Horoskop berühmter Persönlichkeiten

Beethovens Auferstehung im Computer

Beethovens Auferstehung im Computer astrologisch beleuchtet

von Bernhard Firgau

"Die Unvollendete" heißt eine nur in Fragmenten hinterlassene Sinfonie Nr. 10 von Beethoven. Unvollendet? Offenbar nicht auf Dauer. Denn jetzt drangen Computerintelligenzen in die Welt des Kreativen ein. Sie haben Beethovens musische Handschrift mit Bit und Byte vermeintlich entziffert und die Nr. 10 fertig komponiert.

Das Ende der Ära Jogi Löw

Uranus-Transit zur Sonne.
Das Ende der Ära Jogi Löw

von Ralf-Ulrich Löw

Skeptiker bezweifeln häufig die Prognose-Kompetenz der Astrologie. Ein aktuelles Beispiel des Frankfurter Astrologen und DAV-Mitglieds Ralf-Ulrich Löw sollte ihnen zu denken geben.

Happy Birthday Dalai Lama

„Happy Birthday Dalai Lama“.
Ein astrologischer Geburtstagsgruß

von Klemens Ludwig


Anfang Juli feiert der Dalai Lama seinen 86. Geburtstag. In der letzten Zeit ist es etwas ruhiger um ihn und um Tibet geworden. Die weltweite Aufmerksamkeit für die Situation im chinesischen Machtbereich richtet sich mehr auf die Repression der Uiguren in Sinkiang, ein Territorium Nordwestlich von Tibet. Aber auch in Tibet hat sich die Unterdrückung und Überwachung seit dem Machtantritt von Staats- und Parteichef Xi Jinping noch weiter verschärft.

Günter Grass

Der politische Mensch Günter Grass

und wie er sich astrologisch mit seiner Umwelt verbindet

 
Der Tod des Schriftstellers Günter Grass bewegt auch Astrologen, sich näher mit der Person und dem Werk auseinanderzusetzen. Bernhard Firgau, ausgewiesener Mundanastrologe, greift wichtige Initiativen und Ereignisse aus Grass' Leben und Werk auf und beleuchtet sie astrologisch. Wir wollen damit einen Beitrag leisten, diesen ebenso einflussreichen wie kontroversen Schriftsteller in seiner Tiefe kennenzulernen.

 

Günter Grass - eine astrologische Betrachtung

Am 13.4.2015 starb einer der einflussreichsten deutschsprachigen Schriftsteller, Günter Grass, geb. 16.10.1927 MET 7:00 in Danzig. Mit der Blechtrommel wurde er einem grösseren Publikum bekannt und begründete seinen Weltruhm. Er zeigte darin seine Kritik am Krieg in einer  historisch  realen Welt.  Und er blieb ein  politischer Literat und Mensch bis zu seinem Tod.

Als Astrologen schauen wir natürlich auf die Zusammenhänge zwischen dem Geburtshoroskop eines Menschen und der Gestirnung von Ereignissen und Institutionen, die ihn besonders beschäftigt haben. Daher sollen einige wenige herausgegriffen werden, um dies zu veranschaulichen. 

 

Verarbeitung der Flucht
Grass kam aus Danzig, war also nach dem Krieg in Westdeutschland zunächst ein Flüchtling ohne Heimat und musste sich seinen Platz erst suchen. In einem seiner späten Werke  Im Krebsgang  (2002) erwähnt er die zum Kriegsende einsetzende Massenflucht aus den deutschen Ostgebieten. Er rückt ein Schiff in den Mittelpunkt, welches nach dem NS-Landesgruppenführer der Schweiz, Wilhelm Gustloff, benannt war. Tausende drängten auf das im damaligen Gotenhafen liegende Lazarettschiff Wilhelm Gustloff, um  den anrückenden russischen Truppen zu entkommen, die auf dem Vormarsch nach Westen waren. Der Landweg war abgeschnitten, die Flucht mit dem Schiff die einzige Hoffnung zu überleben. Diese wurde jedoch zunichte gemacht, als ein russisches U-Boot das Schiff genau am 50. Geburtstag des Namensgebers Wilhelm Gustloff versenkte. Schätzungen nach kamen an die 9.000 Menschen ums Leben, nur wenige überlebten in der kalten Ostsee. Einer von ihnen ist der an diesem Tag auf der Gustloff geborene Erzähler im Krebsgang.  Grass erwähnt auch die frappierende Übereinstimmung des Geburtstages des Menschen Gustloff und des Untergangs des nach ihm benannten Schiffs Gustloff.



innen Günter Grass  * 16.10.1927  7:00 MET Danzig, aussen Transit Untergang der Wilhelm Gustloff 30.1.1945

Die Sonne-Pluto-Opposition des Untergangs liegt auf der MC-IC-Achse von Grass mit Pluto am MC. Die Sonne am IC deckt sich  mit der Sonne des Namensgebers Wilhelm Gustloff, der 50 Jahre vorher geboren wurde (30.1.1895).

Im Jahr 2002 dem Jahr, in dem Im Krebsgang erscheint überquert Neptun das IC von Grass. Die Novelle Im Krebsgang handelt auch von der schwierigen Beziehung des Erzählers Paul zu seinem Sohn (MC-IC-Achse!). Schliesslich ist das IC die Heimat und der Neptuntransit lässt einen den Verlust der zurückgelassenen Heimat fühlen.  

 

Parteipolitisches Engagement
Im Nachkriegsdeutschland orientierte sich Grass an der SPD, Sein Radix-Merkur fällt auf den SPD-AC (SPD  gegründet 26.5.1875 18:00 OZ Gotha). Für die SPD trat er zu Willy Brandt´s Zeit auch öffentlich für die Partei ein. Er war im Wahlkampf für die SPD so etwas wie das gebildete akademische Sprachrohr der Partei.

 

innen: SPD 26.5.1875 18:00 OZ Gotha, aussen Günter Grass  16.10.1927  7:00 MET Danzig

Wie die SPD unter ihrem späteren Vorsitzenden Lafontaine, war auch Grass nicht von der Idee einer deutschen Wiedervereinigung begeistert. In „Kurze Rede eines vaterlandslosen Gesellen“ (Die Zeit, 9. Februar 1990, S. 61) stellte er sich gegen die damals bevorstehende  Wiedervereinigung Deutschlands.

innen Günter Grass  16.10.1927  7:00 MET Danzig, aussen: Wiedervereinigung Deutschland  3.10.1990 0:00 MET Berlin

Man sieht Jupiter des vereinigten Deutschlands auf dem MC des Dichters. Das Land ehrt in öffentlich, aber die Gegenliebe ist doch bescheiden.  Er lässt sich nicht vereinnahmen. Die Deutschlandsonne steht an der Spitze seines 12. Hauses. Grass kehrt dieser neuen nationalen Identität  quasi den Rücken zu.

Grass hätte lieber eine deutsche Konföderation gehabt, also einen Staatenbund zwischen Bundesrepublik und DDR, um so zu demonstrieren, dass das Zeitalter der Nationalstaaten zuende geht. Dies würde auch besser zum Europagedanken passen. Also ein Verbrüderungsgedanke, Wassermann! Grass hat im Haus 4, wo die Heimat ist den Wassermann.  Uranus als der Herrscher des Wassermann steht bei ihm mit Jupiter in Haus 5. Die Idee dieser Brüderlichkeit möchte er gerne auf die Bühne heben. In seiner Rede will er ausdrücklich, dass Deutschland mit dieser Idee für andere zweigeteilte Staaten wie Irland, Korea und andere beispielhaft ist. 

 

Kontroverse Positionen
Auch das Thema Krieg beschäftigte  Grass immer wieder.  In hohem Alter bekannte er sogar, bei der Waffen-SS gewesen zu sein. Dies trägt ihm wegen des späten Zeitpunktes dieser Offenbarung natürlich herbe  Kritik ein, namentlich von den Juden. Denn sie hatten unter Hitler besonders gelitten. Zu Israel als Staat ging er auf Distanz und manchmal mit sehr deutlichen Worten. Mit seinem in der Tagespresse veröffentlichten Gedicht „was gesagt werden muss“ (4.4.2012) – nachzulesen unter diesem Artikelnamen bei wikipedia – prangerte er an, dass sachbezogene Kritik an politischen und militärischen Positionen der israelischen Regierung häufig mit Antisemitismus gleich  gesetzt würde, also auf die persönliche Ebene verschoben und damit ein Tabu für jede sachliche Auseinandersetzung geschaffen werde. Den Mund wollte er sich aber nicht verbieten lassen, wenn es um Kritik an politischer Gewalt ginge.  Anlass war die Diskussion um einen sogenannten atomaren Erstschlag, den sich Israel vorbehalten hat, um einem Angriff seitens des Iran zuvorzukommen.

