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Referenten beim DAV-Kongress: Die Astrologin Monika Heer spricht über „Pluto und das Ruhrgebiet“ (Serie, Teil 4)

Im Untergrund

 

Plutos Reich, die Unterwelt
Plutos Reich, die Unterwelt: Ein Bergmann bei der Arbeit unter Tage, um 1925. Die Kohle wird mit einem Bohrhammer abgebaut. Nach dem Zechensterben der 60er-Jahre hat das Ruhrgebiet einen massiven Wandlungsprozess durchgemacht. Die ganze Region befindet sich seitdem im Umbruch. Welche Perspektiven könnten die nächsten Jahre und Jahrzehnte eröffnen? Diese Frage wird Monika Heer aus astrologischer Perspektive betrachten
Foto: Stadtbildarchiv Herne

Macht und Ohnmacht – Tod und Wiedergeburt: Kein anderer Planet symbolisiert dieses Thema so deutlich wie Pluto. Und kaum ein Landstrich in Deutschland hat in den letzten 200 Jahren derart umwälzende Wandlungsprozesse durchgemacht wie das Ruhrgebiet, das sich in rasantem Tempo von der Agrarregion zum größten industriellen Zentrum Europas entwickelte. Seit dem Zechensterben in den 60er-Jahren macht die Region erneut einen intensiven Wandlungsprozess durch. Die Kohle lockte den Menschen tief ins Erdinnere. Das schwarze Gold zu bergen kam einer Eroberung der Unterwelt gleich. Still ruhen jetzt die Halden. Die Kohle, sie brachte Glanz und Elend. Wie geht es weiter? Kann das einst wohlhabende Ruhrgebiet sich in Zukunft neu positionieren? Als Historikerin und Ausstellungsmacherin hat sich Monika Heer intensiv mit der Geschichte des Ruhrgebiets beschäftigt, als Astrologin untersucht sie den Zusammenhang zwischen den Zeitströmungen und den Planeten-Konstellationen als kosmischer Entsprechung. „Pluto und das Ruhrgebiet“: In ihrem Vortrag beim DAV-Kongress in Bonn (3. bis 5. Oktober 2014) beschreibt die Leiterin des DAV-Ausbildungszentrums Bochum, wie sich die Pluto-Zyklen von 1500 bis zur Gegenwart auf das Ruhrgebiet ausgewirkt haben und welche Aufgaben jetzt, mit Pluto im Steinbock, anstehen könnten.

 

Pluto, der Herrscher der Unterwelt: Regiert er über das Ruhrgebiet?

Das gesamte Ruhrgebiet ist eine Pluto-Gegend! Nirgends sonst ist Plutos Milieu, der Untergrund, von einem derart dichten Straßen- und Wegenetz durchzogen wie hier. Durch den maschinellen Kohle-Abbau verfügt das Gebiet unter Tage über ein eigenes Verkehrsnetz. Pluto als Herrscher der Unterwelt hat immer schon die Höhlen regiert, die Erdspalten. Und Pluto ist natürlich auch Herrscher über die Bodenschätze, über Kohle, Erze, Gold. Und damit ist dieser Planet für das Ruhrgebiet besonders bedeutsam.

 

In der Astrologie ist Pluto ein Macht-Symbol, ein Planet, dessen Energie Krisen provoziert, der aber auch dazu auffordert, sich mit Tiefgang einem Konflikt zu stellen, der Wahrheit ins Auge zu schauen und sich dann, im Idealfall, wie der Phönix aus der Asche zu erheben. Wo steht das Ruhrgebiet heute?

Das Ruhrgebiet kämpft massiv mit den Folgen der Industrialisierung, die eine rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen bewirkt hat. Seit dem Zechensterben der 60er- Jahre müssen wir uns fragen: Wie gehen wir mit dem Verlust der Arbeitsplätze um? Wie gehen wir mit dieser zersiedelten, zerstörten Natur um? Dem Pluto-Zyklus ordne ich bestimmte Phänomene in der Geschichte des Ruhrgebiets zu. Mein Vortrag endet mit der Frage: Wo stehen wir heute? Was bringt die Zukunft?

 

Dann wagen wir doch einen Blick in die Zukunft: Bis zum Jahr 2024 steht Pluto noch im Tierkreiszeichen Steinbock. Was erwartet uns?

Die Gemeinden und Städte des Ruhrgebiets sind hochverschuldet. In Bochum verabschiedet sich nun auch noch Opel, der größte Arbeitgeber. Manche Leute sagen: Hier fährt jetzt alles vor die Wand. Die Infrastruktur leidet überall an Finanzmangel, angefangen beim Nahverkehr, Autobahnen bis hin zu Schulen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen. Aber gleichzeitig wächst auch etwas Neues: Junge Leute gründen Start-ups, eröffnen Cafés, Galerien, freie Theater, Gemeinschaftsgärten entstehen, Menschen initiieren mit wenig finanziellen Mitteln und großem Teamgeist neue Projekte. Es entsteht eine neue Gemeinschaftskultur.

