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Prognosen – wer überprüft welche?

Prognosen, nicht nur in der Astrologie

Klemens Ludwig: Wer überprüft welche?

Am 7. Januar, einen Tag nach dem Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol in Washington, kommentierte der ARD-Korrespondent Arthur Landwehr: „Trump wird ein Machtfaktor bleiben“. Ende Dezember, als eine solche Eskalation noch nicht absehbar war, schrieb ich in Jahresprognosen, unter anderem für die Fuldaer Zeitung, „Trumps Stern wird schnell sinken“.

Hier zunächst nachzulesen der Kommentar des ARD-Korrespondenten Arthur Landwehr: www.tagesschau.de/kommentar


Bei meinen eigenen Prognosen zu Trump bezog ich mich vor allem auf dessen aktuelle Transite: Neptun, der in ein Quadrat zu seiner Vollmond-Achse auf 22°50‘ Zwillinge-Schütze läuft, mit der Mondknotenachse auf 20°48‘ Zwillinge-Schütze unmittelbar davor. Ich will an dieser Stelle nicht Trumps Radix und die aktuellen Konstellationen weiter erörtern – darüber sind zahlreiche Artikel in diversen Print- und Online-Medien veröffentlicht worden. Es geht mir mehr um die Prognose. Sollte Arthur Landwehr Recht behalten und ich damit Unrecht, kann ich davon ausgehen, dass meine Fehlprognose bei der Generalabrechnung der GWUP mit „Astrologen und anderen Wahrsagern“ zum Jahresende eine prominente Stellung einnimmt. Sollte ich Recht behalten und Arthur Landwehr sich täuschen – wovon ich selbstredend ausgehe – frage ich mich, ob die Fehleinschätzung eines ausgesprochen renommierten Korrespondenten noch irgendjemanden interessiert?

Es gibt noch weit extremere Fälle, bei denen fundamentale Fehlprognosen in weltpolitischen Fragen die Karriere der betroffenen Prominenten eher noch befördert hat. Der für mich extremste Fall ist Francis Fukuyama, der amerikanische Politologe mit japanischen Wurzeln, der 1992 mit dem Buch „Ende der Geschichte“ einer großen Öffentlichkeit bekannt wurde. Darin vermittelt er die optimistische Einschätzung der globalen Politik, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten zu einem weltweiten Durchbruch von Demokratie und wirtschaftlichem Liberalismus führe. Der Anschlag auf das World Trade Center neun Jahre später, die brutalen Bürgerkriege im Nahen Osten, das Wüten des Islamischen Staates und der Boko Haram im westlichen Afrika (mit dem vielsagenden Namen „Westliche Bildung ist Sünde“), der weltweite Vormarsch Demokratie-verachtender Populisten jedweder Coleur oder das offene Auftreten rechtsradikaler Kräfte in den USA, die aus ihrer Verachtung für Demokratie und Liberalismus keinen Hehl machen, zeigen, wie gnadenlos sich Fukuyama getäuscht hat. Die Konsequenz? Er ist mehr denn je ein gefragter Experte in globalen Fragen, um dessen Expertisen und Gastbeiträge sich alle „Qualitätsmedien“ bemühen.

Geht es um die Astrologie, werden selbst die skurrilsten Prognosen ernst genommen und ihren Verbreitern am Jahresende vorgehalten, jüngst etwa: „US-Präsident Donald Trump siegt bei den Wahlen – anschließend kommt es zum Weltuntergang.“ Seit wieviel tausend Jahren ist der Weltuntergang der Renner unter den Prognosen…? Oder „Ein Riesenaffe im King-Kong-Format wird auf einer einsamen Insel entdeckt.“ Oder „Ein Roboter überfällt eine Bank und Pinguine belästigen Menschen in einer Stadt.“ Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Menschen unseres Fachs gibt, die so etwas im Ernst behaupten. Sie werden nur bierernst von der GWUP aufgegriffen.

Natürlich müssen es Prognosen und die Prognostiker ertragen, auf ihre Substanz überprüft zu werden. Aber warum diese doppelten Standards? Die Antwort könnte lauten, weil es letztlich um etwas ganz Anderes geht, nämlich darum, die Astrologie zu diskreditieren. Das hatte durchaus eine gewisse Wirkung, solange die GWUP das Monopol und die Deutungshoheit über die Astrologie besaß. Diese Zeiten sind vorbei und die Medienberichterstattung über die Astrologie zeigt, dass der Fokus nicht auf skurrilen Prognosen liegt, mit denen sich ihre Urheber eher einen Scherz erlauben wollten. Das ist gut so, und der DAV wird sich weiterhin dafür stark machen, dass die Astrologie so wahrgenommen wird, wie es dieser alten Erfahrungswissenschaft gebührt.

Klemens Ludwig

Über den Autor

Astrologe Klemens Ludwig

Klemens Ludwig

Tel: 07071 / 76 916 oder 0170 / 407 3981
E-Mail:
Internet: www.astrologie-ludwig.de

Der Publizist und Tibetkundler Klemens Ludwig, geprüfter Astrologe DAV, wurde am 2. Oktober 2015 zum 1. Vorsitzenden des Deutschen Astrologen-Verbandes gewählt. Zusammen mit Daniela Weise verfasste Ludwig das „Große Lexikon der Astrologie“, das eine wesentliche Grundlage für AstroWiki bildete. 1995 erhielt er den Journalistenpreis Astrologie des DAV für seine Bemühungen um eine „objektive Darstellung des Themas Astrologie“.

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