Sternenbotschaft No.11

 

Deutscher Astrologen-Verband


Die Sternenbotschaft - Newsletter für Freunde der Astrologie

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Liebe Leserinnen und Leser der Sternenbotschaft,

wissen Sie eigentlich wo der Osterhase herkommt? Tja, das ist eine lange Geschichte ... Und da wir Ostern abhängig vom Lauf der Gestirne feiern, haben wir für Sie gerade zum richtigen Zeitpunkt eine österliche Himmelsgeschichte über Hasen und Eier von Christian König ausgesucht. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen.

Falls Sie Freunde oder Bekannte haben, die auch gerne die Sternenbotschaften lesen würden, können diese sich ganz einfach selbst für den Newsletter eintragen auf der nun neu gestalteten DAV-Homepage unter www.astrologenverband.de.

Frohe Osterfeiertage wünschen Ihnen

Antje Zimmerer und Karin Hoffmann

 

 

Der Hase und die Eier – Eine Himmelsgeschichte?

Schon Wilhelm Busch wusste: „Es ist das Osterfest alljährlich für den Hasen recht beschwerlich“ (zit. n. SEIFERT, 2014, S. 174). Was der Osterhase alles zu erledigen hat, bringt das online-Magazin „Kojote“ satirisch auf den Punkt:

„Im niedersächsischen Landkreis Osterholz haben Spaziergänger unter einer Schneeverwehung mehrere Millionen bunte Eier sowie einen erfrorenen Hasen entdeckt. Das teilten die Behörden am Samstag mit. Augenzeugen zufolge soll das Tier einen Umschnallkorb auf dem Rücken getragen haben.‚Offensichtlich litt der Hase zu Lebzeiten an einer Identitätsstörung‘, hieß es. Darauf deute auch der Umstand hin, dass er Listen mit unzähligen Adressen in ganz Deutschland bei sich trug: ‚Vermutlich hielt er sich für eine Art Boten.‘ [1]

Spaß beiseite: Woher kommt der Osterhase? Hat er tatsächlich nur eine Identitätsstörung? Wieso bringt er Eier? Was hat das alles mit Ostern zu tun? Ostern ist ein beweglicher Feiertag. Auf dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) wurde Ostern auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt.

Spätestens seit dem Mittelalter ist für verschiedene europäische Länder die Assoziation zwischen christlichem Osterfest und der Eier-Symbolik bekannt, möglicherweise auch schon früher (Kirschbaum, 1994). Die Idee der Eierbemalung ist deutlich älter. Schon die alten Perser bemalten Eier für Nowrooz, ihrer Neujahrsfeier, das immer auf die Frühlings-Tagundnachtgleiche fiel. Verschiedene Tierarten waren schon seit dem 16. Jahrhundert für das Färben und Verstecken der Eier zuständig: In Tirol legte die Osterhenne die Eier, in Schleswig-Holstein, Westfalen, Niedersachsen und Bayern kam der Fuchs oder der Osterhahn, in der Schweiz war es der Kuckuck und in Thüringen der Storch. Um 1800 entstand im Bürgertum die romantisch-sentimentale Welt, in der sich die Ostereiersuche zu einem nichtkirchlichen, familiären Festtagsbrauch entwickelte. Die Verbindung des Hasen mit dem österlichen Eierbrauch ist jedoch unklar. Folgende Geschichten werden gerne kolportiert:

  • Der Osterhase: nur ein misslungener Backversuch: Ursprünglich war das Lamm das Oster- Symbol. Bis heute hat sich die Tradition gehalten, Osterbrot in Lämmerform zu backen. Einmal soll sich beim Backen ein Osterlamm im Ofen so verzogen haben, dass es einem Hasen ähnelte. Die Geburt des Osterhasen …
  • Das PM-Magazin erklärt uns:Schon bei den alten Griechen und Römern hatte der Hase eine besondere Bedeutung: Weil er das Tier ist, das schon zeitig im Frühjahr Junge bekommt, wurde er zum Symbol für ein neues Leben nach der Winterzeit und damit zum Bild für die Auferstehung. In der byzantinischen Liturgie steht der Hase für Christus: Da das Tier keine Augenlider hat, scheint es, als schlafe es nie – dieses Bild wurde zur Parallele zu Jesus, der nicht wirklich stirbt (da er wieder aufersteht).“[2]
  • Der Hase als Steuerabgabe: Für die Verbindung von Hase und Ei könnte auch der frühere Zinstermin Ostern verantwortlich gewesen sein. Denn Hasen waren wie Brot, Geflügel und Eier eine der Realabgaben an die Besitzer der bäuerlichen Ländereien.
  • Der Heidelberger Arzt Johannes Richier hat es zu verantworten: Bereits um 1682 stellt der Mediziner in seiner Dissertation „De ovis paschalibus“ („Von Ostereiern“) fest, dass „in Oberdeutschland ... der Osterhase solche Eier lege und in den Gärten im Grase verstecke, damit sie von den Knaben umso eifriger gesucht würden, zum Lachen und zur Freude der Älteren.“ RICHIER (1682, S. 6) Er kritisierte auch den übermäßigen Verzehr von Ostereiern, der angeblich gesundheitliche Schäden verursachen sollte.
  • Die Biologie des Hasen: Häsinnen können zeitgleich mit verschieden entwickelten Föten trächtig sein. Feldhasen verharren still in einer Mulde, bis sie in letzter Minute davon hoppeln. Dort, wo die Häsin gesessen hatte, musste sie die Ostereier abgelegt haben, denn eine Henne legt schließlich keine bunten Eier ...Frei nach Kurt Tucholsky:

