DAV-Journal

Referenten beim DAV-Kongress: Ernst Ott spricht über Astrologie und
Kartenlegen (Serie, Teil 3)

Tarot – Spiegelbild der Seele

 


Ernst Ott unterrichtet Ausbildungsklassen in München, Karlsruhe und Haigerloch/Württemberg. In seinen Beratungen kombiniert er öfter
Astrologie mit Tarot.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Darum sind Tarot-Karten für Ernst Ott, der in drei Städten Süddeutschlands Astrologen ausbildet, eine wertvolle Ergänzung zum Horoskop. Das Tarot-Deck besteht aus 78 Motiven, deren Symbole die Archetypen aller Menschen verkörpern. Wie Wesen aus Märchen und Mythen, so sprechen auch die Tarot-Szenen eine vielschichtige Sprache, die es zu entschlüsseln gilt. Das Deck enthält 56 Karten, die zu den „kleinen Arkanen“ gehören und 22 Karten, welche den „großen Arkanen“ (oder „Trümpfen“) zugeordnet werden. Beim DAV-Kongress in Bonn (3. bis 5. Oktober 2014) berichtet Ernst Ott unter dem Titel „Jetzt bin ich im Bild!“, wie gut sich Astrologie und Tarot ergänzen. 1950 geboren in Winterthur, war Ernst Ott zunächst als Lehrer in der Schweiz tätig, bevor er 1980 nach Karlsruhe zog, wo er sich als Astrologe selbstständig machte. 1990 eröffnete er eines der ersten Ausbildungszentren des Deutschen Astrologen-Verbandes in Deutschland. 2003 gründete er zusammen mit Hajo Banzhaf, Brigitte Theler, Susanne Zitzl und anderen in München den Tarotverband e.V.

 

Warum „funktioniert“ Tarot?

Auf geheimnisvolle Weise wissen die Karten, was gerade jetzt konkret ansteht. Die Hand des Klienten zieht unbewusst die richtige Karte, es ist, als ob der Tarot die Antwort kennt, nach der der Mensch sucht. Der Tarot als Augenblicks-Orakel ergänzt optimal die Astrologie.

 

Also muss man an den Zufall glauben?

Vielleicht geht man eher davon aus, dass mir die Karte nicht ohne Grund „zufällt“. Dass ich ausgerechnet jetzt diese Karte ziehe, das will mir etwas sagen. Die 78 Tarot-Karten sind wie ein „Traummuster“ der Menschheit. Bevor wir überhaupt beginnen, die Karten zu mischen, kennen wir diese 78 Szenen bereits, denn aus unseren Träumen sind uns die Urgestalten vertraut, die uns im Tarot begegnen, auch wenn sie uns vielleicht zuvor in anderen Kostümen begegnet sind. Die Tarot-Karten sind direkt, schonungslos, märchenhaft und trostreich wie unsere Träume, wie unser Innenleben. Ebenso wie die Planeten in einem Horoskop stellen die Karten archetypische Symbole dar. Man stößt auf einen bestimmen Archetypus, um sich mit ihm auseinanderzusetzen.

 

Reicht es nicht aus, das Horoskop zu deuten? Welchen Vorteil bringt es, zusätzlich den Tarot zu befragen?

Die astrologische Beratung nutzt vor allem das Mittel der Sprache: Alles geht über das Wort. Aber der Tarot bringt ein Bild ins Spiel. Bilder sprechen den Menschen unmittelbar auf der Gefühlsebene an. Es ist viel gewonnen, wenn es uns gelingt, das Unbewusste zu erreichen. Vieles an uns ist irrational, triebhaft und unterliegt nicht der Verstandeskontrolle. Wenn man einem Menschen ein Bild vorlegt, entwickelt er Assoziationen dazu. Vielleicht erinnert er sich an etwas in seinem Leben – vielleicht reagiert er unwillkürlich auf das Symbol und beginnt, es selbst zu deuten. Bilder sind daher eine Hilfe, den Klienten mehr mit einzubeziehen. Der Tarot kann gut vertiefen, was der Astrologe im Horoskop sieht.

