Astrologie kreativ, Fische-Mandala

Kreative Astrologie. Die Fische – Das Mandala der Lebensfreude

Bettina Hegener

Die DAV-Astrologin Bettina Hegener verbindet Astrologie mit künstlerisch-kreativen Prozessen. Im folgenden Beitrag regt sie an, ein Mandala – eine Meditationshilfe aus der buddhistischen Tradition – mit astrologischen Inhalten zu gestalten. Dabei wählt sie das Zeichen Fische. Lassen Sie sich inspirieren, auch um Ihre eigene schöpferische Kraft zu entdecken.

Echo-Preisverleihung 2018

Das Echo auf die ECHO-Preisverleihung 2018

von Dr. Bernhard Firgau

Am 12. April diesen Jahres wurde die Preisverleihung des ECHO im Fernsehen ausgestrahlt. Schon im Vorfeld wurde bekannt, dass unter den Preisträgern auch die Rapper Kollegah und Farid Bang sein werden. Ihre Songs sind wegen ihrer zum Teil aggressiven, frauendfeindlichen, homophoben und antisemitischen Inhalte umstritten. Die Veranstalter ließen sich von vorab geäußerter Kritik nicht irritieren. Der Echo zeichne erfolgreiche Künstler aus und ihr Erfolg werde an den Verkaufszahlen und der Position in den Charts abgelesen. Eine inhaltliche Wertung sei wegen der Kunstfreiheit in Deutschland nicht möglich.

Visual Zodiac

Kartendecks: Visual Zodiac


„Visual Zodiac“ nennt der Künstler Nil Orange aus Würzburg zwei Kartendecks, die er gemeinsam mit dem Astrologen Alejandro C. Luna entworfen hat.


Über die Allgegenwärtigkeit der Astrologie

Mitte des 16. Jahrhunderts in Münster

Die astronomische Uhr im Dom zu Münster, Westfalen, Teil 2

 

Von Patricia Scharf

Auf einer Tafel am oberen Rand des Mittelteils wird mitgeteilt, welche Parameter auf der Uhr abzulesen sind. Die Übersetzung der Inschrift lautet: „Auf dieser beweglichen Uhr kannst Du neben vielem anderen und den geraden und ungeraden Stunden folgendes ablesen: den mittleren Gang der Planeten. Das aufsteigende und das absteigende Zeichen. Außerdem die Aufgänge und Untergänge einiger Fixsterne.

Astronomische Uhr im Dom zu Münster

Foto: Konrad Dahlmann, Münster

Zudem die Herrschaft der Planeten in den astronomischen Stunden (Stundenherrscher) auf beiden Seiten des Werkes. Darüber (über dieser Inschrift) das Erscheinen der heiligen drei Könige. Unten befindlich der Kalender mit den beweglichen Feiertagen.“

Die astrologischen Parameter sind bei dieser Aufzählung in der Überzahl. Offensichtlich scheint es den Erbauern dieser Uhr sehr wichtig gewesen zu sein, der Astrologie einen großen Stellenwert auf ihrem Werk einzuräumen. Dass dieses Werk aber nicht nur für astrologieinteressierte Laien gedacht war, die durch die Tafelinschrift auf die wichtigen Bestandteile des Horoskopes (Planetenstände, Aszendent und Deszendent, Fixsterne und Stundenherrscher) hingewiesen werden; sondern auch für den fachkundigen Astrologen ein unabdingbares Hilfsmittel seiner Arbeit gewesen sein muß, läßt sich daran erkennen, dass hier alle astrologischen Determinanten (gradgenaue Planetenstellungen auch in den Häusern) abgelesen werden können, die die eigene Erstellung eines Horoskopes durch Himmelsbeobachtung überflüssig machen. Der Astrologe oder fachkundige Mediziner stellte sich lediglich vor die Uhr und „zeichnete“ das Horoskop (spiegelverkehrt) ab bzw. deutete es vor der Uhr.

Durch einen interessanten „Kniff“, der unter den erhaltenen astronomischen Uhren an der Münsteraner Uhr einzigartig ist, konnte jeder Interessierte darüber hinaus vor der Uhr, die aktuellen Planetenbewegungen am Himmel über Münster nachvollziehen und überprüfen.

Auf dem Mittelteil der Uhr sind an den Bildrändern vier kleine Zettelchen aufgemalt, die die Himmelsrichtungen angeben:

Mitte oben: Meridies (Süden, Himmelsmitte, Mittag)
Rand links: Occidens (Westen, Deszendent)
Mitte unten: Septentrio (Norden; Himmelstiefe, Mitternacht)
Rand rechts: Oriens (Osten, Aszendent)

Hier fällt auf, dass die Lage der Himmelsrichtungen für die Verhältnisse sowohl heutiger Kartenleser als auch Astrologen etwas vertauscht sind. Auf einer Karte hätte man den Norden oben erwartet bzw. auf einer Horoskopgrafik den Osten links. Korrespondierend damit lassen sich die seltsame Anordnung der Stunden auf dem Ziffernblatt und mindestens die Laufrichtung des Sonnenzeigers interpretieren. Auf den Ziffernblättern astronomischer Uhren sind häufig nicht nur 12 Stunden, sondern die 24 Äquinoktialstunden (heute gebräuchliche Stundeneinteilung) des Tages angebracht. Der Sonnenzeiger ist dabei gleichzeitig der Stundenzeiger. Er zeigt die Bewegung der Sonne über den auf den darunter liegenden Scheiben, auf denen auch die Ekliptik eingezeichnet ist, an. Auf dem Ziffernblatt läßt sich die jeweilige Stunde ablesen. In Münster sind die Ziffern für die Stunden auf dem Ziffernblatt entgegen dem Uhrzeigersinn angeordnet. Logischerweise läuft dann auch der Stundenzeiger „andersherum“. Für diese Uhr erscheint es also folgerichtig, dass die Mittagsstunde (wie bei anderen Uhren auch) angezeigt wird, wenn der Stundenzeiger auf der oberen 12 (im Süden) steht. Bis Mitternacht bewegt er sich über die linke Hälfte des Ziffernblattes zur untere 12 (Norden) weiter. Die gesamte Anordnung in sich ist vollkommen stimmig, hätte aber nicht der Mühe bedurft, die Uhr in einzigartiger Weise mit einem linkslaufenden Zeiger und umgekehrter Projektion der Himmelsrichtungen zu konstruieren. Es hätte genauso mit einer Konstruktion im Uhrzeigersinn verfahren werden können, wie bei allen anderen bekannten Uhren.

Warum also diese aufwendige Gestaltung?
Erst wenn der Standort der Uhr mit in die Betrachtung einbezogen wird, erschließt sich die gesamte Konzeption.

Als Standort für astronomische Uhren in Kirchen wurden häufig sowohl der Chor als auch das Langhaus gewählt. (Kirchen sind in der Regel nach den Himmelsrichtungen erreichtet: Nach Osten, Richtung Heiliges Land, wurde der Chor mit dem Altar ausgerichtet.) Die Blickrichtung des Betrachters auf die astronomischen Uhren konnte je nach Aufstellungsort in Richtung Osten oder auch in andere Himmelsrichtungen sein. An Rathäusern befinden sich astronomische Uhren an exponierter Stelle, um die Aufmerksamkeit eines jeden Passanten auf sich zu ziehen. Insofern mag der Standort einer astronomischen Uhr eher den Bedürfnissen der Betrachter geschuldet sein als den Erfordernissen der Anzeigen oder der Mechanik der Uhr. Hier in Münster scheint die Sache etwas anders gelagert zu sein. Wer schon einmal vor der astronomischen Uhr im Dom stand, wird spätestens bei dem Versuch, die Uhr in Ihrer Gänze auf ein Foto zu bannen, bemerkt haben, dass dies ein unmögliches Unterfangen zu sein scheint. Es ist nicht möglich, Position in entsprechender Entfernung zu Uhr zu beziehen, weil die Außenwand des Domes hinter dem Betrachter dies verhindert. Die Bemalungen des Uhrgiebels sind mit bloßem Auge schwer zu erkennen. Ein anderer Aufstellungsort wäre für eine bessere Sichtbarkeit der Darstellungen hilfreich gewesen.

Zeichnung der HimmelsausrichtungIn Münster wurde die Uhr im südlichen Chorumgang errichtet. Ob dies hauptsächlich geschah, um die Mechanik hinter der Schauseite in der Tiefe zwischen den Pfeilern des Chorumganges zu verbergen, mag dahingestellt bleiben. Sicher ist, dass sich alle Anzeigen auf dem Hauptteil der Uhr an den tatsächlichen Himmelsrichtungen orientieren. Würde man den Mittelteil der Uhr an beiden Rändern fassen und dann über sich halten, so dass man, nach oben blickend, auf die Unterseite schauen könnte, würde man darauf eine Projektion des Sternenhimmels nach den tatsächlichen Himmelsrichtungen erblicken. Die obere Kante (Süden) läge im Süden, die untere Kante (Norden) zeigte in Richtung Norden. Oder etwas profaner ausgedrückt, hat man hier, wenn man so will, den Himmelsglobus vom Himmel genommen und „als Bild an die Wand gehängt“. Auf diese Weise ist die Gestaltung der Uhr ganz wesentlich auf den Standort bezogen. Würde man die Uhr an anderer Stelle in der Kirche aufstellen, machte das Konzept der „wahren Himmelsrichtungen“ keinen Sinn.

Alle anderen Darstellungen auf der Uhr und auch die Anzeigen des Astrolabiums orientieren sich an diesem Konzept der wahren Himmelsrichtungen. So kann zum Beispiel der Aszendent am östlichen Schnittpunkt des Rete (schmiedeeisernes Rad des Astrolabiums, Restaurierung, späterer Zustand) mit dem Ekliptikring abgelesen werden. Die Planetenzeiger von Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn (mit beschriftetem Schild) und der Sonnenzeiger (mit Regenbogen auf der der Sonne gegenüberliegenden Seite) bewegen sich entgegen dem Uhrzeigersinn mit dem Lauf der Sonne von Osten über Süden nach Westen. Unter dem Rete sind verschiedene Schemata aufgebracht, mit denen durch die Bewegung des Rete die Horoskophäuser mit MC, IC etc. bestimmt werden können. Aus späterer Zeit stammt eine aufgemalte Landkarte.

 

Astrolabium astronomische Uhr zu Münster

© Foto: Stephan Kube, Greven

 

Breviarium Romanum, bayrische Staatsbibliothek
Breviarium Romanum, deutsch, 1497, Bayerische
Staatsbibliothek München, BSB Cgm 85, 9r, Ausschnitt

Der Ring mit den Tierkreiszeichen ist aufwendig ausgestaltet. Er weist Dekanate und Gradzahlen aus. Zu jedem Feld mit den Tierkreiszeichen ist das passende Symbol und ein Sternbild aufgemalt. Die Farben wurden wieder abhängig von den Elementen gewählt. Außerdem ist jedes Zeichen mit einem Zusatz versehen, der benennt, ob es sich um ein „gutes“, „schlechtes“ oder „neutrales“ Zeichen handelt. (signum bonum, signum malum, signum indifferens). Die Wasserzeichen Krebs, Skorpion und Fische wurden als neutral gekennzeichnet. Die Zeichen Widder, Waage, Schütze und Wassermann wurden als gut gekennzeichnet. Als schlechte Zeichen gelten hier die Erdzeichen Stier, Jungfrau und Steinbock. Ebenfalls als „schlecht“ wurden Zwilling und Löwe kategorisiert. Der heutige Astrologe kommt eventuell etwas durcheinander, was diese Einteilung betrifft. Er wird kein Schema ausmachen können, mit dem diese Klassifikation nachvollziehbar wäre. Lediglich die Wasserzeichen mit negativer Polarität sind hier einheitlich als „neutral“ eingestuft. Alle anderen Zeichen folgen in ihrer Zuordnung zu „schlecht“ bzw. „gut“ keiner auf den ersten Blick nachvollziehbaren Logik.

körperliche Zuordnung der Tierkreiszeichen
Regiomontanus, Johannes: Kalender, Augsburg, 1512
Bayer. Staatsbibliothek München [VD16 M 6539] Bild Nr. 6

Einteilungen dieser Art sind vielfach in sog. Breviarien zu finden. Brevarien sind sowohl in deutscher als auch lateinischer Sprache weit verbreitet und enthalten vor allem Gebete sowie Kalendarien mit Feiertagen, dergestalt, wie sie auch auf dem Kalenderteil der astronomischen Uhr zu finden sind. In den Kalendarien sind teilweise auch die wichtigsten planetarischen Aspekte des Jahres angegeben und die hier verwendete Aufteilung in gute, schlechte und neutrale Zeichen findet man ebenso in Kalendern der Zeit. In einem Kalender von Regiomontanus (Abb. links) sind die Tierkreiszeichen mit ihren Bewertungen zusätzlich Körperteilen zugordnet. Feine Linien verweisen von den angegebenen Zeichen auf die Körperteile. Durch diese Illustration erschließt sich der Zweck derartiger Zuordnungen, wie sie auch auf der astronomischen Uhr wiederzufinden sind. Hier wurde angegeben, wann der richtige Zeitraum zum Aderlassen ist und an welcher Stelle des Körpers man am besten das Blut im entsprechenden Monat zu entnehmen habe oder die Entnahme unterlassen sollte. Kalender mit diesen (wie wir heute sagen würden) „astromedizinischen“ Angaben waren weit verbreitet.