Sieht man nun das Gründungshoroskop Israels vom 14.5.1948 an, fällt sofort ins Auge, dass es mit dem Radix von Grass wechselseitig ein Quadrat von Jupiter zu Uranus und umgekehrt hat. Grass hat eine Jupiter-Uranus-Konjunktion, die mit der Jupiter-Uranus-Opposition Israels ein spannungsgeladenes T-Quadrat bildet. Uranus ist der provozierende Planet und Jupiter der weltanschauliche. Grass trifft mit seinem Mars auch noch den AC von Israel. Kein Wunder, dass die Beteiligten dieser Synastrie keine Freunde waren. 

innen Günter Grass 16.10.1927  7:00 MET Danzig, aussen: Israel 14.5.1948 16:00 EET Tel Aviv

Über den Autor

bernhard firgau dav astrologe

Dr. Bernhard Firgau


PLZ: 69469
Ort: Weinheim

Dr. Bernhard Firgau (Jg. 1954), Jurist und geprüfter Astrologe (DAV); Gründungsmitglied der Sektion fur Mundan- und Wirtschaftsastrologie im DAV.  Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf den astrologischen Zusammenhängen zwischen der Biografie des Einzelnen und seiner Umwelt. Neben Zeitschriftenartikeln und Vorträgen hat er seine Forschungsergebnisse auch als Buchautor veröffentlicht. („Wahlprognose mit Astrologie“ (zusammen mit Gerhard Lukert), „Ingresse“, „Praxisbuch Mundanastrologie“).

  Groteske Darstellung des Mercurius als “Drache nagari” 

Der Schweizer Psychiater und der Begründer der analytischen Psychologie, Carl Gustav (C. G.) Jung, hatte eine große Bedeutung für die Astrologie, die er sehr geschätzt hat. Er verfügte über ein fundiertes astrologisches Wissen. Häufig zitiert wird seine Aussage: "Die moderne Astrologie nähert sich mehr und mehr der Psychologie und klopft bereits vernehmlich an die Tore der Universitäten."
All das ist Grund genug, Jung und sein Geburtshoroskop näher anzuschauen. Martin Trosbach hat dies für das DAV-Journal getan. 


Mercurius, Uranus und C. G. Jungs „Septem Sermones“

Von Martin Trosbach

 

Der “Mercurius”

Der Arzt, der die Heilkräfte der Wurzeln und Kräuter kennt,
ist ein Mensch;
der, der die des Wassers und des Feuers kennt,
ein Dämon;
wer die Kraft des Gebetes kennt,
ein Prophet
und wer die Kraft des Quecksilbers kennt,
ein Gott.

Dieser Gott, der in der Alchemie durch das Quecksilber und dessen Transmutationen verkörpert erscheint, ist Hermes/Mercurius. Bedenken wir, welche Potenz im oben zitierten alten Sprichwort diesem Quecksilber zugeschrieben wird: die höchste Heilkraft, die Macht des Gebetes noch übersteigend! In der Astrologie ist die “höhere Potenz” des Merkur, der Uranus. Vertieft man sich näher in die Schriften der Alchemisten, so findet man dem Mercurius dermaßen viele unglaubliche und in sich widersprüchliche Eigenschaften zugeordnet, dass wir hier tatsachlich von einer den astrologischen Merkur weit übersteigenden Kraft ausgehen müssen, in Annäherung der gemeinsamen Energie von Merkur und Uranus.

Uranus-Mercurius ist der große Täuscher, Illusionist, Narr und ewige Verwandlungskünstler, flüchtig, kaum greifbar und schon gar nicht begreifbar, was sich in der schwer fassbaren materiellen Natur des Quecksilbers spiegelt. Höchstes Gift und heiligstes heilendes Elixier (von den Alchemisten “Arcanum” benannt) zugleich.

 

Ein T-Quadrat in C. G. Jungs Radix 

Carl Gustav Jung Horoskop

Die Sonne bildet in Jungs Horoskop zusammen mit dem Wassermann-AC und einer dissoziierten Neptun-Chiron-Konjunktion im 3.Haus ein spannungsvolles T-Quadrat, bei welchem der Uranus als AC-Herrscher sicherlich ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Der Löwe-Uranus selbst in sehr weiter Konjunktion zur Löwe-Sonne steht ebenfalls in einer teils fördernden, teils herausfordernden Aspektfigur, deren stärkstes Element wohl das fast gradgenaue Quadrat zum Stier-Mond ist, außerdem spielen Pluto, Merkur und Venus mit. In dieser Figur spüren wir die starken energetischen Prozesse, welche durch den Austausch zwischen intellektuellen und idealen Prinzipien (Merkur und Uranus) und weiblich-intuitiven Kräften (Mond/Pluto in Stier, Venus und Merkur in Krebs) entstehen. Der Pluto fordert aber nicht nur geistige Höhenflüge, sondern auch den Abstieg in die Unterwelt, welchen Jung intensiv zu durchleben hatte. Einen Kulminationspunkt dieses Geschehens stellen seine „Sieben Reden an die Toten“ von 1916, wohl nicht zufällig im ersten Weltkrieg verfasst, dar. Auch die sehr eigenwillige Rechtschreibung Jung´s scheint hier einen „uranischen touch“ zu haben.

 

C.G.Jung und seine “Septem Sermones ad mortuos”Der Abraxas ist der schwer erkennbare Gott. Seine macht ist die größte, denn der
Mensch sieht sie nicht.  ...Der Abraxas ist Sonne und zugleich der ewig saugende schlund des Leeren, des
verkleinerers und zerstücklers, des Teufels.   ...
Ja, er ist der große Pan selber und der kleine. Er ist Priapos.
Er ist das monstrum der unterwelt, ein polyp mit tausend armen, beflügeltes schlangengeringel, raserei.

Er ist der Hermaphrodit des untersten anfanges.
Er ist der Herr der kröten und frösche, die im wasser wohnen
und an´s land steigen,
die am mittag und um mitternacht im chore singen.
Er ist das Volle, das sich mit dem Leeren einigt.
Er ist die heilige begattung,
Er ist die liebe und ihr mord,
Er ist der heilige und sein verräter.
Er ist das hellste licht des tages und die tiefste nacht des wahnsinns.
Ihn sehen, heißt blindheit,
Ihn erkennen heißt krankheit,
Ihn anbeten heißt tod,
Ihn fürchten heißt weisheit,
Ihm nicht widerstehen heißt erlösung.2

Jungs “Septem Sermones ad Mortuos” (Sieben Reden an die Toten), geschrieben 1916 als Teil einer Eigentherapie jener langwierigen und gefährlichen psychotischen Phase, die Jung in dieser Zeit durchlebte, sind voller Paradoxa und alchemistischer Anspielungen, obwohl sich Jung in dieser Zeit noch keineswegs näher mit Alchemie beschäftigt hatte.

Schon Jungs Identifikation in diesem Text mit dem Gnostiker Basilides (2.Jhd. n.Chr.), dessen Schriften manche Alchemisten beeinflussten, weist darauf hin (von Basilides stammt auch die Terminologie des verborgenen Gottes als “Abraxas”); noch deutlicher seine Verwendung alchemistischer Begriffe oder Symbole: Hermaphrodit, Kröten, Frösche, heilige Begattung (= coniunctio). Weiterhin finden wir eine Fülle von mythologischen, religiösen und philosophischen Anspielungen und Ausdrücken.