 

Schildern Sie uns, wie so etwas konkret abläuft?

Nehmen wir an, ein Klient kommt in die Beratung, weil er oft das Gefühl hat, den Kürzeren zu ziehen. Er fragt sich: Wie kann ich mich besser durchsetzen? Als Astrologe schaue ich mir zuerst an: Was sagt der Planet Mars im Horoskop? Welche Anlagen sind diesem Menschen mitgegeben, seine Interessen zu vertreten? In welchem Lebensbereich kann er seine Durchsetzungskraft besonders gut entfalten? All dies kann ich mit dem Klienten besprechen.

 

Und dann bitten Sie den Klienten, eine Karte zu ziehen?

Ja, denn der Tarot – oder, besser gesagt: das Unbewusste – weiß, was ich als Nächstes in dieser Situation konkret tun kann, um mein Mars-Potenzial zu stärken. 78 Karten bieten 78 Strategien an. Sobald die Karte gezogen ist, schauen wir sie gemeinsam an. Ich schalte mich nicht gleich ein, sondern halte mich zuerst einmal zurück und frage: Was sehen Sie in dieser Karte, was fühlen Sie, woran erinnert es Sie? Der Tarot ist ein Augenblicks-Orakel, es gilt für die nächsten Wochen nach der Sitzung.

 

Bube der Kelche
Bube der Kelche 

„Wie kann ich mich besser durchsetzen?“ – Deuten Sie für uns beispielhaft eine Tarot-Karte als Antwort auf diese Frage?

Als Antwort zieht der Klient beispielsweise die Karte „Bube der Kelche“ (siehe Abbildung). Da hält ein Mann einen Kelch in der Hand, in dem sich ein Fisch befindet. Was bedeutet das nun? Vielleicht sagt der Klient: Der Typ sieht aber gar nicht so durchsetzungsfähig aus! Dann kann ich sagen: Nicht jeder muss seine Durchsetzungskraft mit Fäusten unter Beweis stellen. Diese Karte zeigt mir, ich soll es mit meiner Intuition tun. Der Fisch steht für die Intuition, die Kelche für das Wasserelement, das den Gefühlen zugeordnet ist. Man kann sich auch mit Empathie durchsetzen! Ich spüre, welche Methode ich jetzt brauche, um diesem Gegner Paroli zu bieten.

 Und was bedeutet es, wenn ich nicht den „Buben der Kelche“, sondern das „As der Schwerter“ ziehe?

Das „As der Schwerter“ ist, astrologisch gesehen, eine „Luft“-Karte. Luft hat mit Kommunikation zu tun, mit Geisteskraft. Dann wäre die Auskunft natürlich, dass ich mich mit klaren Argumenten und klugen Worten durchsetzen soll. Das „As der Schwerter“ sagt mir: „Nutze deinen Verstand, deine Kommunikationsgabe, es gibt etwas zu klären!“

 Was fasziniert Sie am Tarot am meisten?

Am meisten fasziniert mich, dass beim Tarot die Aussage überzeitlich und überpersönlich ist. Bei Gemälden alter Meister muss man als Betrachter die mythologischen Figuren entschlüsseln können, aber beim Tarot versteht man die Aussage auch so. Die Symbolkraft der Motive ist ähnlich stark wie bei Figuren aus der Märchenwelt. Der Psychoanalytiker C. G. Jung schuf den Begriff des „Kollektiven Unbewussten“. Das psychische Erbe der Menschheitsgeschichte drückt sich in Bildern aus, zu welchen jeder Mensch einen Zugang finden kann.

Horoskop Hainhofer

Augsburg: Ein Horoskop wird zum Museumsstück

Ernst Ott schreibt astrologisches Gutachten für einen Ausstellungskatalog

Astrologie hat viel mit Kunst und Kultur zu tun. In früheren Jahrhunderten war es weitgehend selbstverständlich, dass Gelehrte auch über astrologische Kenntnisse verfügten. Jetzt wird ein Horoskop, das vor 400 Jahren entstand, zum Ausstellungsstück einer außergewöhnlichen Museums-Schau.