Stellungnahme des Deutschen Astrologen Verbandes (DAV) zu Pluto
Die bisherige Definition des Begriffs „Planet“ durch die Astronomie beruhte gleichsam heuristisch auf beobachtungsastronomischen Daten. Objekte, die um die Sonne kreisten und genügend groß waren, um mit Hilfe eines Fernrohrs entdeckt zu werden, wurden als „Planeten“ bezeichnet. Kleinere Objekte, deren Entdeckung überhaupt erst im 19. Jahrhundert begann, wurden in Anknüpfung an die Planetendefinition als „Planetoiden“, „Asteroiden“ usw. bezeichnet. Durch die enorme Verfeinerung der Beobachtungsastronomie in den vergangenen Jahrzehnten und durch die Entdeckung zahlloser Objekte sowohl im Asteroidengürtel zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter als auch im Kuipergürtel außerhalb der Umlaufbahn von Neptun, und schließlich durch die Entdeckung des Objektes Xena im Kuipergürtel, das größer ist als Pluto, ist astronomisch nun eine Neudefinition des Begriffs „Planet“ nötig geworden.
Für die Astrologie bleibt das zunächst ohne Folgen. Pluto wird weiterhin in Horoskope eingetragen; diese werden weiterhin im Blick auf das bislang erforschte Bedeutungsumfeld von Pluto – Transformation, Verwandlung unter tiefgreifendem Druck, allgemein weitreichende Veränderung – gedeutet. Wie bisher werden Astrologen auch spezifische Objekte aus dem Asteroidengürtel und dem Kuipergürtel, Ceres, Pallas, Vesta, Juno, Sedna, Quaoar, aber auch die sogenannten Kentauren, Chiron, Pholus usw. und viele andere im Blick auf ihre Deutung und Bedeutung im Horoskop erforschen.
Die Entdeckungen der Beobachtungsastronomie fordern gleichwohl auch die Astrologie zum Nachdenken auf. Bisher gibt es in der Astrologie keinen Konsens darüber, wie weit die Verwendung einzelner (Klein-)Objekte aus dem Asteroiden- und dem Kuipergürtel für die Horoskopdeutung sinnvollerweise betrieben werden sollte. Ganz sicher ist es sinnlos, die Tausende von Objekten, die in den letzten Jahrzehnten entdeckt und deren Bahnelemente berechnet wurden, alle nach bisheriger Weise in der individuellen und mundanen Horoskopdeutung zu verwenden. Aber wo wird eine pragmatische oder grundsätzliche Grenze gezogen? Was ein „Planet“ oder „Kleinplanet“ im astrologischen Sinn ist, ist, wie die neue Planetendefinition in der Astronomie erkennbar werden lässt, sicher ein Stück weit unabhängig von dem, was im astronomischen Sinn „Planet“ heißt. Aber nun wird offenbar, dass auch die Astrologie vor einem Definitionsproblem steht. Zudem fehlt es bislang in der Astrologie an einem Nachdenken darüber, welche astrologische bzw. astropsychologische Bedeutung die „Gürtel“ als solche haben könnten. Asteroiden- und Kuipergürtel mit ihren zahllosen Objekten könnten der Astrologie zeigen, dass die Fixierung auf die Deutbarkeit von Einzelobjekten und Einzelfaktoren nicht ausreichend ist und dass auch nach der astrologischen Deutung und Bedeutung größerer astrophysikalischer Zusammenhänge im Sonnensystem gesucht werden darf.
Dr. Christoph Schubert-Weller
(2005 bis 2011 1. Vorsitzender des Deutschen Astrologen-Verbandes)