Mutterliebe

Menschliche Würde, Lebenssinn und würdevolles Sterben

 

Die aktuelle Gestirnskonstellation von Saturn und Chiron tiefer verstehen

Mit „Seelenbildern“, gemalt von der Autorin Sibylle Koops

 

Teil 2

Vererbung von Lebenserkenntnis: Ein Geschenk an die Nachwelt

In einer Welt, in der das Single-Dasein immer mehr zunimmt und auch bewusst auf Familiengründung verzichtet wird – auch von Paaren – ist gleichzeitig eine traditionelle Form des Lebenssinns geschwunden.

Herzblut

Menschliche Würde, Lebenssinn und würdevolles Sterben

 

Die aktuelle Gestirnskonstellation von Saturn und Chiron tiefer verstehen

Mit „Seelenbildern“, gemalt von der Autorin Sibylle Koops

 

Teil 1

Seit Dezember 2016 bis Dezember 2017 gibt es eine Quadratspannung zwischen dem Saturn im Tierkreiszeichen Schütze und dem Chiron im Tierkreiszeichen Fische. Dreimal wurde und wird diese Konstellation exakt:

29. Dezember 2016, 1. Mai 2017, 2. bis 3. November 2017

 

Astrologische Forschung

 

 

 

Der astrologische Alltag ist zumeist von Beratungen, Prognosen und vielleicht noch publizistischen Aktivitäten bestimmt. Die Forschung kommt dabei häufig zu kurz, vor allem, wenn die Astrologen auch noch von ihrer Tätigkeit leben müssen. In der universitären Forschung wird die Astrologie ohnehin nicht ernst genommen, und Stiftungen oder private Forschungstöpfe stehen auch nur selten zur Verfügung. Bleiben das Engagement und der Enthusiasmus einzelner, um trotz der schwierigen Ausgangsbedingungen die Forschung nicht aus dem Auge zu verlieren und zu neuen Erkenntnissen zu kommen.

Gerade als Berufsverband ist es unser großes Interesse, der Forschung Raum zu geben. Um so erfreulicher ist deshalb die ausführliche Arbeit, die Roland Meier zum The-ma Häuser vorgelegt hat. Möge sie der Anstoß für weitere Astrologen sein, mit dem Au-tor in einen konstruktiven Dialog über seine Arbeit einzutreten oder eigene Forschungsprojekte zu initiieren, für die der DAV gern einen organisatorischen Rahmen zur Verfügung stellt.

Dazu hat Roland Meier folgenden Aufruf verfasst.

Liebe Freunde der Astrologie,
vor einem Jahr hatte ich angefangen ein Buch über die Astrologie zu schreiben, in dem jetzt eine komprimierte Zusammenfassung meiner bedeutsamen Forschungsergebnisse von sehr spezifischen (Berufs)-Gruppen enthalten ist. Dieses Buch biete ich im PDF-Format an, u. a. weil sich auch viele Links zu Horoskopen der Astro-Databank darin befinden. Interessierte können somit direkt darauf zugreifen. Auch wird in diesem Buch den Leser/innen die Möglichkeit geboten, sehr gezielt nach bedeutsamen Ergebnissen einzelner spezifischer Gruppen zu suchen.

Da hierin jetzt auch mehrere spezifische (Berufs)-Gruppen mit genauen Geburtszeiten aufgeführt sind, konnte ich diese Daten für einen weiteren Artikel „Das Häuserproblem in der Astrologie aus der Weltsicht der Quantenphysik“ verwenden. Die hochinteressanten Erkenntnisse der Quantenphysik dürften manche überraschen! Zu dieser Häuserstudie liegen als anschauliche Ergänzung noch mehrere Horoskopbeispiele (Maler, Sänger, weltbeste Tennisspieler/innen, Kardinäle) separat mit bei. Seit kurzem befinden sich meine Forschungsarbeiten in einem Cloud-Speicher der Telekom. Ich biete Ihnen die Möglichkeit, direkt darauf zuzugreifen.

Der Link hierzu: https://www.magentacloud.de/share/dfuin4sj9j
Das Passwort zum Öffnen lautet: Roland16

Ich habe die Dateien mit Datum versehen. Wenn ein Datum darin aktualisiert wurde, so wurde darin etwas ergänzt, berichtigt usw. Es handelt sich ausschließlich um PDF-Dateien, die sie herunterladen oder auch online lesen können.

Astrologische Forschung führte bisher leider häufig ein Schattendasein. Sie wieder ins Licht zu heben, sehe ich als meine Aufgabe an. Es würde mich freuen, mit diesen Forschungsbeiträgen das Interesse an ihr wieder zu wecken.

Für einen konstruktiven Dialog stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Roland Meier

 

 

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 2. Oktober 2015 zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.

Zodiak, Notre Dame de Chartres


Christentum und Astrologie - ein Widerspruch ?

 

Das alljährliche christliche Osterfest, die Feier der Auferstehung Jesu, macht den Blick frei für die Frage, woran wir glauben. Nach rein wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die Wiederauferstehung keine beweisbare Tatsache, sie ist vielmehr eine Glaubens- vielleicht auch eine Sinnfrage. Auch die Astrologie hat sich mit diesen immer wiederkehrenden Vorwürfen in Bezug auf ihre mangelnde Wissenschaftlichkeit, ihre statistische Beweisbarkeit auseinandersetzen müssen. Ist also Astrologie einfach nur eine Glaubensfrage, eine Art Ersatzreligion in Konkurrenz zum Christentum?

Widder mit Sonnen-Logo

Foto: © Gabriele Vierzig-Rostek

 

Widder 2017

Die Sonne steht für Selbstbewusstsein und Vitalität, sie erfüllt uns mit Licht und Leben. Widder ist das erste Tierkreiszeichen im astrologischen Jahreslauf. Dieses Jahr steht unter der Schirmherrschaft der Sonne. Im Sonnenjahr hat jeder die Chance auf persönliches Wachstum, d.h. an Selbstbewusstsein und an Souveränität zu gewinnen.

Die Sonne ist die zentrale Leitstelle für unser Leben und sie steht für das Prinzip Beherrschung all unserer Fähigkeiten, unserer Träume und Ressourcen. Mit der Sonne will sich Leben entfalten. Wo die Sonne fehlt, geht Leben zugrunde. Die Sonne im Horoskop des Menschen ist der persönliche Leitstern. Je nach Temperament ist das eher dem Miteinander (Erde und Luft) oder dem Egoismus (Feuer und Wasser) zugeneigt.

Widder ist der Prototyp des kardinalen schlechthin, es ist ein Feuer-Zeichen.

20.03.2017 – 11.29 Uhr – Düsseldorf

widder 2017

Radix Widder 2017

Das Aspekt-Bild Widder 2017 ist kardinal-veränderlich und liegt auf dem 6. Strahl (Hingabe und Idealismus).

Die veränderliche Aufgabe liegt im Dominant-Erkenntnis-Dreieck, welches als Aufgabe eine echte Entwicklung fordert, wenn dem ausgewichen wird, bleiben nur aktiv-kardinale Aspekte übrig. Die Willens-Aspekte sind schnell, fordernd, bestimmend und zum Teil offensiv. Sie unterstützen alle Planeten in kardinalen Zeichen (hier: Widder und Waage, aber auch Krebs-AC-Steinbock-DC). Daher sind wir alle sehr beschäftigt. Pläne zur Expansion werden ausgearbeitet, die Umsetzung sollte zu einem passenden Zeitpunkt abgewartet werden. Venus wird zum 4.3. rückläufig, was wiederum auf eine Phase der Überprüfung hinweist. Das gilt besonders für Frauen, aber auch für gesundheitliche

Die Halbmond-Stellung beim Sonnen-Ingress in Widder 2017 ist erfahrungsgemäß besonders anstrengend. Die Statistiken zeigen für diese Konstellation besonders viele Unfälle oder Übergriffe. Deswegen hier erneut der Link zum zurückliegenden Fische-Neumond-Beitrag:

Fische-Neumond am 26.02.2017https://www.astrologie-lebensberatung.de/fische-neumond-2017/

Mein Aufruf zu Gemeinsamkeit gegen Hass, Gewalt und Terror und für Freiheit in Verantwortung ist also mehr als berechtigt. Dieser Mond-Zyklus deutet bereits die psychische Konstellation des beginnenden Sonnen-Jahres 2017-18 an.

Beim Fische Vollmond am 12.03.2017 wird überprüft, ob die Aufgaben verstanden sindhttps://www.astrologie-lebensberatung.de/fische-vollmond-2017/

Auch hier sind Nervosität und Gereiztheit nicht zu übersehen, versuchen wir, gelassen zu bleiben, die Energie ändern können wir nicht. Aber wir können uns optimal darauf einstellen, dann sind wir gut vorbereitet.

Sechs Planeten in Feuer stehen dem äußeren Ziel (Fische-MC) – Verständnis und Rückbesinnung auf die universelle Liebe - und dem inneren Entwicklungsziel (Krebs-AC) – innere Zufriedenheit - gegenüber. Feuer und Wasser heizen ein und löschen aus. Beide sind Ich-hafte Energien, die sowohl aufbrausend-euphorisch (Widder-Schütze) als fordernd-depressiv (Krebs) auftreten können. Vier davon und Jupiter in Luft stehen eingeschlossen.

Eingeschlossene Zeichen sind Entwicklungsaufgaben

Um in der Öffentlichkeit zu Ansehen zu kommen, müssen die Hausaufgaben gründlich gemacht werden. Eingeschlossene Kräfte wirken sehr entwicklungsorientiert, wenn sie zunächst zufrieden mit einem inneren Erfolg sind und nicht im Außenauftritt glänzen wollen.

Man muss sich nämlich mehr bemühen, als mit Planeten an Hausspitzen. Fünf Kräfte in dieser Weise eingesperrt bedeutet: die Hälfte von allen Planeten-Kräften sind zunächst nicht als Außenfunktionen brauchbar, aber als Entwicklungsauftrag sehr nützlich.