Die Zeit, in der dieser Text entstand, war offensichtlich eine initiatische Phase, ein Wendepunkt in Jungs Leben. Nach den großen Erfolgen seiner ersten Lebenshälfte, die sich äußerlich in der Präsidentschaft der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung manifestierte, geriet Jung in eine Jahre andauernde Krise, welche 1913 deutlich anhob. Jung zog sich von den meisten äußerlich angesehenen Posten und Funktionen zurück, womit sein öffentliches Ansehen schwand, er hatte mit Freud gebrochen und seine Ehe geriet durch die beginnende Affäre mit Toni Wolff in Schwierigkeiten. Zudem überschwemmten Jung eine Vielzahl von inneren Bildern und Visionen, die einerseits das kollektive Unheil, das sich zusammenbraute, vorwegnahmen (der erste Weltkrieg), andererseits Jungs eigene Krise illustrierten. Gehäuft Neptun- und Chiron-Auswirkungen mit Bezug zum ersten und 7.Haus! Jung schreibt über diese Zeit:                                                                      

Ich stand hilflos in einer fremdartigen Welt, und alles erschien mir schwierig und unverständlich. Ich lebte in einer intensiven Spannung, und es kam mir oft vor, als ob riesige Blöcke auf mich herunterstürzten. 3

Typisch für die paradoxe, verrückte und experimentelle Natur des Mercurius/Uranus ist, dass Jungs Eingangstor für diese Phase ein Kinderspiel war, welches er mit Steinen durchführte, nicht etwa ein wissenschaftlich fundiertes Experiment. Jung dachte, gequält von innerer Desorientiertheit und massivem Druck: “Ich weiß so gar nichts, dass ich jetzt einfach das tue, was mir einfällt”.4

Und es fiel ihm ein, eine Erinnerung aus seiner Kindheit spielerisch umzusetzen, als er mit Bausteinen Häuser und Schlösser gebaut hatte. Als er mit Ufersteinen dieses Kinderspiel nachvollzog, löste dies einen mächtigen Strom von Phantasien aus, die schließlich in den “Septem Sermones” ihren Ausdruck fanden. Jung empfand dieses Spiel wie einen Eintritts-Ritus, der notwendig gewesen war und schreibt darüber:

Dieser Typus des Geschehens hat sich bei mir fortgesetzt. Wann immer ich in meinem
späteren Leben steckenblieb, malte ich ein Bild, oder bearbeitete ich Steine, und
immer war das ein rite d´entrée für nachfolgende Gedanken und Arbeiten. 5

Dass dieses Geschehen tatsächlich uranischer Natur war, zeigen Jungs Transite. Die Uranus-Uranus-Opposition, welche die Wandlungsprozesse der Lebensmitte einläutet, stand vor der Tür: Der transitierende Wassermann-Uranus durchlief Jungs erstes Haus, damit eine grundlegende Umstrukturierung der Persönlichkeit fordernd, dies im T-Quadrat mit Jungs Stier-Mond im dritten Haus. Damit einher gingen eben jene tiefen emotionalen und intellektuellen Irritationen, die Jung an den Rande des Wahnsinns brachten. Innere Stimmen, zahlreiche aufwühlende Träume, okkulte Phänomene und Phantasien begannen ihn zu überschwemmen. Aus Jungs Unterbewusstsein tauchten Figuren, innere Führer auf, die Jung sehr wichtig wurden, mit denen er in inneren Dialog trat, sich intensiv mit ihnen auseinandersetzte, die ihn andererseits auch zutiefst irritierten und herausforderten. Schließlich war es ihm, als ob sein ganzes Haus voller Geister sei, welche ihm die Luft zum Atmen nehmen würden. Als er sie fragte, was sie da wollten, riefen sie:

Wir kommen zurück von Jerusalem, wo wir nicht fanden, was wir suchten.”  (ETG S.194)

Er wurde mit dieser Störung fertig, indem er die „Septem Sermones ad mortuos“ schrieb. Es floss aus ihm heraus, und in drei Abenden war die Sache geschrieben.

„Kaum hatte ich die Feder angesetzt, fiel die ganze Geisterschar zusammen. Der Spuk war beendet. Das Zimmer wurde ruhig und die Atmosphäre rein.“        (ETG S.194)

Der ganze Vorgang illustriert deutlich die psychischen Auflösungsprozesse, die wir in der Alchemie gespiegelt sehen. Astrologisch gesprochen sind es die blitzartigen und verwirrend chaotischen Energien des uranischen Prinzips, welches im individuellen Geschehen große Gefahren mit sich bringt, ist das saturnische Prinzip noch nicht bis ins Innerste gefestigt.

Dies kann aber in der Lebensmitte ja noch gar nicht stattgefunden haben, nehmen wir einmal einige wenige früh Vollendete aus. In der Alchemie sind es die Prozesse der Solutio: der Auflösung, der Separatio: Trennung der Einzelteile, Sublimatio, welche zur äußersten Verfeinerung führt, schließlich der Mortificatio und Calcinatio: des Todes und der Verbrennung, zu Aschewerdens, welchen in vielfachen Variationen und gegenseitigen Verschränkungen der zersetzende und nicht berechenbare merkurisch-uranische Geist zugrunde liegt. In der Psychotherapie ist es der analytische Weg, welcher in all seinen überraschenden Wendungen Ähnliches bewirkt und auszudrücken scheint. Und in Jungs Wandlungsprozess der Lebensmitte war es eben jene paradoxe Zwienatur, die allem zugrunde liegt, welche ihm half, neuen Boden unter den Füßen zu bekommen und schließlich seine neuartigen und originären Erkenntnisse zu formulieren, die ihn so bedeutsam machten. Die “Septem Sermones” schließen mit einer Rede über den Menschen, womit Basilides die kläglich bittenden Toten belehrt. Dem Menschen, der zuerst als “klein und nichtig” beschrieben wird, steht ein Stern gegenüber.

In unermeßlicher Entfernung steht ein einzelner stern im zenith.
Dies ist der eine Gott dieses einen, dies ist seine Welt, sein Pleroma, seine göttlichkeit.
In dieser welt ist der mensch der Abraxas, der seine welt gebiert oder verschlingt.
Dieser Stern ist der Gott und das ziel des menschen.

Jung verkündet also eine paradoxe Botschaft: Klein und nichtig ist der Mensch, genauso aber auch unendlich schöpferischer “Abraxas”, welcher Welten gebären sowie zerstören kann.

Dies ist sein einer führender Gott,
in ihm geht der mensch zur ruhe,
zu ihm geht die lange reise der seele nach dem tode,
in ihm erglänzt als licht alles, was der mensch aus der größeren welt zurückzieht.
Zu diesem einen bete der mensch.

Das gebet mehrt das licht des sternes,
es schlägt eine brücke über den tod,
es bereitet das leben der kleineren welt,
und mindert das hoffnungslose wünschen der größeren welt.

Das “Gebet”: eine Brücke über dem unendlich erscheinenden Abgrund Gott-Mensch, vergleichbar der verbindenden Funktion des Mercurius. Und man beachte: dieses Gebet “mehrt das Licht des Sternes”, will sagen: der solchermaßen agierende Mensch ist selbst Teil des sich ewig verändernden Dasein Gottes!

...
Mensch hier, Gott dort.
Schwachheit und Nichtigkeit hier, ewige schöpferkraft dort.
Hier ganz dunkelheit und feuchte kühle,
Dort ganz Sonne.
Darauf schwiegen die toten und stiegen empor wie rauch
über dem feuer des hirten, der des nachts seiner herde wartete.6

Das Emporsteigen des Rauches als Symbolik des Aufstiegs ist ein typisches alchemistisches Symbol der gelungenen Sublimatio. Verbindet sie sich mit dem Abstieg (Jung selbst fasste seinen damaligen Prozess als “Nekyia” auf, als Abstieg und Fahrt ins Totenreich) entsteht schließlich der Prozess der “Circulatio”, indem sich Auf- und Abwärtsbewegung ergänzen und zum Mandala des göttlichen Kreises schließen. Demnach heißt es im achten Absatz des wichtigsten alchemistischen Textes, der legendären “Tabula smaragdina” des geheimnisumwobenen “Hermes Trismegistos”:

Es steigt von der Erde zum Himmel empor, steigt wieder zur Erde herab
und empfängt die Kraft des Oberen und des Unteren.
So wirst du die Herrlichkeit der ganzen Welt haben.
Daher wird dich alle Dunkelheit fliehen. 7

 

Hermes Trismegistos 

                   Hermes Trismegistos

Gefahren und Rettendes

Betrachten wir schlussendlich noch einmal Jungs T-Quadrat auf der Ich-Du-Achse AC-DC und die Figur, in welche Uranus eingebunden ist, dann fällt auf, wie paradox die angezeigten planetarischen Kräfte sowohl als Gefahren, als auch als heilende Kräfte ersichtlich werden:

Aszendent in Wassermann:
Gefährdung des Ich –
Durchbruch zu einer neuen Persönlichkeitsstufe, welche die zukunftsweisenden und hochgeistigen Potenzen des Uranus eindeutiger integriert hat und damit seine Berufung zu verwirklichen vermag.