„Da seht aufs neue dieses alte Wunder:

Der Osterhase kakelt wie ein Huhn

und fabriziert dort unter dem Hollunder

ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.“

(zit. n. SEIFERT, 2014, S. 179)

Alles schöne, kulturhistorisch interessante Geschichten, die einen mehr oder weniger zum Schmunzeln bringen. Was davon der „Wahrheit“ entspricht und was letztendlich der tatsächliche Grund war, den Hasen die Eier bringen zu lassen - wer weiß das schon? Aber es gibt noch eine andere, für uns AstrologenInnen spannende und sehr viel ältere Geschichte um Hasen, Eier und Auferstehung – und diese Geschichte finden wir am Sternenhimmel.

Am Fuß von Orion und vor Canis Major (dem Großen Hund) weglaufend, liegt das Sternbild  Lepus, der Hase. Es besteht nur aus recht lichtschwachen Sternen. Der einzige benannte Stern ist Arneb, was soviel wie „ganz“ bedeutet. Im Laufe der Jahrhunderte war das Sternbild unter vielen Namen bekannt. Die Araber sahen hier ein durstiges Kamel, das aus der Milchstraße trinkt. Für die alten Ägypter ankerte hier Osiris Boot und die Chinesen nannten es „Den Stall“. Das Sternbild des Hasen war schon zu Zeiten des griechischen Dichters ARATOS (2009) (3. Jahrhundert v. Chr.) am Himmel fest etabliert.

Aber warum sollte so ein scheues, „unbedeutendes“ Geschöpf wie der Hase derartig himmlisch geehrt werden - und warum wurde er unter die Füße des mächtigsten Jägers (Orion) gesetzt? Im Folgenden gebe ich dazu die Ideen von BRADY (2007) wieder, die diese von JOBES und JOBES (1964) übernommen hat, und ergänze sie um ein paar eigene Gedanken.

 

 Der Sternenhimmel am 20.04.14 um 20.30 MESZ: Lepus und Orion[3]

In der ägyptischen Mythologie ist der Hase sowohl mit dem Sonnengott Ra als auch mit dem Mondgott Toth verbunden - und seine Aufgabe war es, das heilige Ei des Lebens zu bewachen, einzusammeln und/oder zu überbringen. Der Hase wurde oft dargestellt, wie er die Morgendämmerung begrüßt: eine Hommage an den Sonnengott Ra, von dem man annahm, dass er selbst aus einem großen Ei geboren wurde (BRADY 2007).

Eine ägyptische Göttin war Unut bzw. Wenet, die einen Hasenkopf hatte. Es gab eine Stadt, die Wenets Namen trug, die übersetzt „Distrikt des Hasen“ bedeutet. Die Hauptgottheit war Thoth. Der loyale und treue Hase, der so gewissenhaft seine Aufgabe (die Sonne zu beobachten) erfüllte, wurde ein Bote zwischen dem Sonnengott Ra und dem Mondgott Toth (Layard, 2002).

Der Hase war auch mit Osiris assoziiert, der in der ägyptischen Mythologie manchmal „Wepuat“ oder „Un-Nefer“ genannt wurde und ebenfalls mit einem Hasenkopf dargestellt wurde. Osiris wurde jedes Jahr (vermutlich im März oder April - wenige Monate vor der Flut) in Form eines Hasen dem Nil geopfert, um das jährliche Hochwasser zu garantieren, von dem die Landwirtschaft (und tatsächlich die ganze ägyptische Gesellschaft) ja so abhängig war (Layard, 2002). Auf einer mehr spirituellen Ebene könnte der Hase die Essenz des Lebens selbst symbolisieren: die Hieroglyphe „Wn“, die einen Hasen auf einer Wasserwelle zeigt, bedeutet „existieren, sein, bestehen“[4].