Die Tafeln für die Stundenherrscher links und rechts auf dem Mittelteil der Uhr folgen ebenfalls der Aufteilung der Uhr nach dem Prinzip der „wahren Himmelsrichtungen“. Als Stundenherrscher werden die Planeten bezeichnet, die den Temporalstunden[1] ab Sonnenaufgang in einer bestimmten Reihenfolge zugeordnet werden. Dabei ist die Reihenfolge der Planeten immer gleich. Für jeden Wochentag wird allerdings mit einem anderen Planeten, dem jeweils geltenden Tagesherrscher begonnen.

 Tabelle für Tagesregenten und Chaldäische Reihe

Die Anzeige der Stundenherrscher wird durch kleine rechteckige Täfelchen bewerkstelligt, die durch einen Mechanismus bewegt werden und im passend beschrifteten Feld der Tafeln links und rechts des Ziffernblattes/ Astrolabiums aufscheinen. Dabei beginnt die erste Tag-Stunde ab Sonnenaufgang rechts unten (also im Osten), das Feld für die 12. Stunde am Sonnenhöchststand (Mittag) ist auf der rechten Seite oben angebracht und die Täfelchen auf der linken Seite (Westen) folgen in ihrer Anordnung ab der 13. Stunde ab Sonnenuntergang bis zur 24. Stunde vor Sonnenaufgang. Folgt man dieser Anordnung könnte man eine Unterteilung des Astrolabiumteils in Tagseite (rechts, Osten) und Nachtseite (links, Westen) vornehmen.

Außer den astrologisch-astronomischen Parametern, wurden in den Zwickeln zwischen Ziffernblattring und Stundenherrschertafeln die vier Evangelistensymbole mit Spruchbändern[2] aufgemalt, die mit Texten aus den jeweiligen Evangelien beschriftet sind.

Zur Verdeutlichung der Kontexte hier die entsprechenden Verse in voller Länge und in Deutsch. Die auf den Spruchbändern geschriebenen Passagen sind hier durch Fettdruck hervorgehoben:

Im Osten, auf der Tagseite:
Rechts oben: Engel – Matthäus – Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben einen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. (Mt. 2,1 und 2)

Rechts unten: Löwe – Markus – Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. (Mk. 16,1 und 2)

Im Westen, auf der Nachtseite:
Links unten: Stier – Lukas – Es war um die sechste Stunde als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. (Lk. 23.44/45)

Links oben: Adler – Johannes – Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht; wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist. (Joh. 11,9/10)

Entgegen der Anordnung der Stundenherrscher auf ihren Tafeln, beginnt auf der Uhr die Abbildung der Evangelistensymbole auf der Tagseite oben. Die weitere Anordnung der Symbole folgt der kanonischen Reihenfolge der Evangelien im Uhrzeigersinn.

Die christliche Symbolik nahm eine Zuordnung der Evangelistensymbole zu den vier Hauptereignissen im Leben Jesu üblicherweise so vor:

Engel – Matthäus: Inkarnation/ Geburt
Stier – Lukas / Opfertod
Löwe – Markus / Auferstehung
Adler – Johannes / Himmelfahrt

Bei der Darstellung der Evangelistensymbole auf der Uhr hat man diese Reihenfolge der Evangelien außer Acht gelassen bzw. das zweite Evangelium an dritte Stelle gesetzt und umgekehrt. Man hat bei Auswahl der Evangelientexte für die Uhr einerseits auf diese Symbolik und den heilsgeschichtlichen Kontext geachtet. Andererseits wollte man einen Bezug zur Uhr herstellen, indem Texte mit Zeitangaben verwendet wurden. So kommen die Sterndeuter (!) –die Astrologen- aus dem Osten. Die Frauen, die an seinem Grab Zeugen der Auferstehung Jesu werden, kamen bei Sonnenaufgang. Beim Tod Jesu gab es eine dreistündige Sonnenfinsternis und der gesamte Tag hat sowohl 12 Lichtstunden als auch 12 Stunden der Dunkelheit in der Nacht. Darüber hinaus hat man bei der Anordnung der Sprüche Wert darauf gelegt, die passenden Texte über den Tag bzw. den Beginn des Lebens im Osten auf der Tagseite zu plazieren und die Nachtseite im Westen ebenso passend zu illustrieren.

Der obere Giebelteil ist ebenfalls nach dem Prinzip der „wahren Himmelsrichtungen“ gegliedert. Hier werden in einer Kulisse, die als groß angelegter, zentralarchitektonischer Gebäudekomplex erscheint, Schaulustige gezeigt, die sich um das Hauptereignis in der Mitte versammelt haben.

Giebel, astronomische Uhr Münster

© Foto: Stephan Kube, Greven

Byzantinische Horoskop-Grafik

Byzantinische Horoskop-Grafik
nach R.G. Brand

Die Architektur scheint auf einem symmetrischen, quadratischen Grundriss zu liegen und erinnert in der Form an kreuzförmige Horoskopgrafiken, die in Byzanz ihren Ursprung haben. Dass hier im Giebelteil der Uhr eine Parallele zu einer Horoskopgrafik anklingt, verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass auch in der Grafik an sich die Vierzahl (wie am Astrolabiumsteil der Uhr schon mehrmals gesehen) wiederzufinden ist. Ihre Entsprechung hat die Zahl vier in den vier Himmelsrichtungen, den vier Jahreszeiten und den vier Urqualitäten, den vier Körpersäften und den vier Temperamenten. Horoskopgrafiken verweisen auf das himmlische Jerusalem („Sie Stadt war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit.“ Offb. 21/16). Das „himmlische Jerusalem“ wurde als ein Ort angesehen, an dem Himmel und Erde eine Verbindung eingehen.[3] Als der Ort der Verbindung von Himmel und Erde erscheint auch der Giebelteil der Uhr. In der himmlischen Idealarchitektur, die auch theaterartigen Charakter hat, versammeln sich irdische Menschen um die biblische Geburtsszene in der Mitte. Die Personen auf den Balkonen unterscheiden sich auf beiden Seiten in ihrem Aussehen und ihrer Kleidung. Im Osten (rechts) sind Astrologen (Ptolemäus? Oder Albumasar? auf dem linken Balkon der Ostseite) als Vertreter des Erdteiles Asien zu vermuten. Sie zeichnen sich aus durch eine spezielle Kleidung, die auf weit verbreiteten Holzschnitten der Zeit, den Astronomen und Philosophen zueigen war. Auf dem Balkon ganz außen befinden sich farbige Menschen. Die beiden Balkone auf der Westseite (links) zeigen „europäisch“ aussehende Menschen. Es sind wohl Bürger der Stadt Münster unter ihnen (eventuell der Maler L. tom Ring?, Bürgermeister).[4]

Es erscheint folgerichtig, dass der Figurenumlauf mittags um 12 Uhr (Höchststand der Sonne/ im Süden über dem Südteil des Astrolabiums) beginnt, indem sich die Osttür öffnet, über der in einem Medallion die personifizierte Venus als Morgenstern (!) zu sehen ist. Die Heiligen drei Könige, die auch als Personifikationen der drei Erdteile Europa, Asien und Afrika gelten, umlaufen die Maria mit Kind im Zentrum und verschwinden in der im Westen liegenden Tür, über der ein Medallion mit der Personifikation von Merkur, dem Patron der Astrologie und Astronomie, als Abendstern (!) (unwahrscheinlich: Mars) zu sehen ist. Dass Merkur zur damaligen Zeit auch als Planetenpatron von Münster gesehen wurde, muß dahingestellt bleiben.

 

Ausschnitt: Giebel, astronomische Uhr Münster
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                    © Foto: Stephan Kube, Greven

Das Geschehen spielt sich im Zentrum der Welt (in der Mitte zwischen Osten und Westen) ab, das in diesem Kontext Bethlehem als Ort der Geburt ist. Für Bethlehem spricht, dass die Marienfigur vor einer Stallkulisse (abgedecktes Dach, Josef im Hintergrund) plaziert ist, wie sie auf unzähligen Geburtsdarstellungen der Zeit zu finden ist. Als Bekrönungsfigur auf dem zerfallenen Dach des angedeuteten Stalles befindet sich als Symbol der Stadt Bethlehem eine Davidstatue. David ist ebenfalls in Bethlehem geboren. Seine astrologische Entsprechung ist Jupiter. Jupiter, der Gott des Himmels und der Erde hatte viele Kinder aus seinen zahlreichen Liebesabenteuern mit Göttinnen und sterblichen Frauen. Für viele Betrachter der damaligen Zeit war sicher ebenfalls eine Interpretation dieser Symbolik in eine Richtung naheliegend, die auf „den König“ der Wiedertäufer verweist, der sich als wiedergeborener David sah und nach dessen „Vorbild“ er die Vielehe in der Stadt einführte.

Der Mittelteil des Gebäudekomplexes steht gleichermaßen für Jerusalem als Davidstadt. Doppeldarstellungen der Stadtarchitekturen von Bethlehem und Jerusalem sind im 15. Jahrhundert keine Seltenheit. So kann man annehmen, dass sich der Mittelteil dieser Architekturdarstellung nicht auf Bethlehem oder Jerusalem, sondern übergreifend auf das Heilige Land als topographisches Gebiet bezieht. Auch Weltkarten des 15. Jahrhunderts geben fast ausnahmslos Jerusalem als Mittelpunkt der Erde wieder.

Die Personifikationen von Jupiter, Merkur und Venus im Mittelteil sind in einer Dreiecksstruktur angeordnet, in der man ein großes Trigon dieser drei glücksverheißenden Planeten wiedererkennt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Münsteraner mit dieser wunderbaren Konstellation als neue zukunftsorientierte Verheißung ihre Uhr schmücken und sie an dieser Stelle über Münster und der ganzen Welt leuchten lassen wollten.

