Interview mit Karen Hamaker-Zondag

Karen Hamaker Zondag

Foto: © Karen Hamaker-Zondag

Interview vom DAV mit Karen Hamaker-Zondag

„Schnell, schnell“ funktioniert nicht

 

Klemens Ludwig sprach mit ihr über die Besonderheiten des Beratungshoroskops, die gesellschaftliche Akzeptanz der Astrologie und ihren außergewöhnlichen Werdegang.


DAV: Du bist Gast auf unserem Kongress im Oktober in Bonn und sprichst zum Thema „Das Beratungshoroskop als Instrument für Astrologen und Einsteiger“. Was verstehst du darunter? Ist nicht jedes Horoskop ein Beratungshoroskop??

Karen Hamaker-Zondag: Nein, das Beratungshoroskop ist etwas Spezielles, es ist ein modernes Stundenhoroskop für deren Deutung ich die Regeln der modernen Stundenastrologie benutze. Die moderne Stundenastrologie ist in mancher Hinsicht anders als die Klassische Stundenastrologie.

DAV: Zum Beispiel?

Karen Hamaker-Zondag: Uranus, Neptun und Pluto sind ein wichtiger Bestandteil der Deutungspraxis. Sie repräsentieren in der modernen Stundenastrologie die gesellschaftlichen Themen, die über das persönliche hinausgehen. Zudem verzichtet die moderne Stundenastrologie auf sehr eindeutige Zuweisungen und auch die Triplizitätenherrscher spielen keine so große Rolle wie im klassischen Stundenhoroskop. Als Häusersystem benutze ich Placidus.

DAV: Was ist der Ausgangspunkt für ein Beratungshoroskop?

Karen Hamaker-Zondag: Das können verschiedene Anlässe sein, zum Beispiel das Telefonat, in dem eine Frage gestellt wird bzw. ich um einen Auftrag gebeten werde. Oder der Moment, in dem der Klient die Tür öffnet und zu meiner Beratung kommt. Oder der Beginn der Beratung selbst. Nach meiner Erfahrung ist der Moment der Türöffnung, also wenn der Klient erscheint, der günstigste. Er sagt am meisten über das Thema aus, um das es geht.

DAV: Handelt es sich um eine von dir entwickelte Methode?

Karen Hamaker-Zondag: Nein, das ist zu viel gesagt, es ist keine neue Idee. In Deutschland ist die Methode nur nicht so verbreitet, anders als im englischsprachigen Bereich, wo schon lange damit gearbeitet wird. Ich habe sie in meiner Praxis aber weiterentwickelt.

DAV: Die Popularität des Beratungshoroskops in Deutschland wird nach unserem Kongress sicher ansteigen. Was sind denn die Bereiche, in denen du es vor allem verwendest?

Karen Hamaker-Zondag: Man kann es für alle astrologischen Bereiche benutzen. Für eine normale Beratung ist es sehr hilfreich, und besonderes auch wenn man therapeutisch arbeitet. Aber auch in der Wirtschaftsastrologie kann man es gut gebrauchen. In meiner Arbeit für Betriebe erlebe ich ein großes Interesse und eine große Offenheit, wichtige Fragen der Unternehmensführung und –ausrichtung auch unter astrologischen Gesichtspunkten zu betrachten.

DAV: Das klingt überraschend, denn in den gesellschaftlich dominierenden Kreisen ist der Ruf der Astrologie nicht unbedingt besonders gut. Die Wissenschaft hat zumeist nur Polemik für unser Fach übrig.

Karen Hamaker-Zondag: Das kann ich nicht bestätigen. Nach meiner Erfahrung hat sich die Akzeptanz der Astrologie in der Gesellschaft in den letzten zwanzig Jahren erheblich verbessert. Schwieriger geworden sind das Interesse und die Bereitschaft, tiefer in die Astrologie einzudringen. Die nachwachsende Generation bringt nicht genug Geduld für eine fundierte Ausbildung mit, darunter leiden die Schulen. Es soll alles schnell gehen. Kürzlich hat mich sogar jemand gefragt, ob es nicht eine App für die Astrologie gäbe. Aber ‚schnell, schnell’ funktioniert in der Astrologie nicht. Die fundierte Ausbildung ist unerlässlich, wenn jemand tiefer eindringen will.

DAV: Worauf basiert dann aber deine Aussage, dass die Akzeptanz unseres Fachs in der Gesellschaft größer geworden sei?

Karen Hamaker-Zondag: Auf meinen Erfahrungen in anderen Bereichen. Wenn ich heute zu einer Fernsehsendung eingeladen werde, wird damit viel seriöser und positiver umgegangen; ich erlebe keine dummen Versuche mich vorzuführen. Auch Großbetriebe haben eine viel größere Offenheit für die astrologische Sicht zu einer Frage als noch vor zwei Jahrzehnten. Ich wurde zum Beispiel in den Think Tank eines großen Finanzinstituts eingeladen, wo ich mit Philosophen und anderen gesellschaftlich sehr anerkannten Persönlichkeiten neue Ideen und Visionen entwickele. Und auch die Wissenschaftler in dem Rahmen akzeptieren mich als absolut vollwertiges Mitglied und Expertin meines Fachs.

