Tarot-Tag_Vortrag Klemens Ludwig

Tarotsonntag unter dem Motto

„Mit Tarot im Wandel sein“

The Magician

Am Sonntag, den 19. Juni 2016, gab es wieder ein Vortragsprogramm, das allen Tarotfreunden offen stand, ganz gleich, ob sie Mitglieder des Vereins oder interessierte Außenstehende waren. Kirsten Buchholzer konnte gut dreißig Teilnehmer begrüßen, die den Vorträgen und Workshops aufmerksam und mit Begeisterung folgten. Zuvor hatte Ragna Axen uns mit ihrer Meditation das Herz geöffnet und für die vielen Eindrücke empfänglich gemacht, die nun auf uns zukommen sollten. Ein Markt der Möglichkeiten, auf dem man verschiedene Bücher, Karten, Bilder und – ja, auch Zauberstäbe erwerben und sich von Ragna Axen behandeln lassen konnte, rundete auch diesen Tarotsonntag ab.

Leider musste das Programm wegen der Erkrankung von zwei Referenten kurzfristig geändert werden. Die Teilnehmer hörten mit Bedauern, das James Wanless die Reise nach Deutschland nicht hatte antreten können. Viele hatten sich auf ihn gefreut. Auch die Ausführungen von Melanie Assangni waren mit Spannung erwartet worden, hatte man doch gehofft, dass sie Neues über ihre Erfahrungen mit der Selbständigkeit auf dem Gebiet des Tarot berichten würde.

Das Gute daran war, dass Klemens Ludwig auf diese Weise mehr Redezeit erhielt, so dass er sein Grußwort, welches er in der Funktion des ersten Vorsitzenden des DAV an uns richtete, zu einem Vortrag erweitern konnte. Dabei ging er auf das Thema ein:

Astrologie und Tarot natürlich verbunden

In lebhafter und kurzweiliger Art berichtete Klemens Ludwig zunächst über seinen persönlichen Weg zu Astrologe und Tarot. Interessanterweise war es zunächst der Tarot, der seine Aufmerksamkeit weckte. Das lag vielleicht daran, dass ein Lehrer ihm in jungen Jahren den Zugang zur Astrologie verbaut hatte, indem er seinen Schülern mit auf den Weg gab, dass der Unterschied zwischen Astrologie und Astronomie in einem „L wie Lüge“ bestehe. So waren es nicht Astrologie-, sondern Tarotseminare, die er zuerst belegte. Erst später öffnete er sich ihm auch die Astrologie.

Klemens Ludwig ist sehr viel gereist. Auch heute führt ihn sein Weg immer wieder nach Tibet. Tarotkarten wurden seine ständigen Reisebegleiter, und unerwartete Erfahrungen blieben dabei nicht aus. Auf einer Reise ins Baltikum beispielsweise wurde ihm eine Tasche mit den wichtigsten Reisedokumenten gestohlen, zu denen auch ein Tarotdeck zählte. Später sollten alle Dinge wieder auftauchen – nur die Karten blieben verschwunden. Offenbar hatten sie die Begehrlichkeit der Diebe mehr geweckt als Visa und Reisepass. Auf einer Reise nach Tibet hingegen hatte Klemens Ludwig seine Karten vergessen. Da in Hongkong kein Deck zu bekommen war, fand er sich damit ab, diesmal ohne Karten zur reisen. Doch gerade da, als er den Gedanken an die Karten losgelassen hatte, fand er ein ihm noch völlig neues Deck, das Mythologisches Tarot von Liz Green. Gerade diese Karten sollten im Laufe der Zeit eines seiner Lieblingsdecks werden. Ohne diese kleine Vergesslichkeit hätte er diese Karten aber vielleicht nie zu Gesicht bekommen. Immer wieder sind es also die Tarotkarten, die in seinem Leben wichtige Entwicklungen markieren und beeinflussen.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen ging Klemens Ludwig darauf ein, welche Merkmale Tarot und Astrologie verbinden. Beiden Systemen ist gemein, dass sie mehr oder weniger spekulativ sind. Interpretationen ergeben sich erst, wenn das, was wir am Himmel oder in den Karten sehen, sich zu überzeugenden Bildern formt, die Licht und Schatten sichtbar machen. Die Astrologie basiert dabei auf der Kombination aus der Sternenbeobachtung der Babylonier und dem mathematischen Geist der Griechen. So formte sich diese Wissenschaft in der Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends aus. Tarot als überliefertes System ist zwar jünger und lässt sich lediglich bis in die Renaissance nachweisen. Doch sind auch hier Wurzeln erkennbar, die viel weiter zurück reichen, auch wenn man diese heute nicht eindeutig benennen kann.