Das hängt auch vom Temperament des einzelnen Menschen ab. Denn wenn jemand dazu neigt, sofort Pläne nach eigenem Gusto umsetzen zu wollen, wird er frustriert sein, wenn dies nicht klappt.

Mond-Saturn am IP 6 und Pluto am IP 7 haben die beste Außenwirkung, so dass alle Menschen, die gerne Haltung bewahren, in sich ruhen und Gelassenheit als Maxime haben, besonders gut durch den Alltag kommen werden. Trotz der Halbmond-Stellung wird Saturn die schützende Hand über uns halten. Ausnahme wäre evtl. eine unvorsichtige oder aggressive Grundstimmung bei einzelnen Personen, die dann sofort Grenzen gesetzt bekommen dürften.

Die Mond-Saturn-Konjunktion im Geburtshoroskop ist eine hervorragende Charakter-Stärke. Solche Menschen werden zu Vorbildern für Selbstbeherrschung. Man fühlt sich bei ihnen aufgehoben. Ihr Körpergefühl ist ausgeprägt, sie spüren Symptome schneller und gehen eigenverantwortlicher mit sich und ihrem Körper um.

Das Trigon zu Uranus begünstigt plötzliche Erkenntnisse, die oft wie Schuppen von den Augen fallen. Hier sind große Entwicklungssprünge möglich.

Bodenständige Fähigkeiten werden hochstilisiert, selbstbewusstes Auftreten im elitären Kreis mit regem Informationsaustausch nach allen Seiten. Wir zeigen Interesse und Verständnis für viele Menschen, deren Bedürfnisse offen dargelegt werden können. Eben insoweit, als der eingeschlossene Anteil mit Recherche-Aufgaben zufrieden ist. Geduld ist eine Tugend, die gerade weniger beliebt ist. Kränkungen nehmen wir so besonders intensiv wahr, sind aber auch in der Lage, darüber hinweg zu gehen.

Im Widder 2017 steht der Mond in einem komplementären Zeichen, dem Zeichen Schütze. Hier ist er spontan und voller Ideale, aber er wird von Saturn gebremst, was ihn frustrieren könnte. Porzellan könnte zu Bruch gehen…

Häuserhoroskop Widder 2017

Im Häuserhoroskop reduziert sich das Bild auf Strichfiguren, alle zielen ins eingeschlossene Zeichen Widder im 10. Haus. Im Innern wird um Zusammenhalt gerungen. Draußen im Alltag versuchen wir Haltung zu bewahren. Pluto, Mond-Saturn und Sonne bilden ein Erfahrungsdreieck, an dem Venus-Merkur mit sehr spontanem Ausdruck und Neptun mit ständigen Auflösungen evtl. gewonnener neuer Einsichten beteiligt sind. Hier wird die innere Ungeduld geradezu greifbar. Es kann sehr frustrierend sein, gute Ideen nicht sofort verwirklichen zu können oder Gelegenheiten zu versäumen.

Mondknoten in Jungfrau 3. Haus weist wieder darauf hin: lenkt Eure Kommunikation in vernünftige Bahnen, bleibt ordentlich und detailliert in Euren Ausführungen, hört auch mal auf erfahrene Leute, auf solche, die sich auskennen und besteht nicht immer nur auf der eigenen Meinung.

Die Realität hat viele Facetten, das ist nicht zu leugnen. Wird dies erkannt und einfühlsam durchdacht, rückt das Ziel in greifbare Nähe: innere Zufriedenheit durch Vertrauen auf unseren Instinkt. Manche nennen dies auch geistige Führung.

Mondknotenhoroskop 2017

Im Mondknotenhoroskop zeigen sich die Konflikte unserer Vorfahren, die uns im Innern immer noch stark belasten und daher viele Konflikte auslösen können. Existenzsorgen mit gleichzeitigem Anspruchsdenken produzieren Denkfehler.

Ich wünsche Ihnen und uns allen einen erkenntnisreichen Widder-Monat und ein gutes produktives Sonnen-Jahr 2017-18!

Gabriele

Über die Autorin

Gabriele Vierzig-Rostek

Gabriele Vierzig-Rostek


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Gabriele Vierzig-Rostek ist Astrologin mit Studium und Diplom-Abschluss am Astrologisch-Psychologischen Institut API (Schweiz) – Lehrerin für Astrologische Psychologie und spirituelle Themen – Psychologische Beraterin mit Studium und Zertifikat-Abschluss an der Paracelsus-Schule Düsseldorf. Gesamtausbildung ab 1990 ca. 10 Jahre. Weiterbildung in Therapeutischer Psychosynthese (2000-2002) unter der Leitung von David Bach (USA) und Karl-Heinz Reichert (D). Regelmäßige Fachfortbildungen zu astrologischen und systemischen Themen. Eigene Praxis seit 09/1999. – Sie ist verheiratet und hat zwei Erwachsene Kinder.

Dr. Christoph Schubert-Weller

 

Aspektlehre

 

Fortsetzung aus Sternenbotschaft Nr. 43, „Aspekte“

2. „Freundlich und feindlich“: Der Kreis und seine Teilung

 

Von Dr. Christoph Schubert-Weller

Wie kommt es eigentlich zu einer Unterscheidung in „freundliche“ und „feindliche“, in „gespannte“ und „entspannte“ Aspekte? Was macht ein Trigon zu einem „entspannten“, „freundlichen“ Aspekt und was macht ein Quadrat zu einem „gespannten“, „feindlichen“ Aspekt? Ist das in einer psychologisch verstandenen Astrologie nicht eher eine Angelegenheit der Aspektpartner? Oder gar Sache des Horoskopeigners?

Nun, teils durchaus! Betrachten wir eine Aspektkombination von Venus und Jupiter und vernachlässigen wir dabei die jeweilige Häuser- und Zeichenstellung. Egal nun, ob die beiden Planeten im Trigon (entspannt) oder Quadrat (gespannt) zueinander stehen, es geht um Glück, um Schönheitsideale, um liebevolles Vertrauen. Beide Planeten symbolisieren das Edle, Positive und Werthaltige. Wir können uns nun vorstellen, dass jeder Aspekt zwischen Venus und Jupiter deren positive Symbolkraft noch steigert. Wir können uns aber auch vorstellen, dass bei jedem Aspekt zwischen Venus und Jupiter auch die Gefahr der Verschwendung, der Bequemlichkeit und Maßlosigkeit mit gegeben ist. Es könnte ja jetzt auf den Horoskopeigner ankommen: Das Quadrat („gespannt“, „feindlich“) gibt zunächst der Verschwendung des Glücks Raum. Aber der Horoskopeigner lernt aus seinen Erfahrungen und findet zu einer Wertschätzung des Glücks. Und ein Trigon („entspannt“, „freundlich“) beschert zunächst Glück und Vertrauen – bis dass der Horoskopeigner anfängt, leichtsinnig sein Glück herauszufordern, weil er dieses für selbstverständlich hält.

Was also hat es mit der Unterscheidung „gespannter“ und „entspannter“, „feindlicher“ und „freundlicher“ Aspekte auf sich? Die Antwort ist ganz und gar technisch: Die Unterscheidung beruht auf den unterschiedlichen Möglichkeiten der Zyklen- bzw. Kreisteilung.

Ein Kreis kann fortlaufend geteilt werden. Das gilt genauso für den speziellen Messkreis in der Astrologie, den wir als „Tierkreis“ bezeichnen. Dabei macht es einen wichtigen Unterschied, ob die Teilung mit einer Zweiteilung oder aber einer Dreiteilung beginnt.

Grundsätzlich werden auf einem Kreis Winkel zwischen zwei Punkten mit Hilfe von Abständen dieser Punkte in Graden gemessen. Auf dem Tierkreis sind das die Abstände zweier Faktoren (Sonne, Mond, Planeten, Mondknoten, Aszendent, Medium Coeli) zueinander; diese Abstände werden als Aspekte bezeichnet und sie werden ebenfalls in Graden gemessen. „Aspekte“ beziehen sich jedoch auf Faktorenabstände bestimmter Größe.

Die wichtigste Maßeinheit bei der Berechnung von Winkelbildungen auf einem kompletten Kreis, dem so genannten Vollkreis, ist der „Grad“. Ein vollendeter Kreis misst „360 Grad“. Man bezeichnet diese „360 Grad“ des Vollkreises auch als „Vollwinkel“. Teilt man diesen Vollwinkel durch 2, erhält man 180 Grad, die Gradzahl des astrologischen Oppositionsaspekts. Teilt man den Vollwinkel von 360 Grad durch 3, erhält man 120 Grad, die Gradzahl des Trigons.

Betrachten wir zunächst die anfängliche Zweiteilung. Der Ausgangspunkt ist der Vollkreis von 360 Grad. Nun könnte man von zwei Faktoren, die auf dem Messkreis in exakter „Konjunktion“ stehen, auch sagen, dass sie einen exakten „Vollwinkel“ bilden. Wir erinnern uns: Die traditionelle klassische Astrologie betrachtete die Konjunktion nicht als „Aspekt“. Auf dem Weg über die Kreisgeometrie bestätigen wir diese Perspektive der antiken Astrologie: „Aspekte“ kommen durch Teilung des Vollkreises, des Vollwinkels zustande. Die Konjunktion freilich entspricht dem Vollwinkel selbst. Aus der anfänglichen Zweiteilung entstehen u. a. die gespannten, die „feindlichen“ ptolemäischen Hauptaspekte:

Gradzahl Aspektbezeichnung
Vollwinkel 360 Grad: „Konjunktion“
Teilung durch 2 = 180 Grad: Opposition
Teilung durch 2 = 90 Grad: Quadrat
Teilung durch 2 = 45 Grad: Halbquadrat, Oktil
Teilung durch 2 = 22,5 Grad
(keine weitere Teilung) (1)
Viertelquadrat

Die anfängliche Dreiteilung des Kreises führt auf ganz andere Winkel bzw. Aspekte, nämlich u.a. auf die entspannten, „freundlichen“ Hauptaspekte:

Gradzahl Aspektbezeichnung
Vollwinkel 360 Grad: „Konjunktion“
Teilung durch 3 =120 Grad: Opposition
Teilung durch 2 = 60 Grad: Quadrat
Teilung durch 2 = 30 Grad: Halbquadrat, Oktil
Teilung durch 2 = 15 Grad:  
Teilung durch 2 = 17,5 Grad
(keine weitere Teilung) (2)
 

[1] Das Halbquadrat spielt in einigen astrologischen Schulen, zum Beispiel in der Kosmobiologie und im Modell der „Hamburger Schule“ eine Rolle. Das „Viertelquadrat“ wird, soweit ich blicke, nur in der „Hamburger Schule“ berücksichtigt.