Westseite mit Münsteranern als Stellvertreter des Erdteils Europa

Ostseite mit Astrologen und anderen Vertretern des Erdteils Asien und Afrikanern als Vertreter des dritten Erdteils

© Foto: Stephan Kube, Greven (Oben: Westseite mit Münsteranern als Stellvertreter des Erdteils Europa; Unten: Ostseite mit Astrologen und anderen Vertretern des Erdteils Asien und Afrikanern als Vertreter des dritten Erdteils)

Die vier Balkone stehen hier für die drei Erdteile. In einer von Melanchton übersetzten Version von Ptolemäus „Tetrabiblos“ findet sich eine Aufteilung der Erde in vier Quadranten, mit einer Abend Seite (Westen) mit Europa und Lybien sowie einer Morgen Seite (Osten) mit „Aquilonien“ als nördlichen Teil und „Australien“ als den uns heute bekannten südlichen Teil Asiens. Um 1540 waren seit wenigen Jahren neuartige Weltkarten im Umlauf, die erstmals den neu entdeckten vierten Kontinent Amerika mit aufführten (erstmals 1507 im Elsaß gedruckt, Martin Waldseemüller). Diese neuen Karten verwiesen aber noch immer auf die ptolemäische Einteilung in drei Kontinente. Allenfalls hat man den Küstenstreifen des neu entdeckten Kontinentes angegeben. An der Aufteilung in drei Kontinente hat man sich hier in Münster bei der Gestaltung des Giebelfeldes orientiert. Oder sollte der Junge, der auf der Brüstung im linken Feld balanciert, ein Verweis auf den noch neuen Kontinent sein, mit dem die bisherige Einteilung der Erde ins Wanken gerät?

Astrolabium aus der Nähe

 

 

Foto: Konrad Dahlmann, Münster

 

Von den erhaltenen astronomischen Uhren weist keine andere eine derartige Vielzahl von astronomischen Anzeigen auf, die in ihrer Gesamtheit einzig für die Erstellung von Horoskopen oder in Teilen eben für die angewandte Alltagsastrologie nützlich waren. Gestalterische Details verweisen darüber hinaus auf astrologische Entsprechungen.

Ihre einzigartige Konzeption, die die Himmelsbewegungen aller Planeten berücksichtigt und passend zum Aufstellungsort nach dem „Prinzip der wahren Himmelsrichtungen“ umgesetzt wurde, macht die astronomische Uhr im Dom zu einem einzigartigen Zeugnis für die Wichtigkeit und Allgegenwärtigkeit der Astrologie in Münster.

Wer profitierte davon hauptsächlich? Sicher war die Uhr mit ihren astronomischen Anzeigen als Hilfsmittel für Astrologen und Ärzte gedacht, die auch tagsüber und bei wolkenverhangenem Himmel allzeit eine Übersicht über die Himmelskonstellationen benötigten. Insofern war sie errichtet worden, um Ärzten und Astrologen und allen, die astrologische Informationen benötigten, als Werkzeug zur Verfügung zu stehen. Darüber hinaus war sie auch ein Angebot an alle Münsteraner oder Schaulustige, hier ihr Bedürfnis nach astrologischem Wissen zu stillen.

Sicher war es den Münsteranern nach der überstandenen Wiedertäuferära wichtig, die Himmelserscheinungen weiterhin in heilsgeschichtlichem Kontext zu deuten. Vielleicht war es aber nun ebenso wichtig, eine Interpretation von Himmelserscheinungen wie Finsternissen oder Kometenerscheinungen in eine neue, heilbringende Richtung zu lenken, die sich auf die richtige, „althergebrachte“ Interpretation von Religion und Astrologie beruft? Wollte man mit der Uhr ein Zeugnis darüber ablegen, dem Irrglauben der Wiedertäufer abgeschworen zu haben? Immerhin hatte sich keine der wiedertäuferischen Voraussagen bewahrheitet. Aber die astrologischen Gesetze, wie sie in den astronomischen Erscheinungen am Himmel abzulesen waren, galten nach wie vor. Die führenden „Köpfe“ der unglücksseligen Bewegung waren nun als mahnende Leichen in ihren Eisenkörben an der Lambertikirche zu sehen. Die ehemaligen Anhänger der Bewegung waren aber noch immer in der Bevölkerung der Stadt zu finden. Hatten die Münsteraner deshalb weder Kosten noch Mühen gescheut, um sich ein derartig imposantes Aushängeschild zuzulegen, das sicher über die Stadtgrenzen hinaus Bekanntheit erlangte? Wollten Sie damit Ihre Rückkehr zum rechten Glauben manifestieren? Es scheint als hätte man mit der Uhr einen wissenschaftlichen Gegenpol errichten wollen zu den unzähligen astrologischen Deutungsschriften, die in den 1520er Jahren der Endzeitstimmung überall im deutschsprachigen Raum kursierten. Statt auf Flugblättern und in Zeitschriften zu lesen, was die Interpreten prophezeiten, konnte nun jeder selbst vor die Uhr treten, sich ein eigenes Bild von den Sternenkonstellationen machen und selbst entscheiden, was die Zukunft für ihn und seine Mitbürger bereithalten würde.

Die Uhr ist auch als besonders umfassendes Beispiel des Weltbildes in der Renaissance zu sehen, in dem der Kosmos und der Mensch zwar als Schöpfung Gottes dargestellt werden, aber der Einzelne es doch zu besonderen Ehren bringen kann. Die Uhr zeigt die Vorstellung vom Universum ihrer Erbauer, die sich, geprägt von den Ereignissen aus der jüngeren Vergangenheit der Stadt, in der Einheit und Gleichstellung von Astrologie/Astronomie (Wissenschaft) und Schöpfungsgeschichte (Religion) wiederfindet. Eine Vorstellung, in der vielleicht die Auseinandersetzung mit den Theorien der Humanisten, eventuell der eines Nikolaus von Kues, verbildlicht werden sollte. Ein Anklang an die Dreiteilung der Uhr ist sicher in seinem Werk wiederzufinden, das über das Zusammenspiel von Gott, der Naturwissenschaft (Astronomie) und den Menschen Auskunft gibt.

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[1] Mit den Temporalstunden wird die Tages- bzw. Nachtzeit in 12 gleich lange Abschnitte aufgeteilt. Da die Zeit zwischen Sonnenauf- und –untergang bzw. Sonnenuntergang und –aufgang je nach Jahreszeit variiert, sind die Temporalstunden ungleich lang. An der Tag- und Nachtgleiche entsprechen sie einander. Auf der Erklärungstafel der Münsteraner Uhr werden die Temporalstunden „ungleiche Stunden“ genannt.

Die Zuordnung der Stundenherrscher und die Verfahrensweise der Zählung wird in astrologischen Werken der Zeit beschrieben. Eine Zuordnung wie in Münster findet sich beispielsweise in einem 1583 in Frankfurt erschienen Werk des Hans Orth von Bacharach: Astronomie Teutsch – Himmels Lauff, Wirkung und natürliche Influenz. Die Temporalzeit spielt eine große Rolle im Kloster- und Kirchenalltag. Nach ihr finden die Gebetszeiten statt.

[2] Die Lateinischen Texte der Spruchbänder könnten einer Vulgata (lateinischer Text des Neuen Testamentes) des Erasmus von Rotterdam entnommen sein. Erstmals erscheint diese Vulgata 1516 in Basel unter dem Titel „Novum Instrumentum“.
 
[3]Zur Horoskopgrafik und ihrer Interpretation: Rafael Gil Brand: Lehrbuch der klassischen Astrologie. Mössingen 2000, S. 65f.

[4] Die Personen auf den Balkonen wurden bereits hier beschrieben: Theodor Wieschebrink: Die astronomische Uhr im Dom zu Münster. Münster/ Westf. 1968.

Über die Autorin

Patricia Scharf

E-Mail:

Patricia Scharf, Heidelberg, beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Astrologie und hat ihre Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte über "Das Bildprogramm der astronomischen Uhr im Dom zu Münster" verfaßt.


Über die Allgegenwärtigkeit der Astrologie

Mitte des 16. Jahrhunderts in Münster

Die astronomische Uhr im Dom zu Münster, Westfalen, Teil 1

Über den Stellenwert der Astrologie in Münster und über das Weltbild der Münsteraner Bürger Mitte des 16. Jahrhunderts gibt in ganz besonderer Weise die astronomische Uhr im Dom Auskunft.

 

Von Patricia Scharf

Als die Münsteraner Anfang des Jahres 1536 das vielleicht dunkelste Kapitel ihrer Geschichte beendeten, indem sie die führenden Wiedertäufer nach einem Prozeß hinrichteten, hatten sie zwei Jahre einer Herrschaft hinter sich, die in der Suche nach dem wahren Glauben zu Beginn der Reformationszeit ihren Ursprung hatte und im Ausbleiben der prophezeiten Wiederkunft Christi mit einer Rückkehr zum katholischen Glauben endete. Auf dem Höhepunkt ihrer Herrschaft hatten die Wiedertäufer um ihren Anführer Jan van Leyden für das Osterfest des Jahres 1535 die Wiederkunft Christi für

Bild 1

Diese Käfige an der Lambertikirche erinnern noch heute an die Wiedertäuferära in Münster. Zur Abschreckung wurden darin die Leichen der drei führenden Wiedertäufer zur Schau gestellt und verrotteten nach und nach. Die Körbe sind bis heute erhalten geblieben und eine wichtige Sehenswürdigkeit der Stadt.

Münster vorausgesagt. Die Annahme für die außergewöhnliche Erwartung des Jüngsten Gerichtes in der Stadt, wurden durch Himmelsereignisse wie Mond- und Sonnenfinsternisse sowie Kometenerscheinungen geschürt, die seit 1517 häufig auch am Himmel über Münster beobachtet werden konnten. Und weil ihre Stadt somit den Auserwählten vorbehalten sei, war es für die Münsteraner Wiedertäufer folgerichtig, diese mit dem "Königreich Zion" als neues "altes Jerusalem" gleichzusetzen. Die Herrschaft der Wiedertäufer gipfelte unter anderem in einem Bildersturm, der auf die Zerstörung aller Werke abzielte, die die alte, überkommene Kirche versinnbildlichten. Im Dom war eine Menge des Inventars betroffen. Völlig zerstört wurde die astronomische Uhr. Als nach dem Ende der Wiedertäuferära die Münsteraner Bürger ein neues gesellschaftliches Leben in ihrer Stadt etablierten, war es ihnen wohl sehr wichtig, im Dom auch eine neue Uhr als Sinnbild ihres neu gewonnen Selbstverständnisses zu errichten.

Sie müssen dafür weder Kosten noch Mühen gescheut haben, denn für die Herstellung der neuen Uhr wurden der Uhrmacher Dietrich Tzwyfel und der Maler Ludger tom Ring und seine Werkstatt über zwei Jahre hinweg von 1540 bis 1542 beschäftigt.

Bild 2
Gesamtansicht der astronomischen Uhr.
Foto: Konrad Dahlmann, Münster

Der damalige Domprediger Johann von Aachen stellte die für die Uhr nötigen Berechnungen an, und in der Werkstatt des Schlossers Windemaker wurden die Schmiedearbeiten vorgenommen. Das Ergebnis all dieser Bemühungen ist ein Meisterwerk, das in der obersten Liga aller erhaltenen astromischen Uhren mitspielt und sich durch Besonderheiten und Einzigartigkeiten von den Vergleichsstücken abhebt.

Astronomische Uhren waren Meisterwerke der Technik und als solche wurden die sog. Räderuhren in großer Zahl vom 14. bis zum 16. Jahrhundert gebaut. Jede europäische Stadt, die über die nötigen Mittel verfügte, leistete sich einen „ Zeitanzeiger“. Die kleineren Modelle zeigen neben der Zeit in Stunden auch die Mondphasen an. An größeren Versionen lassen sich verschiedene Parameter der Zeit ablesen.

Für den Ostseeraum ist ein besonderer Typus von astronomischen Uhren bezeugt (nach Schukowski: Hanseuhren), der durch den häufig gewählten Aufstellungsort in Kirchen, neben Stunden auch religöse Symbole (Evangelisten) oder geographische Entsprechungen (Symbole der Winde) aufwies.