Neptun in 3:
Zustände geistiger Verwirrung, Ohnmachtserfahrungen -
Einbeziehung von mystischem Wissen (Alchemie) in den Bereich der Psychotherapie

Löwe-Sonne und Uranus in 7-Quadrat Neptun/Chiron:
Destabilisierung der Persona und von Jungs öffentlicher Rolle -
Entfaltung von wesentlich größerer Ausstrahlung von Jungs Person und innerster Berufung durch Begegnung mit mysteriösen inneren Figuren, welche Jung als Lehrer und Mentoren erscheinen (Chiron).

Merkur in Krebs:
Geistige und emotionale Verwirrung –
Das Kinderspiel als Schlüssel zur Wandlung. Schreiben eines heilsamen Textes, welcher sich mit den Toten (Aspekt zu Pluto) beschäftigt

 Merkur/Venus in Krebs im 6.Haus:
„Geister“ belagern und verunreinigen die häusliche Atmosphäre –
Reinigung der Atmosphäre durch den quasi rituellen Akt des Schreibens.

So wird hier in Bezug auf schwierige Aspekt-Konstellationen Hölderlins wunderbarer Satz aufs Schönste bestätigt: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“

 

Anmerkungen und Abkürzungen:

ETG = C. G. Jung, Erinnerungen, Träume, Gedanken (Jungs Autobiographie)
Die ungewöhnliche Groß-, Kleinschreibung in „Septem Sermones“ entspricht Jung

1)       Sprichwort, zitiert nach K. Pollak, Wissen und Weisheit der alten Ärzte. Econ, Düsseldorf/Wien 1968
2)       C. G. Jung, “Septem Sermones”, Sermo III, in: “Erinnerungen, Träume, Gedanken” (ETG), Walter-Verlag Olten, 1971, S.393
3)       ebda., S. 180 
4)       ebda. S. 177
5)       ebda. S.178
6)       ebda. S. 398
7)       zit. nach E. Edinger, “Der Weg der Seele”. Kösel, München 1990, S. 286

Über den Autor

Martin Trosbach

Martin Trosbach

Heilpraktiker, Psychotherapeut, Supervisor

Oberzellerstr. 43
D - 93199 Zell (bei Regensburg)
Tel.: 09468 / 906 742
E-Mail:
Internet: www.zell-seelenarbeit.de

Martin Trosbach ist geprüfter Astrologe DAV, Heilpraktiker und Musiklehrer am Robert-Schuman-Gymnasium in Cham/Oberpfalz. Neben seiner musikalischen und pädagogischen Ausbildung (Gesang, Violoncello, Dirigieren und Musiktheater) beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit Psychologie und Spiritualität. 1990 legte er die Heilpraktikerprüfung ab, absolvierte später eine fünfjährige Astrodrama-Ausbildung bei Friedel Roggenbuck. Von 2002 bis 2005 ließ er sich bei Barbara Althoff-Koch in „personaler Leibarbeit" ausbilden, einer körpertherapeutische Therapieform, welche auf der „initiatischen Therapie" Graf Dürckheims gründet. Neben Achtsamkeits-Übung, Stimmarbeit, Psyche und Familienstellen bezieht diese Therapieform auch spirituelle Ansätze, z. B. Zen, mit ein. 2012 ergänzte er seine therapeutische Ausbildung durch eine Fortbildung in „EMDR - Ganzheitliche Traumatherapie" bei Rudolf Schneider in München (Gilching). Seit 2005 arbeitet er zusammen mit seiner Frau Susanne als Therapeut, Astrologe und Heilpraktiker im „Zentrum für kreative Seelenarbeit“ in Zell bei Regensburg. 2012 gründete er dort „Ad Astra“ – Zentrum für Astrologie und Heilung, welches astrologische Beratung, Ausbildung und Fortbildungen ermöglicht.

Horoskop Rainer Maria Rilke

Seelenreise in die Tiefe der Nacht

Das Horoskop von Rainer Maria Rilke

 

Von Martin Trosbach

Rilke war ein Dichter, der immer wieder versuchte, Kosmisches in Worte zu kleiden und somit auf die Erde zu holen; ein Dichter, der die Archetypen bis ins Innerste zu erforschen suchte. Daher mag ihm von astrologischer Seite besonderes Interesse gelten. Wir sehen ein Nachthoroskop vor uns, welches, als einzigen Punkt des Achsenkreuzes, den IC betont. Damit liegt ein energetisches Zentrum am IC, eine Art Sog, die den Horoskopeigner offensichtlich „in die Tiefe“ ziehen wird, denn der IC kann ja als tiefster, dunkelster Ort der Radix, im klassischen Sinne als Grab, als Anfang und Ende verstanden werden.

Das prägende Zeichen an Rilkes IC ist Schütze, ein Sehnsuchts-Ort der Höhe, des Himmlischen, zielt doch der Schütze mit seinem Pfeil nicht nur in die Weite, sondern auch in die Höhe. Hier eröffnet sich also sofort eine höchst bedeutsame Dialektik zwischen Tiefe und Höhe, Erde und Himmel, die Rilkes dichterisches Werk grundlegend prägt. Diese Grundspannung ist umso bedeutsamer, als Rilkes Sonne und somit der Brennpunkt seiner Berufung, seines „Heldenweges“, hier zu finden ist.

Beispielhaft sei hier sein berühmtes Gedicht „Orpheus. Eurydike. Hermes“ genannt, das in sehr eigenwilliger Weise den Weg aus der Unterwelt nach oben beschreibt. Mit „Hermes“ ist hier im Übrigen auch sein AC-Herrscher Merkur/Hermes mit im lyrischen Spiel! Im Spätwerk erweitert sich der „orphische“ Blickwinkel Rilkes in seinen „Sonetten an Orpheus“ (1922) in ein weiträumiges Umkreisen der dialektischen Thematik von Leben und Tod. Inspiriert wurden diese Sonette von Wera Ouckama-Knoop, einer erst 19-jährigen Tänzerin und Künstlerin, die einige Monate vor dem Entstehen dieses Werks gestorben war. Inspiration durch eine Tote – die Lilith/Sonne-Konjunktion am IC kann wohl kaum plastischer verdeutlicht werden!

Der IC, Beginn des 4. Hauses, zeigt symbolisch Mitternacht an, wenn wir eine Horoskopgrafik als Uhr auffassen (MC =  Mittag,  IC =  Mitternacht). Das 4. Haus ist der tiefste Ort der Nachthälfte des Horoskops, die sich unter der AC/DC-Achse findet; darüber erheben sich die Taghäuser 7 bis 12. Insofern mag es nicht verwundern, dass Rilke zeitlebens das Thema der Nacht poetisch umkreiste; gerade in Bezug auf die Mysterien und dunklen Offenbarungen der Nacht. Wir fassen das 4. Haus gern als Haus der Familie und der Heimat auf; was aber, wenn sich ein Mensch heimatlos fühlt, seine Herkunft und Familienbindung ihm dunkel und vage erscheint, wie es Rilke oft ausgesprochen hat (Jupiter in Skorpion als Herrscher von 4)? Dann wird ihm eine Seelenreise in die Nacht, wird ihm die Suche nach seelischer Heimat und Geborgenheit zur dringlichen Aufgabe: eine Unternehmung, die Rilke mit poetischen Mitteln zu lösen suchte.

Das Zwillingszeichen am MC in Opposition zur Sonne legt den dichterischen Weg nahe; sein Herrscher Merkur, Planet der Dichter, steht im Haus der Kommunikation, Sprache und Schrift, in Haus 3. Das exakte Quincunx zwischen Merkur und Neptun vertieft den Charakter einer mystischen Seelenreise. Die Mystiker kennen dafür einen Topos: „Nachtmeerfahrt der Seele“. Vergessen wir nicht, dass das 4. Haus große Geheimnisse birgt. Steht die Sonne hier, am IC, dem Tor zum 4. Haus, zu den Mysterien der Ahnen, wird eine Reise in die Tiefe, ins Dunkle, zur Lebensaufgabe, zur Heldenreise.