[2] Das Halbsextil wird in einer Reihe von astrologischen Schulen berücksichtigt, so zum Beispiel beim API (Astrologische Psychologie – „Huber-Schule“). Der 15-Grad-Winkel und der 7,5-Grad-Winkel spielen bei der mundanastrologischen Untersuchung von Naturereignissen eine Rolle.

Und nun ein wenig Zahlensymbolik: Die Zahl 2 ist die Zahl der Unterscheidung, der Dualität und Polarität. Insofern handelt es sich um eine Ordnung gebende Zahl, aber es geht dabei fast immer um eine Ordnung, deren Elemente andere, ergänzende bzw. gegenläufige Elemente ausschließen oder in ein Schattendasein drängen. Was aus der anfänglichen Zweiteilung resultiert, erzeugt womöglich Zweifel und Zwiespältigkeit, wo nicht Zwietracht. Wir ahnen, worauf nun die Übertragung der Zweiteilung auf die Bedeutung der damit ableitbaren „Spannungsaspekte“ hinausläuft: Die Spannungsaspekte liefern eine Ordnung, die zwiespältig und eben darum schwierig ist, sie führen zu einer eher irdischen Ordnung, die auf Mängeln und Ausschlüssen beruht. Die Zweiteilung, die Unterscheidung ist ein notwendiger Akt, der zur Einsicht in die Ordnung der Welt führt. Sie schmerzt dennoch. Die Gewöhnung an diese Ordnung ist schwierig und kann misslingen.

Anders die 3, die Zahl der Einheit, die Zahl der umfassenden Synthese, ist zugleich eine spirituelle Zahl. Wer je im Dreiviertel-Takt über eine Tanzfläche geschwebt ist, weiß um Triumph, Trance und Trost des beschwingten Tanzes. Die „Dreieinigkeit“ Gottes ist ein Grundbestand des Christentums. Die Betonung der Drei ist oft sprichwörtlich, wenn es darum geht, das Gute an einem Menschen oder einem Sachverhalt hervorzuheben: „Dreimal musst Du es sagen“, „Aller guten Dinge sind Drei“ usw. Die entspannten, harmonischen Aspekte verweisen auf eine eher himmlische, friedvolle Ordnung, die heilend und integrierend wirkt. Dabei sind beide Ordnungen wichtig und richtig.

 

5. Der Kreis und seine Zwölfteilung
Wir haben damit über die Geometrie des Kreises ein wenig von der Bildung und der Bedeutung astrologischer Aspekte erschlossen. Verweilen wir noch etwas beim Kreis. Der Kreis als solcher ist eine geniale und keineswegs selbstverständliche Findung. Die Einsicht in den Jahreslauf als Zyklus, als Kreislauf mit rund 365 einzelnen Schritten („Tagen“) und die Abbildung dieses Zyklus auf eine in der Nähe stehenden Idealzahl, nämlich 360, setzt sowohl ein großes Beobachtungsvermögen als auch ein großes Abstraktionsvermögen voraus. Die Gradmessung des Kreises mit der Gesamtzahl von 360 Kreisgraden erinnert stets an den Jahreslauf. Aus der Perspektive der Erde, dem Ort, an dem der beobachtende Astrologe sich befindet, bewegt sich im Jahreslauf die Sonne (scheinbar) vor dem Hintergrund von zwölf prinzipienartig vorgeformten Zonen, den Tierkreiszeichen.

Zwölf Tierkreiszeichen zwölf Monate, die zweimal zwölf Stunden des Gesamttages, die zwölf Apostel im Jüngerkreis von Jesus, die Zwölf über den Begriff des „Dutzends“ als Rechengröße und Maßzahl – wir begegnen der 12 im himmelsmechanischen Alltag und ebenso im Sakralbereich außerhalb des Alltags an zahllosen Stellen.

Die zwölf Tierkreiszeichen stellen ein einfaches und zugleich detailliertes Modell der menschlichen Psychologie und Charakterkunde dar. Ihre Abfolge von Widder bis Fische liefert eine Erzählstruktur individueller und kollektiver Entwicklung. Wir finden diese Erzählstruktur in zahlreichen sprachkünstlerischen Äußerungen vor, und ebenso in altchristlichen Gebeten.

Teilen wir nun den Vollkreis von 360 Grad durch 12, erhalten wir die Kreiszwölftel von 30 Grad. Diese Kreiszwölftel, die ja zugleich der Idealgröße des einzelnen Tierkreiszeichens entsprechen, sind zugleich wiederum Bausteine für die Darstellung der ptolemäischen Hauptaspekte. Denn diese lassen sich als Vielfache der Kreiszwölftel, der 30-Grad-Abschnitte darstellen. Es gilt:

30-Grad-Abschnitt mal 2     = 60 Grad, Sextil
30-Grad-Abschnitt mal 3     = 90 Grad, Quadrat
30-Grad-Abschnitt mal 4     = 120 Grad, Trigon
30-Grad-Abschnitt mal 6     = 180 Grad, Opposition

Wo bleibt die Konjunktion, die ja in der klassischen Astrologie nicht als „Aspekt“ betrachtet wurde? Mit den arithmetischen Mitteln der Antike lässt sich über den Baustein des Kreiszwölftels, des „30-Grad-Abschnitts“ die Konjunktion nicht ableiten. Man kann aber folgendermaßen auch die Konjunktion als Vielfaches des Kreiszwölftels betrachten, freilich im Sinn eines Grenzfalls:

30-Grad-Abschnitt mal 0     = 0 Grad, Konjunktion

Allerdings kannte die antike Arithmetik die Null nicht. – Diese Ableitung der ptolemäischen Aspekte als Vielfache der Kreiszwölftel ist gänzlich anders als die Ableitung der Aspekte aus der Zweiteilung bzw. Dreiteilung des Kreises. Mehr dazu in der nächsten Folge.

Christoph Schubert-Weller
10. Februar 2017

Über den Autor

Dr. Christoph Schubert-Weller

Dr. Christoph Schubert-Weller


Untere Kapellenäcker 9
D- 78351 Bodman (Bodensee)
Tel. 07773 - 93 66 96

E-Mail:

Abgeschlossene Studien in Philosophie, Sprachwissenschaften, Literatur und Sozialpädagogik. Astrologie seit 1976, Prüfung beim DAV 1985, Ausbildungen u.a. in Sterbebegleitung (Hospitzarbeit). 2005 bis 2011 Vorsitzender des DAV, diverse Fachveröffentlichungen. Beratungspraxis in Bodman (Bodensee).


Copyright Gerd Landauer

 

Das aktive Planetensystem

 

Teil 2: Der ewige Hafen der Menschheit

Es ist uns bewusst, dass das aus positiven (Protonen) und negativen (Elektronen) Elementarteilchen bestehende Kreissystem – genannt Atom - die Welt der Materie schafft. Das planetare Kreissystem reichert die Materie mit immaterieller Energie, mit Geist, an und schafft damit Leben.

Wenn sich zwei Menschen begegnen, wird bereits im ersten Moment das Gesicht des anderen wahrgenommen. Es gibt so viele unterschiedliche Gesichter, anders als beim Körperbau, der sich im Grunde sehr ähnelt. Die Vielfalt der Gesichter könnte auf die Vielfalt der Planetenkonstellationen und anderer astrologischer Größen bei der jeweiligen Geburt des einzelnen Menschen zurückgeführt werden. Bei der Geburt? Ja, denn in diesem Augenblick ist er das erste Mal ein freier, selbstständiger Mensch, dem der Geist eingehaucht wird. Man sagt immer, der Mensch besteht aus Körper, Geist und Seele. Das ist also seine materielle und immaterielle Komponente. Die Seele ist das ganz individuelle Erleben und Emotion. Der Geist ist die immaterielle Energie und der Körper dient beiden als Werkzeug. Es ist die immaterielle Komponente, deren Gestalt und Vielfalt bei der Geburt vom Planetensystem mitbestimmt wird und der den Menschen sein Leben lang begleitet. Das „Leben“ ganz allgemein wird geschaffen aus der Zusammenarbeit zweier analog kreisenden Systeme.

Es ist durchaus betrachtenswert, ob auch die Tierwelt dieser Gesetzmässigkeit unterliegt. Alle Lebewesen, die sich bewegen und Nahrung suchen müssen, stehen vor Entscheidungen zu ihrem Handeln! Das ist ein geistiger Akt und geht vom Gehirn aus. Man könnte die Einwirkung des Planetensystems so verstehen, dass bei der Geburt eine Verkopplung zwischen dem Gehirn des jungen Lebewesens mit dem aktuellen „Feldzustand“ des Planetensystems erfolgt, wodurch das Gehirn eine individuelle Prägung erfährt (Geburtshoroskop).

Erst durch diesen Vorgang werden „immaterielle Geistes-Energien“ geweckt, die den Menschen befähigen Gedanken und Emotionen zu entwickeln, für deren Beitrag zur Lebensgestaltung der Körper als Werkzeug dient. Man kann sich nicht vorstellen, dass die Protonen und Elektronen eines komplizierten Zellengeflechts im Gehirn fähig sind, allein intensive Liebe zu erzeugen.