Die astronomische Uhr im Dom von Münster wird diesem Typus der Hanseuhren zugeordnet und gibt in besonderer Weise Auskunft über die Ansichten und die Weltanschauung ihrer Erbauer und Auftraggeber. Dass sowohl Religion als auch Astronomie in diesem Weltbild eine besondere Rolle spielten, mag den heutigen Betrachter nicht verwundern. Dass aber die Astrologie, die in dieser Zeit eine Einheit mit der Astronomie bildete bzw. die Astronomie als „Hilfswissenschaft“ benutzte, einen ganz besonderen Stellenwert zu haben schien, mögen vorzugsweise die Menschen der damaligen Zeit und die Astrologen der heutigen Zeit bemessen können. Auch wenn es ihre Artgenossen in Prag und Straßburg bis heute zu mehr Berühmtheit gebracht haben, gibt unter allen erhaltenen großen astronomischen Uhren die astronomische Uhr im Dom zu Münster am umfangreichsten Auskunft über das kosmische Weltbild ihrer Erbauer, der Münsteraner Bürger der Zeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts.

Wie bereits erwähnt, ist die Uhr in den Jahren 1540-42 entstanden und vermittelt bis auf wenige Übermalungen und Hinzufügungen aus späteren Jahren einen guten Eindruck des Zustandes aus dieser Zeit. Für Münster war dies die kunsthistorische Epoche der Renaissance.

Die Uhr weist eine, bei astronomischen Uhren häufig anzutreffende Dreiteilung auf:

Unten ist oft, wie in Münster auch, eine Kalenderscheibe angebracht. Bei diesem Modell wurde die Kalenderscheibe etwas zurückgesetzt, hinter einem geschmiedeten Gitter liegend, vor allzu interessierten Betrachtern geschützt. Gleichzeitig ermöglicht das Gitter dem Betrachter auch, sich der Uhr recht gut zu nähern und sich in das Studium der zahl- und detailreichen Aufschriften zu vertiefen, ohne zu viel Schaden anzurichten.

Der Mittelteil besteht aus dem eigentlichen Uhrenteil mit seinen Anzeigen. Das Zentrum bildet ein großes Astrolabium. In Münster weist dieser Mittelteil einige Besonderheiten auf.

Der obere Giebelteil wurde bei den dreiteiligen astronomischen Uhren häufig mit einem Figurenlaufwerk versehen. Der Umlauf der Hl. Drei Könige um eine Marienstatue, wie hier, war dabei ebenfalls sehr beliebt. In ähnlicher Art ist der Figurenumlauf an der Prager astronomischen Uhr zu finden. Allerdings werden dort, sehr zu Unrecht, mittäglich ungleich mehr Touristen als in Münster in Staunen versetzt.

Die Dreiteilung der Uhren zeigt auch gleichzeitig eine Dreiteilung der Zeit oder des Universums -in der Entsprechung der Dreifaltigkeit- in:

  • Unten, auf Augenhöhe des Betrachters - Erde/ das Irdische
  • Mitte, über dem Betrachter - Himmel/ die Sterne
  • Oben, für den Betrachter in großer Höhe (am besten mit einem heute verfügbaren Opernglas zu erkennen) - der Kosmos und das Transzendente/ das Göttliche

Bild 3

Foto: Chr. Bathe, 1963

Die Kalenderscheibe hat einen beachtlichen Durchmesser von ca. 1,5 m und zeigt mehrere Komponenten der durch die Jahres- bzw. Planetenläufe eingeteilten „irdischen“ Zeit an. Eine dreiteilige, sich drehende Kalenderscheibe, zeigt im Zentrum unter anderem 12 runde Monatsbilder. Die Darstellung dieser Monatsbilder haben eine lange Tradition und sind in dieser Art häufig bereits in der Buchmalerei zu finden. Sie zeigen Menschen bei Arbeiten, die in der jeweiligen Jahreszeit oder im jeweiligen Monat üblich sind.

In den Zwickeln dieser Rundbilder zur Mitte hin werden die Symbole der jeweils passenden Tierkreiszeichen gezeigt. Diese etwas versetzte Anordnung macht durchaus Sinn, da ja die Tierkreisabschnitte nicht mit den Monatsanfängen und –enden identisch sind, sondern versetzt, etwas nach der Monatsmitte enden und beginnen. Die Tierkreiszeichensymbole sind mit verschiedenen Farben wiedergegeben, wobei darauf geachtet wurde, jedem Symbol des gleichen Elementes die selbe Farbe zuzuordnen. Auf das jeweils geltende Tierkreiszeichensymbol zeigt das Schwert der in der Mitte der Scheibe plazierten Figur des Apostels Paulus. Paulus ist der Namenspatron des Domes. Als einer der 12 Apostel steht er einerseits für die Verkündung des Evangeliums „auf der Erde“, andererseits werden die 12 Apostel auch mit den 12 Monaten des Jahres gleichgesetzt und versinnbildlichen so die Einteilung des Jahres. Die Zahl 12 steht ebenso für die Anzahl der Tierkreiszeichen. Eine analoge Darstellung der Apostel mit den Tierkreiszeichen findet sich bereits in der frühchristlichen Kunst.

 

Bild 4 Bild 5

Fotos: Konrad Dahlmann, Münster

Um die Rosette mit den Monatsbildern befindet ein beschrifteter Rand, der Sprüche zu den jeweiligen Monaten in lateinischen Versen aufführt. Alle Beschriftungen der Uhr sind selbstverständlich in der liturgischen Sprache Latein verfaßt.

 

Bild 6 Bild 7

Fotos: Konrad Dahlmann, Münster

 

Bild 8

Nach außen hin folgt nun ein Ring mit je einem Feld für jeden der 365 Tage eines Jahres. Eine Wappenfigur, die am äußeren Rand der Scheibe plaziert ist, zeigt mit einem Schwert auf den jeweils gültigen Tag.

Ein weiterer Zeiger, der von der Paulusfigur ausgeht, deutet auf das jeweils gültige Jahr auf dem äußersten Ring der Scheibe. Der „fast ewige“ Kalender dieser äußeren Scheibe listet alle Jahre vom Entstehungsjahr der Uhr biszum Jahr 2071 (!) auf.

Fotos: Konrad Dahlmann, Münster

Auf der Kalenderscheibe gibt es weitere Angaben zu Fest- und Feiertagen und Symbole, mit denen die Sonntage und unter anderem das für das Kirchenjahr so wichtige Osterdatum berechnet werden kann. Abhängig vom Osterdatum werden die weiteren beweglichen Feiertage ermittelt. Unter anderem findet man hier auch die sog. Goldenen Zahlen (1-19), die die Mondphasen wiedergeben. Nach 19 Jahren wiederholen sich die Mondphasen ab dem selben Datum. Die ermittelten Daten richten sich nach dem damals noch gültigen julianischen Kalender.

Literatur:

Géza Jászai: Der Dom zu Münster und seine Kunstschätze. Münster 2001.
Günther Oestmann: Die astronomische Uhr des Straßburger Münsters. Diss. 1991, Berlin 2000.
Manfred Schukowski: Die astronomische Uhr in St. Marien zu Rostock. Königstein/ Ts. 1992.
Theodor Wieschebrink: Die astronomische Uhr im Dom zu Münster. Münster/ Westf. 1968.

Es folgt: Teil 2. Die astronomische Uhr im Dom zu Münster. Über das Weltbild der Münsteraner und die Sterne über Münster.

Über die Autorin

Patricia Scharf

E-Mail:

Patricia Scharf, Heidelberg, beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Astrologie und hat ihre Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte über "Das Bildprogramm der astronomischen Uhr im Dom zu Münster" verfaßt.

 

Deutscher Astrologen Verband (DAV) fordert

das Bistum Köln auf, eines der bedeutendsten

Kunstwerke im Dom wieder freizulegen.

 

Fußbodenmosaik Kölner Dom

Fußbodenmosaik Kölner Dom

Einer der bedeutendsten Kunst- und Kulturschätze im Kölner Dom, ein 1.300 qm großes Fußbodenmosaik mit kosmischen Symbolen, darf der Öffentlichkeit nicht länger vorenthalten bleiben!

Bei der Fertigstellung der Domkirche 1880 haben der Architekt August Essenwein und der Maler Fritz Geiges in der Vierung den Tierkreis und andere kosmische Symbole dargestellt. Im Zentrum des einmaligen Kunstwerks befindet sich die Sonne, um sie herum ein geschwungenes Oktogramm mit der Darstellung der vier Tageszeiten und Mondphasen. Davon gehen zwölf Sonnenstrahlen mit den Tierkreiszeichen aus. In den Ecken des Mosaiks sind die vier Elemente zu sehen. Das Fußbodenmosaik belegt, welche Bedeutung die Astrologie in der Kulturgeschichte schon immer hatte.

Wer heute den Kölner Dom betritt, findet von dem Kunstwerk nichts mehr vor, nicht einmal einen Hinweis. Es wurde nicht zerstört, aber komplett verdeckt. Bei „Renovierungsarbeiten“ in den 1950er Jahren haben die Verantwortlichen über dem Mosaik eine Empore aus braunem Parkett errichtet, auf der sich der Altar befindet, an dem die Gottesdienste gefeiert werden.

Auch wenn die Hinwendung zur Gemeinde bei Gottesdiensten eine sinnvolle Errungenschaft ist, sollte dafür nicht ein bedeutendes Kunstwerk geopfert werden. Der Deutsche Astrologen Verband (DAV) hat sich mehrfach an das Bistum Köln gewandt und um eine Freilegung des Kunstwerks gebeten. Außer einer Eingangsbestätigung erhielt der DAV jedoch nie eine Rückmeldung. Der DAV unterbreitet mehrere Ideen, wie das Fußbodenmosaik der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden kann, ohne dabei den modernen Altar zu entfernen; etwa durch eine Kopie an anderer Stelle des Doms oder eine Glasempore.

Der DAV hofft noch immer auf einen konstruktiven Austausch mit dem Bistum, um dies Ziel zu erreichen.

Für weitere Informationen zu der Darstellung des Tierkreises im Kölner Dom, in anderen Kölner Kirchen sowie zur Astrologie in der Kunst- und Kulturgeschichte Europas kontaktieren Sie

Klemens Ludwig, Vorsitzender des DAV, Tel. 0170.4073981 oder

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 2. Oktober 2015 zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.

Astrologie für Künstler und Kreative
Foto: © Creative Commons 

Astrologie für Künstler und Kreative

 

Dass sich Astrologie und Kunst sehr nahe stehen, ist eine weit verbreitete Vorstellung. Wie diese Verbindung aber genau aussehen kann, beschreibt Annette van den Bergh in einem Beitrag, der theoretisches Wissen in beiden Bereichen und praktische Erfahrung verbindet.

Es ist bekannt, dass viele Astrologen (die männliche Form meint hier Frauen und Männer) einen künstlerischen Hintergrund hatten und haben. Und es ist auch allgemein bekannt, dass viele Kreative, Schauspieler und Künstler wenig Berührungsängste vor Astrologen und deren Beratung kennen. Dennoch wird der Astrologe in der Regel zum Thema Karriere-Planung befragt:

Wann werde ich wirklich erfolgreich sein? Wann kommt mein Durchbruch?

So oberflächlich dieser Frage-Impuls auch scheinen mag, so zeigt sich doch in den darauf folgenden Beratungen, welch enge Verwandtschaft zwischen Kunst und Astrologie bei der Anschauung und Bearbeitung von „Welt“ besteht. Hier möchte ich ansetzen und zum Mut auffordern, Astrologie für Kreative und Künstler nicht vorrangig prognostisch, sondern inhaltlich anzubieten.

Um gleich einem Künstler das Wort zu geben:

...Ihre Aufforderung nun, einen Text zu machen, der für Sie in Betracht käme, ist für mich sehr ehrenvoll u. der Gedanke regt mich auch an. Aber ich bin im Augenblick körperlich und geistig so ermüdet u. ohne Spannung, daß ich an keine Arbeit denken kann…(Briefwechsel mit Paul Hindemith, Fischer TB)

Das schrieb Gottfried Benn  am 08.07.1930 an Paul Hindemith. Er hatte einen Transit von Neptun in Konjunktion zu seinem Mars im 10. Haus von Beruf und Berufung! Wie rasch hätte ein Astrologe den Dichter, der sich zu dieser Zeit auch in einer neptunischen, finanziellen Pleite befand, von seinen Zweifeln, den Text zu einem von Hindemith geplanten Oratorium zu schreiben, erlösen können. Die Musik: die Heilige unter den Künsten, die Ungreifbare und Alles Ergreifende, diese Chiffre für Transzendenz, sie ist genau die richtige Erlöserin zum richtigen Zeitpunkt für Benn gewesen.