Das Geburtshoroskop von Rainer Maria Rilke, geboren am 3. Dezember 1875 in Prag – mit der Geburtszeit 23.30 Uhr (eigene Angabe in einem Brief an die Jugendgeliebte Valerie David-Rhonfeld). Rilkes Mutter dagegen notierte, er sei kurz vor Mitternacht geboren.

Rainer Maria Rilke wurde am 3. Dezember 1875 in Prag geboren, „gegen einhalb zwölf nachts“, wie er in einem Brief an die Jugendgeliebte Valerie David-Rhonfeld notierte. Als Angehöriger der deutschen Minderheit in einer Zeit, da die tschechische Nation immer deutlicher ihre Rechte einforderte, fiel ihm zeitlebens eine nationale Identitätsfindung schwer. Seine zahlreichen Aufenthalte in verschiedensten Ländern Europas, insbesondere seine langen Aufenthalte in Paris und seine immer deutlichere Hinwendung zur französischen Sprache, in welcher er seine letzten Gedichtzyklen schrieb, zeigen diese Identitätssuche deutlich.

Nie hat er das Gefühl, wirklich dorthin zu gehören, wo er sich gerade befindet. Nach dem Untergang des k.u.k.-Imperiums bemüht er sich zwar um einen Pass der neuen tschechischen Republik und ist glücklich, ihn schließlich in den Händen zu halten, aber Heimat wird sie ihm darum nicht – wie ihm schon das alte Prag um die Jahrhundertwende nicht Heimat war. Auch damals fühlte er sich als Fremder. In Prag nimmt Rilkes Bindungslosigkeit ihren prägenden Anfang, wächst sein schließlich unüberwindliches Distanzbedürfnis zur Umwelt ([1]).

Heimat stellt sich fortan im ständigen Unterwegs her, als jenes atmosphärisch Offene, das Rilke später den Weltinnenraum nennt. Und Frauen werden ihm dabei zum Heimat-Ersatz für Momente. Aber auch das nur flüchtig und darum – wie bei Süchtigen – in wachsender Frequenz ([2]). Die Themen Reisen, Horizonterweiterung und Sinnsuche sind ja für die Schütze-Energie typisch. Das Quadrat der Sonne/Lilith-Konjunktion zum AC stellt hier eine lebenslange herausfordernde Aufgabe dar: immer wieder auf genaue und akribische Weise (Jungfrau-AC) eine „Positionsbestimmung“ vornehmen, korrigieren, wo nötig und sich vor allem auch der Verunsicherung stellen, die damit verbunden ist.

„O daß ich Werktage hätte, Lou, daß meine heimlichste Herzkammer eine Werkstatt wäre und Zelle und Zuflucht für mich; daß all dieses Mönchische in mir klostergründend würde um meiner Arbeit und Andacht willen. Daß ich nichts mehr verlöre und alles aufstellte um mich, nach Verwandtschaft und Wichtigkeit. Daß ich auferstünde, Lou! Denn ich bin zerstreut wie ein Toter in einem alten Grabe.“ ([3])

Rainer Maria Rilke

Wenn wir die Wucht dieses letzten Satzes auf uns einwirken lassen wird deutlich, wie schwerwiegend, prägend und herausfordernd die „Zerstreuung“ seiner Identität auf Rilke gelastet haben mag. Wortwörtlich präsentiert er hier die klassische Bedeutung des IC als „Grab“ und Wohnort des Alten, auch der Ahnen. Etwa in der hellenistischen Astrologie gilt weniger der Mond als Herrscher von Haus 4, sondern mehr der Saturn als Herrscher des Todes, des Alten, Verborgenen, Dunklen.

Wir befinden uns hier auf einer höchst wichtigen, verborgenen Spur, die über die Unklarheit bezüglich Rilkes nationaler Identität weit hinausgeht. Denn Rilke (Abb. rechts: um 1900, Foto: Wikipedia) hatte eine einzige Schwester, genannt Zesa, die ein Jahr vor seiner Geburt als Kleinkind früh verstorben war und die man wohl als im Unterbewusstsein prägend für jene Verlorenheiten und Sehnsüchte betrachten kann, welche Rilke ein Leben lang begleiteten.

Aus heutiger familiensystemischer Sicht war die meist unbewusste Suche nach der verlorenen Schwester ein zentrales Motiv der rilkeschen Seelenreise, die sich in vielen seiner Werke offenbart. Es wirkt so, als habe Rilke wie gebannt auf diese unsichtbare, ihm nie leiblich begegnete Schwester geblickt, ein Mädchen, dessen Tod seine Eltern zutiefst verstört haben muss. In der gesamten, äußerst umfangreichen biografischen Literatur über Rilke findet sich kaum ein Hinweis auf Zesa, wurde konsequent die Bedeutung jenes vorgeburtlichen Geschehens übersehen. Rilke selber war sich Zesas offensichtlich durchaus bewusst, denn die „jungen Toten“ sind ein konstantes Element seines Werks, insbesondere der „Duineser Elegien“. Und er dichtete schon 1901:

Aus einer Sturmnacht VIII (Berlin-Schmargendorf, 21. Januar 1901)

“In solchen Nächten wächst mein Schwesterlein,
das vor mir war und vor mir starb, ganz klein.
Viel solche Nächte waren schon seither:
Sie muß schon schön sein. Bald wird irgendwer
sie frein."

Diese grundlegende Familienprägung traumatischer Natur mag wohl mit dazu geführt haben, dass Rilkes Mutter ihn die ersten fünf Jahre seines Lebens vorwiegend als Mädchen kleidete und damit seine geschlechtliche Identität zusätzlich verwirren musste. Rilkes Eltern tauften ihn „Rene Maria“, auch hierbei geschlechtliche Uneindeutigkeit, erst Lou Andreas-Salome benannte ihn um in „Rainer“, was er dann selbst übernahm. Die Auflösung der Identität blieb in zweifacher Weise ein Grundmotiv seines Werks. Einmal als tief sitzende Angst vor Verlorenheit und innerer Entfremdung (große Teile seines einzigen Romans „Malte Laurids Brigge“ kreisen um dieses Thema); zum zweiten als Sehnsucht nach neptunischer Auflösung, Aufgehen des Ich im Universum.

Dass die „Namenlosigkeit“ auch eine positiv besetzte Seite hat, garantiert in Rilkes Radix der Stier-Neptun, am Eingang zum 9. Haus stehend, der sich mit Mars und Venus in harmonischen Aspekten verbindet. Alle drei Planeten weisen aber auch gespannte Aspekte zu Merkur auf; das bringt immer wieder Zweifel, gedankliches Hadern und literarisch anspruchsvolles Überformen dieser Thematik mit sich. Noch in Rilkes rätselhaftem Grabspruch, den er sich selbst schrieb, schwingt die Sehnsucht nach Auflösung und Namenlosigkeit:

„Rose, oh reiner Widerspruch,
Lust, Niemandes Schlaf zu sein
unter soviel Lidern.“

Willi Nef kommentiert den Spruch im Blick auf die Rose so: „Vielleicht darf man sagen, daß in diesem wunderbaren Gebilde der Rose die Spannung unseres Lebens zwischen Sehnsucht nach Ruhe und Trieb zur Fülle des Lebens sinnbildlich gelöst erscheine". ([4]) Im Blick auf Rilkes Horoskop umformuliert: Vielleicht darf man sagen, dass im Symbol der Rose die Spannung des großen Kreuzes, das durch den Herrscher der Sonne und des IC – Jupiter – auf Rilke lastete, versöhnt und ausgeglichen werden wollte.

Man sagt, Rilkes Tod sei eingeleitet worden durch den tiefen Einstich von Dornen eines Rosenstrauches. Die Wunde hatte sich infiziert und musste ärztlich behandelt werden. Dabei wurde Rilkes Leukämie offenbar, an der er 51-jährig 1926 starb. Das große Kreuz beinhaltet die plötzlich wendende, sprunghafte Kraft des Uranus, die destruktiv-transformierende Energie von Pluto, durch Jupiter in Skorpion sich ins Sinnhafte ausdehnen wollend, und nicht zuletzt das 6. Haus, wo sich ja Krankheiten manifestieren können und wo die Mond/Saturn-Konjunktion zeigt, dass Rilkes innerem Kind tiefe Wunden zugefügt worden sein müssen.