 

Was wäre nun die Schlussfolgerung aus diesen Systembetrachtungen?

Wir erkannten, dass jedes System aus Teilen, aus Subsystemen besteht, deren Vernetzung („Zusammenarbeit“) ein übergeordnetes System formen, das das größte Maß an lnformationen enthält, das eine große Vielfalt an Aktionsmöglichkeiten besitzt. Wie stellt sich unser Planetensystem in dieser Betrachtungsweise dar? Zweifellos findet man das größte Maß an lnformationen in Hülle und Fülle in allen Bereichen, der anorganischen Materie, der organischen, lebenden Systeme, aber auch der immateriellen Kräfte in den Künsten, Religionen usw. Das gibt es sonst in keinem anderen Himmelskörper unseres Systems, auch nicht in der Sonne. Wo also ist der Schwerpunkt, das Zentrum unseres Planetensystems zu finden? Auf der Erde! Die Sonne mit ihrer technischen Kraft dem System eine Bahnkonfiguration zu geben, ist also technisch bestimmend (wie das Herz im Menschen), aber im eigentlichen, wahren Sinn nicht das Zentrum des Systems: Das ist die Erde!

An diese Behauptung schließt sich sofort folgende wichtige Erkenntnis an: Bei allen astrologischen Betrachtungen und Wirkungen haben wir es „wieder“ mit einem geozentrischen Weltbild zu tun. Die Astrologie sieht das Sonnensystem und die ganze Welt in der Darstellung der Horoskope von einem rein irdischen Standpunkt aus: die Erde ist der Mittelpunkt der Welt. Wenn man an die, die Sonne umkreisenden, „Massekörper“ (Planeten) denkt, ist das System natürlich heliozentrisch. Für das Leben auf der Erde und die Verkopplung des menschlichen Gehirns mit planetaren Kräften ist es geozentrisch. Da geistige Kräfte auf einem höheren Niveau stehen als Materie, wäre es durchaus gerechtfertigt pauschal zu sagen: „Wir leben in einem geozentrischen Weltgefüge".

Die Sonne ist natürlich der große Energielieferant und ist gemeinsam mit ihrer Gravitation unverzichtbar.

Wir kommen nicht umhin anzunehmen, dass es im Universum auch der Physik noch nicht zugehörige Wirkungsmechanismen gibt, die wir zwar an ihren Wirkungen empirisch erfahren, die sich aber einer direkten sinnlichen Wahrnehmung entziehen, beispielsweise die „Dunkle Energie“. Eine Möglichkeit der Erklärung wäre, dass sich im Universum freie positive und negative Ladungen zu einer kurzen, kreisförmigen Begegnung ohne stabiles Kreissystem treffen und dabei kurze „Energieblitze“ aussenden, die in summa die kosmische „Dunkle Energie“ (Materie) schaffen.

Copyright Gerd Landauer

Vielleicht gelingt es der gesamten Menschheit sich als eine große Familie zu erleben, in der die bis jetzt dominierenden Unterschiede durch ethnische Herkunft und Religion zweitrangig werden und das Bewusstsein einer Zugehörigkeit zum gesamten Planetensystem dominiert. Das wäre ein entscheidender Beitrag zu Frieden und Harmonie auf diesem Planeten. Bis dahin wäre noch ein weiter Weg zurückzulegen. Aber eine allgemeine Kenntnis und Anerkennung astrologischer Gesetzmäßigkeiten muss folgerichtig dazu führen, dass sich alle Menschen auf Erden als dem Kosmos angehörige Brüder und Schwestern erleben: das wäre der große, alles umfassende „Sinn“ der Astrologie! Man könnte sich sogar den ewigen Frieden auf Erden vorstellen. Erst das vom Kosmos gestaltete geistige Leben erkennt das Universum, seine Größe und Vielfalt. Man könnte sagen, ohne dieses Erkennen gäbe es das Universum gar nicht.

Abschließend sei noch eine Bemerkung gestattet, die vielleicht die Theologie etwas näher an die astrologische Lehre heranführen könnte. ln der theologischen Lehre ist die Annahme, dass Gott den Menschen geschaffen hat („Adam und Eva“) fest verankert. Genau so wäre es vorstellbar, dass Gott als Schöpfer dem Planetensystem die systemrelevanten Aufgaben übertragen hat.

Dem Autor ist an einem weiteren Austausch und Diskussion seiner Ausführungen sehr gelegen. Interessenten mögen sich telefonisch melden unter: 08106 / 8619

Über den Autor

Dr. lng. Gerd Landauer (Jahrgang 1926) promovierte über die Wechselwirkung der elektromagnetischen Welle mit dem Elektronenstrahl. Von 1958 bis 1967 arbeitete er unter der Leitung von Nobelpreisträger Werner Heisenberg im Max-Planck-lnstitut über Plasmaphysik. Von 1970 bis 1989 war er als stellvertretender lnstitutsleiter bei der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt tätig.

 


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Das aktive Planetensystem

 

Teil 1: Die mystischen Kräfte des Kosmos

Copyright Gerd Landauer

Planeten sowie Monde, Asteroiden, Kometen und die Erde: Sie alle bilden gemeinsam mit der Sonne das sogenannte Sonnen- oder Planetensystem. Als Niels Bohr 1913 sein Atommodell als Weiterentwicklung des Modells von Ernest Rutherford der physikalischen Öffentlichkeit vorstellte - ein positiver Kern umkreist von negativen Elektronen - sagte man schnell: „Wie unser Planetensystem!“ lmmerhin besteht die gesamte vielfältige Materie aus solchen „Mini-Planetensystemen“.

lm Periodensystem der Elemente finden wir eine Fülle verschiedener materieller Stoffe mit sehr unterschiedlichem Charakter, die aber alle aus einem Atomkern (Protonen und Neutronen) und diesen umkreisende Elektronen unterschiedlicher Zahl und Bahnkonfiguration zusammengesetzt sind. Es ist wirklich staunenswert, dass der atomare Bau verschiedener Konstellationen von gleichen Grundelementen mal zu Sauerstoff mal zu Kohle oder Kupfer führt. Das heißt, die „Phantasie“ des gleichen Grundsystems führt zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen.

 

Eine Kraft, die Neues, Entscheidendes für den Aufbau der Welt leistet

Wir erkennen eine beachtliche Zahl von Parallelen zwischen dem Atomaufbau und dem Planetensystem. Dass gewisse Teile (Elektronen, Planeten) einen zentralen Kern (Protonen, Sonne) umkreisen, ist die wohl engste Verwandtschaft. Wir wissen viel über die physikalischen Kräfteverhältnisse im Atom. Was wir aber scheinbar nicht wissen, ist der Vorgang, wie aus gleichen Einzelteilen (Protonen, Neutronen, Elektronen) nur durch unterschiedliche Zusammensetzung etwa 1oo im Periodensystem geordnete Elemente entstehen. lst das etwa auch ein „mystischer“ Vorgang - ähnlich wie die Astrologie des Planetensystems immer noch „mystisch“ ist? Es lässt sich so leicht ein Zusammenhang daraus konstruieren, dass die Atome in ihrer unendlichen Vielzahl die gesamte Materie aufbauen, die wiederum das Material für Sonne und Planeten ist, deren System Leben erschafft.

Jedenfalls scheint sowohl im atomaren als auch im planetaren Bahnsystem eine Kraft zu schlummern, die Neues, Entscheidendes für den Aufbau der Welt leistet! Planetensystem und Atom sind in der Natur die einzigen Systeme mit Kreischarakter, deren auf Kreisbahnen rotierenden Elementen (Planeten, Elektronen) eine stabile Radialbeschleunigung zuteilwird. Gleichzeitig bildet sich eine nach außen ziehende Fliehkraft, sodass die kreisenden Elemente nicht auf ihren Kern fallen. Beide einander entgegengesetzten Kräfte sorgen für Gleichgewicht des Teilchens (Elektron, Planet) auf einer stabilen Kreisbahn, sodass dem kreisenden Element keine Energieänderung zu Teil wird. Für das kreisende Teilchen ist die Summe der Kräfte gleich null. Anziehungskraft vom Kern und Fliehkraft des kreisenden Teilchens sind aber vorhanden und bilden ein Paar, das - so könnte man es sehen - ein außerphysikalisches Energieniveau bildet. Sollte hiermit die jeweils „neue Welt“ geschaffen werden?

Oder wird mit der Schöpfung von Materie und Leben die Grenze der Physik bereits überschritten? An der Existenz der Materie zweifelt wohl niemand, obwohl die Ursache der Entstehung der Materie aus Elementarteilchen unbekannt ist. Da die Naturwissenschaften vielfach die Astrologie ablehnen wegen der nicht bekannten Ursachen der von ihr postulierten Zusammenhänge, müssten sie eigentlich auch die Existenz der Materie in Abrede stellen. Das kling wie ein schlechter Witz! Oder umgekehrt: die Astrologie anerkennen.

Eine weitere Möglichkeit des Kräftespiels zwischen radialer Anziehungskraft und Fliehkraft sei hier kurz angesprochen: Da sich freie positive (Protonen) und negative (Elektronen) Ladungen im Universum bewegen, die nur eine kurze kreisförmige Begegnung haben, also kein stabiles Kreissystem bilden, kann es zu kurzen „Energieblitzen“ kommen, die in summa die kosmische dunkle Energie (Materie) schaffen.

 

Ein „astrologisches Molekül“ ist entstanden

Copyright Gerd Landauer

Aus heutiger Sicht verdanken wir das höhere Leben einmal dem „mystischen“ Aufbau der Materie und zum anderen der geistigen Belebung durch die „mystischen“ Kräfte des Planetensystems. Das kreisende Elektronensystem baut die große Vielfalt der Materie (wie?), und die aus dieser Materie geformten Planeten, die denselben Kräften folgen, bauen Leben (wie?), das ohne eine gewisse Vielfalt der Materie nicht existieren könnte. Körper und Geist sind zusammen, ein Lebewesen existiert. Man könnte seiner Phantasie freien Lauf lassen und an eine weitere Analogie denken: lm Mikrokosmos finden sich passende Atome zur Bildung von Molekülen zusammen, die die wesentliche Basis der vielfältigen Natur der Materie sind. Und im menschlichen Bereich? Da finden sich lndividuen zusammen, deren Horoskope sie zu echter Zusammengehörigkeit führen: großes Verstehen und Liebe, erfolgreiche Zusammenarbeit etc. Man gehört einfach zusammen! Ein „astrologisches Molekül“ ist entstanden.