Doch der Künstler ist immer Zweifler und Hingebender zugleich. Und damit so nah an der Astrologie!

 

Der Balance-Akt zwischen Determination und Freiheit

Der Künstler und Kreative liefert sich aus: Er folgt dem Ruf seiner „Berufung“ (Determination), übergibt sich der Unabwägbarkeit von Schicksal (Determination und Freiheit) und sagt Ja zum Risiko (Freiheit)! Damit ist er dem Glaubenssatz des Astrologen, der den Mensch für gebunden UND frei hält, sehr nah. Zumal auch fast jeder Astrologe zu hören bekam: „Was? Du willst Astrologe werden? Das ist doch kein Beruf!“

Der Künstler, der seinen Weg beschreitet, geht immer einen Weg der Angst, des Verzichts auf Sicherheit, des Wunsches nach Selbstverwirklichung und Entwicklung seiner ureigenen Anlagen.

Werde Du selbst (aktiv) und lass Dich erfüllen (passiv)!

Welcher tolle Astrologe hat das nicht im Kopf, wenn er berät!
Und welcher Kunst-Schaffende folgt nicht diesem Wunsch und diesem Wissen!

Und so ist das Horoskop für den Astrologen auch eine Schatz- und Landkarte durch das Gestrüpp namens Leben und individueller Anlagen, eine „Stirb- und Werde sowie Fall hin und Steh auf“- Beschreibung mit allem Drum und Dran.
Wie vertraut diese astrologischen Selbstverständlichkeiten für Künstler und Kreative sind, selbst wenn sie sich bisher noch nicht bewusst damit beschäftigt haben, wurde mir spätestens klar, als Isabell sich zu einer Beratung anmeldete.

 

Das Drama zwischen Schuld und Sühne

Isabell kam zu einer astrologischen Beratung, weil sie, unter einem Pluto-Transit im Sextil zu ihrer Venus, an einer Liebe litt und in ihr schwelgte, die sie selbst als „sich existentiell anfühlend“ beschrieb. Isabell ist studierte Germanistin und arbeitete studienfremd in einer Personalabteilung. Der Mann, in den sie sich verliebt hatte, war Autor und Musiker, lebte als Bohemien von „der Hand in den Mund“ und konnte sie weder als Beziehungspartner noch als Mensch überzeugen. Dennoch fühlte sie sich vehängnisvoll an ihn gebunden und erlebte sich als „mental“ abhängig: „Wenn seine genialische Sprachbegabung nicht wäre…“!

Isabells Horoskop weist eine extreme 10.Haus-Besetzung auf, Merkur ist stark gestellt im Zeichen Zwillinge exakt am MC. Sie erzählte mir, dass sie in sehr jungen Jahren einige Literatur-Wettbewerbe gewonnen habe. Ihre Familie sei jedoch strikt gegen ihre künstlerische Begabung gewesen und so habe sie „die Flausen“ verloren. Eine durch Saturn verletzte Venus-Stellung im 8. Haus verweist auf diesen vehement hemmenden Einfluss der Sippe. Die Liebe zu dem Mann endete auf sehr verletzende Art und Weise, Ihr Wunsch, durch ihn doch wieder einer kreativ-künstlerischen Lebensform nahe zu kommen, wurde so erneut torpediert. Auf astrologisch vermittelte Impulse ging sie von Anfang an so selbstverständlich ein, als seien sie ihr schon lange vertraut.

Kunst überwindet Sprache, Raum und Zeit

Erörterungen und Assoziationen zu ihrer Venus-Stellung im Radix erinnerten sie an die Erlebnisse der Protagonistin in einer antiken Tragödie. Auch hier zeigt sich die Analogie von tradierten Theorien diverser Kunstformen zu astrologischen Vorstellungen und Überlieferungen. Der gemeinsame Ursprung in den Anfängen menschlicher Kulturen ist sichtbar.

„Das Schicksal oder die Götter bringen den Akteur in eine unauflösliche Situation, den für die griechische Tragödie typischen Konflikt, welcher den inneren und äußeren Zusammenbruch einer Person zur Folge hat. Es gibt keinen Weg, nicht schuldig zu werden, ohne seine Werte aufzugeben (was einem tragischen Akteur nicht möglich ist).“ Allein dieses Zitat aus Wikipedia, mit dem der Stoff einer jeden, klassischen Tragödie  zusammengefasst wird, ist so nah dran am astrologischen Blick auf das Geschehen, das ein Individuum durch den Transit der äußeren Planeten erleben kann.

Bereits die Namensgebung der Planeten, als Begriff für abstrakte Prinzipien, die alles Seiende beschreiben, konnte Isabell mühelos in ihr Weltbild integrieren, indem sie sich der Welt antiker Mythologie oder den Archetypen in alten Märchen erinnerte.

Dass ein astrologischer Transit häufig 3 Mal über einen Planeten im Radix läuft und damit einem ganzen Entwicklungszyklus entspricht, übersetzte die Germanistin für sich zur Veranschaulichung durch das Modell der 3 Akte: Exposition, Konfrontation und Auflösung!

Isabell hat im Laufe der Beratungen die „Schuld“ auf sich genommen, einen Weg einzuschlagen, der gegen die Werte und Prinzipien ihrer Familie verstößt. Heute, 6 Jahre später, lebt sie als freie Autorin und Redakteurin vom Schreiben. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Prinzipien von Pluto und Venus inspirierten sie dazu, Kurzgeschichten zu veröffentlichen, die um die Verstrickungen und komplizierten Bindungen von Liebespaaren kreisen.

 

Theorie-Konzepte in der Kunst und in der Astrologie

Isabell hat mir damals die Augen darüber geöffnet, wie selbstverständlich sich Theorie-Konzepte der Kunst und astrologische Gesetzmäßigkeiten ineinander spiegeln können. Was ich bis dahin, als gleichberechtigt nebeneinander stehend, gelebt hatte – geisteswissenschaftliches Studium und die Tätigkeit des Astrologen –  hat diese Klientin intuitiv zu einer Einheit geführt, die weit über formale Entsprechungen hinausweist. Einerseits habe ich seit dem begriffen, weshalb gerade Kreative und Künstler besonders rasch in astrologische Beratungen hinein gehen können, ohne Verständnis-Fragen zu stellen. Gleichzeitig wurde mir aber erstmals bewusst, inwieweit die Astrologie in der Lage ist, Künstler und Kreative auch inhaltlich in ihren kreativen Prozessen zu begleiten und zu inspirieren. Ganz zu schweigen von der möglichen Hilfestellung bei kognitiven und emotionellen, kreativen Blockaden!

Wenn C. G. Jung die Planeten als „Svmbole der Mächte des Unbewussten“ (Briefe II, S. 400) bezeichnet, so versinnbildlichen sie doch immer auch die Welt im Außen. Die Astrologie ist ein System, das innere und äüßere Welt abbildet. Kraft der Assoziation bildet jedes Symbol eine nahezu unendliche Analogie-Kette, kreisend um den Wesenskern der im Symbol beschriebenen Energie.

Mit dem Horoskop als Abbild zu entwickelnder Anlagen und den Transiten als Auslösern bestimmter Erfahrungen eines Menschen, entsteht vor dem Astrologen eine Skizze, die das jeweilige Individuum (der Horoskopeigner) in Freiheit selbst gestaltet.

Der Künstler kreiert eine eigene Welt, die durch seine innere Veranlagung und  von seinen Erfahrungen innerer und äußerer Zustände genährt wird. Das Kunstwerk gibt Eigendynamik hinzu, die der Künstler häufig als außerhalb seiner selbst liegend, erfährt. Kunst ist eine Brücke, sie überwindet Sprache, Raum und Zeit. Sie verbindet die Menschheit durch Kultur, dokumentiert Geschichte, Religion und andere Wissenschaften und findet dabei unterschiedliche Ausdrucksformen.

Kunst berührt durch Farben, Töne, Formen, Sprache und Nachahmung. Welchen Astrologen würde es tatsächlich in Erstaunen setzen, wenn er von einem Schauspieler, der sich auf eine Rolle als Bösewicht vorbereitet,  gefragt würde:

„Wo ist er denn nun, der Mörder in mir?“
Wenn nicht der Astrologe, wer dann könnte darauf einen sinnvollen Hinweis geben?

Und welcher Astrologe würde sich wundern, wenn ein Künstler unter einem Uranus-Transit beginnt, die fertig bemalten Leinwände zu zerschneiden und neu zusammen zu setzen?

Natürlich Keiner. Doch das Gespräch über uranisch wirkende Einflüsse, könnte konzeptionell genutzt werden, um rasch zu wirklich konstruktiver Destruktion zu führen.

 

Astrologie für Künstler und Kreative
Foto: © Creative Commons

 

Die Planeten: Nichts weiter als Energien, die Ausdruck finden wollen

Sozusagen als kleine Appetitanreger seien im Folgenden einige Stichworte aus dem großen Pool der Künste zu den „unpersönlichen“ Planeten hinzugefügt. Diese wirken im Radix und natürlich als Transit Schicksalgebendes und Mächtiges, färben mit ihrer Intensität Entwicklungsphasen und damit die Kreationen der Kunst-Schaffenden. Um den Rahmen nicht zu sprengen, bitte ich diese Reduktion zu verzeihen:

Jupiter
Die ganz große Bühne, der „Griff nach den Sternen“, Expansion, Pop-Musik, Populär-Literatur, Bestseller, aktuell: die „Willkommenskultur“ der Theater, Glamour, Film: StarWars, Star-Kult, Mode-Fotografie etca.

Saturn
Reduktion und Konzentration, thematische Beschäftigung mit Endlichkeit, Anselm Kiefer-Ästhetik, Grautöne, asketische Form, Realismus in der Kunst, Reportage-Fotografie, „Back to the Roots“ etca.

Uranus
Das Revolutionäre, das Experiment, konstruktive Dekonstruktion, Expressionismus, G. Benn schrieb unter „Uranus“ den Gedichtband „Morgue“, der zu seinem Durchbruch führte, aber auch als Skandalon bewertet wurde, das Exzentrische, die Freiheit der Kunst, Elektromusik etca.

Neptun
Impressionismus, die „blaue Blume der Romantik“, Sehnsucht, Transzendenz, die Farbe Blau, schwelgende Symphonien, Liebesdramen, Romeo und Julia, Nostalgie, Melancholie, das „Epische“ Kino, die Saga, Fantasy etca.

Pluto
Punk, Psychothriller, Gewaltthemen in der Kunst, die „Patterns“ in der Kunst, Arbeiten mit „verrottenden“ Materialien, Phönix aus der Asche, das Böse, Dostojewskische Themen, John Irvings „Garp“, Kino: z.B. Quentin Tarrantino etca.

 

Astrologie als Begleitung für kreative Prozesse

Astrologen können Kunst-Schaffende bei ihrer kreativen Auseinandersetzung mit innerer und äußerer Welt begleiten, beflügeln und vorbereiten. Die Astrologie unterstützt beim authentischen „Werde, was da werden soll“.
Es zeigt sich in der Praxis immer wieder, dass der Künstler über eine wirkende „Zeitenwende“ nicht wirklich überrascht ist. Eine Musical-Aktrice, die unter Jupiter-Transiten die halbe Welt bereist hatte, fühlte sich durch die Ankündigung von, in ihr Leben drängenden, Saturn-Analogien nahezu befreit. „Endlich Back to the Roots“ lautete ihr Kommentar. Und  sie berichtete von ihrem heranreifenden Wunsch, mit einem befreundeten Pianisten ein Solo-Programm zu entwerfen, das in kleineren Clubs spielbar sei.