 

How Love Could BeDiese Neonschrift „How Love Could Be“ leuchtet noch bis zum 5. Juli 2014 vom Fördergerüst des Deutschen Bergbau-Museums in Bochum. Der Künstler Tim Etchells nimmt mit dieser LED-Installation am internationalen Kultur-Projekt „This is not Detroit“ teil, in dem es um die Zukunft der Stadt geht. Opel verlässt Bochum – das Ende einer Ära hat begonnen. Wie geht es weiter? Der Titel „How Love Could Be“ ist ein Zitat der ersten Single des legendären Plattenlable „Motown“ aus Detroit: „Bad Girl” von The Miracles (1961). Indem die Zeile des Popsongs in einen anderen Zusammenhang gestellt wird, tauchen neue Fragen auf: „How Love Could Be“: - Was bedeutet dies fürs Ruhrgebiet?
Foto: Monika Heer

Welche Aufgaben könnten auf das Ruhrgebiet zukommen, wenn Pluto in den Wassermann wechselt?

Wenn Pluto in den Wassermann wechselt, wird sich zeigen, was hier Bestand hat. Marode Strukturen werden endgültig zusammenbrechen, wenn sie nicht wirklich tragfähig sind. Denn genau das wird ja unter Pluto im Steinbock geprüft: Welche Strukturen lösen sich auf, welche können erhalten bleiben? Oder um Ernst Otts Pluto-Buch zu zitieren: „Neues Leben blüht aus den Ruinen“.

 

Pluto benötigt knapp 248 Jahre für einen Sonnenumlauf. Sie wollen bei Ihrem Vortrag einen Blick auf zwei Pluto-Zyklen werfen, also die Entwicklung des Ruhrgebiets in den vergangenen 500 Jahren skizzieren. Wie weit reichen die Ursprünge im Ruhrgebiet zurück: Gab es um 1500 herum bereits Kohle-Abbau?

Einer Legende zufolge wurde die Kohle im Ruhrgebiet bereits im 13. Jahrhundert entdeckt, ein Hirtenjunge soll sich abends am Feuer gewärmt haben und fand am nächsten Morgen glühende Kohlestücke in den Überresten seines Lagerfeuers. Ob das stimmt, weiß man nicht. Tatsache jedoch ist, dass die Kohle im südlichen Ruhrgebiet, nämlich am Fluss Ruhr, der dieser Region ihren Namen gab, direkt unter der Erdoberfläche lag und deshalb leicht gefunden und abgebaut werden konnte .
Dank der Erfindung des Buchdrucks ab 1450 existiert ein Bergbau-Fachbuch von Georgius Agricola aus dem 16. Jahrhundert, das eindrucksvoll belegt, wie man damals Bodenschätze gehoben hat.

 

Spitzhake

Mit Schaufel und Spitzhacke?

Nicht ganz, aber natürlich wurden die Bodenschätze, anders als vor 50 Jahren oder heute, nicht mit modernen Maschinen gefördert, sondern mit Schlägel und Eisen, das sind ein Hammer und ein zweites, keilartiges Werkzeug.

Wie beschreiben Sie denn die Entwicklung von damals bis heute vor dem Hintergrund der Pluto-Zyklen?

Innerhalb des ersten Pluto-Zyklus’ – das betrifft die Zeit von ca. 1500 bis 1750 – fühlte man sich noch eingebettet in ein großes Ganzes. Und man konnte dank fehlender Mittel die Kohle, die ca. 200 bis 300 Meter tief unter der Erde lag, nicht abbauen. Mit der Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert verfügte der Mensch über die nötige Technologie. Parallel zu diesen und anderen Erfindungen verbreitete sich "la lumière", das Licht der Aufklärung. Mit ihrem Diktat der Vernunft, ihrem Rationalismus und der Säkularisierung ging die gefühlte Einheit der Menschen mit der Natur verloren. Auch diese Entwicklung ebnete letztlich den Weg in den Kapitalismus: Wenn du keine Ehrfurcht mehr vor der Erde hast, kannst du sie ja auch gewissenlos ausbeuten.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert erlebte diese Region dann einen umfassenden Wandlungsprozess.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war das Ruhrgebiet eine ländliche Agrar-Region mit wenigen Städten wie etwa Duisburg, Essen oder Dortmund. Ansonsten gab`s ein Bauerndorf neben dem anderen, Felder, Wälder, Wiesen. Alles grün, alles Natur. Nachdem um 1832 herum in Essen zum ersten Mal die Kohle in einer Tiefe von 200 Metern erreicht wurde, hat sich innerhalb von 40, 50 Jahren das Ruhrgebiet entwickelt und wurde zum größten industriellen Zentrum Europas. Eine unglaublich rasante Geschwindigkeit!

 

Wo stand Pluto, als das Ruhrgebiet zum größten industriellen Zentrum Europas wurde?

Der Beginn des Ruhrgebiets, wie sollte es anders sein, fällt in den Zeitraum mit Pluto im Widder – die Pionierkraft dieses Zeichens, die Entschlossenheit, sich in neue Gebiete vorzuwagen, all das passt sehr gut dazu.