Die Behauptung lautet, dass die Vernetzung der planetaren Subsysteme, die zeitlichen Verläufen unterliegt (analog zu irdischen Systemen!) zu den seit Jahrtausenden erkannten Grundregeln der Astrologie führt. Letztere haben im Laufe der Zeit Metamorphosen erlebt, sind aber im Kern unverändert. Das Planetensystem, dem man die astrologische Funktion absprechen würde (wie es vielfach geschieht), wäre nach meiner Kenntnis das einzige aus miteinander vernetzten Subsystemen bestehende Gesamtsystem ohne Wirkung und Funktion! Wie wahrscheinlich ist das? Von einer Fülle von Beobachtungen ausgehend, kann man wohl zwei Richtungen von Erklärungsversuchen unterscheiden:

  1. Die funktionierenden Kräfte sind physikalischer Natur und liegen im Bereich der bekannten Naturvorgänge verborgen.
  1. Es handelt sich um übersinnlich-mystische Vorgänge.

 

Dem Autor ist an einem weiteren Austausch und Diskussion seiner Ausführungen sehr gelegen. Interessenten mögen sich telefonisch melden unter: 08106 / 8619

Über den Autor

Dr. lng. Gerd Landauer (Jahrgang 1926) promovierte über die Wechselwirkung der elektromagnetischen Welle mit dem Elektronenstrahl. Von 1958 bis 1967 arbeitete er unter der Leitung von Nobelpreisträger Werner Heisenberg im Max-Planck-lnstitut über Plasmaphysik. Von 1970 bis 1989 war er als stellvertretender lnstitutsleiter bei der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt tätig.

 

Tot oder lebendig?

Tot oder lebendig? Vergleich der Fälle Petra P. und Ylenia Carrisi

Wenn Menschen auf unerklärliche Weise verschwinden, lösen sie eine Vielzahl von Spekulationen aus. Verbrechen? Unfall? Freiwilliges Untertauchen? Neues Leben? Wenn sie nach Jahrzehnten wieder auftauchen, drängt es sich geradezu auf, Licht ins Dunkel zu bringen. Dazu kann auch die Astrologie beitragen, wie der versierte Mundan-Astrologe Bernhard Firgau anhand zweier Fälle aufzeigt, die viele Gemeinsamkeiten besitzen, aber doch ein ganz anderes – vorläufiges – Ende gefunden haben.

 

 

Die Studentin Petra P, geboren am 3.12.1959, stand mit 24 Jahren am Ende des Studiums und arbeitete an ihrer Diplomarbeit. Dann verschwand sie jedoch nach einem Zahnarztbesuch am 26.07.1984 spurlos. An einen Selbstmord dachte man daher  nicht. Es gab auch keinen Abschiedsbrief. Es hätte auch nicht eingeleuchtet, denn mit dem Zahnarzt hatte sie noch einen Folgetermin vereinbart. Bald ging man davon aus, dass sie Opfer eines Verbrechens geworden sei. Die Sendung Aktenzeichen XY ungelöst nahm sich des Falles am 11.01.1985 an, jedoch ohne Ergebnis. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Zwischendurch wurde der Mörder einer anderen jungen Frau gefasst, der später ein Geständnis ablegte, er habe Petra P. auch auf dem Gewissen. Dieses Geständnis widerrief er aber. Schliesslich liessen die Eltern ihre Tochter 1989 für tot erklären.

Am 24.9.2015 berichteten die Zeitungen von der Wiederentdeckung der Totgeglaubten. Nachbarn hatten in Petras Wohnung einen Einbruch entdeckt und die Polizei gerufen. Als die Polizei ihre Identität prüfen wollte, legte sie schliesslich ihren abgelaufenen Personalausweis vor und enthüllte ihre Identität, die sie seit Jahren unter einem Allerweltsnamen versteckt hatte. Kontakt zu ihrer Familie wollte sie allerdings nicht.


Mysteriöses Verschwinden

Vor vielen Jahren bewegte die Öffentlichkeit ein ähnlicher Fall, der aber nicht zur Wiederentdeckung führte. Die älteste Tochter der Sänger Al Bano (eigentlich Albano Carrisi) und Romina Power, Ylenia Carrisi war mit 23 Jahren nach Los Angeles gereist und am 06.01.1994  spurlos verschwunden. An einen Suizid wollte man wegen der Zukunftspläne, die die junge Frau hatte, nicht glauben. Allerdings gab es einen vom Ort des Geschehens weit entfernten Augenzeugen, der der Polizei berichtete, Ylenia sei in den Mississippi gegangen und habe sich ertränkt. Offiziell wurde die Akte mit dem Vermerk Suizid geschlossen, was die Eltern bezweifelten. Es gab zwar kurz zuvor ein heftiges Telefonat zwischen Vater und Tochter, weil Ylenia sich wieder mit einem Musiker getroffen hatte, den Al Bano ablehnte. Die Mutter hatte dagegen ein sehr entspanntes Gespräch mit Ylenia zum Jahreswechsel vor dem Verschwinden. Jahre später behauptete eine spanische Journalistin, Ylenia habe sich bewusst von ihrer Familie getrennt und lebe unerkannt in der Anonymität. Ein ehemaliger Polizeichef von New Orleans will sie in einem Kloster entdeckt haben. Die Spekulationen blieben bis heute. Sie tauchte jedenfalls in der Öffentlichkeit nicht mehr auf. Um die spätere Erbfolge zu regeln entschloss sich Al Bano, sie amtlich für tot erklären zu lassen, was dann am 21.1.2013 auch geschah.

 

Astrologische Auslöser

Vergleichen wir die astrologischen Konstellationen der beiden Frauen. Wonach suchen wir, wenn jemand aus der Familie verschwindet oder seine Identität aufgibt?

Die Identität sehen wir in der Sonne, die Familie und Wohnung im Mond symbolisiert. Flucht aus der vermeintlichen Geborgenheit assoziiere ich mit Lilith. Sie steht auch für innere Verletzungen. Unsichtbarkeit sind Teil von  Neptun und Pluto. Bei Plutoeinfluss sind auch heimliche Strategien zu sehen, während Saturn Abgrenzung erlaubt. Uranus deutet auf plötzliche Ereignisse und Handlungen hin.

Petra P. hat im Radix eine Schütze-Sonne in Opposition zu Lilith und im Quadrat zu Pluto. Damit haben wir die ersten Zeichen, dass Petra mit ihrer Identität nicht leicht zurecht  kommt. Die Schütze-Sonne verspricht eigentlich Optimismus und Selbstgewissheit. Mit Lilith im Tierkreis gegenüber stellt sich für sie aber immer wieder die Frage, ob sie am richtigen Platz mit ihrer Wesensentfaltung ist. Pluto macht aus der Opposition ein T-Quadrat, macht Angst und bietet zur Flucht aus der Opposition Sonne-Lilith das Untertauchen an. Die Zeichen stehen insofern passend für diese Strategie, als Neptun zu Pluto ein Sextil macht. Ihr Mond steht im Steinbock. Dies deutet auf Distanz zur Familie.

Tot oder lebendig? 

     Innen: Radix Petra P. geb. 3.12.1959, Frankfurt/M. rektifiziert 5:24 MET
Mitte: Verschwinden am 26.7.1984, Aussen: Wiederentdeckung am 23.9.2015

Wir haben keine Uhrzeit der Geburt, können aber eine Korrektur versuchen anhand der Transite an den beiden Ereignistagen des Verschwindens einerseits und des Wiederentdecktwerdens andererseits.

Am Tag des Verschwindens (26.7.1984) schlägt Uranus wie der Blitz in die Radixsonne ein mit Chiron-Transit  gegenüber. Am Tag der Enttarnung sehen wir ein Uranus-Quadrat zum Radixmond. Die Familie (Mond) wird von der Ungewissheit erlöst. Ein Wohnungseinbruch (Mond, Uranus) ist der Auslöser. Korrigiert man die Geburtszeit auf 5:24 MET, wird dieses Trigon exakt und man erhält ein Radix mit Skorpion-AC und Neptun genau dort. Das Thema Untertauchen ist damit bereits im Radix angelegt. Ausserdem kommt dadurch Uranus an den MC bzw. Opposition IC (Familie, Wohnung). Chiron am IC führt uns zu dem Punkt grösster Verletzbarkeit. Damit erklärt sich die starke Empfänglichkeit für die Uranustransite und die Auswirkung auf Familie und Wohnen. Schauen wir jetzt den Transit am Tag des Untertauchens weiter an, sehen wir Saturn am AC, der das Gestalt werden lässt, was Neptun am Skorpion-AC ankündigt: Abtauchen in die Anonymität. Die erwähnte Transit-Opposition von Uranus und Chiron berührt auch die Radix-Lilith. Sie vertreibt aus dem vermeintlichen Paradies. Chiron lockt weg aus der Heimat. Denn Lilith will die Bedingungen am Ort des Daseins nicht akzeptieren und Chiron sagt: Zuhause wird man nicht so anerkannt, wie in der Fremde.  

Als Petra 1989 amtlich für tot erklärt wurde, stand Pluto als der Herr des Unsichtbarmachens an ihrem Skorpion-AC. 

Mit Petras Wiederentdeckung in diesem Jahr sehen wir ein gradgenaues Trigon Neptuns zu seiner Radixstelle, Vielleicht lässt sich Neptun nun leichter leben als mit blossem Abtauchen. Saturn kehrt zu sich selbst zurück und die Mondknotenachse auch. Ein möglicher Neubeginn der Lebensausrichtung zeichnet sich damit ab.

