Astrologie und Justiz


Astrologie und JustizImmer mal wieder machen Astrologen die Erfahrung, dass Klienten zwar die Dienste in Anspruch nehmen, sich aber anschließend weigern, das vereinbarte Honorar zu zahlen – häufig mit der Begründung, Astrologie sei sittenwidrig. Die Astrologin Silke Mader aus Jamlitz in Brandenburg hat diese Erfahrung gemacht – und sich dagegen gewehrt. Hier ihr Erfahrungsbericht. Wer mit ihr in Kontakt treten möchte, findet ihre Mailadresse am Ende. 

Magdeburger Gerichtsurteil zur Astrologie.

von Silke Mader  

Im Januar 2017 gewann ich in der Revision einen Prozess am Landgericht Magdeburg. Es ging um offene Beratungsgebühren in Höhe von 1700 Euro, welche von meiner Kundin angefochten worden waren mit dem Argument, sie sei zur Astrologie gezielt „verführt“ und zudem von ihrer Psychotherapie abgehalten worden. Insbesondere letzteres Argument verärgerte mich, da ich nahezu täglich Kundinnen darauf hinweise, dass bei bestimmten Konstellationen im Geburtshoroskop (wie z.B. Saturn/Mond oder Saturn/Mars in Konjunktion, Opposition oder Quadrat) Muster aus der Kindheit vorliegen, welche man versuchen kann, therapeutisch aufzulösen. Zudem hatte die Kundin mich damals gezielt über ein spirituelles Beratungsportal im Internet kontaktiert und dann, das Vertragsrecht missachtend, meine private Adresse herausgefunden. Schriftlich aufgefordert, dies zu unterlassen, bat sie so lange, bis sie schließlich erhielt, was sie wollte: Dazu gehörten u.a. mehrmals wöchentlich die Astrouhr auf gute Termine zu prüfen, zwei Reiki-Grade und eine Einführung in die Astrologie, so dass sie sich in der Lage zeigte, selber Horoskope zu lesen.

Vor Gericht vertrat die Kundin, welche in einem Krankenhaus als Sachbearbeiterin tätig ist, jedoch die These, sie sei psychisch krank gewesen und daher nicht geschäftsfähig. Belege für ihre damalige Krankheit gab es nicht, abgesehen von einer Psychotherapie. Der Vorsitzende des DAV, Klemens Ludwig, sowie die Vorsitzende des Tarotverbandes wurden als Zeuginnen von ihr angeführt. Wie sich später herausstellte, waren beide vorab nicht gefragt worden.

Mein Anwalt der ersten Instanz ging eigentlich davon aus, dass das Gericht nur die berechneten Stunden prüfen würde, doch es kam dann anders: Die Richterin des Magdeburger Amtsgerichtes stellte gleich zu Beginn der Verhandlung heraus, dass man die Astrologie heutzutage zwar als Wissenschaft anerkennen könne – man dies aber nicht tun müsse. Sie erkannte in der Ausübung der Astrologie tendenziell einen Verstoß gegen die guten Sitten, da diese ein unmögliches Versprechen impliziere – etwas verspricht, das ihres Erachtens nicht eingelöst werden kann. Sie räumte freilich ein, dass dennoch ein rechtskräftiger Vertrag zwischen der Kundin und mir zustande gekommen war. Besonders sittenwidrig erschien ihr jedoch, dass die Kundin über einen längeren Zeitraum hinweg astrologisch beraten worden war. Eine Anhörung der Kundin oder meiner Person hielt sie nicht für nötig.

Als ich das spätere Urteil las, ahnte ich, wie Sokrates sich gefühlt haben muss, als man ihn zum Schierlingsbecher verurteilte. Meine Belege fanden keine Beachtung, die Kundin wurde hingegen ohne jedes Gutachten einfach als willenloses Opfer dargestellt. Ich erinnerte mich an den Gauklerparagraphen des dritten Reichs, der die Astrologie und das Hellsehen unter Strafe gestellt hatte. Die spätere DDR hatte dieses Gesetz mehr oder weniger übernommen – und das sollte nun tatsächlich wieder in Deutschland gelten?

Für die Revision suchte ich mir daher eine Anwältin, die sich mit Strafrecht auskannte und bereit war, die betrügerische Absicht meiner Kundin zu verstehen. Die Anwältin belegte in der Revision ferner, warum die Kundin als geschäftsfähig eingestuft werden müsse und inwiefern diese mich durch ihre Forderungen unter Druck gesetzt hatte. Dies genügte – das Landgericht Magdeburg folgte unserer Argumentation. Die Astrologie wurde bei der Verhandlung vom Gericht als ein möglicher Weg von vielen beschrieben, den man sich frei wählen könne, um aus einer Lebenskrise herauszufinden. Die Kundin wurde als eine berufstätige und geschäftsfähige Frau eingestuft, die sich den Weg der Astrologie selbstständig gesucht und selbstbewusst ihre Beratungen eingefordert hatte. Um einer Revision der Gegenseite aus dem Weg zu gehen, begnügte ich mich bei der Verhandlung gerne mit einem Vergleich, bei dem die Kundin auch die Gerichtskosten tragen musste.

Abschließend sei jedoch noch Folgendes angemerkt: Hätte ich die Uhr zurückdrehen können, so würde ich mir gut überlegen, den offenen Betrag von der Kundin einzuklagen. Denn die Willkür, der sich ein Astrologe auch heute noch bei Gericht ausgesetzt sieht, ist meines Erachtens viel zu hoch. Auch wenn es wahrscheinlich in den späteren Instanzen immer eindeutiger und fairer wird. Der Stress beginnt bereits mit dem Stirnrunzeln der meisten Rechtsanwälte, die ebenfalls mit der Astrologie wenig oder nichts anfangen können, und diese für Unfug halten.

Aus astrologischer Warte hatte ich im Jahr 2015, als der Ärger begann, zwei Konstellationen, die zumindest für 2015 und 2016 nicht viel Gutes erwarten ließen: Der Neptun saß auf meinem Merkur und aktivierte über längere Zeit das Betrugsthema. Doch vor allem hatte ich einen Saturntransit im Quadrat zur Venus. Anfang 2017, als der Saturn dann weiter lief und der Jupiter ein Trigon zu meiner Sonne im Berufshaus bildete, bekam ich vor Gericht Recht. Eben das war meine stille Hoffnung gewesen....

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