforderung: „Zur Zeit wirtschaftlich und körperlich überbelastet; wenn sich die Prüfung nicht durch meine Arbeiten erübrigt …, dann ja.“ – Döbereiner hatte schon 1949 erste astrologische Beratungen durchgeführt und 1953 einen wichtigen Teil seiner Forschungen gemacht und publiziert.
Ein Forscher war Walter Böer, den seit den Dreißiger Jahren das Thema der Astrologie umtrieb. Böer trat am 14. Juli 1964 dem DAV bei. Seine große Zeit war einmal die Mitarbeit an den Bender’schen Tests in den Fünfziger Jahren. Und bis Ende der 80er war er Mitglied der Prüfungskommission.

Der erste Saturn-Return beim Deutschen Astrologen-Verband geschieht in einer einzigen Passage am 14. August 1977. Ab Herbst 1977 leitet Hans Matthaei den Verband und setzt zahlreiche neue Impulse. Es ist das Jahr, in dem, soweit aus den DAV-Unterlagen hervorgeht, erstmals der spätere DAV-Vorsitzende Peter Niehenke als Mitglied des DAV-Vorstandes, nämlich als Schriftführer, erwähnt wird. Es ist zugleich das Jahr, in dem die spätere DAV-Vorsitzende Ulrike Voltmer dem DAV beitritt. Ulrike Voltmer war übrigens meine zweite Prüferin.

…und Aufbruch

Mit Peter Niehenke beginnt einerseits eine äußerst fruchtbare, aufbruchsorientierte Zeit für den Verband, die nicht genug gewürdigt werden kann. Andererseits sind da in den späteren Jahren die „nackten Tatsachen“ um Peter Niehenke, der an seinem Wohnort regelmäßig den „Nacktläufer von Freiburg“ gibt, dem der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern gemacht wird.2 Niehenke bestreitet den Vorwurf, spricht aber auch von seiner „Libertinage im Umgang mit Kindern, was das Thema Körperlichkeit und Nacktheit“ angeht.3 Der Duden übersetzt das Wort „Libertinage“ mit „moralische Freizügigkeit, Zügellosigkeit.“4 Was soll man davon halten? Eine Klärung ist kaum möglich. Hier bleibt seitens des DAV nur klare Abgrenzung.

Fragten sich die Mitglieder Ende der 60er Jahre noch, was der DAV eigentlich tue, gab es Anfang der Achtziger genug für den DAV zu tun: Niehenke machte nicht nur einmal mehr die Astrologie als strittiges Thema öffentlich. Niehenke versuchte zugleich, den „wissenschaftlichen“ Anspruch der Astrologie, wie er seit eh und je in der Satzung des DAV vertreten wurde, zu hinterfragen, aber ebenso den Anspruch der Kritiker, es könne sich nur um Aberglauben handeln. Niehenke argumentierte folgendermaßen: Der „wissenschaftliche“ Anspruch des DAV war bis dahin naiv, taugte bestenfalls als Abgrenzung gegenüber der bloßen Sonnenstandsastrologie. Peter Niehenke trat für strikte Nachprüfbarkeit ein. Der DAV vertrat nun eine Astrologie, an die man nicht „glauben“ musste, vertrat zumindest im Prinzip eine Astrologie, die in ihren Behauptungen nachprüfbar ist. Das hieß: Es gibt einen rationalen Zugang zur Astrologie, es gibt eine „Astrologie ohne Aberglauben“. Und letztlich war für Peter Niehenke nur der rationale Zugang überhaupt ein triftiger Zugang.