 

Parallele Konstellationen

Vergleichen wir nun Ylenias Konstellationen. Ihre Geburtszeit ist bekannt (29.11.1970, Rom 12:25 MET).

Wieder sehen wir im Radix eine reiselustige Schütze-Sonne und einen Aspekt zu Lilith (Quadrat). Auch Ylenia hat ein Neptun-Sextil zu Radix-Pluto. Die Anlage, lieber unerkannt mit seiner Sonne mit Schütze-Energie die Welt zu erobern, ist auch hier zu sehen. 

Tot oder lebendig?

 Innen: Radix Ylenia Carrisi geb. 29.11.1970 Rom 12:25 MET
Mitte: Vermisst seit 6.1.1994, Aussen: Toterklärung 21.1.2013

 

Der Aszendent wird von Saturn überlaufen, als Ylenia angeblich ins Wasser gegangen ist. Gleichzeitig bekommt Lilith im Radix wie bei Petra Besuch von Chiron:  Wo ich bin, will ich nicht bleiben. Die amtliche Toterklärung zeigt uns Neptun zu Beginn des ersten Hauses, wodurch sie - für die bürgerliche Gesellschaft – endgültig unsichtbar wird. Damit bildet er auch ein gradgenaues Quadrat zu seiner Radixposition. Lilith geriet zu dieser Zeit  in die genau Opposition zum Radix-Mond und Uranus zeigt ein Trigon zur Sonne. Die endgültige Trennung von der Familie und das abrupte Ende der eigenen Identität passen dazu. Saturn über der Radix-Venus (Herrscherin von Haus Acht) im achten Haus, erklärt, dass der Vater sie von der Erbfolge durch die Toterklärung ausschliesst.

Markant ist in beiden Fällen, dass amtliche Feststellungen des Todes im Transit sichtbar sind (Pluto einerseits, Neptun andererseits am jeweiligen Radix-AC).

Über den Autor

bernhard firgau dav astrologe

Dr. Bernhard Firgau


PLZ: 69469
Ort: Weinheim

Dr. Bernhard Firgau (Jg. 1954), Jurist und geprüfter Astrologe (DAV); Gründungsmitglied der Sektion fur Mundan- und Wirtschaftsastrologie im DAV.  Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf den astrologischen Zusammenhängen zwischen der Biografie des Einzelnen und seiner Umwelt. Neben Zeitschriftenartikeln und Vorträgen hat er seine Forschungsergebnisse auch als Buchautor veroffentlicht. („Wahlprognose mit Astrologie“ (zusammen mit Gerhard Lukert), „Ingresse“, „Praxisbuch Mundanastrologie“).

 

Die Astrologie: Eine Wissenschaft?

Eine Debatte – Ist die Astrologie messbar? Beweisbar? Oder Erfahrung?
Mit Beginn der Neuzeit im 15./16. Jahrhundert breitete sich die Überzeugung aus, mit Hilfe der Wissenschaft könne der Mensch alle Geheimnisse der Natur ergründen. Tatsächlich gab es bahnbrechende Erfindungen und Entdeckungen, die unser Leben bis heute prägen: vom Buchdruck bis zur Unterwerfung fremder Kontinente; von der Reformation und der Etablierung des heliozentrischen Weltbilds bis hin zu dem Bewusstsein von einem mit unveräußerlichen Rechten ausgestatteten Individuum.

Durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse wurde die Position der allmächtigen Kirche geschwächt. Wenn die Erde als Gottes Schöpfung nicht mehr im Mittelpunkt stand, konnten seine Vertreter auf Erden auch nicht länger das Zentrum der Macht für sich beanspruchen. Gleichzeitig betonte die Philosophie des Humanismus Ethik, Moral und Selbstreflexion als wichtigen Bestandteil der Religion.

Im 17. Jahrhundert brach die Naturwissenschaft zu neuen Horizonten auf. Die Welt, der Kosmos und alle darin enthaltenen Erscheinungen sollten wissenschaftlich erklärt werden. Mit dem Gravitationsgesetz schuf Isaac Newton den Grundstein zur klassischen Mechanik. Zudem erkannte er, dass die Schwerkraft die Ursache für die Planetenbewegungen ist und er arbeitete an einem Sternenkatalog. Daneben legten die Forschungen von Gottfried Wilhelm Leibniz die Basis für die moderne Mathematik und Physik.

Die Astrologie – bis zu Beginn der Neuzeit ein fester Bestandteil der Wissenschaft – war neben der Kirche der Verlierer der Entwicklung. Beide widersetzten sich lange dem mechanischen Weltbild, wonach alle Erscheinungsformen wissenschaftlich erklärbar sind. 1817 wurde der letzte astrologische Lehrstuhl von Prof. Julius Pfaff an der Universität Erlangen geschlossen.

Inzwischen wird auch das mechanische Weltbild infrage gestellt, und die Astrologie konnte – nicht zuletzt dank der aufkommenden Psychologie – wieder an Einfluss gewinnen. Eines jedoch bleibt ihr bis heute verwehrt: Die Anerkennung als Wissenschaft; die Achtung von Forschung und Lehre.

Astrologen reagieren unterschiedlich darauf. Manche versuchen eine Brücke zu den Naturwissenschaften zu schlagen; andere heben hervor, dass die Astrologie eine Erfahrungsdisziplin ist, die sich jeder wissenschaftlichen Verifizierbarkeit entzieht und deshalb auch nicht danach trachten sollte, von der Wissenschaft wieder anerkannt zu werden.

Im Folgenden veröffentlichen wir drei Beiträge, die unterschiedliche Positionen zum Verständnis und zur Rolle der Astrologie widerspiegeln.

  • Mit ihrem Beitrag „Astrologie und Physik Hand in Hand“ zeigt Bettina Hegener Parallelen zwischen der Astrologie und der Physik auf. Sie betrachtet die Astrologie zwar auch als Erfahrungsdisziplin, möchte aber die Verbindung zur Naturwissenschaft nicht aus dem Auge verlieren.

 

 Wir wünschen Ihnen eine angenehme und anregende Lektüre.

 Klemens Ludwig

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig, gepr. Astrologe DAV

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 3. Oktober 2014 zum 2. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.

 

Astrologie, eine Symbolsprache
zwischen Kunst und Wissenschaft

 

Von Helen Fritsch

Ist Astrologie eine Wissenschaft?

Ja und nein. Ja, weil die Methode der Astrologie erlernbar ist und über eine klare Terminologie verfügt. Ja, weil sie nicht vordergründig auf Intuition und erst recht nicht auf übersinnlichen Fähigkeiten beruht. Darüber hinaus ist sie in sich konsistent und weist ein systematisches Gefüge auf – ein Horoskop basiert auf mathematisch komplexen und exakten Berechnungen. Aber in Bezug auf ihre Hauptleistung kann die Astrologie nicht als wissenschaftlich bezeichnet werden, da sie ein System von Symbolen deutet. An dieser Stelle steht sie allen kreativen Disziplinen wesentlich näher als der Wissenschaft. Warum ist das so? Das liegt an ihrem Instrumentarium, den Symbolen.

Die Deutung eines Horoskops erfüllt einerseits einige wissenschaftliche Kriterien, steht aber auch zugleich eher der Kunst näher, da ihr Ziel darin besteht, Symbole zu interpretieren. Astrologie geht von dem Grundgedanken aus, dass ein Zusammenhang zwischen Kosmos und Mensch besteht. Das lässt sich (bisher) wissenschaftlich nicht beweisen. Darf man ihr deshalb jegliche Wissenschaftlichkeit absprechen? Nein! Auch in anderen Wissenschaften gibt es solche Prämissen. Die Strengste aller Wissenschaften, die Physik, setzt die mathematische Beschreibbarkeit der Welt voraus. Ohne diese Voraussetzung wäre moderne Physik nicht denkbar. Dass eine Disziplin wie die Astrologie mit Voraussetzungen arbeitet, die sie nicht beweisen kann, wäre allein also kein Gegenkriterium zu ihrer Wissenschaftlichkeit.

Doch wie steht es um die Methode der Astrologie? Ist ihre Methode wissenschaftlich? Erfüllt sie alle gängigen Kriterien? Die Antwort lautet: nur teilweise! Ja, weil sie erlernbar ist und über eine klare Terminologie verfügt. Dies sind für eine wissenschafltiche Tätigkeit wichtige Voraussetzungen. Und auch deshalb ja, weil sie nicht vordergründig auf Intuition und erst recht nicht auf übersinnlichen Fähigkeiten beruht. In anderen Worte ist die Astrologie ebenso wie Wissenschaft vermittelbar. Darüber hinaus ist sie in sich konsistent und weist ein systematisches Gefüge auf. Letztlich basiert ein Horoskop auf mathematisch komplexen und exakten Berechnungen.

Aber in Bezug auf ihre Hauptleistung kann die Astrologie nicht als wissenschaftlich bezeichnet werden, da sie ein System von Symbolen deutet. An dieser Stelle steht sie allen kreativen Disziplinen wesentlich näher als der Wissenschaft. Es ist keine Übertreibung zu behaupten, die Deutung eines Horoskops sei eine Kunst. Hierfür reichen geistig-rationale Fähigkeiten nicht aus. Warum ist das so?