 

Rund hundert Jahre dauerte der wirtschaftliche Aufschwung. Dann, in den 1960er-Jahren, kam das Zechensterben. Es fiel in die Zeit, als Pluto im Zeichen Jungfrau stand.

Der Niedergang des Bergbaus in den sechziger Jahren ging mit einer Pluto-Uranus Konjunktion in Jungfrau einher. In diesen Zeitraum entstanden erste Fragen nach den Hinterlassenschaften der Industrie und der sehr weitreichenden Zerstörung von Landschaft durch zügelloses industrielles Wachstum. Umweltschutz wurde im Ruhrgebiet „erfunden“, man erinnere sich an Willy Brandts Forderung nach einem blauen Himmel über der Ruhr Anfang der 60er- Jahre. Das Ruhrgebiet bewältigt aus meiner Sicht exemplarisch eine Entwicklung, die wir auf der ganzen Welt beobachten können: Es geht um den Verlust der Einheit mit der Natur, um grenzenloses Wachstum und die rücksichtslose Ausbeutung der Natur, mit allen materiellen und auch seelisch-geistigen Folgen für die Menschen - und für die Umwelt. Das ist meines Erachtens ein zentrales Jungfrau-Thema: ökologisches Denken und verantwortungsvolle Nutzung von Ressourcen.

 

Von 1983 bis 1995 stand Pluto im Skorpion. Dort verfügt er, astrologisch gesehen, über eine intensive Kraft, sie kann geballt für Wandel und Neubeginn sorgen.

Man realisierte, dass große und tiefgreifende Veränderungen notwendig sind, um diese Gegend wieder lebenswert zu machen. Während Pluto durch das Zeichen Skorpion wanderte, schuf eine Internationale Bauausstellung, die IBA Emscherpark, viele Voraussetzungen für strukturellen Wandel. Man begann, die stillgelegten Industriegelände neu zu nutzen, die Landschaft zu renaturieren. So entstand in den Jahrzehnten bis heute auf alten Zechen und Stahlwerken ein bunter Mix aus Kulturzentren, Gewerbeparks, Museen und Veranstaltungshallen, alles eingebettet in die Idee eines großen Landschaftsparks mit Freizeitangeboten.

 

Schurenbachhald
Schurenbachhalde in Altenessen mit einer Stahlskulptur des berühmten Gegenwarts-Künstlers Richard Serra.
Foto: Monika Heer

 

Und unter Pluto im Schützen?

Unter Pluto in Schütze verfiel man im Ruhrgebiet auf die aberwitzige und etwas größenwahnsinnige Idee, einen neuen Aufschwung herbeizuführen, indem man den „Pott“ – wie wir Ruhrgebietsmenschen diese Gegend nennen – zur angesagten Tourismus-Region erklärte. Tatsächlich sind die Besucherzahlen in der Region im letzten Jahrzehnt gestiegen, doch spätestens seit Plutos Ingress ins Zeichen Steinbock wird immer deutlicher, dass die Region ohne Fördermittel der Europäischen Union oder aus anderen Quellen den strukturellen Wandel kaum bewältigen kann.

 

Pluto im Wassermann, Pluto in den Fischen – was kommt auf das Ruhrgebiet in den nächsten Jahrzehnten zu?

In meinem Vortrag beim DAV-Kongress werde ich diesem Abschnitt des Pluto-Zyklus’ besondere Aufmerksamkeit widmen, Pluto bewegt sich noch für einige Jahrzehnte durch den vierten Quadranten des Tierkreises, das sind meines Erachtens jeweils Zeiträume, in denen enorm wichtige Entwicklungen vorbereitet werden, die dann unter Pluto im Widder einen nächsten Evolutionssprung generieren. Ich hoffe, dass die geneigten Leser nun neugierig genug geworden sind und nicht nur den Vortrag, sondern den gesamten Kongress Anfang Oktober besuchen.

 

Astrologin Monika Heer

Monika Heer (* 1957) arbeitet seit 1981 als Astrologin und war nach ihrem Studium mehrere Jahre Mitarbeiterin in der Praxis von Dr. Olga von Ungern-Sternberg. Sie unterrichtet Astrologie an ihrem DAV-Ausbildungs¬zentrum in Bochum, das 2001 gegründet wurde. Zuvor organisierte die Historikerin und Ger¬manistin viele Jahre lang Ausstellungen im Ruhrgebiet. Sie schreibt Astrologie-Texte und ist Heilpraktikerin für Psychotherapie.

E-Mail:
Homepage: http://www.astrologos.de/

Fabelhafte Astrologie

Monika Heer hat zusammen mit Thomas Künne das Buch „Fabelhafte Astrologie – 78 Tierkreis-Archetypen zum Leben erwecken“ geschrieben: Es ist vor Kurzem im Chiron-Verlag erschienen (294 Seiten, 24,90 Euro, erhältlich bei www.astronova.de).

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