Als ich 1984 mitten in der Ära Niehenke dem DAV beitrat, habe ich geglaubt, es könne einen „wissenschaftlichen Beweis“ geben. Mittlerweile neige ich zu der Auffassung, dass wir vor einem Geheimnis stehen, und solange wir dieses Geheimnis nicht als solches (an)erkennen, kann es sich uns auch nicht erschließen. Ob es zu den Welträtseln gehört, denen das Etikett des „Ignoramus et ignorabimus“ anhaftet; („Wir wissen es nicht und wir werden es niemals wissen“), weiß ich freilich nicht. Es könnte sein, dass wir, Wissenschaft und Rationalismus hin oder her, in Bezug auf die Astrologie noch immer gefangen in Platons gleichnishafter Höhle sitzen. Die vielen Modelle der Astrologie, die wir heute anwenden, rationale und nicht rationale, statistische und hermeneutische und schließlich esoterische, sind vorerst wie die unterschiedlichen Flammen- und Schattenbilder, die uns zur trüben Abbildung strahlender Wirklichkeit an der Wand unserer Höhle dienen.

Dr. Christoph Schubert-Weller

 

1) DAV-Rundschreiben Dezember 1968.
2) Interview mit Peter Niehenke, MERIDIAN, hier zitiert nach http://astrologiezentrum.de/aktuelles/printmedien/MERIDIAN-interview.PDF - Zugriff am 1. Oktober 2017.
3) Ebda.
4) Vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/Libertinage - Zugriff am 1. Oktober 2017.

Über den Autor

Dr. Christoph Schubert-Weller

Dr. Christoph Schubert-Weller


Untere Kapellenäcker 9
D- 78351 Bodman (Bodensee)
Tel. 07773 - 93 66 96

E-Mail:

Abgeschlossene Studien in Philosophie, Sprachwissenschaften, Literatur und Sozialpädagogik. Astrologie seit 1976, Prüfung beim DAV 1985, Ausbildungen u.a. in Sterbebegleitung (Hospitzarbeit). 2005 bis 2011 Vorsitzender des DAV, diverse Fachveröffentlichungen. Beratungspraxis in Bodman (Bodensee).

Das neue DAV-Horoskop

Das neue DAV Horoskop

von Dr. Bernhard Firgau

Vorab gilt mein Dank unserem Chronisten Rolf Liefeld, der ein altes Rundschreiben des ersten DAV-Vorsitzenden Ludwig Stenger an die Mitglieder gefunden hat, wo die Gründungszeit für das DAV-Horoskop mit 16.10.1947, 12:24 MEZ mitgeteilt worden ist. Die bisher angegebene Uhrzeit von 10:05 war vermutlich der Beginn der Versammlung und die jetzt gefundene der Beschluss über die Annahme der Satzung. Erst das würde aus einer Gründungsabsicht eine mundanastrologische „Geburt“ machen.

Astrologie in den Anfangsjahren, aus einem Vortrag von Dr. Christoph Schubert-Weller

Astrologie in den Anfangsjahren der Republik

von Dr. Christoph Schubert-Weller


(Auszüge aus seinem Referat auf dem Kongress „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, Würzburg, 6. – 8. Oktober 2017, 1. Teil)

Astrologie in den Anfangsjahren

[….]

Die Frühgeschichte des DAV, das ist die Zeit des ersten Saturnumlaufs, eine Zeit der Mühsal und der Entbehrungen.
Wir stellen uns die aus Krieg und Verfolgung übrig gebliebenen älteren Herren vor, durchweg traumatisiert, mehr schlecht als recht zuhause in einem zerrissenen und zerstörten Land.

Was ist die Arbeit eines Astrologen-Verbandes in einer düsteren Nachkriegszeit, nach einer Diktatur, die die Astrologen verfolgt und umgebracht hat, oder doch zumindest mundtot gemacht hat, in einer Zeit, in der immer noch mit Polizeiverordnungen und der Anwendung des sogenannten „Gaukelei-Paragraphen“ Astrologen an der Ausübung
ihres Berufs gehindert wurden?

Der DAV grenzt sich scharf ab gegen „Scharlatanerie“, gegen reine Sonnenstands-Astrologie. Das gilt auch für die eigenen Mitglieder – wer bei fragwürdigen Prognosen auf dem Niveau der Tierkreiszeichen erwischt wird, muss mit Ausschluss aus dem DAV rechnen.