Das liegt an ihrem Instrumentarium, den Symbolen. Ein Symbol beinhaltet drei wichtige Eigenschaften:

1. Ein Symbol verfügt immer über einen Überschuss an Bedeutung. Wir können nicht alle Bedeutungen eines Symbols aufzählen. Genauer gesagt, ein Symbol verfügt über eine unendliche Anzahl von Bedeutungen. Für den Mond kann ich leicht 30 Deutungen aufzählen, und wenn sich viele Menschen an der Interpretation beteiligen, kommen wir noch auf sehr viel mehr. Zugleich ist schon vieles gesagt, wenn man ein Symbol auf seine essenziellen Eigenschaften beschränkt, vielleicht sogar nur auf eine ausschlaggebende Eigenschaft. Wenn ich also vom Mond behaupte, er zeige, was ich brauche, um mich seelisch-emotional gut aufgehoben zu fühlen, habe ich damit schon beinahe das Wichtigste gesagt. Was ist also typisch für ein Symbol? Die Enge oder die Weite seiner Deutung? Die Antwort lautet: beides. Ein Symbol wird sowohl durch die knappe als auch durch die ausführliche Form seiner Deutung gekennzeichnet. Man kommt aber mit der Bündigkeit der knappen Form wunderbar aus. Die Bündigkeit eines Symbols ist wie ein Passwort. Dieses verschafft einem den Zutritt zu seinem bildhaften Reichtum.

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Ein Symbol verfügt immer einen Bedeutungsüberschuss

Hier unten ist das Symbol (S) als Kreis eingezeichnet. Einige Pfeile um ihn herum stellen Bedeutungen dar, die von ihm ausgehen. Man kann sich über eine überschaubare Anzahl einigen (Kreis links) oder auch ins Detail gehen und viele nennen (Kreis rechts). Letztlich wird man niemals erschöpfend alle Bedeutungen aufzählen können. Damit zeichnet sich ein Symbol durch seinen Bedeutungsüberschuss aus.

 

 

Beispiel: Es lässt sich nicht beantworten, wie viele Bedeutungen der Planet Mars in der Deutung eines Horoskops haben könnte, es könnten 8 Eigenschaften genannt werden, aber auch ebenso unendlich viele. 

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2. Symbole zeichnen sich durch Schlüssigkeit (Stringenz) aus. Ich kann viele Bedeutungen für den Mond finden. Aber wenn ich behaupten würde, der Mond zeige, wie ich mich am besten durchsetze, dann hätte ich den Mond mit dem Mars-Prinzip verwechselt. Ein Symbol ist ganz und gar nicht beliebig. Im Gegenteil, es ist stringent. Es präsentiert sich schlüssig, logisch und konsequent. Wäre dies nicht der Fall, wäre die Astrologie nicht vermittelbar. Deutungsfehler lassen sich beweisen und korrigieren. Wenn eine Eigenschaft eines Symbols zutreffend charakterisiert wird, spüren die Lernenden dies. Es wird ruhig im Unterrichtsraum; man diskutiert nicht mehr. Und das Gesagte ist für alle Anwesenden logisch nachvollziehbar. Ein astrologisches Symbol ist also in sich kohärent. Diese beiden Eigenschaften – Reichtum an Bedeutungen und Stringenz in der Anwendung – üben eine starke Faszination aus. Man merkt sehr schnell, dass man es mit alten Weisheiten zu tun hat. Sie strahlen Stimmigkeit, Erhabenheit und Souveränität aus: Sie befriedigen den Geist UND das Herz und zeigen uns, dass wir sie benötigen, um unserem Leben einen Sinn zu geben. Es tut der Seele gut, sich mit Symbolen zu befassen. Sie sind nicht schwierig zu verstehen, führen aber zu eindrucksvollen Tiefen und zeichnen sich durch extreme psychologische Präzision aus. Astrologie ist wie Musik. Jeder kann sie genießen. Ihre Bilderwelt ist eine Wohltat für die Seele. Ich gehe so weit zu behaupten, sie ist sogar heilbringend, denn sie bettet den Menschen in seine natürliche kosmische Umgebung ein, anstatt ihn, wie die Wissenschaft es oft tut, zu isolieren.

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Symbole zeichnen sich durch Schlüssigkeit (Stringenz) aus

Hier sind drei Symbole (S1, S2 und S3) dargestellt. Die Pfeile um sie herum stellen ihre Bedeutungen dar. Manche Pfeile (Bedeutungen) der drei Symbole kommen sich nahe. Doch dringen sie nicht ineinander. Eine Grenze trennt ihre jeweilige Bedeutungszugehörigkeit. Es heißt, ihre jeweilige Bedeutung ist niemals über die Grenze hinaus austauschbar. Damit erfüllen sie das Kriterium der Stringenz.

Beispiel: Die Deutung des Tierkreiszeichens Krebs und Mond kommen sich nahe. Doch erfüllt das Symbol Krebs niemals die Mond-Funktion im Horoskop, was auch umgekehrt gilt.

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3. Symbole treten paarweise in polarer Beziehung auf.  Was weiß ist, kann schwarz sein. Und was schwarz ist, kann weiß sein. Wenn ich behaupte, die Tischplatte meines Arbeitstisches sei hart, so stimmt dies in unserer Realität auf eindeutige Art und Weise. Wenn ich aber das Wort „hart" näher betrachte, so verständigen wir uns darüber nur, weil wir eine Vorstellung vom gegenteiligen Zustand der Härte haben: Wir meinen, die Tischplatte sei nicht „weich".

Im Alltag brauchen wir über solche Zusammenhänge nicht nachzudenken. Anders in der Astrologie. Die polare Bedeutung (Antonymie) eines Symbols macht dieses zu einem ganz wesentlichen Teil erst aus und das darf ich niemals aus den Augen verlieren. Ein Beispiel zur Verdeutlichung sei hier angeführt: Beschreibe ich die Löwe-Energie und behaupte, der Löwe sei selbstsicher, muss ich immer daran denken, dass die Unsicherheit dabei auch latent vorhanden ist. Unsicherheit ist die andere Seite der „Löwe-Medaille". Versteht man diesen Zusammenhang nicht, so kann man das volle Potenzial eines astrologischen Symbols nicht nutzen. Man wird seine psychologische Tragweite nicht erfassen. Ist es einem Menschen überaus wichtig, selbstsicher zu wirken, so wird er vieles tun, um seine gelegentlichen Unsicherheiten zu überspielen. Vielleicht werden seine unsicheren Anteile sogar gänzlich verdrängt und tabuisiert, bis der Zeitpunkt in seinem Leben kommt, an dem er sich mit der polaren Energie des Löwen auseinandersetzen muss, nämlich mit Saturn, dem alten Herrscher des Wassermanns. Erst, wenn der Löwe-geprägte Horoskopeigner seine Schattenseite annimmt und nicht mehr das Gefühl hat, dass sie ihn blamiert, kann er zu einem authentischeren Selbstwertgefühl finden. Diesen Prozess wird er als überaus bedeutungsvolle Erlösung erleben.

Wo aber bleibt hier die von der Wissenschaft verlangte Eindeutigkeit? Seien wir ehrlich: Sie bleibt auf der Strecke. In der Welt der Astrologie kann „+3" zugleich auch „-3" bezeichnen. Der Astrologe ähnelt einem Seiltänzer, der beim Deuten die schwierige Balance zwischen den beiden gegensätzlichen Polen halten muss. Findet er sie nicht, so fällt er vom Seil. Er stürzt in die Tiefe, weil seine Deutung die polare Mehrdeutigkeit in der Balance nicht halten konnte. Genau das tut die triviale Astrologie. Sie arbeitet eindimensional. Sie deutet in „gut" oder „schlecht". Mit psychologischen Erkenntnissen hat dies dann allerdings nichts zu tun.

Tatsächlich arbeitet der fundiert ausgebildete Astrologe wie ein Künstler, der sein Metier beherrscht. Assoziationen und intelligente Paradoxien gehören selbstverständlich mit zu seinem Repertoire. Es gibt keinen Grund zu bedauern, dass die Astrologie, wie ich sie verstehe, eher künstlerische als wissenschaftliche Kriterien erfüllt. Im Gegenteil, ich freue mich sogar darüber – genau diese letzten verleihen ihr schließlich ihre wertvolle seelische Wirkung.

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 Symbole treten paarweise in polarer Beziehung auf

 Positive Eigenschaften (blaue Grafik links) sind nur durch gegenteilige negative Eigenschaften (rote Grafik rechts) verständlich. So stellt die Qualität kalt das Gegenteil von heiß dar. Heiß und kalt stehen antonym zu einander. Doch sind sie nicht vollständig voneinander getrennt: weitere polare Qualitäten warm und feucht verbinden sie. So entsteht eine Vernetzung von Eigenschaften und nicht selten, enthalten astrologische Antonyme, tiefer betrachtet, gemeinsame Eigenschaften.

Beispiel: Venus steht nicht nur für die Fähigkeit, passiv zu gefallen. Venus steht auch für das aktive Locken. In dieser Energie fließt dezent etwas Marsisches hinein.

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Es ist jedoch wichtig zu verstehen, warum Statistik im Hinblick auf die Astrologie, meiner Meinung nach, nicht wirklich anwendbar ist. Wir behandeln jedes Horoskop völlig individuell. Jede Deutung ist genau wie in der Kunst ein Unikat. Ihr Wahrheitsgehalt ließ sich bisher wissenschaftlich nur bescheiden anwenden. Man kann ja auch nicht entscheiden, ob ein bestimmtes Gedicht richtig oder falsch ist. Man kann nur feststellen, ob man es mag oder nicht. Und in vielen Fällen ergibt sich über die persönliche Meinung hinaus ein Konsens über seine Qualität. Wenn es wertvoll ist, erfreut es den Geist und die Seele. Es transportiert eine vielschichtige Botschaft, die uns entzückt. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Astrologie. Ganz abgesehen davon, dass statistische Erhebungen nur eine unter vielen Wahrheiten erfassen können.

Die Stimmigkeit der Astrologie entdeckt fast jeder, der sich intensiv mit ihr beschäftigt hat. Und wer ihr, was in seltenen Fällen vorkommen mag, den Rücken gekehrt hat, erwartete in der Regel Eindeutigkeit und wurde daher zu Recht enttäuscht. In allen anderen Fällen erlebt der Lernende ebenso wie der Profi überdurchschnittlich oft Evidenzerlebnisse. Wir glauben also nicht an die Astrologie, wir erleben ihren Wahrheitsgehalt: Der Klient berichtet von seinem Leben und das Horoskop spiegelt genau diese Zusammenhänge wider. Mehr noch, es gibt Aufschluss über Fragen.