Zyklisch immer dann, wenn eine der vier Ecken des großen Kreuzes durch Transit oder Progression ausgelöst war. Schauen wir nun auf Rilkes „persönliche Planeten“ Mond, Venus, Mars und Merkur: Mars und Venus stehen im Sextil zueinander, damit schnelle Leidenschaftlichkeit ermöglichend. Keiner von allen persönlichen Planeten aber hat das Element Erde zu bieten, so dass sich die Luft-Feuer-Mischung von Mars in Wassermann und Venus in Schütze leichter visionär-künstlerisch erleben lässt denn konkret und praktisch handhabbar. Besonders deutlich wurde dies 1901 nach der Hochzeit mit Clara und der Geburt seiner einzigen Tochter Ruth: Ein bürgerliches Familienleben ließ sich nicht realisieren, Rainer und Clara taten sich schwer, sich auf Ruth näher einzulassen, das Kind wuchs weitgehend bei den Großeltern auf. Bereits im August 1902 gingen beide – ohne Ruth – nach Paris, um dort weiter zu lernen und ihre künstlerischen Ambitionen voranzutreiben; Clara als Schülerin von Rodin, Rilke als Rodins Sekretär und unstet durch Europa Reisender und unablässig Schreibender (Merkur Quadrat Mars in Wassermann).

Mars, Venus und Merkur sind alle drei, teils gradgenau, von Neptun aspektiert. Bruno von Flüe schreibt über diese – gerade für Rilkes Beziehungsleben und Werk – hoch bedeutsame Figur: „Aus dieser Gestaltfigur heraus, die abgehoben von allen anderen Wesenskräften, in sich geschlossen und insofern rein und für sich dasteht, wird Rilke ganz wesenhaft zu einem Dichter aus der Erfahrung des Neptunischen. Ja man kann geradezu sagen: Er wird zum Sänger der Erfahrung des Neptunischen selbst.“ ([5]) Mit „Erfahrung des Neptunischen“ meint Flüe insbesondere das Grenzüberschreitende, rein „Schwingungshafte“ des Neptun, welches für Rilke immer wieder als Hintergrund-Erfahrung das Werk geprägt habe. Freilich: nicht nur das Werk, sondern eben auch Rilkes höchst vielfältiges und von immer neuen Illusionen angetriebenes Beziehungsleben.

Berühmt wurde der Kommentar von Rilkes Gönnerin Marie von Thurn und Taxis, welche ihm in einem Brief vom März 1915 den Spiegel vorzuhalten suchte („Dottor serafico“ war ihr Privatname für ihn): „Dottor Serafico!!! Eigentlich möchte ich Sie furchtbar verschimpfen — ich glaube Sie würden es nothwendig brauchen wirklich ausgezankt zu werden wie ein Baby — der Sie ja auch eines sind, obwohl dabei ein großer Dichter. Aber Dottor Serafico, jeder Mensch ist einsam, und muß es bleiben und muß es aushalten und darf nicht nachgeben und muß die Hilfe nicht in andern Menschen suchen sondern in dem geheimnisvollen Walten das wir in uns fühlen, ohne es zu kennen oder zu verstehen —. Und wer fühlte es so wie Sie, Sie Gottbegnadeter, Sie Undankbarer! Und was brauchen Sie immerfort dumme Gänse retten zu wollen, die sich selbst retten sollen — … Es kommt mir vor, D. S., daß der selige Don Juan ein Waisenknabe neben Ihnen war — Und Sie thun sich immer solche Trauerweiden aussuchen, die aber gar nicht so traurig sind in Wirklichkeit, glauben Sie mir — Sie, Sie selbst spiegeln sich in allen diesen Augen.“ ([6])

Biografisch wirkt sich das in einem immer wieder ähnlich ablaufenden Beziehungsmuster aus: Schnelles Kennenlernen, rauschhafter, teils ekstatischer Beginn mit emphatischem Austausch von Liebesbekundungen (Mars-Neptun-Phase), wenige Wochen bis Monate innige Liebesbeziehung, die dennoch bereits zuviel Nähe und Verpflichtung zu meiden sucht (Venus-Phase), Sich-Entziehen und Flucht vor zu viel Nähe (der 8. Haus-Neptun, Herrscher des 7. Hauses, gewinnt die Oberhand). Schließlich in vielen Fällen Phase vier: Briefkontakt, oft lebenslang und sehr intensiv (wie etwa mit Clara oder Lou) – die Merkur-Phase, denn Merkur ist ja in der Figur als „Analytiker“ (Merkur in Skorpion) mit assoziiert.

Im Übrigen besteht daneben ein zweites Beziehungsmuster, das Rilke gern zum Vorwurf gemacht wurde: Frauen, die ihn unterstützen, ihm Unterkunft geben und nicht zuletzt finanziell aushelfen. Die im Großen und Ganzen sehr erfreulich aspektierte Venus zeigt sich hier fördernd, ist doch auch der Gönner Jupiter ihr Herrscher. Der Vorwurf an Rilke: Er habe Frauen diesbezüglich ausgenutzt, eine negative Neptun-Entsprechung. Darüber zu urteilen, steht mir hier nicht an, vielfach wurde aber von solchen Frauen in Rückblicken ihrer Verbindung zu Rilke betont, dass sie auf künstlerisch-geistiger Ebene unglaublich von Rilke profitierten.

Außerdem war Rilke berühmt dafür, als Seelentröster zu wirken, wenngleich seine Worte oft Radikalität und große Deutlichkeit besaßen (Lilith in Aspekt zur AC/DC-Achse). Wir sehen hier auch eine Überlagerung mit dem Mond-Saturn-Komplex, der bei aller Problematik im großen Kreuz als Kraft doch eben auch Erdung und Stabilisierung durch mütterliche Frauen mit sich bringt. Hier ist z. B. an die Freundin und Verlegerin Katharina Kippenberg zu denken, die ihn zusammen mit ihrem Mann jahrzehntelang unterstützte und in jeder Hinsicht förderte, an die materiell und geistig großzügige Fürstin Marie von Thurn und Taxis, die Reform-Pädagogin Ellen Key oder nicht zuletzt an Nanny Wunderly-Volkart, die Rilkes letzte Lebensjahre hingebungsvoll begleitete und die einzige war, die er in der Endphase seiner Leukämie-Erkrankung noch an sich heran ließ.

Die Anzahl der Frauen, mit denen Rilke flirtete, sich in Beziehungen einließ, die er inspirierte oder die von ihm sich bereichert und geliebt fühlten, die ihm halfen oder denen er wiederum beistand, ist wahrlich fast unüberblickbar und rein mengenmäßig beeindruckend (auch die unglaublichen Mengen an gewechselten Briefen!). Rilkes Venus in Schütze, im Sextil angefeuert vom geistig hochaktiven Wassermann-Mars, hat hier wahrlich ganze Arbeit geleistet.

Der Mond im großen Kreuz: Hier kommen wir zum Kern von Rilkes Mutter-Komplex. Der Mond steht in Konjunktion zu Saturn, was an sich schon eine Belastung durch Schuldgefühle, moralische Enge oder gesellschaftliche Konventionen ausdrückt. Dieser Saturn ist aber zudem sehr stark und dominiert den Mond massiv; in Wassermann steht er nämlich in seinem Domizil, muss sich allerdings im großen Kreuz gegen Jupiter, Uranus und Pluto „verteidigen“ und hat somit wenig Muße, sich überhaupt mit dem Mond, dem realen oder inneren Kind, zu befassen. Jupiter, Uranus und Pluto mögen hier für störende oder überfordernde Energien stehen, die die Außenwelt dem Horoskopeigner zumutet und die er als gewaltsam und zwingend empfinden muss. Der bekannte Beginn der ersten Duineser Elegie spricht unmissverständlich von dieser Erfahrung der Überwältigung durch übermächtige Kräfte:

„Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.“ ([7])

Dass des „Schrecklichen Anfang“ es immerhin gelassen verschmäht, ganz und gar zerstörerisch zu wirken, mag aus Sicht von Rilkes Radix dem Jupiter zu verdanken sein, der in diesem schweren Kreuz, das es zu tragen gilt, bei aller Schicksalhaftigkeit doch noch eine Ahnung von der Sinnhaftigkeit dieses schweren Prozesses erwecken kann. Rilke als hypersensibles Kind hatte offensichtlich Erfahrungen traumatischer Natur verinnerlicht, die sich erst im Laufe seines Lebens freisetzten und große Anstrengungen der Bewältigung und Einordnung in seine Sicht von Leben und Tod erforderten. Aus dieser Erfahrung heraus formte Rilke einen psychologischen „kategorischen Imperativ“, der sein Spätwerk konsequent formte: „Wolle die Wandlung!“

Ein Letztes in Rilkes Radix sei hier noch betrachtet: die Herrscher des 7. Hauses, welches ja Hauptort für Beziehungen ist. Wir finden als „alten Herrscher“ Jupiter, als neuen Neptun. Beiden ist sicherlich Überschwang eigen, Neptun zusätzlich noch die Sehnsucht nach Entgrenzung und idealistischer Überhöhung. Jupiter als „alter Herrscher“ von Haus 7 in Haus 3 im Zeichen Skorpion: Dieser Jupiter, auch er auf der Nachtseite der Radix stehend, lässt Beziehung zur Innenreise werden, mit dem Anspruch auf Transformation. Im Haus der Geschwister stehend, gibt er nochmals einen Hinweis darauf, wie sehr der frühe Abbruch einer Geschwisterbeziehung, die gar nicht zustande gekommen war (Skorpion hier als Symbol des frühen Todes von Zesa), Rilkes häufig abbrechende Liebschaften geprägt hat.