Unermüdlich wiederholen die damaligen DAV-Rundbriefe, was im Zentrum der Arbeit stehen soll: Am 29. Mai 1954 heißt es im „Rundbrief 43“: „Die Hauptaufgabe des DAV besteht nach wie vor in der Durchführung von schriftlichen und mündlichen Prüfungen auf astrologisches Wissen und Können. Wir bitten unsere Gastmitglieder, diesem Gedanken Rechnung tragen zu wollen und sich im Laufe der Zeit für die Prüfung vorzubereiten.“ – In diesem Zusammenhang ein Blick auf die Statistik: Am 15. November 1950 zählt der DAV genau 100 Mitglieder, davon 58 mit Verbandsprüfung, ein außerordentlich hoher Anteil geprüfter Astrologen! Von den 100 Mitgliedern sind übrigens 18 Frauen. Aus der Sicht der Astrologie sind die 50er-Jahre geprägt vom akademischen und öffentlichen Streit um die Astrologie. Auf der einen Seite stehen die Astrologen selbst, deren Ehrlichkeit und Reputation immer wieder in Frage gestellt wird. Auf einer anderen Seite stehen Magazine der Regenbogenpresse, die zwischen Kritikern und den Astrologen vermitteln wollen. Astrologen werden eingeladen, den Beweis für die Triftigkeit ihrer Behauptungen anzutreten. In die 50er Jahre datiert auch die groß angelegte Untersuchung zur Astrologie des „Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene“ von Prof. Dr. Hans Bender in Freiburg/Breisgau. Und schließlich gibt es den Staat, dessen Behörden in fragwürdiger Tradition des Dritten Reiches nach wie vor scharf gegen Astrologen vorgehen.

1951 war die antiastrologische Kampfschrift von Dr. Ludwig Reiners erschienen, „Steht es in den Sternen?“1 In einem Schreiben an Dr. Reiners vom 5. August 1952 hatte Hans Bender dessen Veröffentlichung als eine „geistreiche Abfuhr“ bezeichnet und hatte erklärt, „dass die Astrologie in der Form abergläubischen Missbrauchs eine solche geistreiche Abfuhr verdiene.“ Hans Bender hatte aber Ludwig Reiners gegenüber auch erwähnt, dass „einige wenige Astrologen anscheinend mehr leisten“ und dass er, Hans Bender, diese Leistungen weiter untersuchen werde.

Ludwig Reiners hatte die ihm attestierte „geistreiche Abfuhr“ als Lob für seine Totalkritik an der gesamten Astrologie verstanden und hielt nun Bender faktisch vor, sich ein Hintertürchen offen zu lassen. Bender freilich mochte sich nicht vorschreiben lassen, wie und mit welchen Worten und mit welcher Reichweite er die Astrologie zu be- und zu verurteilen habe, abgesehen davon, dass er zum Thema Astrologie seit 1951 Forschungsarbeiten aufgenommen hatte und sich hier unter anderem der Mitarbeit von Thomas Ring und Walter Böer versichert hatte.

Reiners, der in seiner Schrift nicht den Eindruck macht, vom fundamentalen Kategorienwechsel zwischen Astronomie und Astrophysik einerseits und der Astrologie andererseits irgendetwas begriffen zu haben, sah in einer wissenschaftlichen Erforschung der Astrologie lediglich die Aufwertung eines Aberglaubens.

Freilich war Reiners zugleich ein Scharfmacher: „In allen Staaten der Welt werden Betrüger bestraft. Nun sind zweifellos die meisten Astrologen keine Betrüger im Sinne des Strafgesetzbuches, denn sie glauben selbst an ihre Theorien. Aber der objektive Erfolg ihres Handelns ist der gleiche: Sie veranlassen die Menschen, ihr Geld für wertlose, ja schädliche Gegenleistungen herzugeben. … Damit ist ein Zustand erreicht, bei dem es nicht mehr in der Macht des einzelnen steht, der Forderung seines Gewissens zu genügen. Es ist der Staat, der dann Recht und Vernunft durchsetzen muss. Heute könnte er diesen Aberglauben noch durch Justiz, Presse und Rundfunk und vor allem durch die Schule auf ein unschädliches Maß zurückführen. Aber jeder Massenwahn trägt in sich die Tendenz zu ständigen Wachstum. Auch der astrologische Aberglaube kann eines Tages einen Umfang annehmen, bei dem es Staat, Kirche und Wissenschaft leid tun könnte, ihm nicht rechtzeitig entgegengetreten zu sein.“2 - Recht und Vernunft, das ist eine verräterische Allianz. Es soll dann die „Vernunft“ sein, die die Anwendung von „Recht“ legitimiert. Welcherlei Recht – das kann man sich dann aussuchen. Berufsverbot, Schutzhaft, Vernichtung der Existenz usw. Und es sollte der Staat sein, der über die Triftigkeit eines Wissensgebietes zu urteilen hatte.