 

Helen Fritsch       


Zum Artikel von Klemens Ludwig
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Über die Autorin

Astrologe Helen Fritsch

Helen Fritsch, gepr. Astrologin DAV

Tel: 040-280 509 50
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ausbildung.eu
www.astropraxis.de

 

 

Die Bühnenbildnerin und Lehrerin für Russisch und Französisch (*1944) war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Hamburg und lehrte zwölf Jahre lang an einer Rudolf Steiner Schule. Sie leitet zwei DAV-Zentrem, in Hamburg und in Ostholstein (nahe Fehmarn) und einen staatlich zugelassenen Fernkurs in Astrologie. Ca. 200 Teilnehmer besuchen regelmäßig ihre Schulung. Zudem ist sie Heilpraktikerin für Psychotherapie und von 2013-15 war sie die erste DAV-Vorsitzende. In ihrer AstroPraxis berät sie astrologisch Klienten und erteilt Psychotherapie. Zu ihrem Team zählen zwei Angestellte und fünfzehn freie Mitarbeiter. 2015 feierte die AstroPraxis ihr zwanzigjähriges Jubiläum.

 

Astrologie ist eine Erfahrungsdisziplin

 

Von Klemens Ludwig

Skeptikern zufolge ist die Astrologie ein „vielfach widerlegtes Denksystem“. Allein ein solcher Satz wirft zu viele Frage auf, um sie hier zu erörtern. Ist die Astrologie ein Denksystem? Wie wurde sie widerlegt und was wurde widerlegt? Mehr als die sog. Prognosen der Trivial- und Tagespresse?

Ich möchte vor allem einer Frage nachgehen: Kann man die Astrologie überhaupt widerlegen? Oder – da die Astrologie der Polarität eine große Bedeutung beimisst – kann man die Astrologie beweisen? Beide Versuche entspringen demselben Weltbild, dem vermeintlich kritischen und unbestechlichen Geist, der sich durch die wissenschaftliche Methode offenbart.

Das Bedürfnis, wieder in den Schoß der Wissenschaft aufgenommen zu werden, ist bei manchen Astrologen ausgeprägt. In diesem Zusammenhang wird immer wieder C. G. Jung zitiert, der einmal gesagt hat, die Astrologie klopfe „wieder vernehmlich an die Türe der Universitäten“. Doch gibt es dafür Perspektiven? Oder provokanter gefragt, ist das überhaupt wünschenswert?

Um von der Wissenschaft anerkannt zu werden, müssen wissenschaftliche Methoden her, und das geht nur mit Hilfe von vermeintlich objektiven Zahlen und verifizierbaren Daten. So gibt es seit Beginn des 20. Jahrhunderts zahlreiche Versuche, die Astrologie durch Statistiken auf eine empirische Basis zu stellen.

Der Franzose Paul Choisnard und der Schweizer Karl-Ernst Krafft haben als erste im größeren Maßstab versucht, astrologische Zusammenhänge statistisch zu erfassen. Auf ihre Forschungen baute der Franzose Michel Gauquelin auf, der bis heute als wichtigster Statistiker unter den Astrologen gilt. Gauquelin arbeitete mit Radixhoroskopen. Da ihm bewusst war, dass Charaktereigenschaften statistisch nicht erfasst werden können, suchte er nach anderen Kriterien. Er konzentrierte sich bei seiner Arbeit vor allem auf den Beruf und untersuchte, ob die Angehörigen bestimmter Sparten wie Ärzte, Wissenschaftler, Sportler, Schriftsteller oder Soldaten über eine signifikante Betonung bestimmter Planetenprinzipien verfügten. Dabei würde er fündig. Bei Sportler fand er den Mars hochsignifikant betont, bei Schauspielern den Jupiter, bei Ärzten und Wissenschaftler den Saturn.

Gauquelins Forschungen wurden von Prof. Suitbert Ertel und anderen weitergeführt. Die Wissenschaft selbst hat kaum Notiz davon genommen.

Für großes öffentliches Aufsehen sorgte in den späten neunziger Jahren Gunter Sachs mit einer statistischen Studie, die er gemeinsam mit der Universität München erstellt hat. Dabei kam er zu dem für Astrologen durchaus schmeichelhaften Schluss: „Am Ende unserer Arbeit, nach der Computer-Auswertung von Millionen Daten, steht so der statistische Nachweis, dass Sternzeichen in allen von uns untersuchten Bereichen einen gewissen Einfluss auf das Verhalten von Menschen ausüben.“

Was aber wurde durch Gauquelin, Sachs und andere bewiesen? Bei Partnerschaften zum Beispiel fand Sachs heraus, dass sich unter den Widder-, Zwilling-, Schütze-, Steinbock- und Wassermann-Geborenen hochsignifikant viele befinden, die einen Partner mit dem selben Sternzeichen suchen, während sich Stier-Frauen und Waage-Männer “auffallend ungern“ binden.

Mal abgesehen von der Frage, ob eine astrologische Paarberatung besser wird, wenn nachgewiesen ist, dass sich Schütze-Frauen gern an Schütze-Männer binden, haben die Kritiker auch mit diesen Ergebnisse ihre Vorbehalte gegenüber der Astrologie nicht aufgegeben.

 

Wert der Erfahrungen

Astrologie ist eine Erfahrungsdisziplin, sie lässt sich weder beweisen noch widerlegen und sie widersetzt sich jeder Zuordnung zu akademischen oder sonstigen Kategorien.

Als Erfahrungsdisziplin erhält die Astrologie durchaus eine spirituelle Dimension. Kein Gott, keine Religion, keine Offenbarung, keine heilige Schrift lässt sich beweisen. Man kann daran glauben, oder es bleiben lassen. Und der Glaube ist weit mehr als die berühmte Polemik „glauben heißt nicht wissen“. Glaube ist besonders glaubwürdig, wenn er auf persönlichen Erfahrungen beruht. Wer tiefer in die Astrologie einsteigt, wird erleben, dass es um mehr geht als „nur“ um Selbsterfahrung. Nicht nur die karmische Astrologie stellt die grundlegenden Fragen „woher komme ich, wohin gehe ich?“ – was Fragen wie „welcher Partner passt zu mir?“ oder „wann ist der beste Zeitpunkt für eine Investition?“ nicht ausschließt; zumal bisweilen vermeintlich profane Fragen zu grundlegenden Erkenntnissen und Einsichten führen können.

Die persönliche Erfahrung ist die große Chance, ja sogar die Basis der Astrologie, nicht ihre statistische Verifizierbarkeit. Die Tragik des Michel Gauquelin bestand darin, sich dieser Einsicht ein Leben lang widersetzt und damit letztlich einen Kampf gegen Windmühlen geführt zu haben, den er nicht gewinnen konnte. Mit 62 Jahren ist er freiwillig aus dem Leben geschieden, weil er die Ablehnung durch die Wissenschaft nicht verkraftet hat.

Erfahrungen können nicht bewiesen und nicht widerlegen werden, weil sie die Seele betreffen. Peter Orban bringt es auf den Punkt: „Auf der Seite der vermeintlich objektiven Wissenschaften hat sich die feste Überzeugung etabliert, daß eine theoretische Behauptung entweder 'wahr' oder 'falsch' sei. Und man könne Belege dafür suchen, ob eine Annahme eher in die Richtung der Bestätigung oder eher in die Richtung der Ablehnung führt. Eine derartige Vorgehensweise – 'Wissenschaft' – gilt freilich nur für den ersten Quadranten, also für alles, was in die Sichtbarkeit hineinragt...

Bereits der zweite Quadrant wirft da erheblich mehr Schwierigkeiten auf und ist eigentlich der wissenschaftlichen Durchdringung nicht mehr zugänglich. Eine Frage wie 'Verlieben sich Katholiken häufiger als Protestanten?' kann kaum noch gefragt werden, denn die Merkmalsdimension 'Verliebtsein' ist wissenschaftlich nicht zu greifen. Verliebtsein affiziert die Seele und mit der „Seele“ hat man meßtechnisch große Probleme. Seelische Befindlichkeiten lassen sich nicht 'beweisen'...“ (Peter Orban: Pluto, Reinbek 1989, S. 157f)

Für die Astrologie spricht, dass derartige Zusammenhänge zumindest von manchen Wissenschaftlern inzwischen anerkannt werden. Sie überschreiten dann bei weitem die Grenzen ihres Fachs. Begünstigt wurde diese Entwicklung dadurch, dass die Naturwissenschaft in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend an ihre Grenzen stieß. Ihre bahnbrechenden Forschungen führten zu immer neuen Fragen, so dass eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern einen kosmischen Plan hinter dem Universum nicht mehr ausschließt. Von Albert Einstein stammt das Bekenntnis: „Ich behaupte, daß die kosmische Religiosität die stärkste und edelste Triebfeder wissenschaftlicher Forschung ist ... Ein Zeitgenosse hat nicht mit Unrecht gesagt, daß die ernsthaften Forscher in unserer im allgemeinen materialistisch eingestellten Zeit die einzigen tief religiösen Menschen seien. Ihre Religiosität liegt im verzückten Staunen über die Harmonie der Naturgesetzlichkeit, in der sich eine so überlegene Vernunft offenbart, dass alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist.“ (Albert Einstein: Mein Weltbild, Frankfurt u. a. 1981, S. 17f.)  

Wenn das nicht reicht, sei noch darauf verwiesen, welchen Preis die Psychologie gezahlt hat, um als Wissenschaft anerkannt zu werden. Sie musste sich der Statistik und Verifizierbarkeit vollkommen unterwerfen.

Klemens Ludwig

Zum Artikel von Helen Fritsch
Zum Artikel von Bettina Hegener

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig, gepr. Astrologe DAV

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
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Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 3. Oktober 2014 zum 2. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.