Und was tat Gottfried Benn unter seinem anfangs erwähnten Neptun-Transit im 10. Haus? Trotz seelischer Erschöpfung schrieb er natürlich den Text zu Hindemiths Oratorium „Das Unaufhörliche“. Die erste „Nihilisten-Oper“ der Welt ist so entstanden, die dennoch die ganze Sehnsucht und Entgrenztheit der Planeten-Energie in sich trägt. Und ganz nebenbei wurde der Dichter durch das Honorar auch von seinem Schuldenberg halbwegs erlöst!

Über die Autorin

Annette van den Bergh

Annette van den Bergh

Annette van den Bergh
Zwiestädter Str. 1
12055 Berlin
Tel.: 030-7849488

E-Mail:
Internet: www.annettebergh.de

Die Astrologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie (geb. 1963) studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in Frankfurt, Mainz und Hagen. Bereits im Alter von 12 Jahren bekam sie Privatunterricht in klassischer Astrologie. Sie arbeitete zunächst vorrangig als freie Journalistin (Feuilleton) und seit 2004 auch in Ihrem eigenen Coaching-Büro in Berlin. Spezialisisert auf Kreativen-Coaching und Partnerschaftsberatung, empfindet sie die Hinzunahme der Symbolsprache Astrologie als ungemeine Bereicherung für Tiefe und Sinnstiftung einer Beratung.

Als Autorin brachte sie u. a. das Vorlesebuch für Kinder „Der kleine Widder schläft ein!“ heraus, das Elemente des autogenen Trainings mit Gute-Nacht-Geschichten rund um die Sternzeichen verbindet (2011).

 

Serie Astropoesie: III. Merkur & Uranus 

"Der schauende Spieler" von Rita Gäßler, Regensburg 

 

Serie Astropoesie: II. Merkur & Uranus

 

Orpheus. Eurydike. Hermes
Von Rainer Maria Rilke (Auszüge)

Das war der Seelen wunderliches Bergwerk.
Wie stille Silbererze gingen sie
als Adern durch sein Dunkel. Zwischen Wurzeln
entsprang das Blut, das fortgeht zu den Menschen,
und schwer wie Porphyr sah es aus im Dunkel.
Sonst war nichts Rotes.

Felsen waren da
und wesenlose Wälder. Brücken über Leeres
und jener große graue blinde Teich,
der über seinem fernen Grunde hing
wie Regenhimmel über einer Landschaft.
Und zwischen Wiesen, sanft und voller Langmut,
erschien des einen Weges blasser Streifen,
wie eine lange Bleiche hingelegt.

Und dieses einen Weges kamen sie.

Voran der schlanke Mann im blauen Mantel,
der stumm und ungeduldig vor sich aussah.
Ohne zu kauen fraß sein Schritt den Weg
in großen Bissen…

Dürfte er sich einmal wenden (wäre das Zurückschaun
nicht die Zersetzung dieses ganzen Werkes,
das erst vollbracht wird), müßte er sie sehen,
die beiden Leisen, die ihm schweigend nachgehn:

Den Gott des Ganges und der weiten Botschaft,
die Reisehaube über hellen Augen,
den schlanken Stab hertragend vor dem Leibe
und flügelschlagend an den Fußgelenken;
und seiner linken Hand gegeben: sie.

Sie war schon nicht mehr diese blonde Frau,
die in des Dichters Liedern manchmal anklang,
nicht mehr des breiten Bettes Duft und Eiland
und jenes Mannes Eigentum nicht mehr.

Sie war schon aufgelöst wie langes Haar
und hingegeben wie gefallner Regen
und ausgeteilt wie hundertfacher Vorrat.

Sie war schon Wurzel.

Und als plötzlich jäh
der Gott sie anhielt und mit Schmerz im Ausruf
die Worte sprach: Er hat sich umgewendet -,
begriff sie nichts und sagte leise: Wer?

Fern aber, dunkel vor dem klaren Ausgang,
stand irgend jemand, dessen Angesicht
nicht zu erkennen war. Er stand und sah,
wie auf dem Streifen eines Wiesenpfades
mit trauervollem Blick der Gott der Botschaft
sich schweigend wandte, der Gestalt zu folgen,
die schon zurückging dieses selben Weges,
den Schritt beschränkt von langen Leichenbändern,
unsicher, sanft und ohne Ungeduld.

R.M.Rilke, aus: Neue Gedichte (1907)

 

Hermes, griechisch für „Merkur“, tritt in Rilkes langem Gedicht, das ich hier nur in Auszügen vorstellen will, als Seelenführer auf, als „Psychopompos“. Merkur ist ja auch der Gott der Wege und Wegkreuzungen und so erscheint in Rilkes zweiter Strophe auch „des einen Weges blasser Streifen“, in der Unterwelt anzusiedeln, welchen Orpheus, der mythische Sänger, beschreitet, hinter sich seine Gattin Eurydike, die er vom Tode zu erretten sucht. Orpheus, Sinnbild für den suchenden Menschen, der gerade über die Wege der Kunst – Dichtung, Malerei, Musik und Tanz – sein Schicksal zu umschreiben sucht, wird begleitet und unterstützt von Merkur, dem Meister von Sprache, Klang und Symbolik, dem göttlichen Magier. Dass Merkur nicht nur analytisch scharfe klare Erkenntnis bringt, sondern durchaus auch in den dunklen, mysteriösen Bereichen der Seele beheimatet ist, erweist dieses Gedicht aufs Deutlichste; spielt es doch in zwielichtigen Schattenreichen, in „der Seelen wunderlichem Bergwerk“.

Von ähnlich hermetischer Thematik ist auch das folgende Gedicht geprägt:

 

Merkur 

Der Mensch ist wie ein Blinder,
der da wandelt an eines Abgrunds Rand,
ich führe ihn, ich leite ihn,
halt ruhig ihn an seiner Hand

Er geht und schwankt und sucht und sehnt
sich nach des Abgrunds Tiefe,
doch wagt er nicht zu wecken dort
den Drachen, der ihn riefe

bei seinem wahren Namen:
Wort, Zahl und Klang in einem,
der Name, der das innerste Wesen
kann wieder ihm vereinen

So steht er blind, blickt lang und bang
und zweifelt an dem Tritte,
ich flüstre leis ihm Schicksalsklang,
bring ihn in seine Mitte

Da fühlt er ferner Horizonte Licht,
macht auf und lernt zu sehen,
selbständig nun beginnt er froh
neuen Weg zu gehen

Ich aber lächle leis und still
und wandle mich ins Reine,
ins Pure und unendlich Klare,
ins Große und ins Kleine

Seh in des Abgrunds dunkle Nacht,
die nun im Licht entschwindet
und segne jedes Menschenherz,
das Wahres in sich findet!

Martin Trosbach             

 

Zugegebenermaßen habe ich hier Merkur in jugendlichem Idealismus recht überhöht dargestellt: ist er doch auch Trickster und Ver-rückter, der unsere Denkmaßstäbe auch völlig auf den Kopf stellen kann, für Überraschungen immer gut ist. Seit seiner Entdeckung im 18.Jhd. fällt diese Rolle freilich noch mehr dem Uranus zu, dem „kosmischen Narren“, welcher auch als „höhere Oktave“ des Merkur betrachtet wird.

 
Serie Astropoesie: III. Merkur & Uranus 

„Zufall“ von Rita Gäßler, Regensburg

 

Sein geheimnisvoller, unberechenbarer Lichtfunke in uns inspiriert uns immer wieder mit verblüffenden Gedanken und Ideen, die auch als scheinbar verrückte Zufälle auftreten können. Ideen, die uns in die luftigen Wolkenreiche geistiger Höhenflüge führen können, in denen die Grenzen von Zeit und Raum nicht mehr zu gelten scheinen:

 

Urvögel, engelgleich
 
Urvögel, engelgleich
strömt wohl dort, an Winden reich
in Himmelsmeere, Wolkenflüsse,
Könige der Tanzgenüsse!

Mein Blick, eu´r Schrei zutiefst verbunden,
Besänftiger der Starrheits-Wunden,
Befleißiger von Fluggedanken,
um die sich dunkle Träume ranken:

schrankenlose, zweifelsfreie
Sarkophage alter Schreie
Vas hermeticum, es sei:

Gib, was wahr und einzig reich,
ins Gebären endlich frei:
Urseele, engelgleich

Martin Trosbach

 

Serie Astropoesie: III. Merkur & Uranus

„Drei Figuren in Rot von Rita Gäßler

Das „Vas hermeticum“ ist das hermetische Gefäß, ein Begriff aus der Alchimie. Ein Gefäß, das gut verschlossen bleiben muss, in dem die geheimnisvolle, zu wandelnde Substanz vor sich hin köcheln muss, oft sehr lange Zeit, ehe es geöffnet werden darf und die Wandlung zum Gold des Sonnenhaften geschehen kann. Wir brauchen Führung aus der geistigen Welt, um diese Prozesse richtig durchführen zu können; das gewähren die göttlichen Boten und Magier Merkurius/Uranus, welche hier im Bild der „Urvögel“ aufgerufen werden. Die alten Sarkophage meinen alte Wunden, Traumata, Enttäuschungen, zu denen uns die metaphorischen Hinweise von Merkur oder Uranus führen können. Und dann darf sich die wahre, eigentliche Kraft und Aufgabe unserer Seele entfalten, kann die Seele in die offene Weite des Wassermann fliegen, ihre Ideen und Visionen beginnen zu verwirklichen! Dazu wird dann freilich auch die erdende Kraft des Saturn benötigt, welcher uns in der nächsten Folge begegnen wird.

Der Dichter, der uns zu Beginn bereits in der Person des Orpheus begegnet ist, ist derjenige, der die verblüffenden Hinweise jener höheren Inspiration auch zu einer sinnvollen und ästhetisch befriedigenden Form „ver-dichtet“. Daher mag am Ende dieser Folge ein Gedicht über das Dichten selbst stehen:

 

Verdichtung

Der Dichter berührt das Heiligtum
schwankender Brückenzoll wird ihm zum Lohn
der Dichter verdaut seinen spärlichen Ruhm
Dämonen und Engeln wird er zum Sohn

Der Henker tut, was getan werden muß
der Dichter sendet ihm herzlichen Gruß
da auch er verdichtet, vernichtet, was er muß
und hängt, was lose im Freien schwingt

Der Dichter hofft, dass Jenes gelingt
ja: auch ein Henker gelegentlich singt -
und ist die Welt ganz weggedichtet
so hat der Dichter was angerichtet...

Martin Trosbach

Über den Autor

Martin Trosbbach

Martin Trosbach

Astrologische Beratung “Ad Astra”
im “Zentrum für kreative Seelenarbeit” Zell
Oberzellerstr.43
93199 Zell
Tel. 09468/906742
E-Mail:
Internet: www.zell-seelenarbeit.de

Martin Trosbach (geb. 1962), geprüfter Astrologe DAV, beschäftigt sich seit über 25 Jahren intensiv mit Astrologie, Psychologie und spirituellen Themen. Seine autodidaktische Astrologie-Ausbildung vertiefte er durch Kurse bei Claude Weiss und eine Astrodrama-Ausbildung bei Friedel Roggenbuck. Er betreibt zusammen mit seiner Frau Susanne das „Zentrum für kreative Seelenarbeit“ in Zell bei Regensburg. Dort arbeitet er einerseits als Heilpraktiker und Psychotherapeut mit körperorientierten Methoden, EMDR-Traumatherapie und Naturerfahrung; andererseits als Astrologe mit Spezialgebiet Horoskopaufstellungen und erfahrbarer Astrologie. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Verbindung musisch-künstlerischer Ansätze mit der Astrologie.