Die Astrologen, die seit wenigen Jahren der nationalsozialistischen Verfolgung entkommen waren, sahen sich erneut eingekesselt. Auf der einen Seite der Scharfmacher Reiners, der im Namen der Vernunft nach dem Staat rief, auf der anderen Seite die Polizeiverordnungen der Länder, die den Astrologen das Leben immerhin doch spürbar schwerer machten.

In dieser Lage setzte der DAV große Hoffnungen auf die Untersuchungen von Prof. Hans Bender. Dessen Standpunkt war recht eindeutig – ihm ging es darum, „das prinzipielle und soziale Problem der Astrologie durch Tatsachenforschung anzugehen.“3 Hans Bender war freilich nicht nur wissenschaftlicher Forscher: „Seit April 1948 bin ich als Sachverständiger für die Berufsausübung von Astrologen in Südbaden tätig. Die hier getroffene vorläufige Regelung hat es ermöglicht, scharlatanmäßig arbeitende oder unzureichende Astrologen auszuschalten. Ich habe damit ein Bestreben unterstützt, das auch die astrologischen Fachvereinigungen verfolgen. Von dieser Basis aus war es möglich geworden, eine wissenschaftliche Untersuchung unparteiischer Art des Fragenkomplexes „Astrologie“ bei der Arbeitsgemeinschaft der Innenministerien der Bundesländer anzuregen und das Bundesjustizministerium dafür zu interessieren. Zugleich war es möglich geworden, Gremien der deutschen Wissenschaft von der Notwendigkeit zu überzeugen, das Gebiet der Astrologie zu untersuchen und die bisher ablehnende oder indifferente Haltung durch Tatsachenforschung zu überwinden.“4

Bender hatte ein einfaches Testdesign entworfen: In einer Fünfer-Gruppe von anonymisierten Lebensläufen und Kosmogrammen galt es, die Kosmogramme und Lebensläufe korrekt einander zuzuordnen. Dieses Design war in verschiedenen Ab-wandlungen auch noch in den Achtziger Jahren gängig, wenn es um die kritische Überprüfung astrologischen Könnens ging.5 Wer bei solchen Tests als Astrologe mitgemacht hat, weiß, wie schwierig solche Zuordnungen sein können. Denn der Astrologe deutet im Horoskop nicht einfach „Tatsachen“, sondern Möglichkeiten. Diese sind nicht beliebig; aber sie sind nicht empirisch nachweisbar. Praktische astrologische Arbeit ist oft genug ein Abwägen und Zuordnen einzelner Deutungsbausteine zu einem wahrscheinlichen Charakterbild, aber sie erschöpft sich nicht in einer Art spirituellen Puzzles oder Memory. Bender freilich wollte „Tatsachenforschung“. Seine groß angelegte Untersuchung in den Fünfziger Jahren ging ebenfalls negativ für die Astrologie aus.6

Teilhabe statt Ausgrenzung

Die Sechziger Jahre in Deutschland sind ein Beispiel für einen allmählichen liberalen Strukturwandel der Öffentlichkeit. Es ist ein Jahrzehnt, zu dessen Start das „Wirt-schaftswunder“ zu einem öffentlichen Begriff geworden ist, in dessen Mitte die Befreiung der Sexualität durch die Einführung der Pille liegt und an dessen Ende mit der „Studentenbewegung“ eine Reihe gesellschaftlicher Gruppen verstärkte politische Teilhabe fordert. Der Bürger wird mündig und selbstbewusst. „Wer hätte gedacht, dass es uns mal so gut geht“, sagte mein Vater mal in einem Nebensatz irgendwann in der zweiten Hälfte der Sechziger. Die Fünfziger hingegen, die Kernzeit der Adenauer-Ära, waren noch mühsam, miefig, piefig.