Klemens Ludwig findet es schade, dass viele Astrologen die griechische Mythologie so wenig kennen, denn sie ist der Kern der astrologischen Darstellung. Uralte Sternbilder, die die Menschen schon sehr lange beobachtet haben, werden mit mythologischen Wesenheiten besetzt, die mit ihren Eigenheiten wiederum nachvollziehbar und überzeugend für menschliche Fähigkeiten und Wesensmerkmale stehen. Nur dadurch werden sie uns verständlich. Und beim Tarot ist es nicht anders: Die Karten fußen auf archaischen Systemen, die von der Mythologie überformt wurden.

Einen weiteren Verbindungspunkt stellt die Lehre von den vier Elementen dar, die in beiden Systemen erscheint, und auch die Naturanalogie der vier Jahreszeiten mit einbezieht. Der tropische Tierkreis stellt in diesem Sinne eine enge Verbindung zum Tarot her. Und nicht zu vergessen die Zahlenmystik, die in beiden Systemen zum Tragen kommt.

Warum schließen sich also nicht alle Astrologen und Tarotkenner zusammen und erschaffen ein einheitliches System? Offenbar weil es auch Unterschiede gibt, so dass man bei der Anwendung der Systeme differenzieren sollte. Klemens Ludwig erläutert, was in seiner eigenen Praxis den Unterschied ausmacht. Tarotkarten, so sagt er, sind greifbar. Man kann sie als Bilder zur Hand nehmen und augenblicklich damit arbeiten. Der astrologischen Beratungen stellen sich hingegen einige Hindernisse in den Weg. Zum Beispiel sind Informationen erforderlich, um die notwendigen Berechnungen auszuführen und ein Horoskop zu erstellen. Erst dann geht es an die Ausdeutung.

Tarot stellt eine wunderbare Chance für die direkte Begegnung mit dem Leben dar. Mit den Karten ist es sehr gut möglich, auf unmittelbare Lebensfragen einzugehen. Auch die Astrologie bietet im Stundenhoroskop differenzierte Möglichkeiten an. Aber Klemens Ludwig bekennt sich dazu, dass er in solchen Situationen lieber die Karten zu Rate zieht. So hat ihm Tarot einmal die Entscheidung für eine Tibetreise erleichtert, die er entweder hätte allein machen oder verschieben müssen. Die Karten rieten ihm zu reisen. Es erwies sich später, dass diese Reise überaus wichtig für ihn werden sollte, gerade weil er allein reiste. Die Karten lassen uns den Zugang zu unserem inneren Wissen und unseren Entscheidungen finden. Auch ist es eine Beobachtung von Klemens Ludwig, dass der Tarot sich gerade jüngere Menschen schneller erschließt als die Astrologie.

Klemens Ludwig schloss seinen Vortrag mit der Feststellung, wie froh er ist, dass es beide Systeme gibt. Und er freut sich, dass die beiden Vereine, der Tarot e.V. und der DAV, nunmehr befreundet sind. Wir verfügen über verschiedene Erfahrungen, aber eine gemeinsame Basis. Lasst uns also zusammen bringen, was zusammen gehört.