Da in Haus 3 aber auch Kommunikation, Schreiben, Wissenserwerb und Sprache zuhause sind, wird deutlich, wie sehr Beziehung in aller möglichen Brüchigkeit (Jupiter im großen Kreuz!) den literarischen Weg Rilkes vorangetrieben hat. Auch die Beziehung zu sich selbst (erster Quadrant) wird zum Stoff, den Rilke lyrisch überhöht oder kaum verdeckt autobiografisch in seinem einzigen Roman, dem „Malte“, umsetzt. Das gewaltige Ringen um das Werden und den Bestand der Person an sich zeigt sich in Jupiters Eingespanntsein in das Kreuz mit Saturn/Uranus/Pluto. Die Angst vor der Vernichtung der eigenen Person, ja, vor dem Abgleiten in den Wahnsinn wird im „Malte“ zur Verlorenheit des modernen Menschen an sich, der immer wieder versucht, sich seiner existenziellen Gefährdung und Einsamkeit zu entziehen.

In dieser Werkphase findet Rilke noch nicht zu der tragenden Kraft, die sich dann im Spätwerk manifestiert. Hier ist das Motto noch: „Überstehen ist alles“, Schlusswort seines „Requiems für Graf Kalckreuth“. Der ungeheure Anspruch, den die kollektiven Archetypen des großen Kreuzes auf Rilkes Mond projizieren und via Jupiter auch ins 7. Haus transportieren, erzeugt einen lebenslangen Zwiespalt zwischen den Anforderungen einer Beziehung, die Nähe, aber auch viel Hingabe verlangt, und den großen Anforderungen seiner künstlerischen Berufung. Rilke fühlt immer wieder, dass er sein Hauptwerk, die Duineser Elegien, um die er zehn Jahre lang rang, nur in der Einsamkeit schaffen kann. Seiner letzten großen Liebe, Baladine Klossowka, genannt „Merline“, mutet er diesen Spagat immer wieder zu.

„Alles Lebendige, das Anspruch macht, stößt in mir auf ein unendliches Ihm-recht-geben, aus dessen Consequenzen ich mich dann schmerzlich wieder zurückziehen muß, wenn ich gewahre, daß sie mich völlig aufbrauchen.“. ([8])

Neptun als Herrscher von 7: Das letzte Zitat spricht eindeutig von einem neptunischen Problem: die Abgrenzung zum geliebten Du so sehr aufzugeben, dass das eigene Ich verloren zu gehen droht. Rilke spricht in diesem Zitat zwar von der Überlegung, einen Hund anzuschaffen (und wieso er es dann doch nicht tut), das Thema ist aber bei Frauenbeziehungen dasselbe: zu sehr im Schwingungs- und Emotionsfeld des anderen zu sein und sich dann irgendwann „aufgebraucht“, energetisch ausgelaugt zu fühlen, v. a. dann, wenn der geliebte Mensch selber Probleme zu bewältigen hat, nicht in seiner Mitte ist.

Weil der Neptun im 8. Haus steht, scheint Rilke hier auch in die tiefen, krisenhaften Zonen des Unterbewusstseins anderer Menschen hineingeraten zu sein. Er hatte immer wieder große Angst, in diesen Abgründen unterzugehen. Gleichzeitig kann Neptun in Verbindung mit Mars und Venus aber auf das Erotische nicht ganz verzichten. Der Versuch einer Sublimation in ein „mönchisches“ Eremitendasein ist zwar immer wieder da, hat aber selten länger Bestand. Durch Neptun erhält die Liebe für Rilke ein überaus idealistisches Gepräge – die Gegenseite: Enttäuschung, Desillusionierung und gegenseitige Einsamkeit in einem nur noch formalen Zusammensein werden aber ebenso eindringlich in seinen Briefen und in seinem dichterischen Werk angesprochen.

Auszüge aus seiner ersten Duineser Elegie lassen dieses sehr disparate, schwankende und dennoch hohe Erleben anklingen:

„Sehnt es dich aber, so singe die Liebenden; lange noch nicht unsterblich genug ist ihr berühmtes Gefühl. Jene, du neidest sie fast, Verlassenen, die du so viel liebender fandst als die Gestillten.“ ([9])

Typisch neptunisch: Lieber noch will er sich mit den liebenden Gefühlen Verlassener beschäftigen als mit denen, die „gestillt“ sind, will sagen: in einer zufriedenen, erfüllten Beziehung seiend. Und noch radikaler:

„Ist es nicht Zeit, daß wir liebend uns vom Geliebten befrein und es bebend bestehn: Wie der Pfeil die Sehne besteht, um gesammelt im Absprung mehr zu sein als er selbst. Denn Bleiben ist nirgends.“ (9)

Rilkes eigene Versuche, sich „liebend von der Geliebten zu befreien“, misslangen sämtlich. Der Anspruch war zu hoch. Wir spüren in diesen Sätzen, dass Beziehung bei Rilke auf Kosmisches zielt, dass die eigentliche Beziehung, die er meint, mystischer Natur ist. Und so ist nicht zufällig sein „Stundenbuch“, in welchem das lyrische Ich als radikaler Gottsucher auftritt und ständig um eine innige Beziehung zu Gott ringt, sein erstes weithin bekanntes Buch geworden. Das Ringen um diese mystische Beziehung prägt auch Rilkes dichterisches Motiv des Engels, welcher keineswegs als christlicher Engel zu verstehen ist. Eher als Archetyp transsaturnischer Natur, den Rilke immer wieder herauszufordern sucht, der gleichzeitig ihn zu zerbrechen droht.

„Jeder Engel ist schrecklich. Und dennoch, weh mir, ansing ich euch, fast tödliche Vögel der Seele, wissend um euch… Träte der Erzengel jetzt, der gefährliche, hinter den Sternen eines Schrittes nur nieder und herwärts: hochaufschlagend erschlüg uns das eigene Herz. Wer seid ihr?“ ([10])

Die Auseinandersetzung mit diesen Archetypen, die Rilke „Engel“ nennt, ist uns Astrologen vertraut. Und so birgt sein Werk für jeden astrologisch Interessierten eine tiefe Fundgrube an kosmischen Erkenntnissen, die Rilke in wunderschöne, manchmal auch rätselhafte Sprache gekleidet hat. Lauschen wir zum Schluss Auszügen seiner letzten, der zehnten Elegie, in welcher Rilke fiktive Sternbilder kreiert hat, die symbolische Stadien seines inneren Werdegangs ausdrücken mögen:

 …Und höher, die Sterne. Neue. Die Sterne des Leidlands.
Langsam nennt sie die Klage; - Hier,
siehe: den Reiter, den Stab, und das vollere Sternbild
nennen sie: Fruchtkranz. Dann, weiter, dem Pol zu:
Wiege; Weg; Das Brennende Buch; Puppe; Fenster.
Aber im südlichen Himmel, rein wie im Innern
einer gesegneten Hand, das klar erglänzende >M<,
das die Mütter bedeutet ...... –

Doch der Tote muß fort, und schweigend bringt ihn die ältere
Klage bis an die Talschlucht,
wo es schimmert im Mondschein:
die Quelle der Freude. In Ehrfurcht
nennt sie sie, sagt; - Bei den Menschen
ist sie ein tragender Strom.“ ([11])

Die Schütze-Kraft obsiegt: Trotz aller Dunkelheit und Todesnähe schimmert hier „die Quelle der Freude“. Ein weiteres Symbol des 4. Hauses, in dem sich Rilkes Sonne ja befindet: Hier, tief unten, entspringt eine Quelle, voll heilender und segnender Kraft, die den Lebensbaum des Menschen nährt. Wer den Weg hierher wagt, ans Tor des 4. Hauses, tief in das Mysterium dieses Nachthauses hinein, wird deren stärkende Kräfte finden, sofern er sich seinen Ängsten stellt. Das wird dann allerdings Konsequenzen erfordern, um es mit den Worten Rilkes zu sagen:

„…denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht.