Diese Verbindung zwischen Hasen, Eiern und dem Mond findet man auch in der hinduistischen Mythologie, wo der Mond „Cacin“ oder „Sasanka“ heißt, was soviel wie „der mit den Hasen Markierte“ bedeutet. „… the moon and the hare occur together in myth and folklore - in India, China, Africa, Mexico, North America and Europe” (Evans & Thomson, 1972). Es ist allgemein anerkannt, dass die Platzierung des Hasen neben Orion die Vereinigung zwischen Sonne und Mond repräsentiert (JOBES & JOBES, 1964).

Der Hase als Symbol hat überlebt, wir wissen aber nicht mehr, was es mit diesem Symbol auf sich hat. So mutierte er zum niedlich grinsenden Schoko-Schmunzelhasen, der den Kindern bunte Eier bringt. Die christliche Welt feiert zu Ostern ihr einziges Mond-Fest, wo an Jesus Todes und Auferstehung erinnert wird. Vielleicht ein Echo aus der heiligen Zeit im alten Ägypten, in der der hasenohrige Osiris starb, um die Wiedergeburt des Nils sicherzustellen?

Also: wenn Sie jetzt zu Ostern die leckeren Schokoladeneier wegfuttern, nehmen Sie sich doch einen Moment Zeit, um über deren Geschichte nachzudenken: über die Mondsymbolik und den hasenohrigen Gott Osiris. Und wenn Sie Zeit haben, schauen Sie in den frühen Abendstunden an den (süd-) westlichen Sternenhimmel. Vielleicht können Sie dort (bei guten Sichtverhältnissen) tatsächlich den Osterhasen sehen - wie er/sie unter den Horizont taucht, um in der Unterwelt mehr kostbare Lebenseier zu finden.

In diesem Sinne „Frohe Ostern“

Ihr Christian König

 

 

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Dipl.-Psych. Christian König

Alter Fischmarkt 24  /  D-48143 Münster

+49 (0)251 – 24 63 28 5

www.christiankoenig.eu


Literatur

ARATOS (2009). Phainomena. Sternbilder und Wetterzeichen. Griechisch – deutsch. Düsseldorf: Artemis und Winkler.

BACH, JOSEPH (1907). Die Osterfest-Berechnung in alter und neuer Zeit. In: Jahresberichte des Bischöflichen Gymnasiums Strassburg, Straßburg. Online: http://www.computus.de/bach/bach01.html

BRADY, BERNADETTE (2007). The Hare and the Eggs … A sky story, Visual Astrology Newsletter, April 2007, http://zyntara.com/VisualAstrologyNewsletters/van_April2007/ VAN_April2007.htm

EVANS, GEORGE EWART & THOMSON, DAVID (1972). The Leaping Hare. London: Faber and Faber.

JOBES, GERTRUDE & JOBES, JAMES (1964). Outer Space: Myths, Name Meanings, Calendars from the Emergence of History to the Present Day. Blue Ridge Summit, PA: Scarecrow Press.

KIRSCHBAUM, ENGELBERT (Hrsg.) (1994). Lexikon der christlichen Ikonographie Bd. 1. Freiburg: Herder.#

LAYARD, JOHN (2002). The Lady of the Hare: Being a Study of the Healing Power of Dreams. London: Kegan Paul

SEIFERT, NICOLE (Hrsg.) (2014). O Welt in einem Ei: Das Oster-Lesebuch. Frankfurt: Fischer.

VON FRANCKENAU, GEORG FRANCK (1682). Disputatione ordinaria disquirens de ovis paschalibus / von Oster-Eyern. In: Satyrae Medicae. Nr. XVIII, Heidelberg, S. 6. Online: http://digital.wlb-stuttgart.de/digitale-sammlungen/seitenansicht/?no_cache= 1&tx_dlf[id]=98&tx_dlf[page]=1



[1] http://www.kojote-magazin.de/2013/riesige-menge-eier-und-erfrorener-hase-unter-schneeverwehung - entdeckt /8107/. Zugriff am 23.03.2014

[2] http://www.pm-magazin.de/r/gute-frage/woher-kommt-der-osterhase

[3] Die Sternkarte wurde mit der Software „Starlight“ (www.zyntara.com) erstellt und von mir weiterbearbeitet.

[4] http://www.astrodoc.net/andere/floskel/floskeln.htm

 

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