Über die Künstlerin

Rita Gäßler

Rita Gäßler

Kreativität ist Lebens-Kunst“

Malen ist für die Künstlerin mit Atelier im ehemaligen Kloster Pielenhofen bei Regensburg die Suche nach einer Allem innewohnenden Essenz, nach dem Originären, Archetypischen. Dies drückt sich auch in ihrer bevorzugten Verwendung von Naturmaterialien aus. Weitere Informationen zu ihren Arbeiten und Kreativkursen finden Sie unter www.der-kreative-augenblick.de

 

Serie Astropoesie: II. Venus & Mars 

"Akt" von Rita Gäßler, Regensburg 

 

Serie Astropoesie: II. Venus & Mars

 

Venus & Mars, die beiden Planeten, die immer wieder um Liebe und Erotik kreisen, uns magnetisch in diese Felder ziehen, sollen heute lyrisch umkreist werden. Während die venusische Energie das Erotische im Künstlerischen sublimiert und gerne romantisch umkleidet, eignet dem Marsischen Direktheit und die Verbindung von Eros mit Aggression und Schmerz. Da beide Planeten zurzeit im Zeichen Löwe stehen, in welchem das erotische Spiel besonders gefragt ist, passt diese Thematik wunderbar zur Zeitqualität.

Bettina von Arnim, geb. Brentano, neigte in ihren Gedichten sicherlich der Sphäre der Venus zu. So dichtete sie über den Eros:

 

Eros

Im Bett der Rose lag er eingeschlossen,
Im Wechselschimmer ihrer zarten Seiten,
Die taugebrochnen Strahlen schmeichelnd gleiten
Hinein zu ihm, von Geisterhauch umflossen.

Mich dünkt, in Schlummer waren hingegossen
Die reinen Glieder, durch des Dufts Verbreiten
Und durch der Biene Summen, die zuzeiten
Vorüberstreift an zitternden Geschossen.

Doch da beginnt mit einemmal zu schwellen
Der Blume Kelch! Ins Freie nun gehoben,
Erkenn ich ihn im Tagesglanz, dem hellen.

Es ist mein Auge vor ihm zugesunken,
Der mich so seltsam mit dem Blick umwoben,
In seinem Lichte lieg ich traume-trunken.

Bettina von Arnim, 1785-1859

 

Wir spüren die indirekte, etwas verschwommene Energie, die hier den Eros mit neptunischem Schimmer übergießt; die Venus als Rose, Duft und Liebestraum  ist offensichtlich, der Mars bleibt im Hintergrund, „im Bett der Rose eingeschlossen“, wird aber zunehmend ins „Freie“ und ins „Licht des Tages“ gehoben.

Das folgende, von mir verfasste Gedicht, betont eher die künstlerische, weniger die erotische Aura der Venus:

 

Ton der Liebe

Schwinge Ton tanze Ton
meiner Seele schönster Sohn
schönste Tochter schönstes Kind
tanz bis alle glücklich sind
sing dich in der Tiefen Glut
wo alles Verborgne ruht
sei der Seele wilder Wind
milder Wind wilder Wind!
 
Gleite friedlich klage still
aller Herzen Wunden füll
rufe leis verlorne Zeit
fass uns trag uns nah und weit
in das Land der Harmonien
wohin alle Schmerzen ziehen
alle Hoffnung sich erneut
tief erfreut sich erneut!

Bringe Schönheit unsren alten
müden Seelen die erkalten
in des Weltgerennes Leere
in der öden Dauerschwere
plangebornen Tun und Sollens -
klinge jenseits allen Wollens
aus des Leibes tiefstem Meere:
Liebe endlich uns gebäre!

Venus, die „Bringerin der Schönheit“, erscheint hier als tröstende Kraft, welche die Seele, die von der Banalität und Kälte so mancher Erscheinung der Moderne erschöpft ist, wieder aufrichtet und immer wieder von Neuem zur tiefinnerlichen Erfahrung der Liebe führt.

 


Serie Astropoesie: II. Venus & Mars 

„Ewige Frage“ von Rita Gäßler, Regensburg

 

Verbindet sich die Venus mit plutonischer Energie im Versuch, die Verletzungen des Mars zu transformieren, dann mag es so klingen:

 

Heiterkeit

Halt mich im Arm
hör nicht der toten Vögel Schrei
halt mich nur warm
sei Kot und Dreck der Welt uns einerlei
 
Halt mich so still
laß nicht die Messer tief ins Herz
hüll mich nur ein
in deiner Nacktheit zarten Nerz
 
Halt mich aus Lieb
erstick in mir der Lügen Raum
hell auf des Raumes Düsternis
die meine Augen nicht durchdringen -
 
Hab ich fühl ich Zeit mehr - Zeit?
Die Tränen quellen strömen stürzen
und undenklich weit
in dir unter dir
 
klingt lächelnd
Gottes
tröstlich leise
Heiterkeit

M.Trosbach

 

Die Welt des Mars ist eine archaische, in ihr zählt das Überleben. Die Erotik mischt sich mit dem Kampf, die Konkurrenz und der unbedingte Wille zum Sieg gehören dazu. Insofern ist das Wilde die Domäne des Mars, auch in der modernen technisierten Welt!

 

Wolfsmilch

Sieh die schwere, die schwangere Zeit
in deinem Rachen wird sie weit
springt mich mit Ergrimmen an
Isegrimm, wilder Mann! 
 
Deine Zitzen tauen Tränen,
doch dein Sprung ist ohne Wähnen
ohne Wenn und ohne Wann
fängt im End von Neuem an
 
Heulen will ich heut mit deinen
Fährten, Gefährten, die mir scheinen
wie Skelette jener großen
Ur-Schamanen, handylosen!
M.Trosbach

 

Verbindet sich schließlich die drängende, stürmische Energie des Mars, die bereits durch viele Erfahrungen von Liebesbeziehung geläutert wurde, mit der tiefsten und reinsten Sehnsucht der Venus, der Sehnsucht nach dem Berührtwerden – körperlich, seelisch und geistig – dann wachsen die Energien von Venus und Mars vereint ins Himmlische, erweisen die spirituell läuternde Kraft von Liebe und Kampf um das Wahre, Echte, Innige:

 

Serie Astropoesie: II. Venus & Mars

„Ohne Titel“ von Rita Gäßler

Sehnsucht nach Berührung

Berührt werden genommen gehalten
vereint in Neuem und in Altem
gespürt werden in innersten Fasern geweckt
altes schmerzliches Sehnen entdeckt

So strömt es mit einemmal drängend herein
geliebt geborgen verstanden sein!
Und Tränen nehmen stürmenden Lauf
sie quellen und strömen, hör´n nimmermehr auf

Verliebt sein, verloren in einendem Wesen
an liebstem Herzen erwachend genesen
die Körper träumend Verschmelzung spüren
will flammendes Sehnen in Glück hinführen

Berührt sein in innersten Kindes Gedanken
befreit sein von aller Selbstsucht Schranken
und fallen in göttlich reinen Schoß
die irdischen Wirrungen endlich los

M.Trosbach

Über den Autor

Martin Trosbbach

Martin Trosbach

Astrologische Beratung “Ad Astra”
im “Zentrum für kreative Seelenarbeit” Zell
Oberzellerstr.43
93199 Zell
Tel. 09468/906742
E-Mail:
Internet: www.zell-seelenarbeit.de

Martin Trosbach (geb. 1962), geprüfter Astrologe DAV, beschäftigt sich seit über 25 Jahren intensiv mit Astrologie, Psychologie und spirituellen Themen. Seine autodidaktische Astrologie-Ausbildung vertiefte er durch Kurse bei Claude Weiss und eine Astrodrama-Ausbildung bei Friedel Roggenbuck. Er betreibt zusammen mit seiner Frau Susanne das „Zentrum für kreative Seelenarbeit“ in Zell bei Regensburg. Dort arbeitet er einerseits als Heilpraktiker und Psychotherapeut mit körperorientierten Methoden, EMDR-Traumatherapie und Naturerfahrung; andererseits als Astrologe mit Spezialgebiet Horoskopaufstellungen und erfahrbarer Astrologie. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Verbindung musisch-künstlerischer Ansätze mit der Astrologie.

Über die Künstlerin

Rita Gäßler

Rita Gäßler

Kreativität ist Lebens-Kunst“

Malen ist für die Künstlerin mit Atelier im ehemaligen Kloster Pielenhofen bei Regensburg die Suche nach einer Allem innewohnenden Essenz, nach dem Originären, Archetypischen. Dies drückt sich auch in ihrer bevorzugten Verwendung von Naturmaterialien aus. Weitere Informationen zu ihren Arbeiten und Kreativkursen finden Sie unter www.der-kreative-augenblick.de

 

Serie Astropoesie: I. Sonne & Mond

 

Serie Astropoesie: I. Sonne & Mond

Wir erweitern das breite Themenspektrum des Jourmals um eine weitere Kategorie: Astrologie und Kunst. Das umfasst Poesie, Malerei, Architektur, Musik und andere Ausdrucksformen.

Den Beginn macht Martin Trosbach mit einer Betrachtung von Astrologie und Poesie. Neben kurzen erläuternden Texten werden Werke berühmter Dichter sowie vom Autor selbst vorgestellt; bereichert durch Illustrationen von Rita Gässler.

Bild von Rita Gäßler, Regensburg 

Bild von Rita Gäßler, Regensburg 

Astrologie und Lyrik: Gibt es da Bezüge, passt das zusammen? Ein Blick in den nächtlichen Sternenhimmel genügt, um ehrfürchtiges Staunen, Phantasie und tiefste Begeisterung zu erwecken; genügt, uns klarzumachen, dass eine nüchtern-geometrische Horoskop-Graphik Abbild eines mysteriösen kosmischen Geschehens sein muss, welches mit kreativer Einfühlung genauso umkreist werden kann wie mit astronomischer Forschung oder eben astrologischer Theorie und Deutung. Langjährige astrologische Erfahrung führt immer mehr von Deutungsbausteinen weg und zu intuitiver Betrachtung eines Horoskops; diese Intuition kann geschult werden, z.B. durch Philosophie, Selbsterfahrung, aber eben auch durch das tiefe Sich-Einlassen auf Poesie, deren „Zauberwort“ (wie Eichendorff es nennt) ebenso als kosmisches Rätsel betrachtet werden kann, wie das unergründliche Kreisen von Planeten um die Sonne.

 

Dichtung und Sternenhimmel

Naht aber Nacht, so wandeln sie leiser, und bald
mondets empor, das über Alles
wachende Grab-Mal. Brüderlich jenem am Nil,
der erhabene Sphinx -: der verschwiegenen Kammer Antlitz.
Und sie staunen dem krönlichen Haupt, das für immer,
schweigend, der Menschen Gesicht
auf die Waage der Sterne gelegt.“

So dichtete Rilke in seiner 10.Duineser Elegie. Der poetische Blick in die Nacht weckt mythische Bilder, archetypische Gestalten, die uns auf den ersten Blick befremden mögen. Nicht anders der Blick ins Horoskop: auch hier finden wir archetypische Kräfte, „Götterfiguren“, die miteinander agieren wollen.

 

Gedichte und Planeten

Und so sollen in dieser Serie Gedichte vorgestellt werden, die zu bestimmten Planetenprinzipien passen, diese auf bildhafte, manchmal auch rätselhafte Weise umschreiben und einzukreisen versuchen. Auf einige astrologische Bezüge möchte ich in einem kurzen Kommentar gerne hinweisen, andere werden im Atmosphärischen des Gedichts ganz von selbst deutlich.

 

Die Dichter

Als Astrologe, der schon seit seiner Jugend immer wieder Lyrik verfasst hat und somit die Themen der Archetypen immer wieder „umschrieben“ hat, möchte ich hier vorwiegend meine eigenen Gedichte vorstellen. In jedem Teil der Serie soll aber auch ein Gedicht eines bekannten Autors dabei sein!

 

Sonne und Mond

Der erste Teil der Serie soll den astrologischen „Zentralgestirnen“ Sonne und Mond gewidmet sein. Allein der Mond, ein poetisches Lieblingsmotiv, könnte ein ganzes astro-poetisches Buch füllen; lassen wir es für diesmal mit zwei Mond-Gedichten bewenden.