Du musst dein Leben ändern.“

(aus: „Archaischer Torso Apolls“)

 

Quellenangaben:

1 Daniel Möglich, zitiert nach mitrilkedurchdasjahr.blogspot.de, 10.11.2011, „Rilke und die Frauen“

2 Georg de Courtenay, in: mitrilkedurchdasjahr.blogspot.de, 10.11.2011, „Rilke und die Frauen“

3 zitiert nach Lou Andreas Salome, Rainer Maria Rilke, Severus Verlag 2010, S. 76

4 Willi Nef im Schweizer Rosenblatt (12/1971)

5 Bruno von Flüe, Das ganze Gesicht meiner Jahre, Kreuz Verlag 1988, S. 55

6 Ernst Zinn (Hrsg.), Rilke – Briefwechsel mit Marie von Thurn und Taxis, Insel Verlag 1986,

S. 32, Brief vom 6.3.1915

7 Rainer Maria Rilke, Die Gedichte, Insel Verlag, 2006, S. 689

8 Ernst Pfeiffer (Hrsg.), Rilke – Briefwechsel mit Lou Andreas Salome, Insel Verlag 1989, S. 457

9 Rainer Maria Rilke, Die Gedichte, Insel Verlag, 2006, Erste Elegie, S. 689 f.

10 Rainer Maria Rilke, Die Gedichte, Insel Verlag, 2006, Zweite Elegie, S. 692

11 Rainer Maria Rilke, Die Gedichte, Insel Verlag, 2006, Zehnte Elegie, S. 716

 

Martin Trosbach Kontakt: Martin Trosbach

Heilpraktiker, Psychotherapeut, Supervisor

Oberzellerstr. 43
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Tel.: 09468 / 906 742

E-Mail:

Internet: www.zell-seelenarbeit.de

 

Martin Trosbach ist geprüfter Astrologe DAV, Heilpraktiker und Musiklehrer am Robert-Schuman-Gymnasium in Cham/Oberpfalz. Neben seiner musikalischen und pädagogischen Ausbildung (Gesang, Violoncello, Dirigieren und Musiktheater) beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit Psychologie und Spiritualität. 1990 legte er die Heilpraktikerprüfung ab, absolvierte später eine fünfjährige Astrodrama-Ausbildung bei Friedel Roggenbuck. Von 2002 bis 2005 ließ er sich bei Barbara Althoff-Koch in „personaler Leibarbeit" ausbilden, einer körpertherapeutische Therapieform, welche auf der „initiatischen Therapie" Graf Dürckheims gründet. Neben Achtsamkeits-Übung, Stimmarbeit, Psyche und Familienstellen bezieht diese Therapieform auch spirituelle Ansätze, z. B. Zen, mit ein. 2012 ergänzte er seine therapeutische Ausbildung durch eine Fortbildung in „EMDR - Ganzheitliche Traumatherapie" bei Rudolf Schneider in München (Gilching). Seit 2005 arbeitet er zusammen mit seiner Frau Susanne als Therapeut, Astrologe und Heilpraktiker im „Zentrum für kreative Seelenarbeit“ in Zell bei Regensburg. 2012 gründete er dort „Ad Astra“ – Zentrum für Astrologie und Heilung, welches astrologische Beratung, Ausbildung und Fortbildungen ermöglicht.

 

Horoskop Thomas Gottschalk

Gute Chancen für ein Comeback Thomas Gottschalks

Wetten, dass... er vielleicht doch zurückkehrt?

 

Von  Mirjam Schneider

Es war eine ziemlich dramatische Trennung damals: Nach 24 Jahren war Schluss, Thomas Gottschalk verabschiedete sich von seiner  „großen Liebe“, der Unterhaltungsshow „Wetten, dass…?“. Sein Nachfolger, Markus Lanz, gab in seinen Schuhen keine gute Figur ab – das endgültige Aus der Sendung wurde verkündet. Nun macht eine Neuigkeit die Runde, die aufhorchen lässt: Laut der Zeitschrift „Bunte“ soll die Sendung nicht eingestellt werden und Thomas Gottschalk gar ein Comeback als Moderator haben! Dieser dementiert das Gerücht: Da wisse die „Bunte“ mehr als er, sagt der 64-Jährige. Niemand vom ZDF habe ihn kontaktiert, und er sei ja 2015 noch bei RTL unter Vertrag. Ein „Nein“ ist das aber nicht. Oder?

HOroskop, Abschied von Wetten dass

Was sagen die Sterne dazu? Nun, verdächtig ist es schon, dass diese Meldung in die Medien kommt, just als der Jupiter über Gottschalks MC läuft.Das ist doch eine Ankündigung, die Hoffnung macht! Immerhin steht Jupiter als Herr von 3 in 10. Wobei ja der Jupiter oft sehr großzügig ist, aber auch mehr versprechen kann als er hält. Immerhin aktivieren aktuell Sonne und Merkur in Gottschalks 10. Radix-Haus die Planeten Venus, Mond und Neptun. Transit-Mars, zuständig für sein 6. „Arbeitshaus“, aktiviert Anfang September den Radix-Mars im Sextil – auf ein Neues? Vor nicht allzu langer Zeit, Mitte Juli nämlich, lief sein DC-Herrscher Mars über den Aszendenten – wirklich niemand ist auf ihn zugekommen? Hmm, das wäre erstaunlich! Uranus wird noch eine ganze Weile die AC-Herrin Venus in Widder, ebenfalls im 6. Haus, mobilisieren –  Ideen zu neuen Projekten können sicherlich noch eine ganze Weile für Unruhe sorgen. Unter Transit-Saturn am Aszendenten nahm der Moderator schweren Herzens Abschied, nun verlässt Saturn bald sein 1. Haus und kann ihn im 2. Haus (die Oppositionen zu Merkur und Sonne in Stier stehen bevor) wieder verstärkt auf das Altbewährte aufmerksam machen, das ihm noch immer so viel bedeutet.

Combin-Horoskop von Gottschalk und Wetten dass

Nun zum Combin-Horoskop von Gottschalk und „Wetten, dass…?“: Dort ist zu sehen, dass Saturn, Herr des 10. Hauses, der Entwicklungsziele, aktuell Pluto/Uranus und bis Jahresende noch Venus/Neptun (die sehnsüchtige Liebe!) und Mars (Herr von 1) aktiviert. Mars selbst wird sehr bald seinen Return Ende Skorpion machen, was immer ein Zeichen für den Beginn eines neuen Schaffens-Zyklus ist. Transit-Pluto schließlich, der große Transformator über den Weg der Krise und des Leidens, umkreist das Combin-MC! Bekanntlich hat sich der einst so populäre Moderator in anderen Formaten danach nicht gerade mit Ruhm bekleckert und einen Flop nach dem anderen gelandet. „Wetten, dass…?“ ist sein Ding, ja wirklich die große Liebe. Angesichts dieser Tendenzen lässt sich sagen: Das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen.

Gepostet erstmals:  8.7.2014

 

Mirijam Schneider

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Mirjam Schneider (geb. 1977 in Hannover), lebt 2012 in England. 2010 legte sie die DAV-Prüfung ab. Sie arbeitet als astrologische Beraterin und Autorin. 2011 übernahm sie die Monatshoroskope der Frauenzeitschrift „Jolie“, 2012 folgten die Wochenhoroskope für die „Laura“. Seit 2007 schreibt sie Porträts über internationale Stars im von Markus Jehle herausgegebenen und vom DAV empfohlenen Astrologie-Magazin „Meridian“. Ihre Analysen wurden auch im British Astrological Journal und im Mountain Astrologer (USA) veröffentlicht. Im April 2014 folgten Promi-Porträts für das britische Onlinemagazin „female first“.