Haben Astrologen sich je darüber Gedanken gemacht? Sie profitieren ebenfalls vom Liberalismus der Sechziger. Man lässt sie gewähren, man interessiert sich gelegentlich für sie, und es gibt seit dem 4. November 1965 ein komfortables Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, wonach Astrologen nicht von vornherein mit einem Berufsverbot belegt werden dürfen:

Nachdem bereits das Oberverwaltungsgericht Bremen am 5.10.1962. in der gleichen Sache u. a. entschieden hatte, dass „ein Verbot des entgeltlichen Wahrsagens dem Grundgesetz widerspricht“ und „dass die berufliche Ausübung der Astrologie nicht verboten werden kann“, heißt es in dem Berliner Urteil u. a.: „Die entgeltliche Betätigung als Astrologe ist ein Beruf im Sinne des Artikels 12, Abs. 1 GG.“

Der Staatsgerichtshof von Baden-Württemberg hatte nach dem erwähnten Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom Oktober 1962 am 15. Februar 1964 noch ein „Astrologieverbot“ ausgesprochen. Das kam dem Versuch gleich, die Zahnpasta nochmal in die Tube zurückzudrücken. Der Versuch scheiterte. Das Bundesverwaltungsgericht verwarf diesen erneuten massiven Eingriff in die Freiheit der Berufswahl. In dem Urteil hieß es: „Die Astrologie hat zahlreiche gläubige Anhänger. Viele Menschen lehnen sie grundsätzlich oder nur deshalb ab, weil sie ihre Methoden für untauglich halten. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung dagegen steht ihr aufgeschlossen oder wenigstens nicht von vornherein negativ gegenüber. Diese Meinungsverschiedenheiten über den Wert der Astrologie rechtfertigen es nicht, dass Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung der Erwerbstätigkeit auf diesem Gebiet die Eigenschaft als Beruf aberkennen. Auch heute interessieren sich weite Kreise der Bevölkerung für die Sterndeutung. Die landesrechtliche Bestimmung, wonach die Wahl und Ausübung dieses Berufes jedermann verboten ist, widerspricht dem Grundgesetz.“7

(Fortsetzung folgt)

 

1) Dr. Ludwig Reiners: Steht es in den Sternen? Eine wissenschaftliche Untersuchung über Wahrheit und Irrtum der Astrologie. München 1951.
2) Ebda., S. 187 f.
3) Hans Bender in einem Schreiben an den DAV-Vorsitzenden J. Aumann vom 27.11. 1952.
4) Hans Bender in einem Schreiben an den DAV-Vorsitzenden J. Aumann vom 02.07. 1952.
5) Vgl. z.B. Shawn Carlson in der Zeitschrift Nature vom 5. Dezember 1985 mit einem ähnlichen Design. Der Test von Shawn Carlson ging für die teilnehmenden Astrologen negativ aus. Vgl. insgesamt https://en.wikipedia.org/wiki/Shawn_Carlson - Zugriff 11.09.2017
6) Vgl. den Überblick in: Peter Niehenke: Kritische Astrologie. Zur erkenntnistheoretischen und empirisch-psychologischen Prüfung ihres Anspruchs. Freiburg im Breisgau 1987, S. 131 ff.
7) Zit. nach einem DAV-Rundschreiben Dezember 1965.

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Dr. Christoph Schubert-Weller

Dr. Christoph Schubert-Weller


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Abgeschlossene Studien in Philosophie, Sprachwissenschaften, Literatur und Sozialpädagogik. Astrologie seit 1976, Prüfung beim DAV 1985, Ausbildungen u.a. in Sterbebegleitung (Hospitzarbeit). 2005 bis 2011 Vorsitzender des DAV, diverse Fachveröffentlichungen. Beratungspraxis in Bodman (Bodensee).