 

Dämmrung senkte sich von oben

Dämmrung senkte sich von oben,
Schon ist alle Nähe fern;
Doch zuerst emporgehoben
Holden Lichts der Abendstern!
Alles schwankt ins Ungewisse,
Nebel schleichen in die Höh;
Schwarzvertiefte Finsternisse
Widerspiegelnd ruht der See.

Nun im östlichen Bereiche
Ahn ich Mondenglanz und -glut,
Schlanker Weiden Haargezweige
Scherzen auf der nächsten Flut.
Durch bewegter Schatten Spiele
Zittert Lunas Zauberschein,
Und durchs Auge schleicht die Kühle
Sänftigend ins Herz hinein.

     J.W. von Goethe

 

Goethe macht uns in diesem Gedicht nicht nur mit dem Abendstern (Venus oder Merkur) vertraut, sondern zunehmend mit der „ungewissen“ und „schwankenden“ mystischen Welt des Mondes. Ahnungen und Zauberhaftes weisen auf diese zwielichtige, nebelhafte Sphäre hin, welche der „launische“ Mond ja auch astrologisch verkörpert. Die weiblich-bergende Seite des Mondes wird aber auch deutlich, wenn am Ende die Nachtstimmung das Herz besänftigen darf!

Mondschatten

Worte vergießen Leben auf dies weiße Blatt
sehnsuchtsvoll atmende Sphäre
aufgeladen aufgesogen
der Dunst des wilden Durstes
für einen lieben langen
Augenblick warst du
bei mir…

Mond lacht leise traurig weise
liebes Bild verdunkelt
von düst´ren Universums Schatten

nimmermüder Schlafgesang
den wir Windgeborenen
manchesmal im Herzen
hatten…

Hoher Himmel lebensschwer
tränenleer, sternenklar
keiner weiß, was jemals war
ob Lüge oder wahr ist
was träumender Sinn
ermisst…

Schönheit
Spur von Sehnsucht
süßes Leiden
fiel nicht eben Mondlicht
dir durch´s Haar? -
Liebste, laß uns leben -
was ist, war…

Was ist wahr?

Martin Trosbach

 

In diesem Gedicht werden wir in die zutiefst emotionale Sphäre des Mondes versetzt. Sehnsüchte… Liebe … aber auch Dunkelheiten, Verdunkelungen der Seele sind Erfahrungen, die uns der Mond bringt, um uns immer mehr in die Tiefe kosmischer und zugleich ganz menschlicher Erfahrungen eintauchen zu lassen. Die zwielichtig unklare Ebene, die uns schon im Gedicht Goethes entgegentrat, findet sich auch hier wieder, am Ende ganz deutlich: 

„Was ist, war…/ Was ist wahr?“


Serie Astropoesie: I. Sonne & Mond 
„Phönix“ von Rita Gäßler, Regensburg

 

Und zuletzt ein Sonne/Jupiter-Gedicht:

Der Sinn

Ich lieg in einem Sarg aus schwarzem Glas,
Sprühregen macht die Scheiben naß.
der Blick verirrt sich tief und tiefer,
des Alltags morsche Form hängt immer schiefer

und stürzt und bröckelt – was ist Wesen?
Wer bin ich, war ich einst gewesen?
Die Frage hallt in Sarges Enge
verursacht Ohnmacht, Denkgedränge.

Da: in den Tunnel bricht ein Licht
noch schmal, ein Pfeil, so klar und dicht.
Bohrt gnädig mir die Kammer auf
drin Herzraum, Schicksalslauf...

Ich laß es bohren, treiben, gehn,
gib mich dem harten Lichte hin.
Noch dunkel. Wann werd ich IHN sehn:
den Sonnenträger, König SINN!?

 

Martin Trosbach

Jupiter ist die Verkündigung des Sinnhaften, oftmals in die Form des Philosophischen oder Religiösen gegossen. Die Sonne aber verkörpert unseren Heldenweg im Leben, das Licht, welches in der Dunkelheit erscheint und uns immer wieder weiterführt, von neuem „erleuchtet“. Davon ist in diesem Gedicht, ausgehend von einengenden Erfahrungen des Alltags, die Rede.

Über den Autor

Martin Trosbbach

Martin Trosbach

Astrologische Beratung “Ad Astra”
im “Zentrum für kreative Seelenarbeit” Zell
Oberzellerstr.43
93199 Zell
Tel. 09468/906742
E-Mail:
Internet: www.zell-seelenarbeit.de

Martin Trosbach (geb. 1962), geprüfter Astrologe DAV, beschäftigt sich seit über 25 Jahren intensiv mit Astrologie, Psychologie und spirituellen Themen. Seine autodidaktische Astrologie-Ausbildung vertiefte er durch Kurse bei Claude Weiss und eine Astrodrama-Ausbildung bei Friedel Roggenbuck. Er betreibt zusammen mit seiner Frau Susanne das „Zentrum für kreative Seelenarbeit“ in Zell bei Regensburg. Dort arbeitet er einerseits als Heilpraktiker und Psychotherapeut mit körperorientierten Methoden, EMDR-Traumatherapie und Naturerfahrung; andererseits als Astrologe mit Spezialgebiet Horoskopaufstellungen und erfahrbarer Astrologie. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Verbindung musisch-künstlerischer Ansätze mit der Astrologie.

Über die Künstlerin

Rita Gäßler Malen ist für die Künstlerin mit Atelier im ehemaligen Kloster Pielenhofen bei Regensburg die Suche nach einer Allem innewohnenden Essenz, nach dem Originären, Archetypischen. Dies drückt sich auch in ihrer bevorzugten Verwendung von Naturmaterialien aus. Weitere Informationen zu ihren Arbeiten und Kreativkursen finden Sie unter www.der-kreative-augenblick.de

Augsburg: Ein Horoskop wird zum Museumsstück

Ernst Ott schreibt astrologisches Gutachten für einen Ausstellungskatalog
 

Astrologie hat viel mit Kunst und Kultur zu tun. In früheren Jahrhunderten war es weitgehend selbstverständlich, dass Gelehrte auch über astrologische Kenntnisse verfügten. Jetzt wird ein Horoskop, das vor 400 Jahren entstand, zum Ausstellungsstück einer außergewöhnlichen Museums-Schau: Das Augsburger Maximilianmuseum präsentiert derzeit ein Wunderwerk der Renaissance, den „Pommerschen Kunstschrank“. Zu den Ausstellungsobjekten gehört auch das Geburtshoroskop seines Schöpfers, Philipp Hainhofer.

 

Horoskop Hainhofer

Die Ausstellungsmacher baten Ernst Ott, dieses Horoskop zu deuten. Er leitet zusammen mit Eva Stangenberg drei Ausbildungszentren des Deutschen Astrologen-Verbandes (DAV) im süddeutschen Raum. Die ausführliche Radix-Analyse ist im Katalog abgedruckt. „Möge dieses Beispiel unter Kunsthistorikern Schule machen“, sagt Ernst Ott. „Denn Astrologie ist eine wichtige Methode zu vertieftem Verständnis von Kunst und Geschichte.“

Der „Pommersche Kunstschrank“ gilt als ein Hauptwerk der europäischen Kunstgeschichte. Angefertigt wurde das Prunkstück für Herzog Philipp II. von Pommern-Stettin, kurz vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1617, waren die Arbeiten daran beendet. An der Entstehung des „Pommerschen Kunstschranks“ waren die besten Augsburger Künstler und Kunsthandwerker ihrer Zeit beteiligt.

Hainhofer

Ein Mann spielte damals eine Schlüssel-Rolle: Philipp Hainhofer (1578–1647). Der Augsburger Kaufmann und Patrizier betätigte sich als europaweit agierender Netzwerker in Sachen Kunst und verkehrte an zahlreichen Königs- und Fürstenhäusern. „Hainhofer hatte sich damals selbst ein Horoskop erstellen lassen, welches nun in der Ausstellung präsentiert wird“, berichtet Ernst Ott. „Allerdings ist nur die Horoskopzeichnung erhalten geblieben, der Deutungstext ging verloren.“ Der Kurator der Ausstellung fragte Ott, ob dieser eine Analyse anfertigen könne. Ott: „Natürlich habe ich sie unter Berücksichtigung der heutigen astrologischen Erkenntnisse gestellt.“

Der Kurator war erstaunt, wie genau die Analyse zutraf. Sie schildert treffsicher die Persönlichkeit, Neigungen und Talente des Philipp Hainhofer, obwohl Ott nicht wusste, um welche Persönlichkeit es sich handelt. „Der Kurator hatte mir die Daten nämlich anonym gegeben.“ Normalerweise stellt Ernst Ott nur ungern „Blindgutachten“ aus, er sucht vorher den Kontakt zum Horoskopeigner. „Das war bei Hainhofer etwas schwierig“, sagt Ott, „weil er seit bald 400 Jahren tot ist.“

Das Museum druckte die Horoskop-Analyse im wissenschaftlichen Katalog ab. Und zwar in vollem Wortlaut, da der Text so treffend sei. „Natürlich schmeichelt mir das“, meint Ernst Ott, „aber noch mehr freut es mich, weil es die Hoffnung schürt, dass die Astrologie wieder dahin zurückfindet, wo sie bis vor 300 Jahren schon immer war: Im Zentrum der Gesellschaft, als Erkenntnismethode von allen Wissenschaften und Künsten verwendet.“

Horoskop NN

Philipp Hainhofer war Kunstagent, Politiker und Diplomat.
Ott: „Eine faszinierende Löwe-Persönlichkeit!“ Wir zitieren hier einen kurzen Ausschnitt aus Ernst Otts Text, der im Katalog in ganzer Länge nachzulesen ist. Der Astrologe richtet sich in seinem Schreiben direkt an den Horoskopeigner, so, als würde dieser noch leben: „Als Mensch Ihrer Zeit dürfte Ihnen bewusst sein, dass Sie ein ‚Kind des Merkur’ sind, weil dieses Gestirn in Ihrer Geburtsstunde am Osthorizont im Aufgehen begriffen war. So dürften Sie auch erfahren haben (…), dass eine enorme Neugier und Lernfreude in ihnen steckt. Sie haben ein deutliches Talent, Verbindungen zu knüpfen, zu kommunizieren, zu handeln und zu verhandeln. Ihr Interesse an Menschen haben Sie hoffentlich bereits als Talent erkannt. Nutzen Sie Ihre Bildungslust und Weltoffenheit als ein wertvolles Kapital, das Ihr Leben bereichern kann!“

Das Ensemble des „Pommerschen Kunstschranks“ umfasst 250 Objekte. Dazu gehören wissenschaftliche und medizinische Instrumente, Apothekenutensilien, Barbierzeug, Toilettegerät, Tafelsilber, Schreibzeug, Spiele und mechanisches Gerät. „Die Astrologie ist ein unverzichtbares Mittel, um Kunstwerke der Vergangenheit zu verstehen“, erläutert Ott. „Wenn wir bedenken, dass bis zur Aufklärung jahrhundertelang jeder Künstler die Astrologie kannte und mit den astrologischen Symbolen schon in der Schule vertraut gemacht wurde, verstehen wir, warum es so viele versteckte und offene astrologische Bezüge in der Kunst gibt.“

Wunderwelt. Der Pommersche Kunstschrank.
Geöffnet bis 29. Juni 2014, di, mi, fr, sa, so 10-17 Uhr. Maximilianmuseum, Fuggerplatz 1, 86150 Augsburg
Eintritt 9/7 Euro, Katalog 560 Seiten, 39,90 Euro.
www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

Ernst Ott

Ernst Ott, geprüfter Astrologe DAV
Astrologieschule Ernst Ott und Eva Stangenberg
Ausbildungszentrum des Deutschen Astrologen-Verbandes (DAV)
Mathystr. 21, 76133 Karlsruhe
Tel. 0721 / 35 78 27
www.astrologieschule.org
E-Mail:

Hier geht es zur Ausstellung
Hier zum Katalog
Und hier ist ein Film zur Ausstellung