DAV: Du blickst auf eine beeindruckend astrologische Karriere zurück, die alle Bereiche der Astrologie umfasst. Kannst du etwas mehr über deinen Werdegang erzählen?

Karen Hamaker-Zondag: Ich betreibe die Astrologie seit Anfang der 1970er Jahre, aber es ist mir nicht in die Wiege gelegt worden. Ich habe zunächst ein Master-Studium in Geografie, Geologie und Cultural Antropology (Völkerkunde) absolviert. Mein Schwerpunkt war der Umweltschutz bei der Stadt- und Landesplanung, ein Thema, das gerade populär wurde und nichts von seiner Aktualität verloren hat. Während des Studiums habe ich über eine Kommilitonin die Astrologie kennengelernt, die mich sogleich fasziniert hat. Später kam in den USA die Jung’sche Therapie hinzu. Durch sehr konkrete, reale Träume habe ich die Verbindung zwischen der Astrologie und der Jung’schen Therapie erkannt. Das hat mich motiviert, mir Jungs Lehre im Selbststudium anzueignen, allerdings stand ich auch im engen Austausch mit Jungianern in den USA, die mich sehr unterstützt haben.

DAV: Ein naturwissenschaftliches Studium und die Astrologie sind auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Welten. Konntest du mit deinem Studium nach der Hinwendung zur Astrologie noch etwas anfangen oder hast du mit der traditionellen Ausbildung ganz gebrochen?

Karen Hamaker-Zondag: Nein, im Gegenteil, ich konnte sie ganz wunderbar mit der Astrologie verbinden. Durch die Geografie wurde mir die Astro-Kartografie schnell sehr vertraut und zu einem wichtigen Instrument meiner Arbeit. Zudem ist es hoch interessant, die Klimaveränderung und Umweltverschmutzung unter astrologischen Gesichtspunkten anzuschauen und Parallelen zu vergangenen Ereignissen zu ziehen. 1200 Jahre vor Christus hat es ähnliche astrologische Konstellationen gegeben; und große Umweltkatastrophen, die zum Untergang der damaligen Hochkulturen geführt haben. Prof. Eric H. Cline hat dazu ein Buch verfasst, „1177. Der erste Untergang der Zivilisation“. Ich habe astrologische Deutungen dazu beigesteuert. Heute ist es das Phänomen El Nino, das uns durch Klima-Änderungen mehr als vorher bedroht. Solche Zusammenhänge aufzuspüren, interessiert mich sehr. Auch die Entwicklung der EU und der USA sind spannende Themen für die Mundanastrologie.

DAV: Das klingt ganz anders als Jung’sche Therapien. Wie bekommst du so unterschiedliche Bereiche auf einen Nenner?

Karen Hamaker-Zondag: Ich sehe darin keinen Widerspruch. Wir können alle Bereiche des Lebens unter astrologischen Gesichtspunkten betrachten. Insofern betreibe ich mit der gleichen Begeisterung die Individualastrologie, arbeite mit Menschen und finde dabei in der Jung’schen Therapie ein großartiges Hilfsmittel.

DAV: Das wird auch dein Schwerpunkt auf dem Kongress sein. Kannst du uns schon ein wenig verraten, was die Zuhörer von dir erwarten können?

Karen Hamaker-Zondag: Ja, ich werde dort zunächst erläutern, was ein Beratungshoroskop ist. Dazu werde ich mehrere kleinere Beispiele geben. Dann bringe ich ein großes Beispiel, um konkreter zu zeigen, wie es wirkt. Dabei gehe ich auch auf die Transite und deren Auslösungen ein, denn mit einem Beratungshoroskop kann man arbeiten wie mit jedem anderen Horoskop und es ist ungemein spannend zu sehen, wie Transite darauf wirken.

DAV: Herzlichen Dank für deine Erläuterungen zu einer Herangehensweise, die vielen unserer Teilnehmer sicher noch nicht so vertraut ist und den breiten Bogen, den du geschlagen hast, um uns dein astrologisches Spektrum nahezubringen. Wir freuen uns sehr auf deinen Vortrag im Oktober in Bonn.

Das Interview führte Klemens Ludwig.

Über die Referentin

Karen Hamaker Zondag

Karen Hamaker-Zondag


Internet: www.karenhamakerzondag.com

 

 

 

Karen Hamaker-Zondag (1952) hat während ihres Studiums die Astrologie entdeckt und ist heute eine der bekanntesten und gefragtesten Astrologinnen weltweit. Ihre Bandbreite umfasst die Individualastrologie, die sie mit der Jung’schen Therapie verbindet, ebenso wie die Mundan- und Wirtschaftsastrologie. Zudem beherrscht sie die klassischen und vor allem die modernen Deutungstechniken, die sie für ihre Praxis nutzt. Sie ist darüber hinaus nicht nur Beraterin großer Firmen, sondern auch eine engagierte Lehrerin und führt die Astrologieschule Achernar und die Akademie für Angewandte Astrologie in Amstelveen in der Nähe von Amsterdam. Schließlich hat sie über 35 Bücher veröffentlicht, von denen viele auch auf Deutsch erschienen sind. Mehr über ihre Arbeit findet sich auf ihrer Website.

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